Michael Burry, bekannt durch seine Short-Wette zur Finanzkrise 2008, warnt vor einem sich selbst verstärkenden Bitcoin-Crash. Der Starinvestor skizziert in einem neuen Beitrag das Szenario einer Todesspirale bei Bitcoin, die bei einem Rutsch unter die 70.000-US-Dollar-Marke beginnen könnte, und ab einem Niveau von unter 50.000 US-Dollar sogar die Mining-Unternehmen in die Insolvenz treiben soll.

Mr. Big Short Bitcoin?

„Mr. Big Short“ aka Michael Burry positioniert sich schon seit längerer Zeit als Bitcoin-Kritiker. Zuletzt betonte er in einem Podcast-Interview, das im Dezember 2025 erschien, dass BTC „keinen Wert“ habe. Dabei zog er auch einen Vergleich zur Tulpenmanie der 1630er-Jahre und bezeichnete einen BTC-Kurs von 100.000 US-Dollar als lächerlich.

Ich finde, dass Bitcoin bei 100.000 US-Dollar das Lächerlichste überhaupt ist. [...] Es ist nichts wert. [...] Es ist die Tulpenzwiebel unserer Zeit.
Michael Burry in einem Podcast aus Dezember 2025

Nachdem der Bitcoin-Kurs inzwischen mehr als 40 % unter dem Allzeithoch handelt und wieder auf dem tiefsten Niveau seit November 2024 gefallen ist, gab Burry nun eine neue Einschätzung zum Bitcoin-Markt ab.

Dabei kommt er zunächst zu dem Fazit, dass sich BTC in der aktuellen Situation nicht als Schutz vor der Geldentwertung etablieren konnte. Anders als bei Edelmetallen handele es sich bei BTC laut Burry nämlich um ein rein spekulatives Anlageobjekt.

Das Aufkommen von Bitcoin-Spot-ETFs habe, so Burry, diesen Spekulationscharakter nur noch weiter verstärkt und die starken Zuflüsse seien kein Anzeichen einer tatsächlichen Akzeptanz, sondern vorübergehend. Bitcoin habe keinen inneren Wert und keine breitere Nutzbarkeit, so Burry.

Überdies glaubt er sogar, dass der Bitcoin-Crash auch einen Faktor bei dem jüngsten Einbruch von Gold und Silber gespielt haben könnte – und zwar dadurch, dass Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt worden seien und dazu gezwungen wurden, profitable Positionen zu schließen, um ihre Risiken zu reduzieren.

Es sieht so aus, als wären am Monatsende aufgrund fallender Krypto-Preise Edelmetalle im Wert von bis zu 1 Milliarde US-Dollar liquidiert worden.
Michael Burry in seinem neuen Beitrag

Bei Bitcoin selbst warnt Michael Burry jetzt aber sogar vor einer Art Todesspirale, die vor allem dadurch entstehen soll, dass fallende Kurse gewisse Entitäten unter Druck bringen, die dann zu Verkäufern werden, was den Preis der Kryptowährung nur noch weiter fallen lassen dürfte.

Erschreckende Szenarien sind nun in greifbare Nähe gerückt.
Michael Burry in seinem neuen Beitrag

Ab 70.000 US-Dollar: Verschlossene Kapitalmärkte

Laut Burry könnte es ab einem Kursrutsch unter 70.000 US-Dollar zu Problemen bei börsennotierten Bitcoin-Haltern kommen, weil diese dann auf großen, unrealisierten Investitionsverlusten in Milliardenhöhe sitzen würden.

Dabei macht er darauf aufmerksam, dass inzwischen rund 200 Aktiengesellschaften Bitcoin halten. Eine davon, auf die er besonderes Augenmerk legt, ist Strategy (ehemals MicroStrategy). Das Unternehmen besitzt nämlich 713.502 BTC, die aktuell rund 50 Milliarden US-Dollar wert sind.

Bei einem aktuellen Bitcoin-Kurs von circa 72.000 US-Dollar ist Strategy jetzt schon im Minus. Der durchschnittliche Einkaufskurs des im Jahr 1989 gegründeten Business-Intelligence-Software-Unternehmens liegt nämlich bei 76.052 US-Dollar.

Konkret soll es, so Burry, Unternehmen wie Strategy ab einem Bitcoin-Kurs unter 70.000 US-Dollar schwieriger werden, neues Kapital einzusammeln, was sich dann in höheren Zinskosten bei Anleihen oder höheren Dividenden bei Vorzugsaktien widerspiegeln würde.

Diese „verschlossene Kapitalmärkte“ für Bitcoin-Halter dürften zuerst dazu führen, dass die Kapitalaufnahme ins Stocken gerät, wodurch sich der Kurs der Kryptowährung aufgrund des wegfallenden Kaufdrucks noch schwerer tun könnte.

Ab 60.000 US-Dollar: Höhere Wahrscheinlichkeit für Verkäufe

Ab einem Kurs von 60.000 US-Dollar würde es laut Burry dann aber zu akutem Stress bei diesen sogenannten „Bitcoin Treasury Companies“ kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin-Halter wie Strategy dann sogar verkaufen müssen, ist in Michael Burrys Szenario dann deutlich erhöht.

Aber alleine schon die Sorge vor einem solchen Szenario könnte zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung werden, warnt Burry. Sollte nämlich lediglich zunehmend eingepreist werden, dass Strategy Teile der Bilanz verkaufen muss, dann dürfte dies schon in niedrigeren Bitcoin-Kursen resultieren.

Burry betont, dass Treasury-Assets nicht zwangsläufig etwas Permanentes seien und er erklärt, dass Risikomanager ihren Unternehmen bei einem weiter fallenden Bitcoin-Preis verstärkt zum Verkauf raten würden.

Ab 50.000 US-Dollar: Insolvenzen bei Mining-Unternehmen

Unter einem Bitcoin-Kurs von 50.000 US-Dollar sieht Burry sogar die Gefahr, dass immer mehr Bitcoin-Mining-Unternehmen ihre Pforten schließen müssen. Das Geschäftsmodell dieser ist nämlich stark vom Bitcoin-Kurs abhängig, da sie ihre Umsätze in BTC erhalten.

Laut Burry bestehe dann auch Risiko, dass Miner ihre Bitcoin-Rücklagen verkaufen müssen, um ihre Kosten stemmen zu können – insbesondere, wenn dabei Hebel im Spiel ist. Mining-Unternehmen sitzen in ihrer Gesamtheit auf einer sechsstelligen Bitcoin-Anzahl.

Abschließend schreibt „Mr. Big Short“, dass es nichts geben würde, was den Abstieg von Bitcoin zwangsweise aufhalten sollte.

Es gibt keinen organischen Anwendungsgrund dafür, dass Bitcoin seinen Abstieg verlangsamen oder stoppen sollte.
Michael Burry in seinem neuen Beitrag

Ein realistisches Szenario?

Michael Burry gibt zwar klar zu verstehen, dass er von Bitcoin nicht viel hält, doch mit seiner neuen Analyse lehnt er sich auch nicht allzu sehr aus dem Fenster. Diese ist nämlich klar an Bedingungen geknüpft, die laut Burry selbst nicht so eintreten müssen. Er sagt nicht, dass es so kommen muss.

Dass es in einem Markt wie bei Bitcoin bestimmte Risiken für Kaskadeneffekte gibt, ist zudem keine Neuigkeit. In den vergangenen Bitcoin-Bärenmärkten war dies bereits prominent beobachtbar, als beispielsweise im Jahr 2022 mehrere Krypto-Firmen – darunter FTX, Celsius und Blockfi – kollabierten.

„Bitcoin Treasury Companies“ sind ein potenzieller Risikofaktor, da einige dieser Unternehmen Fremdkapital aufgenommen haben, um Bitcoin zu kaufen. Tatsächlich haben vereinzelt schon Unternehmen ihre Bitcoin-Bestände wieder verkaufen müssen: 

Sequans aus Frankreich reduzierte die Bitcoin-Bilanz beispielsweise von 3.234 auf 2.139 BTC, um Schulden tilgen zu können. Ähnliches war bei Satsuma Technology aus dem Vereinigten Königreich zu beobachten. Das Unternehmen verkaufte 579 der 1.199 BTC – ebenfalls, um Wandelanleihen zu bedienen. 

Auch GameStop scheint die gesamten 4.710 BTC wieder veräußert zu haben, wie durch On-Chain-Daten kürzlich ersichtlich wurde. Eine offizielle Bestätigung steht zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch aus.

Ob es zu einer regelrechten Kaskade kommen wird, bei der sogar Strategy zum Verkauf gezwungen sein wird, wird die Zukunft zeigen müssen. Aktuell hat Strategy sogar eine Cash-Reserve in Höhe von 2,25 Milliarden US-Dollar, mit der sichergestellt werden soll, dass allen Zahlungsverpflichtungen für einige Monate nachgekommen werden kann.

Außerdem navigierte Strategy bereits s durch einen Bitcoin-Bärenmarkt – und zu dieser Zeit war das Unternehmen mit der Bitcoin-Investition mehr als 50 % im Minus und hatte eine weit anfälligere Bilanz als aktuell. Damals saß Strategy beispielsweise auf einem mit Bitcoin besicherten Kredit, bei dem es einen „Margin Call“ hätte geben können.

Auch die sogenannte „Miner Kapitulation“, vor der Burry warnt, wird regelmäßig ins Spiel gebracht – unter anderem alle Jahre wieder kurz vor den Bitcoin-Halvings. Doch bei fallendem Bitcoin-Kurs scheiden schlecht aufgestellte Miner einfach aus, was dazu führt, dass es für die soliden Unternehmen aufgrund der Schwierigkeitsanpassung weiterhin rentabel bleibt.

Eine Bereinigung des Marktes ist letztlich nichts, was neu im Bitcoin-Kosmos wäre. Tatsächlich würden viele Bitcoin-Halter dies sogar begrüßen, damit das Fundament für weiteres Wachstum gesünder ist – selbst wenn das zeitweise niedrigere Kurse bedeuten könnte.

Die Bitcoin-Geschichte hat eindrucksvoll gezeigt, dass jede Abwärtsspirale bislang ihr Ende gefunden hat und wenig später wieder neue Allzeithochs erreicht wurden. Das liegt daran, dass sich das Asset immer weiter verbreitet und die Nachfrage schlichtweg nicht abreißt.

Anders als Burry behauptet, erfüllt Bitcoin nämlich unzählige Nutzen, die dazu führen, dass es zunehmende Nachfrage danach gibt – wenn auch in Zyklen. Ob es aber erst einmal noch mehrere Etagen nach unten gehen muss, bevor sich der Siegeszug der Anlageklasse weiter fortsetzt, muss letztlich die Zukunft zeigen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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