Die japanische Aktiengesellschaft Metaplanet hat heute bekannt gegeben, eine neue Vorzugsaktie namens „MERCURY“ auf den Markt zu bringen. Circa 150 Millionen US-Dollar wird das Unternehmen so zu Beginn einsammeln. Zudem plant Metaplanet die Ausgabe einer weiteren Vorzugsaktie mit dem Namen „MARS“. Nach Strategy und Strive ist Metaplanet die dritte „Bitcoin Treasury Company“, die auf die Ausgabe von Vorzugsaktien setzt. Mit diesen Kreditinstrumenten können die Aktiengesellschaften auch bei niedrigen Unternehmensbewertungen weiter BTC kaufen.

Metaplanets Reaktion auf den Crash

Schon Anfang September verkündete Metaplanet, dass die Aktionäre der Ausgabe von Vorzugsaktien zugestimmt haben. Als in den Wochen darauf die Marktkapitalisierung des Unternehmens unter den Wert der Bitcoin-Bilanz fiel (mNAV von unter 1 x), rechneten viele Marktbeobachter damit, dass diese festverzinslichen Wertpapiere jetzt emittiert werden, damit Metaplanet auch bei einer niedrigen Unternehmensbewertung weiter Bitcoin kaufen kann.

Bis dato setzte das „japanische MicroStrategy“ nämlich in erster Linie auf die Ausgabe von Stammaktien für Bitcoin-Käufe, was ab einem mNAV – (Unternehmenswert + Schulden) / Wert der Bitcoin-Bilanz – von unter 1 x nicht mehr möglich ist, ohne die Aktionäre zu verwässern beziehungsweise die Ratio „BTC je Aktie“ zu reduzieren. Nachdem die Metaplanet-Aktie seit dem Hoch im Mai um mehr als 80 % gefallen war, stellte es die Bitcoin-Käufe erst einmal ein.

Zur Überraschung vieler verkündete Metaplanet vorerst jedoch, jetzt eine Kreditfazilität von bis zu 500 Millionen US-Dollar zur Verfügung zu haben. Diese Kredite sind mit Bitcoin besichert und das Fremdkapital soll in die Vergrößerung der Bitcoin-Bilanz oder in den Rückkauf eigener Aktien fließen. Metaplanet beschaffte sich bereits am 31. Oktober 100 Millionen US-Dollar über diese Kreditfazilität, doch bis heute ist unklar, wofür dieses Geld Verwendung fand.

In der vergangenen Woche erschien dann noch ein Bloomberg-Artikel, laut dem die japanische Börse (JPX) Maßnahmen prüfe, um das Wachstum von „Treasury Companies“ einzudämmen. Dabei ging es unter anderem darum, stärkere Kontrollen einzuführen. Metaplanet betonte in Reaktion, dass keine Ermittlungen gegen das Unternehmen laufen würden und man mit der JPX für einen konstruktiven Regulierungsrahmen zusammenarbeiten wolle.

Laut den Quellen von Bloomberg haben drei japanische Aktiengesellschaften aufgrund des Pushbacks der JPX ihre Pläne, mit der Akkumulation von Kryptowährungen im großen Stil zu beginnen, auf Eis gelegt. Auch wenn es sich dabei nicht um Metaplanet handeln dürfte, da es vom Start von Krypto-Käufen die Rede war, gab es die letzte Bitcoin-Kaufsverkündung von Metaplanet am 1. Oktober, was zu Spekulationen führte, dass Maßnahmen der JPX der Grund sein könnten.

Bitcoin-Strategie geht in die nächste Runde

Am heutigen Donnerstag verkündete Metaplanet schließlich, eine neue Vorzugsaktie herauszugeben. Das Unternehmen verkauft für circa 150 Millionen US-Dollar „MERCURY“-Aktien an institutionelle Investoren. Die Zuteilung der „MERCURY“-Aktien ist bereits abgeschlossen. Das Geld soll am 29. Dezember gezahlt werden.

Zu einem späteren Zeitpunkt sei zudem die Notierung von „MERCURY“ an einer Börse geplant, so Dylan LeClair, der bei Metaplanet in die Bitcoin-Strategie involviert ist.

Die ursprüngliche Emission im Wert von rund 150 Millionen US-Dollar wurde institutionellen Anlegern über eine Drittplatzierung zugeteilt und soll als Finanzierungsrunde vor dem Börsengang dienen.
Dylan LeClair, Leiter der Bitcoin-Strategie bei Metaplanet

„MERCURY“ zahlt eine Dividende in Höhe von 4,9 % – ausgehend von der Liquidationspräferenz von 1.000 Yen – und kann in einem Verhältnis von 1:1 in die Stammaktie umgetauscht werden, was ökonomisch sinnvoll ist, wenn die Metaplanet-Aktie über 1.000 Yen steigt. Momentan kostet eine Stammaktie (Ticker 3350) 387 Yen.

Heute haben wir MERCURY vorgestellt, unsere neue unbefristete Vorzugsaktie der Klasse B. 4,9 % feste Dividende. Wandlungspreis von 1.000 Yen. Ein neuer Schritt zur Skalierung der Bitcoin-Treasury-Strategie von Metaplanet.
Simon Gerovich, CEO von Metaplanet

Damit ist „MERCURY“ das Äquivalent zur ersten Vorzugsaktie von Strategy, STRK. Beide Kreditinstrumente haben eine unendliche Laufzeit und eine Umwandlungsoption in die Stammaktie.

Strategy emittiert neue Vorzugsaktien direkt am Markt (At-the-market offering; ATM). Es ist davon auszugehen, dass Metaplanet nach der Börsennotierung ebenfalls neue „MERCURY“-Aktien in den Markt hinein verkaufen wird, wodurch das Unternehmen trotz niedriger Unternehmensbewertung kontinuierlich weiteres Kapital für Bitcoin-Käufe einnehmen könnte.

STRK von Strategy zahlt ausgehend von der Liquidationspräferenz von 100 US-Dollar eine Dividende von 8 % und kann in dem Verhältnis von 10:1 in die Stammaktie (MSTR) eingetauscht werden – ab einem Kurs von 1.000 US-Dollar. STRK handelt inzwischen nur noch bei etwas mehr als 76 US-Dollar, womit die effektive Dividendenrendite bei circa 10,5 % liegt.

Da „MERCURY“ noch nicht frei am Markt handelt, ist unklar, wie hoch die tatsächliche Dividendenrendite ist. Es ist jedoch gut vorstellbar, dass diese geringer ausfallen wird als bei Strategys STRK. Das Zinsniveau in Japan ist nämlich deutlich niedriger als das in den USA und die Option zur Umwandlung in die Aktie dürfte als deutlich wertvoller angesehen werden – aufgrund der geringeren Distanz zum Umwandlungskurs und des besseren Eintauschverhältnisses.

Metaplanet gab heute zudem bekannt, eine weitere Vorzugsaktie namens „MARS“ herausgeben zu wollen. „MARS“ soll eine variable, monatliche Dividende zahlen, in der Kapitalstruktur über „MERCURY“ stehen und keine Umwandlungsoption in die Stammaktie mit sich bringen.

Durch die Anpassung der monatlichen Dividendenbeträge an die Marktpreisbedingungen zielt MARS darauf ab, das Kursverhalten zu stabilisieren und Anlegern stabile Ausschüttungen zu bieten. Die Minimierung der Volatilität unterstützt eine anhaltende Nachfrage von Anlegern, die auf der Suche nach stabilen Dividendenrenditen sind.
Aus der Pressemitteilung

Damit wäre „MARS“ das Äquivalent zu STRC von Strategy. Eine solche Vorzugsaktie soll weniger starken Schwankungen unterliegen und eine Alternative zu Geldmarktfonds sein. Die US-amerikanische „Bitcoin Treasury Company“ Strive emittierte jüngst ihre erste Vorzugsaktie SATA, die ebenfalls eine STRC-Kopie ist – mit einer höheren Dividendenrendite. Strive nahm so rund 160 Millionen US-Dollar ein. Weitere Einzelheiten zu Metaplanets „MARS“ gilt es zum aktuellen Zeitpunkt noch abzuwarten.

Vorzugsaktien für den Bärenmarkt

Während der Bitcoin-Kurs in dieser Woche unter 90.000 US-Dollar gefallen ist und damit rund 30 % vom Allzeithoch entfernt handelt, befinden sich „Bitcoin Treasury Companies“ schon seit geraumer Zeit im Bärenmarkt. Die meisten dieser Unternehmen handeln bei einem mNAV von unter 1 x und sogar beim Branchenführer Strategy liegt momentan die Marktkapitalisierung unter der Bitcoin-Bilanz.

Aufgrund dieser eher schlechten Marktbedingungen für die Unternehmen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, so viele BTC wie möglich zu kaufen, fällt ein relevanter Anteil der Kaufnachfrage der vergangenen Monate weg. Strategy kaufte vor einem Jahr noch teilweise mehr als 50.000 Bitcoin pro Woche – in den vergangenen Wochen waren es meist „nur“ wenige Hundert.

Vorzugsaktien kristallisieren sich in diesem Umfeld als geeignete Kapitalbeschaffungsmethode für „Bitcoin Treasury Companies“ heraus. Die Vorteile: Anders als bei (Wandel-)Anleihen gibt es keinen Zeitpunkt, zu dem das Geld zurückgezahlt werden muss. Dafür fallen Dividenden an, die theoretisch auch ausgesetzt werden könnten. Strategy plant, die Dividenden mit der Ausgabe von Stammaktien zu finanzieren.

Metaplanet hat momentan eine Schuldenquote von rund 4 %, während Strive vor der Ausgabe der SATA-Vorzugsaktie gar keine Schulden hatte. Mit diesen Kreditinstrumenten können die Unternehmen also Bitcoin bei niedriger Unternehmensbewertung kaufen und einen intelligenten Hebel aufbauen. Die Bilanz von Strive und Metaplanet lässt diese Kapitalaufnahme also durchaus zu.

Strategy kaufte in der vergangenen Woche 8.178 weitere Bitcoin für 835,6 Millionen US-Dollar – einzig und allein durch die Ausgabe von Vorzugsaktien. Dabei kamen 703,9 Millionen US-Dollar durch das IPO der Vorzugsaktie STRE, die für den europäischen Markt gedacht ist, und der Rest durch das ATM-Programm bei den bereits an der Börse notierten Vorzugsaktien STRC, STRK und STRF.

Ob Metaplanet die Erlöse dann auch direkt für den Ausbau der Bilanz, auf der sich momentan 30.823 BTC im Gegenwert von mehr als 2,8 Milliarden US-Dollar befinden, einsetzen wird, gilt es noch abzuwarten. Der Plan ist, circa 100 Millionen US-Dollar für Bitcoin-Käufe und den Rest für das Einkommensgeschäft durch Bitcoin-Derivate und die Rückzahlung einer Anleihe zu verwenden.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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