Metaplanet: Japanisches MicroStrategy im Höhenflug
Metaplanet, ein japanisches Hotelunternehmen, das im April 2024 bekannt gegeben hat, eine Bitcoin-Strategie zu starten, geht gerade regelrecht durch die Decke.
Im Jahr 2024 war die Metaplanet-Aktie bereits die mit der weltweit höchsten Rendite (2.629 %). Seit Jahresauftakt geht dieser Erfolgskurs munter weiter. Gestern alleine legte die Aktie um mehr als 100 % zu, womit sie sich seit Jahresauftakt zwischenzeitlich versiebenfacht hat.
Gründe für die derzeitige Kursrally des „japanischen MicroStrategy“ sind neben dem Bitcoin-Kurs, der jüngst ein neues Allzeithoch erreicht hat, und den immer größer werdenden BTC-Käufen des Unternehmens augenscheinlich auch ein „Short Squeeze“.
Erfolgreiche MicroStrategy-Kopie
Bevor das Unternehmen sich dazu entschieden hat, das Playbook von Strategy (ehemals MicroStrategy) zu übernehmen, hatte es eine Marktkapitalisierung von circa 15 Millionen US-Dollar. Das japanische Hotelunternehmen wurde von der Coronapandemie stark getroffen – es besaß nur noch ein Hotel.
Heute hält Metaplanet 7.800 Bitcoin im Gegenwert von mehr als 800 Millionen US-Dollar – bei gerade einmal 12,17 Millionen US-Dollar an Schulden. Der Wert der Bitcoin ist in etwa 56 Mal so hoch wie die Marktkapitalisierung des Unternehmens vor der Bitcoin-Strategie.
Metaplanet hat den beträchtlichen Bitcoin-Bestand primär durch die Mittel ausgebaut, die sich das Unternehmen durch die Ausgabe neuer Aktien beschafft hat – und zwar durch eine Art „Workaround“, da es an den japanischen Kapitalmärkten nicht direkt möglich ist, neue Unternehmensanteile direkt in den Markt hineinzugeben, so wie es Strategy derzeit tut.
In den vergangenen Wochen nahmen die Bitcoin-Käufe regelrecht an Fahrt auf. Das hat auch einen Grund: Ein hoher Aktienkurs beziehungsweise ein hoher Aufschlag der Unternehmensbewertung gegenüber den gehaltenen Bitcoin führt dazu, dass durch die Aktienausgabe finanzierte Bitcoin-Käufe die Ratio „BTC je Aktie“ stärker steigern können.
Aktuell ist Metaplanet mehr als viermal so viel wert wie die gehaltenen Bitcoin. Bei Strategy liegt dieses Premium momentan nur bei 2. Das höhere Premium rechtfertigt sich unter anderem dadurch, dass die „Bitcoin Yield“ seit Jahresauftakt bei sage und schreibe 189,1 % liegt, was bedeutet, dass eine Aktie fast dreimal so viele Bitcoin repräsentiert wie zum 1. Januar 2025. Strategy konnte seit Jahresauftakt „nur“ eine „Bitcoin Yield“ von 16,3 % erwirtschaften, was aber dem geschuldet ist, dass der „First Mover“ bereits einen viel größeren BTC-Bestand hält.
Dass Metaplanet die Bitcoin-Strategie so erfolgreich kopiert hat, liegt unter anderem daran, dass es für japanische Investoren deutlich lukrativer ist, Aktien zu handeln, als Bitcoin zu kaufen. Denn während beim direkten Kauf von Bitcoin Steuern von bis zu 55 % anfallen können, sind Aktiengewinne unter bestimmten Umständen sogar steuerfrei. Darüber hinaus sind in Japan derzeit auch noch keine Bitcoin-Spot-ETFs handelbar.
Außerdem bringt der Metaplanet-CEO Simon Gerovich eine Menge an Finanzmarkterfahrungen mit. Gerovich arbeitete früher bei der Großbank Goldman Sachs als Aktienderivate-Trader. Mit Dylan LeClair ist außerdem ein renommierter Bitcoin-Analyst in die Strategie involviert. Sogar Eric Trump, Sohn des US-Präsidenten, ist dem Unternehmen vor Kurzem als Berater beigetreten.
Short Squeeze treibt den Kurs an?
Am gestrigen Tag machte Gerovich auf der Plattform 𝕏 darauf aufmerksam, dass viele bei der Metaplanet-Aktie auf fallende Kurse setzen – auch wenn die von ihm gezeigten Daten mehrere Wochen alt waren.
Anscheinend ist Metaplanet die am meisten geshortete Aktie in Japan. Glauben sie wirklich, dass es eine erfolgreiche Strategie ist, gegen Bitcoin zu wetten?
Simom Gerovich, Metaplanet-CEO
Beim Short-Trading beziehungsweise beim Leerverkauf von Aktien setzen Trader auf fallende Kurse. Dafür leihen sie sich Aktien und verkaufen diese in der Hoffnung, sie günstiger zurückbekommen zu können.
Das Problem an dieser Strategie: Wenn der Kurs stark steigt, müssen die Trader die Aktien zu hohen Kursen zurückkaufen, was den Preis einer Aktie nur noch weiter anfachen kann.
Apparently Metaplanet is the most shorted stock in Japan. Do they really think betting against Bitcoin is a winning strategy? pic.twitter.com/SAKsOMO4MX
— Simon Gerovich (@gerovich) May 21, 2025
Beim Unternehmen GameStop, das mittlerweile auch bekannt gegeben hat, eine Bitcoin-Strategie zu starten, sorgte vor mehreren Jahren ein sogenannter „Short Squeeze“ für eine Vervielfachung des Aktienkurses, der einige Hedgefonds deutlich unter Druck gebracht hat.
Da die Aktie von Metaplanet derzeit einer starken Volatilität unterliegt, wurde der Handel an der Börse in Tokio mehrfach ausgesetzt. Diese Unterbrechungen stehen im Einklang mit den Regeln der Tokio Stock Exchange (TSE), die dazu gedacht sind, extreme Bewegungen zu kontrollieren.
Diese Handelsbeschränkungen haben die Leerverkäufer jedoch in eine schwierige Lage gebracht. Da die Metaplanet-Aktie so stark steigt, steht eine beträchtliche Anzahl von Short-Tradern nun unter großem Druck. Die begrenzte Liquidität an der Tokioter Börse aufgrund der Handelsunterbrechungen zwingt diese Leerverkäufer, alternative Handelsplätze zu suchen, um ihre Positionen zu decken.
Dies hat zu einem Wettlauf um die Aktien an internationalen Börsen geführt, an denen Metaplanet ebenfalls notiert ist – unter dem Ticker DN3 oder MTPLF. Diese Märkte bieten jedoch eine deutlich geringere Liquidität als die TSE, was bedeutet, dass Leerverkäufer jetzt mit globalen Investoren um ein begrenztes Angebot an Aktien konkurrieren – was den Preis weiter angefacht hat.
Außerdem dürfte es zu der Kursrally von Metaplanet beigetragen haben, dass sich der japanische Anleihemarkt derzeit unter Druck befindet. Dies wird dadurch deutlich, dass die Rendite der japanischen Staatsanleihen momentan so hoch ist, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Andersherum bedeutet dies, dass die Kurse der Anleihen fallen, wodurch sich Investoren zunehmend nach anderen Investitionen umsehen dürften.
Bitcoin-Unternehmen schocken die Börsen
Metaplanet ist eine von mehreren sogenannten „Bitcoin Treasury Companies“, die sich zum Ziel gesetzt haben, so viele Bitcoin wie möglich zu kaufen und sich dafür die Kapitalmärkte zunutze zu machen. Dem First Mover Strategy ist es so beispielsweise gelungen, seit dem Start der Bitcoin-Strategie alle Aktien im S&P 500 alt aussehen zu lassen. Nachahmer gibt es mittlerweile in Indien (Jetking), Brasilien (Méliuz) und sogar in Europa (The Blockchain Group).
Dass sich die Kurse dieser Aktien so stark entwickeln, führt dazu, dass sie durch die Ausgabe neuer Unternehmensanteile immer weiter Bitcoin kaufen können, was wiederum den Preis der bedeutendsten Kryptowährung in die Höhe treibt. Ob ein weiterer „Short Squeeze“ bei Metaplanet oder anderen Unternehmen diesen Mechanismus weiter ankurbeln wird, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Das Gute an der Situation: Eine hohe Unternehmensbewertung rechtfertigt sich durch eine höhere „Bitcoin Yield“ mit der Zeit von selbst.
Bitcoin als begrenztes Asset profitiert von dem derzeitigen Wettlauf der Unternehmen. Sollten die Unternehmen jedoch irgendwann dazu gezwungen sein, ihre Bitcoin zu verkaufen, könnte dies den Bitcoin-Kurs unter Druck bringen. Dies ist aufgrund der niedrigen Schuldenquoten von Strategy und Metaplanet vorerst unwahrscheinlich.
Die Aktien von „Bitcoin Treasury Companies“ sind – obwohl sie Bitcoin deutlich outperformen können – kein Ersatz für ein direktes Bitcoin-Investment. Nicht nur ist die Fallhöhe größer, sondern Eigenverwahrung und Konfiszierungssicherheit sind nicht gegeben. Außerdem muss man der Unternehmensführung vertrauen – und Bitcoin wurde gerade genau dafür erfunden, niemandem mehr vertrauen zu müssen.