Nachdem lange unklar war, wie die „Bitcoin Treasury Company“ Metaplanet weiter verfahren wird, gab es heute zum ersten Mal seit dem 1. Oktober 2025 wieder eine BTC-Kaufmitteilung. Das „japanische MicroStrategy“ hat weitere 4.279 BTC gekauft und damit die Bitcoin-Bilanz in diesem Jahr fast verzwanzigfacht. Die Aktie handelt derweil 90 % unter dem Höchststand des Jahres.

Drei Monate mit Unklarheit

In den vergangenen Monaten ist es um Metaplanet verhältnismäßig ruhig geworden. Im September beschaffte sich die japanische Aktiengesellschaft noch 1,4 Milliarden US-Dollar durch den Verkauf von Unternehmensanteilen an internationale Investoren. Die Erlöse wurden Schritt für Schritt in Bitcoin investiert, wobei der letzte Kauf am 1. Oktober verkündet wurde.

Daraufhin sank die Marktkapitalisierung des Unternehmens erstmals unter den Wert der Bitcoin-Bilanz und das mNAV (Marktkapitalisierung geteilt durch den Nettowert der Bitcoin-Bilanz) erreichte Werte von unter 1 x. Die Reaktion auf diesen Umstand war die Errichtung einer Kreditfazilität von bis zu 500 Millionen US-Dollar, bei der BTC als Sicherheit hinterlegt werden muss.

Metaplanet teilte mit, dass das Geld für Aktienrückkäufe, BTC-Akquisitionen oder das „BTC-Einkommensgeschäft“ genutzt werden soll. Als sich das Unternehmen tatsächlich dieser Kreditfazilität bediente, es aber keine Mitteilungen zu der Verwendung der Mittel gab, wurde spekuliert, was Metaplanet mit dem Geld treibt. Aus offiziellen Dokumenten ging derweil hervor, dass noch keine Aktien zurückgekauft worden waren.

Mitte November erschien dann auch noch ein Bloomberg-Artikel, in dem es hieß, die japanische Börse JPX hätte seit September drei Aktiengesellschaften, die mit dem Kauf von Kryptowährungen starten wollten, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bloomberg berief sich dabei auf Insider. Metaplanet teilte im Zuge dessen mit, dass keine Ermittlungen gegen das Unternehmen laufen würden und man mit der JPX für einen konstruktiven Regulierungsrahmen zusammenarbeiten wolle.

Kurz darauf gab Metaplanet bekannt, mit der Ausgabe von Vorzugsaktien zu starten, und dass bei der ersten, MERCURY, die Zuteilung an institutionelle Investoren schon abgeschlossen sei und das Geld am 29. Dezember gezahlt werde. Mit MARS sei zudem eine weitere Vorzugsaktie geplant.

Da Metaplanet aber selbst seit September keine Bitcoin-Käufe mehr verkündete, blieb die Sorge bestehen, dass sich die Aktiengesellschaft selbst mit Problemen konfrontiert sieht – abgesehen von der niedrigen Unternehmensbewertung. Die heutige Mitteilung bringt jetzt jedoch Licht ins Dunkle.

Großer Bitcoin-Kauf in Q4

Metaplanet gab heute bekannt, 4.279 Bitcoin für 451,06 Millionen US-Dollar gekauft zu haben. Der durchschnittliche Einkaufskurs lag dabei bei 105.412 US-Dollar. Damit stieg der Bitcoin-Bestand des Unternehmens von 30.823 auf 35.102 BTC.

Zuvor verkündete Metaplanet die Bitcoin-Käufe immer recht zeitnah; dieses Mal gebündelt für ein ganzes Quartal. Dennoch ist dadurch nun klar geworden, dass das „japanische MicroStrategy“ fleißig nachgekauft hat – wenn auch zu deutlich höheren Preisen.

Aus einem begleitenden Dokument und der Website geht derweil hervor, wie sich Metaplanet im vierten Quartal Kapital beschaffte, um diesen Kauf finanzieren zu können:

  • 280 Millionen US-Dollar Kreditaufnahme über die neue Kreditfazilität
  • 21,25 Milliarden Yen (~135 Millionen US-Dollar) über die Ausgabe der neuen Vorzugsaktie MERCURY
  • 27,17 Millionen US-Dollar Erträge aus dem „BTC-Einkommensgeschäft“

Das Unternehmen teilte im November bereits mit, dass 100 Millionen US-Dollar von dem Geld, das über die Ausgabe der Vorzugsaktie MERCURY eingenommen wird, für Bitcoin-Käufe verwendet werden sollen. Der Rest sollte in das „BTC-Einkommensgeschäft“ fließen und für die jetzt auch erfolgte Rückzahlung einer Anleihe verwendet werden.

Metaplanet verdient Geld durch den Handel mit Derivaten. Einen Teil der Bilanz setzt das Unternehmen ein, um beispielsweise „cash-covered“ Put-Optionen zu verkaufen, und an der Optionsprämie zu verdienen. Mit diesem „BTC-Einkommensgeschäft“ erzielt Metaplanet signifikante Einnahmen. CEO Simon Gerovich arbeitete früher als Derivate-Trader bei Goldman Sachs.

Gelingt die Erholung?

Bevor das mNAV unter 1 x fiel, beschaffte sich Metaplanet primär Kapital über die Ausgabe neuer Stammaktien – beziehungsweise über den Umweg der „Moving Strike Warrants“, da typische „At-the-market (ATM) Offerings“ in Japan nicht zulässig sind.

Eine niedrige Unternehmensbewertung verunmöglicht aber, durch Kapitalerhöhungen finanzierte Bitcoin-Käufe, die Ratio „BTC je Aktie“ zu steigern. Demnach muss anderweitig Kapital aufgenommen werden, um „BTC Yield“ für die Aktionäre zu erwirtschaften. Momentan liegt Metaplanets mNAV immer noch bei circa 1 x.

Da Metaplanet trotz der signifikanten Erhöhung des Hebels in diesem Quartal nur 280 Millionen US-Dollar an Schulden und rund 135 Millionen US-Dollar an Vorzugsaktien ausstehend hat, bietet die Bilanz noch Raum für weitere Kapitalbeschaffungen. Demgegenüber stehen nämlich mehr als 3 Milliarden US-Dollar an BTC, was einen Hebel von rund 15 % bedeutet – beim Marktführer Strategy liegt der Wert bei circa 27 %.

Sollten die Marktbedingungen für „Bitcoin Treasury Companies“ also kurz- bis mittelfristig nicht deutlich besser werden, ist davon auszugehen, dass Metaplanet vorerst weiterhin auf die Ausgabe von Vorzugsaktien oder die Kreditfazilität setzt, um weitere BTC zu kaufen.

In diesem Jahr erhöhte Metaplanet die BTC-Bilanz von 1.762 auf 35.102 BTC und eine Aktie repräsentiert jetzt mehr als sechsmal so viele BTC wie zum Jahresbeginn. Mit ähnlichen Wachstumsraten sollte wohl kaum gerechnet werden, solange das mNAV nicht wieder auf deutlich höhere Werte steigt.

Auch wenn Metaplanet in diesem Jahr eine starke „BTC Yield“ erwirtschaftete und die Aktie seit Beginn der Bitcoin-Strategie im April 2024 immer noch mehr als 2.000 % im Plus ist, sind die Investoren, die zu den Höchstkursen im Mai eingestiegen sind, rund 90 % unter Wasser.

Trotzdem ist es ein gutes Zeichen, dass die Strategie weiter fortgeführt wird, obwohl die unrealisierten Investitionsverluste derzeit knapp 500 Millionen US-Dollar betragen. Ob Metaplanet künftig immer nur noch einmal im Quartal verkündet, wie viele Bitcoin gekauft wurden, oder ob es wieder – so wie bei Strategy – Mitteilungen in der darauffolgenden Woche gibt, bleibt vorerst noch offen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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