Matt Cole, CEO von Strive, erklärte in einem kürzlich erschienenen Interview, dass Übernahmen im Bereich der „Bitcoin Treasury Companies“ Sinn ergeben können. Hierbei nannte er das konkrete Beispiel eines Zusammenschlusses von Metaplanet und Nakamoto, womit er entsprechende Spekulationen anheizte. Der Merger könne, so Cole, Metaplanet helfen, Vorzugsaktien an der US-Börse zu listen, um aus der schwierigen Lage herauszukommen.

Turbulenzen am Markt für „Bitcoin Treasury Companies“

Die sogenannten „Bitcoin Treasury Companies“, die vor einem Jahr noch einen regelrechten Boom erfahren haben, werden momentan von stark fallenden Aktienkursen unter Druck gesetzt.

Der Abverkauf verschärfte sich in dieser Woche, nachdem das Unternehmen Strategy bekannt gegeben hatte, 32 Bitcoin wieder abgestoßen zu haben. Das war zwar nicht der erste Verkauf des Unternehmens, dafür aber die erste Woche, nach der ein geringerer BTC-Bestand ausgewiesen werden musste – wenn auch nur um 0,004 %.

Einige der börsennotierten Bitcoin-Halter sind derzeit weniger wert als die Bitcoin, die sie auf der Bilanz halten, selbst wenn hierbei die Schulden berücksichtigt werden.

Dieser Umstand verunmöglicht es, neue Stammaktien auszugeben, um Bitcoin zu kaufen, ohne die zentrale Ratio „BTC je Aktie“ zu verschlechtern. Kapitalerhöhungen waren zur Hype-Phase die primäre Geldbeschaffungsmethode der Unternehmen.

Strategy und Strive haben derweil Dividenden zahlende Vorzugsaktien herausgebracht, die sie direkt am Markt verkaufen können, um unabhängiger von dem Kurs der Stammaktie Kapital für Bitcoin-Käufe einsammeln zu können. So gelang es beiden Unternehmen, die BTC-Reserve trotz schlechter Marktbedingungen erheblich zu vergrößern.

Die anderen Unternehmen, die keine solchen Instrumente haben, halten im Großen und Ganzen die Füße still oder kapitulieren tatsächlich, indem sie – so wie etwa Sequans – die Treasury-Strategie komplett wieder einstampfen.

Teilweise ist zudem beobachtbar, dass „Treasury Companies“ wie ProCap Financial Teile ihrer Bitcoin verkaufen, um eigene Aktien zurückzukaufen. Das kann bei einer niedrigen Unternehmensbewertung nämlich positiv für die „BTC Yield“ sein.

Übernahmen, um günstiger an Bitcoin zu kommen

Eine andere Option können Übernahmen beziehungsweise Konsolidierungen sein. Beispielsweise wäre es möglich, dass eine größere „Treasury Company“ eine kleinere schluckt, um günstiger an Bitcoin zu kommen.

Lange wurde spekuliert, dass der Platzhirsch Strategy genau so etwas in einem Bärenmarkt tun könnte. Doch Michael Saylor erklärte mehrfach ausdrücklich, dass dies im Gegensatz zum direkten Kauf von Bitcoin viele Unsicherheiten mit sich ziehen würde.

Die Akquisition eines anderen Unternehmens beansprucht nämlich Zeit für eine Due-Diligence-Prüfung sowie eine Aktionärsabstimmung. Überdies könnten sich dadurch Probleme wie Klagen mit ins eigene Haus geholt werden, wie die Monsanto-Übernahme von Bayer eindrucksvoll gezeigt hat.

Einen größeren Deal dieser Art gab es aber schon im Sektor der „Treasury Companies“. Strive übernahm das angeschlagene Gesundheitsunternehmen Semler Scientific, das 5.048 BTC gehalten hatte. 

Ein Grund für den im Januar dieses Jahres abgeschlossenen Deal, der mit Aktien bezahlt wurde, waren auch die Vorzugsaktienpläne von Strive. Eine größere BTC-Bilanz ermöglicht nämlich, dass mehr solcher Wertpapiere emittiert werden können, was der für die Halter so wichtigen Liquidität zugutekommt.

In einem in dieser Woche veröffentlichten Interview äußerte sich Strive-CEO Matt Cole schließlich zu der Frage, unter welchen Umständen weitere „Merger“ im Markt für „Bitcoin Treasury Companies“ sinnvoll sein können.

Während er es tendenziell eher ausschloss, dass Strive ein zusätzliches Unternehmen kauft, erklärte er, dass es bei anderen „Treasury Companies“ ein Win-win-Szenario sein könnte. Hierbei wählte er das Beispiel eines Mergers von Nakamoto und Metaplanet.

Die Probleme von Nakamoto und Metaplanet

Sowohl Nakamoto als auch Metaplanet sehen sich gerade mit Problemen konfrontiert, die sich laut Cole durch einen Merger potenziell lösen lassen könnten.

Die Nakamoto-Aktie ist seit dem Hoch im Sommer vergangenen Jahres um 99,6 % gefallen, was dazu führte, dass kürzlich 40 Aktien zu einer zusammengelegt wurden, um als „Penny Stock“ nicht von der Nasdaq gedelistet zu werden. Im März verkaufte das von Ex-Trump-Berater David Bailey geführte Unternehmen sogar 284 Bitcoin, um unter anderem Geld für Kreditzinsen aufzutreiben.

Nakamoto hält derzeit 5.064 Bitcoin im Wert von mehr als 330 Millionen US-Dollar. Währenddessen sind knapp 210 Millionen US-Dollar an Schulden ausstehend. Obwohl das Unternehmen nach einem Bitcoin-Verkauf zur Schuldentilgung theoretisch betrachtet noch 120 Millionen US-Dollar an BTC übrig hätte, liegt der Unternehmenswert lediglich bei um die 80 Millionen US-Dollar.

Eine solche Bewertung kann nachvollziehbar sein, wenn vom Markt eingepreist wird, dass die Aktie immer weiter verwässert werden muss, um Betriebsausgaben zu tätigen. Nakamoto übernahm kürzlich zwei Bitcoin-bezogene, unprofitable Unternehmen, in die CEO Bailey involviert ist.

Metaplanet tut sich derweil schwer, Vorzugsaktien an der japanischen Börse zu notieren. CEO Simon Gerovich erklärte neulich in einem Post, dass es in Japan erst sechs gelistete Vorzugsaktien gibt, von denen keine eine unendliche Laufzeit hat. Währenddessen ist es dort üblich, dass die Wertpapiere lediglich jährlich oder halbjährlich ausschütten.

Der japanische Strategy-Nachahmer möchte jedoch ein Äquivalent zu Strategys STRC namens MARS herausbringen, das hochfrequent Dividenden bezahlt, und bei dem das initial eingesammelte Geld nie zurückgezahlt werden muss. Dies dürfte sich demnach als äußerst schwierig herausstellen – nicht zuletzt auch, weil in Japan eine Voraussetzung ist, dass die Dividenden durch nachhaltige Unternehmensgewinne finanziert werden.

Während die geplante Vorzugsaktienstrategie von Metaplanet nicht vorankommt, verlieren die Aktionäre die Geduld. Die Metaplanet-Aktie handelt gerade auf dem niedrigsten Niveau seit Ende 2024 und performte seit Jahresauftakt nicht nur deutlich schlechter als Bitcoin, sondern auch als Strategy und Strive.

Die Idee eines Mergers

Laut Matt Cole könnte es in dem Fall nun Sinn ergeben, dass sich die beiden Unternehmen zusammenschließen, sodass Metaplanet Bitcoin zu einem Abschlag kaufen und Vorzugsaktien über die US-amerikanischen Kapitalmärkte herausbringen kann:

Metaplanet möchte eine Vorzugsaktie in den USA auflegen. Sie haben ein sehr kluges und starkes Team. In Japan war das regulatorische Umfeld bislang nicht besonders günstig, um Vorzugsaktien aufzusetzen. Sie verfügen über eine sehr saubere Kapitalstruktur und eine starke Aktionärsbasis. […] 

Sicher haben sie Pläne, aber aktuell verfügen sie weder über ein operatives Unternehmen in den USA noch über ein börsennotiertes Vehikel dort. Außerdem haben sie keinen etablierten Emittentenstatus in den Vereinigten Staaten.

Vielleicht gibt es aber ein US-Unternehmen, das mit Abschlag gehandelt wird und Schwierigkeiten hat, den gewünschten Wachstumseffekt in Gang zu bringen. Das wird wahrscheinlich Spekulationen auslösen, aber was wäre, wenn Nakamoto und Metaplanet fusionieren würden und Nakamoto anschließend Vorzugsaktien an die Börse bringt?

Würde sich die Stimmung der Aktionäre gegenüber Nakamoto dadurch schnell und deutlich verbessern? Ich denke schon. Gäbe es dann ein US-Börsenvehikel, über das Metaplanet auf natürliche Weise Vorzugsaktien emittieren könnte – und zwar an einer großen Börse wie der Nasdaq statt an irgendeiner unbekannten Nebenbörse? Das könnte funktionieren.

Ergibt das für beide Seiten Sinn? Das weiß ich nicht. Aber kann man sich Szenarien vorstellen, die für beide Unternehmen vorteilhaft wären? Ja.
Matt Cole

Matt Cole fügte jedoch hinzu, dass er keine Insiderinformationen über einen möglichen Deal habe.

Tatsächlich gibt es auch schon Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen. Nakamoto-CEO David Bailey ist ein Berater von Metaplanet.

Außerdem investierten sowohl Nakamoto als auch das inzwischen übernommene Unternehmen UTXO Management in Metaplanet.

Ein realistisches Szenario?

Als ersichtlich wurde, dass Metaplanet Schwierigkeiten hat, Vorzugsaktien an der japanischen Börse notieren zu lassen, kamen vereinzelt schon Gerüchte auf, dass vorerst der Umweg über die US-amerikanischen Kapitalmärkte gegangen werden könnte.

Ein Merger mit Nakamoto wäre demnach naheliegend – unter anderem auch wegen der Verbindung der beiden Unternehmen. Doch selbst Matt Cole ist sich gar nicht sicher, ob es wegen der Unternehmenssitze in verschiedenen Ländern überhaupt ohne Weiteres möglich wäre.

Eine sich aufdrängende Frage wäre zudem, wie mit den operativen Unternehmen von Nakamoto (BTC Inc. und UTXO Management) verfahren werden würde. Strive befindet sich derzeit beispielsweise in dem Prozess, das Gesundheitsgeschäft von Semler Scientific zu veräußern. Dasselbe dürfte bei Nakamoto nicht in Baileys Interesse sein.

Hinzu kommt, dass sich Metaplanet unter dem Strich damit keinen Gefallen tun könnte. Nakamoto hat nämlich nach dem Crash der Aktie, dem Bitcoin-Verkauf sowie der Übernahme der anderen Bailey-Firmen auf Kosten der Aktionäre jegliches Vertrauen der Community verspielt.

Bis auf die Spekulationen von Matt Cole gibt es bislang letztlich keine Anhaltspunkte dafür, dass ein solcher Deal tatsächlich überhaupt nur in Betracht gezogen wird.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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