Ledger Stax
Ledger Stax ist das Premium-Flaggschiffmodell von Ledger mit einem Curved-Display und einer sehr schlanken Form. Ein Testbericht zur Krypto-Hardware-Wallet und ein Vergleich mit den anderen, günstigeren Ledger-Modellen.
Der Ledger Stax, das Flaggschiffprodukt des Ledger-Lineups, wurde Anfang 2024 erstmals ausgeliefert. Die Hardware-Wallet hat ein edles Premium-Design mit einem geschwungenen E-Ink-Display, das sich um die Kante des Geräts zieht.
Mit einem Preis von 399 € ist der Stax nicht nur die teuerste Hardware-Wallet von Ledger, sondern auch eine der teuersten auf dem gesamten Markt. Bekommt man für den satten Aufpreis gegenüber dem Flex (249 €) und dem Nano Gen5 (179 €) wirklich einen Mehrwert oder zahlt man nur für das Design?
Lieferumfang & erster Eindruck
Das Unboxing des Ledger Stax ist ein weitaus besseres Erlebnis als beim Flex oder Nano Gen5.
Die Hochwertigkeit der Hardware-Wallet springt einem direkt ins Auge: Der Mix aus einem stilvollen Aluminium-Rahmen, Kunststoffrückseite und dem geschwungenen Bildschirm wirkt optimal aufeinander abgestimmt. Dazu ist das Gerät extrem dünn und leicht.
Der Stax fühlt sich ziemlich futuristisch an. Das Curved-Display, das sich über die linke Kante des Geräts zieht, ist ein echter Hingucker. Auf der Seitenkante werden der Name des Geräts und der Akkustand angezeigt – wirklich funktionsreich ist das nicht, sieht aber modern aus.
Außerdem ist der Bildschirm größer als bei den anderen Geräten der Ledger-Reihe.
- Deutlich hochwertiger als der Nano Gen5 (Kunststoff vs. Premium-Materialien)
- Eleganter als der Flex wegen des dünnen Designs, auch wenn sich der Flex mit seinem Aluminium-Rahmen bereits wertig anfühlt
- Vergleichbar mit dem OneKey Pro im Hinblick auf Verarbeitungsqualität, der allerdings deutlich günstiger ist
Die beiliegende Schutzhülle ist ebenfalls gut verarbeitet und haftet über Magnete zuverlässig am Gerät. Sie macht den Stax allerdings merklich dicker und schwerer – ein Kompromiss zwischen Schutz und schlankem Profil.
Einrichtung
Der Einrichtungsprozess ist identisch zu Flex und Nano Gen5 und dauert ca. 15 Minuten, sofern man Glück mit den Firmware-Updates hat:
- Firmwareupdates herunterladen
- Geräteintegrität überprüfen mit Genuine Check in der Ledger Wallet App
- PIN vergeben
- 24 Wörter generieren und aufschreiben und überprüfen
- Recovery Key Backup erstellen
Auf dem großen 3,7-Zoll-Display ist die Einrichtung besonders einfach – vor allem im Vergleich zu den älteren Ledger-Geräten oder Konkurrenzprodukten wie der BitBox beziehungsweise älteren Trezor-Modellen. Das Aufschreiben und Bestätigen der Wörter ist dank Touchscreen angenehm schnell und durch das große Display übersichtlich.
Das Update-Problem
Auch beim Stax schlug das bekannte Ledger-Update-Problem zu. Insgesamt sind ca. 30 Minuten nur für Firmware-Updates draufgegangen, weil jede Version einzeln und nacheinander installiert werden muss. Man kann nicht direkt auf die neueste Firmware-Version updaten, sondern muss jede Version einzeln und nacheinander installieren. Wird ein Gerät also mit Version 1.1 ausgeliefert, während die aktuelle Version 1.5 ist, müssen vier Updates hintereinander durchgeführt werden.
Das ist ein deutlicher Negativpunkt, der auch relevant wird, wenn man ein Gerät nach längerer Nichtbenutzung wieder einschaltet. Dieses Problem tritt bei Konkurrenzprodukten in diesem Umfang nicht auf.
Nach den Updates lassen sich die Echtheit des Gerätes mithilfe der App verifizieren und eine 4- bis 8-stellige PIN auswählen.
Anschließend generiert das Gerät 24 Wiederherstellungswörter, die auf den beiliegenden Recovery-Sheets notiert werden können und auf dem Gerät bestätigt werden müssen.
Im Vergleich zu anderen Hardware-Wallets wie der BitBox02, bei der das Bestätigen der Wörter recht mühselig sein kann, geht dieser Prozess beim Stax dank des großen Touchscreens angenehm schnell.
Der Ledger Recovery Key
Nach Generierung der Seed-Phrase bietet das Gerät an, ein Backup auf dem beiliegenden Ledger Recovery Key zu erstellen. Auch das geht schnell und unkompliziert. In der Verpackung ist eine dieser Backup-Karten dabei, man kann aber auch noch zusätzliche dazubestellen.
Der Recovery Key speichert eine verschlüsselte Kopie der 24 Wiederherstellungswörter. Dafür wird auch dort ein Secure-Element mit EAL6+-Zertifizierung verwendet. Um das Backup zu erstellen, hält man die Karte einfach an die Rückseite des Ledger-Geräts und vergibt eine PIN. Die Wiederherstellung funktioniert genauso einfach: Karte an neues Ledger-Gerät halten, PIN eingeben, fertig.
In unserem Test haben wir das Gerät auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und anschließend über den Recovery Key wiederhergestellt. Der Prozess dauerte ca. 3 Minuten bis zur voll funktionsfähigen Wallet. Das funktioniert deutlich schneller, als die Wörter manuell einzugeben.
Der Recovery Key ist kein Ersatz für das klassische Aufschreiben der 24 Wörter, sondern eine Ergänzung – ein digitaler Ersatzschlüssel (ähnlich wie die SD-Karte bei der BitBox02, aber verschlüsselt auf einem Secure-Element). Für diejenigen, die Angst vor dem Verlust ihres handgeschriebenen Backups haben, ist das eine sinnvolle zusätzliche Absicherung.
Ein Recovery Key kostet einzeln 39 € (3er-Pack: 99 €), liegt den aktuellen Geräten der neuen Reihe aber kostenlos bei.
Display & Bedienung
Das 3,7-Zoll-Display des Stax ist das unbestrittene Highlight des Geräts. Es ist eins der größten Displays aller aktuellen Hardware-Wallet-Modelle und zieht sich auch um die linke Kante herum. Im ausgeschalteten Zustand zeigt das Always-On-Display ein frei wählbares Bild.
Das Seitendisplay zeigt den Gerätenamen und den Akkustand an. In der Praxis ist der Mehrwert der Seitenkante aber begrenzt.
Die Touchscreen-Bedienung ist vergleichbar mit dem Flex. Auch hier gilt: E-Ink-typisch etwas langsamer als ein Smartphone, aber für den Anwendungszweck völlig ausreichend. Sound-Feedback ist wie beim Flex vorhanden.
Das Verifizieren von Transaktionen profitiert klar vom größeren Display: Adressen sind noch besser lesbar, und es gibt mehr Platz für die Transaktionsdetails.
Signiergerät
Ledger bezeichnet alle neuen, eigenen Hardware-Wallets konsequent als „Signiergerät“ – und nicht als „Wallet“. Das hilft, den weitverbreiteten Irrglauben zu beseitigen, dass die Bitcoin auf dem Gerät liegen würden; in Wirklichkeit speichert das Gerät nämlich nur die privaten Schlüssel, womit Transaktionen signiert werden können.
Ledger Wallet App (ehem. Ledger Live)
Die Companion-Software heißt seit Ende 2025 „Ledger Wallet“ – und nicht mehr „Ledger Live“. Sie ist für Windows, macOS, Linux sowie iOS und Android verfügbar.
Die Benutzeroberfläche ist grundsätzlich gut aufgebaut und optisch ansprechend. Allerdings hat die App ein Überladungsproblem – für den typischen Bitcoiner sind es zu viele Optionen und Funktionen:
- In der linken Sidebar tummeln sich Funktionen wie „Verdienen“, „Swappen“, „Kaufen“, „Verkaufen“, eine Ledger-Kreditkarte und natürlich auch der Service Ledger Recover. Für Einsteiger ist das eher verwirrend als hilfreich.
Die deutsche Übersetzung ist sowohl auf dem Gerät als auch in der App durchgehend solide. Hier gibt es keine holprigen Maschinenübersetzungen wie bei manchen Konkurrenzprodukten (z. B. OneKey).
Sparrow Wallet als Alternative zur Ledger Wallet App
Wer mehr Bitcoin-Funktionalität benötigt – UTXO-Management, Node-Anbindung, Coinjoin oder Multisig –, kann alle aktuellen Ledger-Geräte auch über Sparrow Wallet betreiben. Sparrow unterstützt alle aktuellen Ledger-Modelle vollständig und gibt fortgeschrittenen Bitcoin-Nutzern deutlich mehr Kontrolle bei weniger Ablenkung.
Sicherheit
Die Sicherheitsarchitektur des Stax ist identisch mit dem Flex und dem Nano Gen5. Gleicher Secure-Element-Chip (CC EAL6+) und Sicherheitsarchitektur, gleiches BOLOS-Betriebssystem, gleiche Clear-Signing-Funktion, gleicher Transaction Check.
- Also: Der deutlich höhere Preis von 399 € erkauft kein höheres Sicherheitsniveau. Wer primär auf Sicherheit Wert legt, bekommt mit dem Nano Gen5 für weniger als die Hälfte des Preises exakt dasselbe in diesem Punkt.
Kritikpunkte
Closed-Source-Firmware
Die Firmware läuft auf einem proprietären Secure-Element, der Quellcode ist nicht öffentlich. Es bleibt ein Vertrauensproblem: „Don't trust, verify“ ist hier nicht möglich.
Ledger Recover
Der optionale Dienst erlaubt es, die Recovery-Phrase verschlüsselt bei Drittanbietern zu hinterlegen (9,99 €/Monat, KYC). Dies stieß auf große Kritik aus der Community – nicht zuletzt, weil dafür aggressiv in der App geworben wird und es Anfänger verunsichern kann.
Keine Bitcoin-only-Firmware
Anders als Trezor oder BitBox02 gibt es keine Option, die Firmware auf Bitcoin zu beschränken. Die gesamte Altcoin-Unterstützung ist immer aktiv, was aufgrund der überladeneren Codes potenziell mehr Sicherheitsrisiken bergen kann. Node-Anbindung fehlt in der App (Workaround: Sparrow Wallet).
Passphrase-Funktion
Vorhanden, aber schwer zu finden und umständlich einzurichten.
Preis im Vergleich
399 € sind sehr viel Geld für eine Hardware-Wallet. Zum Vergleich:
| Gerät | Preis | Besonderheit |
|---|---|---|
| Ledger Flex | 249 € | Gleiche Sicherheit, etwas kleineres Display |
| Trezor Safe 7 | 249 € | Open Source Secure Chip, Aluminium, Bluetooth |
| Ledger Nano Gen5 | 179 € | Gleiche Sicherheit, Kunststoff |
| BitBox02 | 149 € | Open Source, Bitcoin-only verfügbar |
| Trezor Safe 5 | 149 € | Open Source, Bitcoin-only verfügbar |
Der Aufpreis von 150 € gegenüber dem Flex erkauft hauptsächlich ein größeres Curved-Display und kabelloses Laden. Das sind „nice to haves“, aber keine neuen Features.
Vergleichstabelle
| Nano Gen5 | Flex | Stax | |
|---|---|---|---|
| Preis | 179 € | 249 € | 399 € |
| Display | 2,8" E-Ink monochrom | 2,84" E-Ink 16 Graustufen | 3,7" curved E-Ink 16 Graustufen |
| Gehäuse | Kunststoff | Aluminium-Rahmen | Aluminium Rahmen, Curved Display |
| Gewicht | 46 g | 57,5 g | ca. 45 g |
| Bluetooth | ✅ | ✅ | ✅ |
| NFC | ✅ | ✅ | ✅ |
| USB-C | ✅ | ✅ | ✅ |
| Qi-Laden (Kabelloses Laden) | ❌ | ❌ | ✅ |
| Sound | ❌ | ✅ | ✅ |
| Secure-Element | CC EAL6+ | CC EAL6+ | CC EAL6+ |
| Recovery Key | ✅ beiliegend | ✅ beiliegend | ✅ beiliegend |
| Testbericht | zum Test | zum Test | dieser Artikel |
Fazit
Der Ledger Stax ist ohne Frage eine der schicksten und am besten verarbeiteten Hardware-Wallets auf dem Markt. Das geschwungene E-Ink-Display, das schlanke Design und das kabellose Laden machen das Gerät zu einem echten Hingucker.
Aber man zahlt einen hohen Preis, der sich fast ausschließlich durch das Design rechtfertigt. Die Sicherheit ist identisch mit dem 179 € Ledger Nano Gen5. Der Flex bietet 95 % des Erlebnisses für 60 % des Preises. Und der Trezor Safe 7 liefert für 249 € ebenfalls ein Premium-Gehäuse aus Aluminium und Glas sowie Bluetooth, kabelloses Laden und vollständig quelloffene Firmware mit Open-Source-Secure-Chip.
Für wen ist der Stax geeignet?
- Designbewusste Nutzer, denen Ästhetik bei einem Alltagsgegenstand wichtig ist.
- Krypto-Enthusiasten mit breitem Portfolio, die das Premium-Erlebnis wollen.
Für wen ist der Stax nicht geeignet?
- Preisbewusste Käufer. Der Flex ist die bessere Wahl bei Ledger oder ein anderer Konkurrent wie BitBox oder Trezor.
- Bitcoiner, die Open-Source-Firmware und Bitcoin-only-Optionen erwarten.
- Nutzer, die Sicherheit über Design stellen – die bekommt man nämlich günstiger.
Momentan gibt es bei Ledger eine Werbeaktion, bei der man beim Kauf einer Hardware-Wallet 10 US-Dollar in Bitcoin erhält.
Ledger Stax
- Schickes Design
- Secure Element
- E-Ink-Display mit Touchscreen
- Mit iOS/iPhone kompatibel (Bluetooth)
- Kabelloses Aufladen
- keine Open-Source-Firmware
- Sehr teuer
- Unterstützt viele Altcoins
- Umstrittene Ledger-Recover-Funktion