Der Nano Gen5 ist mit einem Preis von 179 € die günstigste Hardware-Wallet mit E-Ink Touchscreen von Ledger. Ein Testbericht für die Krypto-Wallet.

Der Ledger Nano Gen5 markiert die fünfte Generation der beliebten Nano-Reihe von Ledger. Mit einem Preis von 179 € positioniert sich das Gerät als geeigneter Einstieg in Ledgers Touchscreen-Welt – es ist deutlich günstiger als der Ledger Flex (249 €) und der Ledger Stax (399 €), hat aber dieselbe Sicherheitsarchitektur.

Für Nutzer älterer Nano-Modelle (Nano S, S Plus, X) bringt der Gen5 ein großes Upgrade: Statt winzigem OLED-Display und fummeligen Knöpfen gibt es erstmals einen richtigen Touchscreen. Ob sich der Umstieg lohnt und wie sich der Gen5 gegen die Konkurrenz von Trezor und BitBox schlägt, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Lieferumfang & erster Eindruck

Im Karton:

  • Ledger Nano Gen5
  • USB-C-Kabel
  • Ledger Recovery Key (NFC-Backup-Karte)
  • 3 Recovery Sheets (für die 24 Wörter)
  • Kurzanleitung & Sicherheitshinweise

Die Verpackung fühlt sich hochwertig und durchdacht an, Ledger schafft es, ein ähnliches „Premium-Unboxing-Erlebnis“ zu kreieren, wie man es von Apple-Produkten kennt. Beim Auspacken fällt aber direkt auf dass das Gerät selbst komplett aus Kunststoff besteht. Im Vergleich zu den teureren Geschwistern Flex und Stax wirkt der Nano Gen5 dadurch deutlich weniger hochwertig.

Mit 46 Gramm ist das Gerät leicht, aber mit den Maßen (79 mm × 53 mm × 8,6 mm) das klobigste Modell der neuen Reihe. Das Kunststoffgehäuse sammelt leider schnell Staub und Fingerabdrücke. Aktuell ist der Nano Gen5 in Schwarz, Rot, Grün und Weiß erhältlich.

Trotz des Plastikgehäuses macht das Gerät aber unter dem Strich einen soliden Eindruck. Die Verarbeitung ist sauber, nichts knarzt oder wackelt. Wer allerdings von den Materialien her etwas Wertigeres erwartet, sollte zum Flex oder Stax mit Aluminium-Rahmen greifen.

Einrichtung

Die Einrichtung des Nano Gen5 wurde über den Desktop (Linux) mit Kabelverbindung durchgeführt. Der gesamte Prozess dauert ca. 15 Minuten, sofern man Glück mit den Firmware-Updates hat.

Das Update-Problem

Was den Einrichtungsprozess allerdings erheblich in die Länge zieht, sind die Firmware-Updates. Bei der Testversion mussten vier Updates nacheinander installiert werden – was jeweils ca. 10 Minuten dauerte. Das Problem: Ledger erlaubt kein direktes Update auf die neueste Version. Stattdessen muss jede Zwischenversion einzeln installiert werden (z. B. 1.1 → 1.2 → 1.3 → 1.4 → 1.5).

Insgesamt haben dadurch allein die Updates rund 40 Minuten gedauert. Man muss zwar nicht aktiv am Gerät sitzen, aber der Prozess ist frustrierend, besonders wenn man bedenkt, dass das gleiche Problem auch nach längerer Nichtbenutzung auftreten kann. Wer seinen Ledger also nach ein bis zwei Jahren wieder einschaltet, muss sich auf eine längere Update-Prozedur einstellen.

Das ist ein deutlicher Negativpunkt, den andere Hersteller besser lösen.

PIN auswählen und 24 Wörter bestätigen

Nach den Updates lassen sich die Echtheit des Gerätes mithilfe der App verifizieren und eine 4- bis 8-stellige PIN auswählen. 

Anschließend generiert das Gerät 24 Wiederherstellungswörter, die auf den beiliegenden Recovery-Sheets notiert werden können und auf dem Gerät bestätigt werden müssen.

Im Vergleich zu anderen Hardware-Wallets wie der BitBox02, bei der das Bestätigen der Wörter recht mühselig sein kann, geht dieser Prozess beim Nano Gen5 dank Touchscreen angenehm schnell.

Der Ledger Recovery Key

Nach Generierung der Seed-Phrase bietet das Gerät an, ein Backup auf dem beiliegenden Ledger Recovery Key zu erstellen. Auch das geht schnell und unkompliziert. In der Verpackung ist eine dieser Backup-Karten dabei, man kann aber auch noch zusätzliche dazubestellen.

Der Recovery Key speichert eine verschlüsselte Kopie der 24 Wiederherstellungswörter. Dafür wird auch dort ein Secure-Element mit EAL6+-Zertifizierung verwendet. Um das Backup zu erstellen, hält man die Karte einfach an die Rückseite des Ledger-Geräts und vergibt eine PIN. Die Wiederherstellung funktioniert genauso einfach: Karte an neues Ledger-Gerät halten, PIN eingeben, fertig.

In unserem Test haben wir das Gerät auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und anschließend über den Recovery Key wiederhergestellt. Der Prozess dauerte ca. 3 Minuten bis zur voll funktionsfähigen Wallet. Das funktioniert deutlich schneller, als die Wörter manuell einzugeben.

Der Recovery Key ist kein Ersatz für das klassische Aufschreiben der 24 Wörter, sondern eine Ergänzung – ein digitaler Ersatzschlüssel (ähnlich wie die SD-Karte bei der BitBox02, aber verschlüsselt auf einem Secure-Element). Für diejenigen, die Angst vor dem Verlust ihres handgeschriebenen Backups haben, ist das eine sinnvolle zusätzliche Absicherung.

Ein Recovery Key kostet einzeln 39 € (3er-Pack: 99 €), liegt den aktuellen Geräten der neuen Reihe aber kostenlos bei.

Display & Bedienung

Das 2,8-Zoll-E-Ink-Touchdisplay ist der entscheidende Unterschied zu den älteren Nano-Modellen. Statt mit zwei winzigen Knöpfen durch endlose Menüs zu scrollen, wischt und tippt man – ein großer Fortschritt hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit.

Das Display ist monochrom (rein schwarz-weiß), im Gegensatz zu den 16-Graustufen-Displays von Flex und Stax. In der Praxis fällt das bei der reinen Nutzung kaum auf, da die wichtigen Informationen, Adressen, Beträge, Menüpunkte, ohnehin Textinformationen sind.

Wie bei allen E-Ink-Displays (bekannt von E-Book-Readern wie dem Kindle) ist die Reaktionszeit des Touchscreens langsamer als bei einem Smartphone. Das „Ghosting“ beim Seitenwechsel und die leichte Verzögerung bei Eingaben sind typisch für die Technologie. Im Vergleich zu Flex und Stax war die Touchreaktion beim Nano Gen5 tatsächlich etwas besser – möglicherweise, weil die monochrome Darstellung schneller aktualisiert.

Info

Signiergerät

Ledger bezeichnet alle neuen, eigenen Hardware-Wallets konsequent als „Signiergerät“ – und nicht als „Wallet“. Das hilft, den weitverbreiteten Irrglauben zu beseitigen, dass die Bitcoin auf dem Gerät liegen würden; in Wirklichkeit speichert das Gerät nämlich nur die privaten Schlüssel, womit Transaktionen signiert werden können.

Ledger Wallet App (ehem. Ledger Live)

Die Companion-Software heißt seit Ende 2025 „Ledger Wallet“ – und nicht mehr „Ledger Live“. Sie ist für Windows, macOS, Linux sowie iOS und Android verfügbar.

Die Benutzeroberfläche ist grundsätzlich gut aufgebaut und optisch ansprechend. Allerdings hat die App ein Überladungsproblem – für den typischen Bitcoiner sind es zu viele Optionen und Funktionen:

  • In der linken Sidebar tummeln sich Funktionen wie „Verdienen“, „Swappen“, „Kaufen“, „Verkaufen“, eine Ledger-Kreditkarte und natürlich auch der Service Ledger Recover. Für Einsteiger ist das eher verwirrend als hilfreich.

Die deutsche Übersetzung ist sowohl auf dem Gerät als auch in der App durchgehend solide. Hier gibt es keine holprigen Maschinenübersetzungen wie bei manchen Konkurrenzprodukten (z. B. OneKey).

Info

Sparrow Wallet als Alternative zur Ledger Wallet App

Wer mehr Bitcoin-Funktionalität benötigt – UTXO-Management, Node-Anbindung, Coinjoin oder Multisig –, kann alle aktuellen Ledger-Geräte auch über Sparrow Wallet betreiben. Sparrow unterstützt alle aktuellen Ledger-Modelle vollständig und gibt fortgeschrittenen Bitcoin-Nutzern deutlich mehr Kontrolle bei weniger Ablenkung.

Sicherheit

Alle aktuellen Ledger‑Geräte setzen auf einen Secure-Element-Chip mit CC EAL6+-Zertifizierung. Sämtliche privaten Schlüssel werden ausschließlich auf diesem Chip gespeichert und verlassen das Gerät zu keinem Zeitpunkt.

Ledger nutzt dafür sein proprietäres Betriebssystem BOLOS (Blockchain Open Ledger Operating System), das speziell für die Verwaltung kryptografischer Schlüssel entwickelt wurde.

Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Trezor (vollständig Open Source) oder der BitBox02 (Open Source mit Dual-Chip-Architektur) läuft bei Ledger die gesamte Firmware auf dem proprietären Secure-Element. Der Quellcode des BOLOS-Betriebssystems ist nicht öffentlich einsehbar, was eine unabhängige Überprüfung durch die Community erschwert. Man muss Ledger glauben, dass keine Hintertüren existieren, anstatt es selbst verifizieren zu können.

  • „Don’t trust, verify“ ist hier nicht möglich.

Clear Signing & Transaction Check

Bei allen drei getesteten Geräten ist das Verifizieren von Transaktionen sehr angenehm. Man sieht auf dem Display deutlich, an welche Adresse man sendet, und kann einfach navigieren und signieren. Das ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den älteren Modellen wie Ledger Nano S und Nano X – und auch ein Vorteil gegenüber manchen Konkurrenzprodukten wie der BitBox02 oder dem Trezor Safe 3. Ob sich der deutliche Aufpreis für das größere Display lohnt, muss jedoch jeder selbst entscheiden.

Kritikpunkte

Closed-Source-Firmware
Die Firmware läuft auf einem proprietären Secure-Element, der Quellcode ist nicht öffentlich. Es bleibt ein Vertrauensproblem.

Ledger Recover
Der optionale Dienst erlaubt es, die Recovery-Phrase verschlüsselt bei Drittanbietern zu hinterlegen (9,99 €/Monat, KYC). Dies stieß auf große Kritik aus der Community – nicht zuletzt, weil dafür aggressiv in der App geworben wird und es Anfänger verunsichern kann. 

Keine Bitcoin-only-Firmware
Anders als Trezor oder BitBox02 gibt es keine Option, die Firmware auf Bitcoin zu beschränken. Die gesamte Altcoin-Unterstützung ist immer aktiv, was aufgrund der überladeneren Codes potenziell mehr Sicherheitsrisiken bergen kann. Node-Anbindung fehlt in der App (Workaround: Sparrow Wallet). 

Kunststoffgehäuse für 179 €
Wirkt für den Preis billig und sammelt schnell Staub/Fingerabdrücke. Hier gibt es eine deutlich bessere Verarbeitungsqualität bei Konkurrenten in dieser Preisklasse.

Passphrase-Funktion
Vorhanden, aber schwer zu finden und umständlich einzurichten.

Vergleichstabelle

  Nano Gen5 Flex Stax
Preis 179 € 249 € 399 €
Display 2,8" E-Ink monochrom 2,84" E-Ink 16 Graustufen 3,7" curved E-Ink 16 Graustufen
Gehäuse Kunststoff Aluminium-Rahmen Aluminium Rahmen, Curved Display
Gewicht 46 g 57,5 g ca. 45 g
Bluetooth
NFC
USB-C
Qi-Laden (Kabelloses Laden)
Sound
Secure-Element CC EAL6+ CC EAL6+ CC EAL6+
Recovery Key ✅ beiliegend ✅ beiliegend ✅ beiliegend
Testbericht dieser Artikel zum Test zum Test

Fazit

Der Ledger Nano Gen5 ist ein solides Einstiegsgerät in die Touchscreen-Welt von Ledger. Erstmals hat Ledger ein richtiges Touchdisplay. Das in Kombination mit Bluetooth-Konnektivität und dem beiliegenden Recovery Key macht die Nutzung deutlich komfortabler.

Allerdings steht der Nano Gen5 in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld. Für weniger Geld bekommt man mit dem Trezor Safe 5 (~149 €) eine Hardware-Wallet mit vollständig quelloffener Firmware, guter Verarbeitung und einem ebenfalls soliden Touchscreen.

Ledger richtet sich mit dem Nano Gen5 klar an die breite Masse. Für Einsteiger, die noch nie eine Hardware-Wallet benutzt haben, ist der Nano Gen5 eine gute Wahl. Die Einrichtung ist einfach und die deutsche Übersetzung gut verständlich.

Hardware-Wallets von Ledger unterstützen zudem die allermeisten Altcoins, womit sie der Konkurrenz in dieser Hinsicht einen Schritt voraus sind. Für wen das von Relevanz ist, ist der Nano Gen5 ein starkes und verhältnismäßig günstiges Produkt.

Wer nur Bitcoin verwahren möchte, Wert auf Open-Source-Firmware legt oder fortgeschrittene Funktionen wie Multisig oder die Anbindung an eine eigene Node benötigt, bekommt bei anderen Hardware-Wallets wie der Bitbox02 unter dem Strich das bessere Produkt – und das auch noch zu einem günstigeren Preis.

Wer sich aber innerhalb des Ledger-Universums bewegen möchte und Design sowie Wertigkeit schätzt, der kann sich überlegen, für einen Aufpreis von ca. 70 € zum Ledger Flex mit Aluminium-Rahmen und besserem Display zu greifen.

Momentan gibt es bei Ledger eine Werbeaktion, bei der man beim Kauf einer Hardware-Wallet 10 US-Dollar in Bitcoin erhält.

E-Ink-Touchscreen

Ledger Nano Gen5

  • E-Ink-Display mit Touchscreen
  • Secure Chip
  • Mit iOS/iPhone kompatibel (Bluetooth)
  • NFC
  • keine Open-Source-Firmware
  • Vergleichsweise teuer
  • Verarbeitungsqualität fühlt sich günstig an
Timo

Über den Autor: Timo

Timo Volkov bietet Workshops und Beratungen rund um Bitcoin und Privatsphäre an. Er ist Autor des Buches „Das Privacy Handbuch“ und beschäftigt sich insbesondere mit den technischen Bitcoin-Themen.

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