Ledger Flex
Der Ledger Flex ist das Mittelklassemodell von Ledger mit einem E-Ink-Touchdisplay. Ein Testbericht für die Krypto-Hardware-Wallet mit einem Preis von 249 €.
Der Ledger Flex positioniert sich als Mittelklassemodell zwischen dem günstigeren Nano Gen5 (179 €) und dem Premium-Flaggschiffmodell Stax (399 €). Mit seinem 2,84 Zoll (ca. 7 cm) großen E-Ink-Touchscreen in 16 Graustufen, einem Aluminium-Rahmen und der gleichen Sicherheitsarchitektur wie die teureren Modelle bietet der Flex ein solides Gesamtpaket.
Lieferumfang & erster Eindruck
Wie bei allen Ledger-Produkten fühlt sich der Lieferumfang hochwertig an. Beim Herausnehmen des Ledger Flex merkt man sofort den Unterschied zum Nano Gen5, denn der Aluminiumrahmen mit der Kunststoff-Rückseite gibt dem Flex ein deutlich wertigeres Gefühl. Das Gerät liegt gut in der Hand, die metallene Platte am unteren Rand bietet einen praktischen Griff beim Scrollen und Tippen.
Das Testgerät ist die „Bitcoin Orange Edition“, eine Farbvariante und Namensgebung, die auf den ersten Blick suggeriert, es handele sich um ein Bitcoin-only-Gerät. Das ist aber nicht der Fall, denn auch diese Version unterstützt die gesamte Palette an Altcoins – was etwas irreführend ist.
Einrichtung
Die Einrichtung des Flex wurde im Test über die mobile Ledger Wallet App (Android) via Bluetooth vorgenommen: Firmware herunterladen, Genuine Check, PIN vergeben, 24 Wörter generieren und aufschreiben, Recovery Key Backup erstellen.
Die Bluetooth-Verbindung ist schnell aufgebaut und sie blieb während der gesamten Einrichtung stabil. Das ist angenehmer als die Kabelverbindung, die am Desktop benötigt wird.
Alle Informationen auf dem Ledger sind gut sichtbar. Das Bestätigen der Wörter geht dank Touchscreen angenehm schnell, und auch das Backup auf den Recovery Key via NFC zu übertragen ist in unter einer Minute erledigt. Die eigentliche Ersteinrichtung dauert nur ca. 10 bis 15 Minuten.
Das Update-Problem
Was den Einrichtungsprozess allerdings erheblich in die Länge zieht, sind die Firmware-Updates. Bei der Testversion mussten vier Updates nacheinander installiert werden – was jeweils ca. 10 Minuten dauerte. Das Problem: Ledger erlaubt kein direktes Update auf die neueste Version. Stattdessen muss jede Zwischenversion einzeln installiert werden (z. B. 1.1 → 1.2 → 1.3 → 1.4 → 1.5).
Insgesamt haben dadurch allein die Updates rund 40 Minuten gedauert. Man muss zwar nicht aktiv am Gerät sitzen, aber der Prozess ist frustrierend, besonders wenn man bedenkt, dass das gleiche Problem auch nach längerer Nichtbenutzung auftreten kann. Wer seinen Ledger also nach ein bis zwei Jahren wieder einschaltet, muss sich auf eine längere Update-Prozedur einstellen.
Das ist ein deutlicher Negativpunkt, den andere Hersteller besser lösen.
PIN auswählen und 24 Wörter bestätigen
Nach den Updates lassen sich die Echtheit des Gerätes mithilfe der App verifizieren und eine 4- bis 8-stellige PIN auswählen.
Anschließend generiert das Gerät 24 Wiederherstellungswörter, die auf den beiliegenden Recovery-Sheets notiert werden können und auf dem Gerät bestätigt werden müssen.
Im Vergleich zu anderen Hardware-Wallets wie der BitBox02, bei der das Bestätigen der Wörter recht mühselig sein kann, geht dieser Prozess beim Flex dank Touchscreen angenehm schnell.
Der Ledger Recovery Key
Nach Generierung der Seed-Phrase bietet das Gerät an, ein Backup auf dem beiliegenden Ledger Recovery Key zu erstellen. Auch das geht schnell und unkompliziert. In der Verpackung ist eine dieser Backup-Karten dabei, man kann aber auch noch zusätzliche dazubestellen.
Der Recovery Key speichert eine verschlüsselte Kopie der 24 Wiederherstellungswörter. Dafür wird auch dort ein SecureElement mit EAL6+-Zertifizierung verwendet. Um das Backup zu erstellen, hält man die Karte einfach an die Rückseite des Ledger-Geräts und vergibt eine PIN. Die Wiederherstellung funktioniert genauso einfach: Karte an neues Ledger-Gerät halten, PIN eingeben, fertig.
In unserem Test haben wir das Gerät auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und anschließend über den Recovery Key wiederhergestellt. Der Prozess dauerte ca. 3 Minuten bis zur voll funktionsfähigen Wallet. Das funktioniert deutlich schneller, als die Wörter manuell einzugeben.
Der Recovery Key ist kein Ersatz für das klassische Aufschreiben der 24 Wörter, sondern eine Ergänzung – ein digitaler Ersatzschlüssel (ähnlich wie die SD-Karte bei der BitBox02, aber verschlüsselt auf einem Secure-Element). Für diejenigen, die Angst vor dem Verlust ihres handgeschriebenen Backups haben, ist das eine sinnvolle zusätzliche Absicherung.
Ein Recovery Key kostet einzeln 39 € (3er-Pack: 99 €), liegt den aktuellen Geräten der neuen Reihe aber kostenlos bei.
Display & Bedienung
Das E-Ink-Display hat 16 Graustufen und ermöglicht eine bessere Darstellung der Icons im Vergleich zu dem Ledger Nano Gen5. In der Praxis fällt das bei der reinen Nutzung kaum auf, da die wichtigen Informationen, Adressen, Beträge, Menüpunkte, ohnehin Textinformationen sind.
Wie bei allen E-Ink-Displays ist die Reaktionszeit langsamer als bei einem Smartphone, das typische „Ghosting“ (ähnlich wie bei anderen E-Ink-Geräten wie dem Kindle z. B.) ist beim Seitenwechsel vorhanden.
Interessanterweise ist die Touch-Funktion beim Ledger Flex etwas weniger reaktionsfreudig als beim Nano Gen5. Die Bedienung des Flex und Stax war in dieser Hinsicht gleichauf. Der Flex hat – anders als der Nano Gen5 – Sound-Feedback. Akustische Signale bei Eingaben und Bestätigungen machen klarer, wann eine Aktion registriert wurde.
Das Verifizieren von Transaktionen ist auf dem Flex sehr komfortabel. Die Empfangsadresse ist gut lesbar, und per Clear Signing sieht man alle Transaktionsdetails in Klartext auf dem Display.
Bei allen drei getesteten Geräten kann ein eigener Sperrbildschirm festgelegt werden, ein nettes, wenn auch nicht notwendiges Feature.
Signiergerät
Ledger bezeichnet alle neuen, eigenen Hardware-Wallets konsequent als „Signiergerät“ – und nicht als „Wallet“. Das hilft, den weitverbreiteten Irrglauben zu beseitigen, dass die Bitcoin auf dem Gerät liegen würden; in Wirklichkeit speichert das Gerät nämlich nur die privaten Schlüssel, womit Transaktionen signiert werden können.
Ledger Wallet App (ehem. Ledger Live)
Die Companion-Software heißt seit Ende 2025 „Ledger Wallet“ – und nicht mehr „Ledger Live“. Sie ist für Windows, macOS, Linux sowie iOS und Android verfügbar.
Die Benutzeroberfläche ist grundsätzlich gut aufgebaut und optisch ansprechend. Allerdings hat die App ein Überladungsproblem – für den typischen Bitcoiner sind es zu viele Optionen und Funktionen:
- In der linken Sidebar tummeln sich Funktionen wie „Verdienen“, „Swappen“, „Kaufen“, „Verkaufen“, eine Ledger-Kreditkarte und natürlich auch der Service Ledger Recover. Für Einsteiger ist das eher verwirrend als hilfreich.
Die deutsche Übersetzung ist sowohl auf dem Gerät als auch in der App durchgehend solide. Hier gibt es keine holprigen Maschinenübersetzungen wie bei manchen Konkurrenzprodukten (z. B. OneKey).
Sparrow Wallet als Alternative zur Ledger Wallet App
Wer mehr Bitcoin-Funktionalität benötigt – UTXO-Management, Node-Anbindung, Coinjoin oder Multisig –, kann alle aktuellen Ledger-Geräte auch über Sparrow Wallet betreiben. Sparrow unterstützt alle aktuellen Ledger-Modelle vollständig und gibt fortgeschrittenen Bitcoin-Nutzern deutlich mehr Kontrolle bei weniger Ablenkung.
Sicherheit
Die Sicherheitsarchitektur des Flex ist identisch mit der des Nano Gen5 und des Stax. Alle drei setzen auf denselben Secure-Element-Chip mit CC EAL6+-Zertifizierung und das proprietäre BOLOS-Betriebssystem.
Sämtliche privaten Schlüssel werden ausschließlich auf dem Secure-Element gespeichert und verlassen das Gerät zu keinem Zeitpunkt. Die Clear-Signing-Funktion zeigt Transaktionsdetails in menschenlesbarer Form sicher auf dem Display an, und der Transaction-Check simuliert Transaktionen vor der Bestätigung.
Das bedeutet auch, dass der Aufpreis des Flex gegenüber dem Nano Gen5 kein höheres Sicherheitsniveau erkauft. Man zahlt für bessere Materialien und ein besseres Display, nicht für mehr Sicherheit.
Für eine ausführliche Einordnung der Sicherheitsarchitektur, inklusive der Closed-Source-Problematik, verweisen wir auf unseren Testbericht zum Ledger Nano Gen5.
Kritikpunkte
Closed-Source-Firmware
Die Firmware läuft auf einem proprietären Secure-Element, der Quellcode ist nicht öffentlich. Es bleibt ein Vertrauensproblem: „Don't trust, verify“ ist hier nicht möglich.
Ledger Recover
Der optionale Dienst erlaubt es, die Recovery-Phrase verschlüsselt bei Drittanbietern zu hinterlegen (9,99 €/Monat, KYC). Dies stieß auf große Kritik aus der Community – nicht zuletzt, weil dafür aggressiv in der App geworben wird und es Anfänger verunsichern kann.
Keine Bitcoin-only-Firmware
Anders als Trezor oder BitBox02 gibt es keine Option, die Firmware auf Bitcoin zu beschränken. Die gesamte Altcoin-Unterstützung ist immer aktiv, was aufgrund der überladeneren Codes potenziell mehr Sicherheitsrisiken bergen kann. Node-Anbindung fehlt in der App (Workaround: Sparrow Wallet). Die orangefarbene Edition suggeriert einen Bitcoin-Fokus, der nicht vorhanden ist.
Preis im Vergleich
Mit 249 € ist der Flex teurer als viele Konkurrenzprodukte mit vergleichbarer oder sogar besserer Verarbeitung sowie Sicherheitsarchitektur.
Passphrase-Funktion
Vorhanden, aber schwer zu finden und umständlich einzurichten.
Vergleichstabelle
| Nano Gen5 | Flex | Stax | |
|---|---|---|---|
| Preis | 179 € | 249 € | 399 € |
| Display | 2,8" E-Ink monochrom | 2,84" E-Ink 16 Graustufen | 3,7" curved E-Ink 16 Graustufen |
| Gehäuse | Kunststoff | Aluminium-Rahmen | Aluminium Rahmen, Curved Display |
| Gewicht | 46 g | 57,5 g | ca. 45 g |
| Bluetooth | ✅ | ✅ | ✅ |
| NFC | ✅ | ✅ | ✅ |
| USB-C | ✅ | ✅ | ✅ |
| Qi-Laden (Kabelloses Laden) | ❌ | ❌ | ✅ |
| Sound | ❌ | ✅ | ✅ |
| Secure-Element | CC EAL6+ | CC EAL6+ | CC EAL6+ |
| Recovery Key | ✅ beiliegend | ✅ beiliegend | ✅ beiliegend |
| Testbericht | zum Test | dieser Artikel | zum Test |
Fazit
Der Ledger Flex positioniert sich als „Sweet Spot“ im Ledger-Lineup, und das ist er für die richtige Zielgruppe auch. Wer sich bewusst für ein Ledger-Gerät entscheidet, bekommt mit dem Flex das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Aluminium-Rahmen, das 16-Graustufen-Display und das Sound-Feedback heben ihn deutlich vom günstigeren Nano Gen5 ab. Der fast doppelt so teure Stax bietet derweil keine zusätzliche Sicherheit.
Wer nur Bitcoin verwahren möchte, Wert auf Open-Source-Firmware legt oder fortgeschrittene Funktionen wie Multisig oder die Anbindung an eine eigene Node benötigt, bekommt bei anderen Hardware-Wallets wie der Bitbox02 unter dem Strich das bessere Produkt – und das auch noch zu einem günstigeren Preis.
Wer allerdings ein breites Krypto-Portfolio verwaltet, NFTs nutzt oder Wert auf das umfangreiche Ökosystem von Ledger legt, findet im Flex ein ausgereiftes und gut verarbeitetes Gerät, mit einem recht hohen Preis, der zu rechtfertigen ist.
Ledger richtet sich an die breite Masse und vor allem Einsteiger, die noch nie eine Hardware-Wallet benutzt haben. Für diese Zielgruppe ist der Flex unter dem Strich eine gute Wahl, denn die Einrichtung ist enorm einfach und die deutsche Übersetzung vorbildlich – auch wenn die vielen Funktionen die App deutlich zu überladen für Anfänger machen.
Momentan gibt es bei Ledger eine Werbeaktion, bei der man beim Kauf einer Hardware-Wallet 10 US-Dollar in Bitcoin erhält.
Ledger Flex
- E-Ink-Display mit Touchscreen
- Secure Chip
- Mit iOS/iPhone kompatibel (Bluetooth)
- NFC
- keine Open-Source-Firmware
- Vergleichsweise teuer
- Unterstützt sehr viele Kryptowährungen
- Umstrittene Ledger-Recover-Funktion