Seit dem 6. Oktober 2025, als Bitcoin das bisherige Allzeithoch von 126.296 US-Dollar erreichte, ging es kontinuierlich bergab. Knapp neun Monate später handelt BTC unter 60.000 US-Dollar und damit mehr als 50 % vom Höchststand entfernt. Laut mehreren Indikatoren dürfte sich BTC jetzt so langsam in der Bodenregion befinden und bald schon wieder in den nächsten Bullenmarkt übergehen. Doch wie tief könnte der Kurs bis dahin noch fallen?

Schwierig zu bestimmender Einstiegskurs

Bitcoin ist bekanntlich keine Immobilie oder Aktie, die man anhand der Cashflows oder Gewinne bewerten könnte. Entsprechend ist es schwierig, einen „fairen Preis“ mathematisch herzuleiten.

Man könnte zwar Bitcoin mit anderen, ähnlichen Wertspeichern wie Gold vergleichen, um zu einer Einschätzung zu kommen, wie groß die Marktkapitalisierung von BTC im Verhältnis sein sollte. Doch dieser Ansatz ist eher für ein langfristiges Kursziel geeignet und weniger dafür, eine mögliche Trendwende zu identifizieren.

Die bislang hilfreichsten Indikatoren, die in der Vergangenheit besonders gut aufzeigen konnten, ob sich BTC nahe des Bodens befindet, sind letztlich rein preislicher Natur.

Obwohl die sogenannte Charttechnik zu Recht eher kritisch beäugt wird, war sie in der noch kleinen Historie des Assets oftmals ziemlich treffsicher.

Neben den überraschend zuverlässigen 4-Jahres-Zyklen gibt es noch einige Indikatoren, die Bärenmarkttiefs markiert haben und gerade zumindest teilweise schon aktiv sind.

Bitcoin-Zyklustheorie

Der Bitcoin-Kurs folgte bis jetzt interessanterweise immer einem 4-Jahres-Zyklus. Dabei gab es um das Halving herum, bei dem die pro Block neu hinzukommende Menge an BTC halbiert wird, immer rund 3 Jahre Bullenmarkt, auf die dann ungefähr 1 Jahr mit fallenden Kursen folgte.

Der Bärenmarkt nach dem 1. Halving begann mit dem Hoch im November 2013 und endete im August 2015. Je nach Betrachtungsweise lässt sich hier aber auch das Tief aus dem Januar 2015 als Ende des Abwärtstrends nehmen, da anschließend die Stabilisierung stattfand und der Kurs im August 2015 nur ganz kurz darunter rutschte.

Bei den darauffolgenden Zyklen zeichnete sich ein noch eindeutigeres Bild, denn sowohl nach dem 2. als auch nach dem 3. Halving dauerte es jedes Mal 12 Monate von Höchst- bis Tiefststand.

Sollte Bitcoin diesem Muster weiterhin folgen, so wäre mit dem Tief in etwa im Oktober zu rechnen. Eine Garantie, dass die Theorie ihre Gültigkeit behält, gibt es natürlich nicht.

Eine andere Betrachtungsweise, die letztlich eine ähnliche Schlussfolgerung erlaubt, ist die Zeitspanne vom jeweiligen Halving bis zum Bärenmarkttief. 

Auch hier zeigt sich, dass Bitcoin mit aktuell rund 800 Tagen nach dem Halving so langsam aber sicher den Zeitpunkt erreicht, bei dem zuvor immer das Tief ausgebaut wurde.

Wie stark BTC typischerweise fällt

Relevant ist aber natürlich nicht nur die Frage, wie lange, sondern auch, wie tief BTC noch fallen könnte, falls der richtige Boden noch bevorsteht.

In den bisherigen Bärenmärkten gab es jeweils Korrekturen von über 75 %, die von Zyklus zu Zyklus abgenommen haben:

  • Bärenmarkt Juni 2011 bis November 2011: –93 %
  • Bärenmarkt November 2013 bis Januar 2015: –85 %
  • Bärenmarkt Dezember 2017 bis Dezember 2018: –83 %
  • Bärenmarkt November 2021 bis November 2022: –77 %

Dem gingen in den jeweiligen Bullenmärkten aber auch weitaus stärkere Kursanstiege voraus.

Hinzu kommt, dass Bitcoin inzwischen weitaus etablierter und verbreiteter ist als damals, weshalb sich gute Argumente dafür finden lassen, dass der maximale Rückgang dieses Mal deutlich geringer sein könnte.

Mehrere Indikatoren sprechen für Bodenregion

Während die Zyklustheorie eher dafür spricht, dass noch harte Monate bevorstehen könnten, zeichnen mehrere Indikatoren ein optimistischeres Bild.

200-Wochen-Durchschnitt

So zum Beispiel der 200-Wochen-Durchschnitt. In den Bärenmärkten nach dem 1. und 2. Halving fand Bitcoin genau an dieser Linie Unterstützung und es folgten deutlich steigende Kurse.

Im Jahr 2022 hingegen fiel BTC mehrere Monate nachhaltig darunter. Doch auch da korrespondierte der 200-Wochen-Durchschnitt mit der Bodenbildung.

Aktuell liegt diese Linie, die in der Geschichte von Bitcoin bislang nur gestiegen ist, bei circa 62.400 US-Dollar und damit über dem aktuellen Kursniveau.

Auch wenn es dieses Mal natürlich anders kommen könnte, waren Käufe unter dieser Linie bislang immer äußerst attraktive Einstiegschancen, bei denen es nicht allzu lange dauerte, um wieder deutlich im Plus zu sein.

Power Law

Am meisten Hoffnung dafür, dass der Boden jetzt schon erreicht sein könnte, macht das sogenannte „Power Law“. Hierbei wird nicht nur die Preis-, sondern auch die Zeitachse des Bitcoin-Charts logarithmisch dargestellt und dann ein Trendkanal gezogen.

Aktuell liegt der modellbedingt zwangsläufig steigende „Support“ bei circa 59.700 US-Dollar – zumindest laut dem Chart von BiTBO. Bitcoin ist noch nie nachhaltig unter diese Linie gefallen, aber selbstverständlich könnte auch dieses „Modell“ jetzt nach unten gebrochen werden.

Bestand im Gewinn/Verlust

Ein anderer Indikator, der ebenfalls für eine Bodenbildung spricht, ist der Blick auf den Bitcoin-Bestand im Verlust und Gewinn. Hierbei wird sich angesehen, wann Coins zuletzt im Hauptnetzwerk bewegt wurden, um daraus abzuleiten, ob die vermeintlichen Käufe derzeit unter Wasser sind oder nicht.

Immer wenn laut dieser vereinfachten Metrik mehr Bitcoin im Verlust als im Gewinn waren, war der Boden des Bärenmarkts in greifbarer Nähe. Doch ein Blick auf diesen Chart zeigt auch, dass dieser Zustand eine längere Zeit so anhalten kann.

Realisierter Preis

Der „realisierte Preis“ des Bitcoin-Netzwerks, ein anderer On-Chain-Indikator, lässt derweil darauf schließen, dass es noch eine Etage tiefer gehen könnte. Bildet man einen Durchschnittswert anhand davon, zu welchem Kurs jeder Coin zuletzt bewegt wurde, so entsteht eine Preislinie.

Oder in anderen Worten: Der „realisierte Preis“ ist der vermeintliche durchschnittliche Einstiegskurs für alle Coins in diesem Moment.

Bitcoin ist in den Bärenmärkten bislang immer darunter gefallen. Aktuell beträgt der „realisierte Preis“ circa 53.250 US-Dollar.

Daneben gibt es selbstverständlich noch viele weitere Indikatoren, die Trader nutzen.

Beliebt im Kontext des Bitcoin-Bodens sind beispielsweise auch die „Produktionskosten“ eines Bitcoin im Verhältnis zum aktuellen Kurs. 

Auch dieser Indikator spricht für einen Bodenbereich, da ein Bitcoin gerade je nach Berechnung in etwa so viel wert ist wie die durchschnittlichen Kosten des Schürfens eines Coins. 

Doch es ist schwer, zuverlässig zu bestimmen, wie viel die Miner tatsächlich gerade im Schnitt bezahlen, während ein direkter Zusammenhang ohnehin fraglich ist.

Eine gute Einstiegschance?

Viele hätten wohl nicht damit gerechnet, dass es trotz der ganzen positiven Entwicklungen wie der Krypto-freundlichen US-Politik, der Zulassung der Bitcoin-Spot-ETFs und der Adoption durch Nationalstaaten noch einen typischen Bärenmarkt gibt.

Doch es scheint, als hätten viele in Antizipation der Wiederholung der Zyklen verkauft, womit der „Bitcoin-Winter“ dann tatsächlich eingeleitet wurde, obwohl an den Aktienmärkten noch Partystimmung herrscht.

Diese Dynamik der „selbsterfüllenden Prophezeiung“, sofern sie ausschlaggebend war, könnte jetzt aber auch umgekehrt dabei helfen, einen neuen Bullenmarkt zu starten.

Denn wenn viele Marktteilnehmer davon ausgehen, dass der „Winter“ bald vorbei sein dürfte, könnten sie mit ihren Käufen den Kurs wieder in die Höhe treiben.

Bitcoin ist ein Vermögenswert, der sehr stark von Momentum getrieben ist. Das heißt, dass steigende Kurse oftmals weitere Käufer anziehen, während in den Bärenmärkten viele dann wieder kapitulieren.

Wenn die Muster der Vergangenheit dieses Mal nicht plötzlich allesamt ihre Gültigkeit verlieren sollten, dann liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sich Bitcoin in der Bodenregion befindet.

Doch selbst laut den meisten Indikatoren – abgesehen vom „Power Law“ – sind tiefere Kurse durchaus im Rahmen des Möglichen.

Letztlich gilt es bei der Charttechnik und den Zyklen immer zu berücksichtigen, dass natürlich Entwicklungen kommen könnten, die diese Regelmäßigkeiten ein für alle Male ungültig machen.

Es wäre beispielsweise eher unwahrscheinlich, dass der Kurs noch mehrere Monate weiter fällt, wenn plötzlich Zentralbanken im großen Stil kaufen sollten oder es überraschend positive Nachrichten zur US-amerikanischen Bitcoin-Reserve geben sollte.

Andersherum könnte natürlich auch ein negatives Ereignis wie eine Wirtschaftskrise beziehungsweise Stress an den gesamten Kapitalmärkten den Bitcoin-Bärenmarkt verlängern.

Unter dem Strich kennt niemand die Zukunft und grundsätzlich scheinen eher die Nachrichten dem Kurs zu folgen als umgekehrt.

Doch wenn man von Bitcoin langfristig überzeugt ist und entsprechend von weitaus höheren Notierungen in den kommenden Jahren ausgeht, dann ließe sich durchaus über günstige Einstiegskurse freuen – auch wenn Verluste natürlich immer schmerzhaft sein können.

Wenn Bitcoin weiterhin auf Erfolgskurs bleibt, dürfte am Ende dann aber auch ziemlich egal sein, ob man den richtigen Boden erwischt hat oder nicht.

Wer den Bärenmarkt 2022 beispielsweise schon erlebt hat, der müsste sich daran erinnern, wie viele noch vergeblich auf niedrigere Kurse von 12.000 US-Dollar oder weniger gewartet hatten, um zu kaufen.

Eine Sparplanstrategie kann insbesondere in solchen Phasen dabei helfen, einen guten Durchschnittskurs zu erwischen, ohne am Ende Gefahr zu laufen, den Einstieg zu verpassen.

Bitcoin hat sich bislang nach jedem noch so harten Kurseinbruch wieder erholt und anschließend neue Höchststände erreicht. Und fundamental betrachtet hat sich seit dem letzten Allzeithoch nichts geändert.

Das Netzwerk funktioniert nämlich noch genauso, wie erwartet, und Bitcoin hat noch immer die guten Eigenschaften, die viele so sehr schätzen.

Ein digitaler Wertspeicher, ohne Kontrahentenrisiken, mit begrenzter Gesamtmenge und dem robustesten dezentralen System der Welt, ist wohl eine Innovation, die sich langfristig gesehen immer größerer Nachfrage erfreuen dürfte.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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