KI-Abverkauf und Zinssorgen belasten Bitcoin-Kurs
Nachdem der Bitcoin-Kurs am Montag noch über 65.600 US-Dollar steigen konnte, gab es eine scharfe Korrektur um mehr als 4 %. Grund dafür dürften in erster Linie der Gegenwind bei Momentum- beziehungsweise KI-Aktien sowie die zunehmende Unsicherheit hinsichtlich der US-amerikanischen Geldpolitik sein. Kann sich BTC in diesem Umfeld doch noch behaupten?
Von Tristan
Am 1. Juli erreichte Bitcoin ein neues Bärenmarkttief bei rund 57.700 US-Dollar. Seither setzte eine Erholung ein. In der Spitze ging es am Dienstag vergangener Woche wieder auf knapp 67.000 US-Dollar, als es wahrscheinlicher wurde, dass das Krypto-Gesetz CLARITY Act noch verabschiedet werden könnte.
Zeitgleich gab es jedoch mehrere Belastungsfaktoren für die breiteren Kapitalmärkte. Zum einen spitzte sich die Situation im Irankrieg wieder zu, weshalb eine zunehmend restriktive Geldpolitik der Federal Reserve eingepreist wurde. Andererseits gerieten die Aktien der KI-Gewinner erheblich unter Druck.
Bitcoin zeigte sich von alledem zunächst weitestgehend unbeeindruckt, doch seit gestern Nacht legte BTC eine scharfe Korrektur hin, die sich zum heutigen US-Handelsstart weiter fortsetzte.
Bitcoin fällt innerhalb weniger Stunden um 4,6 %
Der Wochenstart verlief für Bitcoin zunächst ziemlich vielversprechend. Denn nachdem die USA und der Iran die gegenseitigen Angriffe seit Freitagabend aussetzten, kam wieder Hoffnung auf eine baldige Konfliktlösung auf.
Bitcoin konnte am Montag im Hoch über 65.600 US-Dollar steigen. Doch als die Momentumaktien weiter schwächelten, kam es auch bei Bitcoin zu Abgabedruck. Dieser verschärfte sich deutlich über Nacht.
Als die US-Börsen um 15:30 Uhr deutscher Zeit den Handel eröffneten, ging die Korrektur weiter und BTC fiel im Tief auf circa 62.600 US-Dollar, womit der Kursrückgang seit dem Hoch vom Montag mehr als 4,6 % betrug.
Inzwischen konnte BTC wieder ein bisschen Boden gutmachen und über 63.600 US-Dollar steigen.
Was den Bitcoin-Kurs belastet
Gegenwind bei KI-Aktien
Ein zentraler Grund für den Kursrutsch dürfte der zunehmende Abverkauf bei den Aktien der KI-Gewinner sein. Diese stehen zwar schon seit mehreren Wochen unter Druck, doch die Korrektur legte seit Mittwoch vergangener Woche noch einmal einen Zahn zu – und zog dabei offenbar auch BTC mit nach unten.
Der US-amerikanische Technologieindex Nasdaq 100 fiel seit Mittwoch um circa 6 %, womit der Kursrückgang seit dem Allzeithoch mehr als 10 % beträgt. Der Nasdaq 100 startete in den heutigen New Yorker Handel mit einem Minus von mehr als 1,5 %.
Ein noch deutlicheres Bild zeichnet sich bei Betrachtung des südkoreanischen Aktienindex KOSPI, der hauptsächlich von den KI-Gewinneraktien Samsung und SK Hynix getrieben wurde. Dieser brach über Nacht um mehr als 10 % ein. Seit dem Mitte Juni erreichten Höchststand ging es um 36 % bergab.
Ähnlich verhält es sich bei dem Halbleiterindex SOX. Dieser verlor in derselben Zeit rund ein Viertel des Wertes und ist heute allein über 5 % im Minus. Die Aktie von SpaceX halbierte sich derweil vom Hoch aus gemessen und handelt aktuell unter dem IPO-Ausgabepreis.
Im Kontext dieser Turbulenzen bei Momentumaktien ist die Bitcoin-Korrektur der vergangenen Tage also noch verhältnismäßig überschaubar. Oftmals war nämlich das Muster, dass BTC in schwierigen Marktphasen deutlich stärker als Technologieaktien fällt.
Dennoch: Bitcoin handelt bereits rund 50 % unter dem Allzeithoch von Oktober 2025 und konnte auch nicht profitieren, als die KI-Aktien im ersten Halbjahr auf neue Höchststände gestiegen sind.
Eine Erklärung für die auffällige Bitcoin-Schwäche, der sich auch Robbie Mitchnick von BlackRock bediente, war, dass der KI-Trade Kapital aus anderen Sektoren aufsaugen würde.
Demnach gab es die Hoffnung, dass das Asset für viele Marktteilnehmer wieder interessanter werden würde, wenn aus der vermeintlichen KI-Blase Luft abgelassen wird.
Jetzt scheint es aber vielmehr so zu sein, als würde Bitcoin genau davon zusätzlich belastet werden – auch wenn BTC seit Monatsauftakt noch über 7 % im Plus ist, während der Nasdaq 100 beispielsweise rund 9 % verloren hat.
Zinsanhebungen werden wahrscheinlicher
Bitcoin ist zudem eines der Assets, das am sensibelsten auf die US-amerikanische Geldpolitik reagiert. Und auch an dieser Front gab es in den vergangenen Tagen eher negative Entwicklungen.
Mitte dieses Monats wurden noch niedrigere als erwartete US-Inflationsdaten gemeldet. Daraufhin sank die Wahrscheinlichkeit für Zinsanhebungen der Federal Reserve deutlich – von über 70 auf 51 % – und BTC konnte profitieren.
Seither hat der Markt aber wieder zunehmend begonnen, Zinserhöhungen einzupreisen. Der ausschlaggebende Faktor dürfte die weitere Unsicherheit rund um den Irankrieg sein, bei dem noch kein Ende absehbar ist.
Die Begründung: Je länger keine Öltanker durch die Straße von Hormus fahren können, desto höher der Inflationsdruck und somit die Erwartung, dass die Federal Reserve dem mit einer Anhebung des Leitzinses entgegenwirken wird.
Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve in diesem Jahr noch den Leitzins anheben wird, sogar bei 78 %, wie Daten von Polymarket zeigen.
Der Markt ist zudem überraschend unsicher darüber, welche Entscheidung die Federal Reserve bei dem morgigen FOMC-Meeting verkünden wird. Laut dem CME FedWatch Tool wird der Leitzins zu 68,5 % gleichbelassen. Zu 31,5 % wird es einen Zinsschritt nach oben geben.
Eine derart große Ungewissheit ist vor allem so kurz vor Zinsentscheidungen besonders unüblich. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh möchte dem Markt auch grundsätzlich weniger Einblick in die zukünftigen geldpolitischen Schritte geben.
Gestern Abend gab es dann auch noch die Meldung, dass der bekannte Market Maker Citadel Securities mit einer überraschenden Zinsanhebung um 25 Basispunkte rechnet.
Es ist also gut vorstellbar, dass es im Zuge der morgigen Zinsentscheidung zu erhöhter Volatilität kommen wird.
Kann sich Bitcoin loslösen?
Sollte sich Bitcoin in dieser schwierigen Marktphase behaupten können, wäre dies als ein positives Zeichen für die Außenwahrnehmung der Anlageklasse zu werten.
Denn dann könnte das Narrativ, dass BTC mit einer gehebelten Wette auf den Nasdaq 100 gleichzusetzen sei, begraben werden. Auf dem Weg nach oben funktionierte das in den vergangenen Monaten ohnehin nicht mehr, also gibt es auch gute Gründe, wieso BTC nicht zwingend von einer Korrektur an den Aktienmärkten mit nach unten gerissen werden muss.
Die US-amerikanische Geldpolitik wird vermutlich aber noch lange Zeit eine große Bedeutung für die Entwicklung des Bitcoin-Kurses haben. Somit ist weiterhin davon auszugehen, dass BTC tendenziell von einem niedrigeren Leitzins oder einer Ausweitung der Fed-Bilanz profitieren wird.
Eine weiter steigende Geldmenge und der potenziell damit einhergehende Vertrauensverlust in den US-Dollar dürften nämlich die primären Treiber der BTC-Adoption bleiben.
Laut Mitchnick von BlackRock sollten die ausufernde US-Staatsverschuldung sowie das Gelddrucken im Zuge der Midterm-Wahlen wieder in den Fokus des Marktes rücken. Ihm zufolge könnte spätestens dann das positive Momentum bei BTC zurückkehren.