Der Chef der kasachischen Zentralbank hat heute bekannt gegeben, dass es bald Krypto-bezogene Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe geben wird. Seit geraumer Zeit plant Kasachstan den Aufbau einer Art Krypto-Reserve – sogar der Präsident des Landes sprach sich für diese Idee aus. Ab April oder Mai dieses Jahres soll das erste Geld in den Sektor fließen.

Kasachstan und die Krypto-Reserve

Ende Juni vergangenen Jahres teilte Timur Suleimenov, der Vorsitzende der Zentralbank Kasachstans, der Öffentlichkeit bereits mit, dass an einem Konzept für eine Krypto-Reserve gearbeitet werde.

Zu Beginn stand insbesondere im Raum, dass ein staatlicher Bestand über Mining-Aktivitäten aufgebaut werden könnte. Kasachstan ist einer der größten Bitcoin-Mining-Standorte der Welt.

Die internationale Praxis zeigt, dass die Quellen für eine solche Reserve konfiszierte Krypto-Assets sowie Kryptowährungen umfassen können, die von Krypto-Minern geschürft wurden, die sich teilweise im Besitz der Regierung befinden.
Timur Suleimenov, Zentralbankchef Kasachstans, im Juni 2025

Im September 2025 forderte schließlich sogar der kasachische Präsident, Kassym-Schomart Tokajew, in seiner Rede zur Lage der Nation die Schaffung eines Krypto-Reserve-Fonds.

Angesichts der heutigen Realitäten muss der Fokus auf Krypto-Assets gelegt werden. Auf Grundlage der Investitionsgesellschaft der Nationalbank soll ein staatlicher Fonds für digitale Vermögenswerte geschaffen werden, der eine strategische Krypto-Reserve aus den vielversprechendsten Assets der neuen digitalen Finanzordnung aufbaut.
Kassym-Schomart Tokajew, Präsident von Kasachstan

Wenig später wurde es dann auch schon etwas konkreter. Zentralbankchef Suleimenov erklärte in einem Bloomberg-Interview im November, dass ein Krypto-Reserve-Fonds für 500 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar errichtet werden soll.

Weiter hieß es, dass sich der Fonds aus beschlagnahmten Krypto-Assets zusammensetzen soll, aber auch direkte Investitionen in Krypto-bezogene Wertpapiere wie Aktien geplant seien.

Damals war die Rede von einem Start um den Jahreswechsel herum. „Ich denke, bis Ende des Jahres oder im Januar nächsten Jahres, werden wir es in Betrieb nehmen können“, so Suleimenov.

Da es bis vor Kurzem aber noch keine diesbezüglichen Meldungen gab, sah es so aus, als wäre das Vorhaben vorerst vertagt worden. Doch jetzt scheint es in wenigen Wochen endlich loszugehen.

Investitionen in wenigen Wochen geplant

Zentralbankchef Timur Suleimenov äußerte sich heute nun bei einem Auftritt schließlich wieder zum Stand der Dinge des geplanten Krypto-Reserve-Fonds. Reuters berichtete zuerst darüber.

Laut ihm habe das Land bis zu 350 Millionen US-Dollar aus den Gold- und ausländischen Devisenreserven beiseitegelegt, um damit Krypto-bezogene Assets zu kaufen. 

Außerdem werde derzeit an einer Liste mit Investments gearbeitet, in die das Geld fließen soll, so Suleimenov weiter.

Wir erstellen derzeit eine Liste von Instrumenten, in die wir investieren werden. Dazu gehören nicht nur die Kryptowährungen selbst.
Timur Suleimenov, Zentralbankchef Kasachstans

Bei diesen Instrumenten soll es sich insbesondere um Aktien von Unternehmen mit Krypto-Bezug und ETFs handeln. In Kryptowährungen selbst seien unter dem Strich keine großen direkten Investitionen geplant.

Wir sprechen hier nicht von großen Investitionen in Kryptowährungen. Wir wählen derzeit Unternehmen aus, die sich mit digitalen Vermögenswerten befassen. Zum Beispiel solche, die an der Infrastruktur für Kryptowährungen beteiligt sind.
Aliya Moldabekova, stellvertretende Vorsitzende der kasachischen Zentralbank

Die stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank, Aliya Moldabekova, erklärte überdies, dass das Programm voraussichtlich im April oder Mai dieses Jahres beginnen werde.

Enttäuschende Umsetzung?

Wie genau die Krypto-Reserve beziehungsweise der Reserve-Fonds aussehen wird, dürfte sich voraussichtlich in wenigen Wochen zeigen. In welchem Ausmaß Geld in Bitcoin direkt oder Bitcoin-ETFs fließen wird beziehungsweise ob dies überhaupt so geschehen wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar.

Der Fokus Kasachstans scheint unter dem Strich vielmehr auf Krypto-Aktien zu liegen. Dabei wirkt es so, als würde man sich eher auf Unternehmen für die Infrastruktur als auf „Bitcoin Treasury Companies“ wie Strategy konzentrieren.

Die Behauptung einiger 𝕏-Accounts, dass Kasachstan 350 Millionen US-Dollar direkt in Bitcoin oder andere Kryptowährungen investieren wird, stimmt letztlich also nicht mit der Realität überein. Hierzu posteten einige zur Untermauerung ihrer Aussage sogar ein Video von Suleimenov, das älter ist und in dem es um eine Krypto-City, aber nicht die Reserve geht.

BREAKING: DIE ZENTRALBANK VON KASACHSTAN HAT GERADE BEKANNT GEGEBEN, DASS SIE IM APRIL BITCOIN UND KRYPTOWÄHRUNGEN FÜR 350.000.000 US-DOLLAR KAUFEN WIRD

NATIONEN STELLEN MITTEL FÜR BTC BEREIT. ES IST SOWEIT 🚀
The Bitcoin Historian

Heute vor einem Jahr unterzeichnete US-Präsident Donald Trump das Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve, woraufhin einige andere Länder – darunter Kirgistan, Tschechien und Luxemburg – ebenfalls einen staatlichen Bestand aufgebaut haben.

Die Entwicklungen in den USA blieben bislang aber hinter den Erwartungen zurück. Es gibt bis heute nämlich nicht einmal Informationen dazu, wie viele BTC die USA wirklich halten, geschweige denn einen konkreten Fahrplan zur Akkumulation weiterer Coins.

In Kasachstan dürfte die Tatsache, dass es am Ende ein Portfolio werden könnte, das überwiegend aus Aktien der Krypto-Börse Coinbase oder Ähnlichem besteht, in der Bitcoin-Community ebenfalls für Enttäuschung sorgen. Nichtsdestotrotz ist ein klarer Trend erkennbar, der zeigt, dass sich immer mehr Länder den Sektor zunutze machen wollen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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