Kasachstan startet Förderprogramm für Krypto-Mining-Unternehmen und staatliche Bitcoin-Reserve
Kasachstan hat ein neuartiges Programm gestartet, um seine staatlichen Krypto-Reserven aufzubauen. Qualifizierte Mining-Unternehmen können künftig den Status eines „Strategic Digital Miner“ beantragen und so langfristig Zugang zu vergünstigten Stromkontingenten erhalten. Im Gegenzug müssen sie einen Teil der geschürften digitalen Vermögenswerte unentgeltlich an einen staatlichen Fonds übertragen, der diese anschließend an die nationale Krypto-Reserve weiterleitet.
Von Stefan
Vom Mining-Hotspot zum regulierten Markt
Kasachstan gehörte nach dem Mining-Verbot in China im Jahr 2021 wegen der niedrigen Strompreise und des kalten Klimas zeitweise zu den weltweit wichtigsten Standorten für Bitcoin-Mining. Der Anteil an der globalen Bitcoin-Hashrate erreichte damals mehr als 18 %.
Nach einer Energiekrise entschied sich die Regierung jedoch für umfangreiche Regulierungsmaßnahmen. Im Jahr 2023 schuf sie einen rechtlichen Rahmen für die Branche mit staatlichen Lizenzen, zusätzlichen Gebühren und einer Verpflichtung für Mining-Unternehmen, einen Großteil ihrer geschürften digitalen Vermögenswerte über vom Astana International Financial Centre (AIFC) lizenzierte Handelsplattformen zu veräußern.
Obwohl die Verkaufsverpflichtung Ende 2025 wieder aus dem Gesetz gestrichen wurde, führten diese Maßnahmen dazu, dass Kasachstan zunehmend an Bedeutung als Mining-Standort verlor. Während die globale Hashrate immer weiter anstieg, stagnierte das Wachstum der heimischen Mining-Industrie.
Heute liegt der Anteil Kasachstans an der globalen Bitcoin-Hashrate laut Hashrate-Index nur noch bei etwa 1,6 %, was dennoch einer Rechenleistung von etwa 15 EH/s entspricht. Damit belegt das Land derzeit Platz 11 unter den größten Mining-Nationen – hinter Norwegen und vor Georgien.
Der im April 2025 veröffentlichte Cambridge Digital Mining Industry Report zählt Kasachstan auf Basis einer Umfrage unter 49 Mining-Unternehmen dennoch weiterhin zu den fünf wichtigsten Standorten für das Bitcoin-Mining weltweit.
Parallel dazu verfolgt die kasachische Regierung das Ziel, einen staatlichen Krypto-Reserve-Fonds aufzubauen. Zentralbankchef Timur Suleimenov gab dazu bereits Pläne für Investitionen in Höhe von 350 Millionen US-Dollar in Krypto-bezogene Anlagen bekannt. Bislang gab es noch keine weiteren Informationen zu dem Aufbau, der eigentlich im April dieses Jahres starten sollte.
Nun hat die Regierung ein neuartiges Förderprogramm für große Mining-Unternehmen entwickelt, das diese dazu bewegen soll, freiwillig einen Teil ihrer geschürften digitalen Assets an die nationale strategische Krypto-Reserve zu übertragen.
Strategic Digital Mining
Am 18. Juli 2026 hat die Regierung Kasachstans die Verordnung Nr. 638 mit dem Titel „Regeln für das strategische digitale Mining“ verabschiedet, die voraussichtlich Anfang August 2026 in Kraft treten wird.
Mining-Unternehmen können sich freiwillig für das Programm des strategischen digitalen Minings bewerben, müssen jedoch umfangreiche technische, finanzielle und regulatorische Anforderungen erfüllen, um eine Zulassung zu erhalten.
Das Programm richtet sich ausschließlich an industrielle Mining-Unternehmen, da die Voraussetzungen entsprechend hoch angesetzt sind. Gefordert werden unter anderem:
- ein Rechenzentrum mit mindestens 150 Megawatt Anschlussleistung
- Mining-Hardware mit mindestens 150 TH/s je Gerät
- qualifiziertes Fachpersonal
- eigene Wartungs- und Reparaturkapazitäten
- Verträge mit mindestens zwei Internetanbietern
- die vollständige Erfüllung aller steuerlichen und regulatorischen Pflichten
- der Besitz aller erforderlichen Mining-Lizenzen
Wird ein Unternehmen von der zuständigen Kommission zugelassen, kann es langfristige Stromlieferverträge mit einer Laufzeit von bis zu 10 Jahren zu staatlich gedeckelten beziehungsweise regulierten Tarifen abschließen – sofern ausreichende Stromkapazitäten vorhanden sind.
Da Mining-Unternehmen in Kasachstan bislang häufig von kurzfristigen Strompreisschwankungen abhängig waren, soll das neue Programm mehr Planungssicherheit schaffen und zusätzliche Investitionen ermöglichen.
Als Gegenleistung verpflichten sich die Miner, jeden Monat einen Teil ihrer geschürften digitalen Vermögenswerte unentgeltlich an den von der kasachischen Regierung gegründeten Astana Hub Fund zu übertragen.
Da das industrielle Mining in Kasachstan überwiegend auf Bitcoin entfällt, dürfte die Regelung in der Praxis vor allem Bitcoin betreffen. Die Regierungsverordnung selbst nennt jedoch keine konkrete Kryptowährung, sondern spricht allgemein von „digitalen Vermögenswerten“.
In den Erläuterungen zur Verordnung wird zudem ein detailliertes Berechnungsmodell beschrieben, mit dem die individuelle Abgabe eines Mining-Unternehmens ermittelt wird.
Daraus ergibt sich für ein qualifiziertes Unternehmen die effektive Übertragung von monatlich etwa 10 % der geschürften Bitcoin, nach Abzug der Energie- und Netzkosten. Die Anteile werden zunächst an den Astana Hub Fund übertragen. Dieser leitet die Bitcoin dann an die National Investment Corporation der Nationalbank Kasachstans weiter, welche die nationale Krypto-Reserve verwaltet.
Neuer Ansatz für eine staatliche Bitcoin-Reserve
Kasachstan verfolgt mit dem Programm des „Strategischen Minings“ einen neuen Ansatz zum Aufbau staatlicher Bitcoin- bzw. Krypto-Reserven. Andere Staaten kaufen oder beschlagnahmen Bitcoin für ihre nationalen Reserven oder betreiben selbst Mining-Anlagen.
Das weltweit bislang einzigartige kasachische Modell unterscheidet sich davon grundlegend. Es handelt sich weder um staatliches Mining noch um den Ankauf von Kryptowährungen durch den Staat. Ebenso ist das Programm keine klassische Mining-Steuer oder ein anderes bekanntes staatliches Beteiligungsmodell.
Vielmehr basiert es auf einer vertraglichen Verpflichtung im Rahmen eines freiwilligen Förderprogramms, bei dem geschürfte Bitcoin von nicht-staatlichen Unternehmen gegen Strom zu staatlich gedeckelten Preisen ausgetauscht und schließlich in die nationale Reserve übertragen werden.
Die kasachische Regierung verfolgt damit gleich mehrere Ziele: Sie möchte sowohl zusätzliche digitale Vermögenswerte für die staatliche Krypto-Reserve aufbauen als auch große und langfristig orientierte Mining-Unternehmen im Land halten beziehungsweise neue Investitionen anziehen und die Wettbewerbsfähigkeit Kasachstans als Mining-Standort trotz der strengeren Regulierung stärken.
Ob dieses weltweit bislang einzigartige Modell den gewünschten Erfolg bringt und somit auch als Vorbild für andere Staaten dienen kann, bleibt abzuwarten.