Kampagne zur Schweizer Bitcoin-Reserve vor dem Aus
Eine Initiative von Bitcoin-Befürwortern, die die Schweizerische Nationalbank zum Kauf von Bitcoin verpflichten wollte, ist an mangelnder Unterstützung in der Bevölkerung gescheitert.
Die Idee einer Schweizer Bitcoin-Reserve
In der Schweiz ist Bitcoin inzwischen auf mehreren politischen Ebenen angekommen. Während in Bern auf kantonaler Ebene die Integration von Bitcoin-Mining in die Energiepolitik diskutiert wird, bildete sich im Jahr 2024 auch eine Volksinitiative, die die Schweizerische Nationalbank (SNB) verpflichten wollte, neben Reserven in Gold und Fremdwährungen auch eine Bitcoin-Position aufzubauen.
Die Unterstützer der Initiative sehen in Bitcoin ein politisch neutrales Gegengewicht zum US-Dollar oder Euro, wodurch die Souveränität und Neutralität der Schweiz gestärkt werden könne.
Die wichtigsten Akteure hinter dem Vorhaben sind Luzius Meisser und Yves Bennaim. Sie übten zunächst über Generalversammlungen und Medienkampagnen öffentlichen Druck auf die SNB aus. Allerdings hätte die Schweizer Verfassung geändert werden müssen, um die Zentralbank zu Bitcoin-Käufen verpflichten zu können.
Konkret sollte die Formulierung „Die Schweizerische Nationalbank bildet aus ihren Erträgen ausreichende Währungsreserven; ein Teil dieser Reserven wird in Gold gehalten“ um „und Bitcoin“ ergänzt werden.
Dazu startete die Ende 2024 offiziell zugelassene „Bitcoin Initiative“ ein nationales Referendum, für das innerhalb von 18 Monaten 100.000 gültige Unterschriften gesammelt werden mussten. Nun erklärte Mitinitiator Yves Bennaim gegenüber Reuters, dass bislang nur etwa die Hälfte der benötigten Unterschriften erreicht worden sei. Aus diesem Grund würde die Initiative jetzt auslaufen.
Bennaim betonte, dass die Initiative zwar von Anfang an ein gewagtes Unterfangen gewesen sei, jedoch zumindest eine öffentliche Debatte über die Rolle von Bitcoin in der Geldpolitik angestoßen habe. International gehörte die Kampagne zu den ersten ernsthaften Versuchen, Bitcoin per Verfassungsänderung als Teil staatlicher Währungsreserven zu etablieren.
SNB lehnt Bitcoin-Reserve weiterhin ab
Die Entscheidungsträger der Zentralbank, darunter SNB-Präsident Martin Schlegel, lehnen Bitcoin als Reserveanlage seit Beginn der Initiative klar ab.
Sie argumentieren, Kryptowährungen seien zu volatil und die Märkte nicht liquide genug, um die Anforderungen an sichere Währungsreserven zu erfüllen. Die Unterstützer der Initiative widersprechen dieser Einschätzung und verweisen auf die zunehmende Liquidität sowie institutionelle Akzeptanz von Bitcoin.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die SNB trotz ihrer öffentlichen Ablehnung von Bitcoin bereits indirekt erhebliches Bitcoin-Exposure aufgebaut hat. Über ihr breit gestreutes Aktienportfolio hält die Zentralbank inzwischen 766.100 Aktien des Unternehmens Strategy, dessen Unternehmensbewertung maßgeblich durch die mehr als 818.000 BTC schwere Bilanz geprägt wird. Im vergangenen Quartal kaufte die SNB etwas mehr als 50.000 MSTR-Aktien hinzu. Zum 31. März war die Strategy-Position rund 100 Millionen US-Dollar groß.
Gleichzeitig öffnen sich andere Zentralbanken langsam gegenüber Bitcoin und digitalen Assets. So gab die tschechische Zentralbank Ende Oktober 2025 bekannt, im Rahmen eines Testportfolios ungefähr 1 Million US-Dollar direkt in Bitcoin investiert zu haben. Und auch die Zentralbank Kasachstans arbeitet momentan daran, einen Krypto-Reserve-Fonds zu errichten.
Angestoßen wurde diese Entwicklung in erster Linie durch US-Präsident Donald Trumps Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve. Laut dem Exekutivdirektor des US-Crypto-Council werde es in den kommenden Wochen große Neuigkeiten zur Umsetzung geben.
Auch wenn die Bitcoin-Initiative in der Schweiz offenbar vorerst gescheitert ist, dürfte die Debatte über digitale Reserven in den Bilanzen von Zentralbanken noch längst nicht beendet sein.