Jurrien Timmer von Fidelity sieht jetzt gute Einstiegschancen bei Bitcoin
Jurrien Timmer, Makrostratege beim großen Vermögensverwalter Fidelity, sieht derzeit ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis bei Bitcoin. In einem aktuellen Interview erklärte er, dass das spekulative Kapital aus dem Bitcoin-Markt raus sei, wieso sich laut ihm jetzt gute Einstiegschancen ergäben und was die nächste Rallye auslösen könnte.
Von Tristan
Fidelity und Bitcoin
Fidelity ist hinter BlackRock und Vanguard der drittgrößte Vermögensverwalter der Welt. Das private Unternehmen ist schon seit Jahren positiv gegenüber Bitcoin eingestellt. Auf Initiative von CEO Abigail Johnson begann Fidelity im Jahr 2014 sogar mit dem Schürfen von Bitcoin.
Der Bitcoin-Spot-ETF von Fidelity (FBTC) ist mit einem Fondsvermögen von rund 11 Milliarden US-Dollar die Nummer 2 hinter BlackRocks IBIT. Insgesamt verwaltet Fidelity knapp 8 Billionen US-Dollar.
Jurrien Timmer, „Director of Global Macro“ bei Fidelity, sorgt gelegentlich mit seinen – überwiegend optimistischen – Einschätzungen zu Bitcoin für Schlagzeilen. So nannte er Bitcoin Ende 2023 beispielsweise „exponentielles Gold“ und eine „leistungsstarke Absicherung gegen monetäre Schwindeleien“.
Dass er Bitcoin auf dem aktuellen Kursniveau für attraktiv hält, ging bereits aus einem 𝕏-Post vom 10. Juli dieses Jahres hervor.
Da führte er schon das „Power Law“ an, um den Punkt zu machen, dass sich BTC in einer Akkumulierungszone befinde.
Was Bitcoin betrifft, so könnte sich auch dieser (meiner Ansicht nach) in einer Akkumulationszone befinden. Bei 60.000 US-Dollar nähert er sich immer mehr seiner nach dem Power Law berechneten Unterstützungslinie.
Jurrien Timmer, Fidelity
As for Bitcoin, it too may be in an accumulation zone (in my view). At $60k it’s getting ever closer to its power law support line. pic.twitter.com/M3T3rDGFMx
— Jurrien Timmer (@TimmerFidelity) July 10, 2026
Timmers aktuelle Einschätzung zu Bitcoin
Am Freitag dieser Woche war Timmer schließlich bei Scott Melker (Wolf of All Streets) im Interview, um detaillierter über die aktuelle Lage bei Bitcoin zu sprechen.
Keine negative Reaktion mehr auf schlechte Meldungen
Zunächst teilte aber der YouTuber Scott Melker seine Einschätzung, dass sich Bitcoin in den vergangenen Tagen trotz der negativen Meldungen überraschend gut geschlagen habe.
Denn obwohl eine Verabschiedung des CLARITY Act immer unwahrscheinlicher wurde, Strategy kontinuierlich Bitcoin verkauft und der Coldcard-Hack die Sicherheit der Selbstverwahrung infrage gestellt hat, gab es keinen weiteren Abverkauf.
Das ist tatsächlich ein weitverbreitetes Narrativ, dem sich auch Matt Hougan, CIO des Vermögensverwalters Bitwise, bediente. Er erklärte gegenüber Bloomberg, dass er deshalb glaube, BTC habe seinen Boden schon erreicht.
Jurrien Timmer von Fidelity scheint dies ebenfalls als positives Zeichen zu sehen. Er stimmte Melker bei seiner Ausführung nämlich zu.
4-Jahres-Zyklus und interessantere Trades
Anschließend kam er auf die Gründe für die Kursschwäche der vergangenen Monate zu sprechen.
Hierbei bezog er sich zunächst darauf, dass nach der ETF-Zulassung im Januar 2024 und nach dem Wahlsieg des „Krypto-Präsidenten“ Donald Trump viel spekulatives Kapital in den Markt gekommen sei. Dieses schnelle Geld sei aber nicht loyal, so Timmer.
Vor ein paar Jahren gab es dann die Hoffnung, wenn man so will, dass mit den ETFs die nächste Adoptionswelle kommen würde. Und ich denke, zu einem erheblichen Teil war das auch richtig. Aber sobald man es sehr, sehr einfach macht, Bitcoin zu kaufen, kommen zusätzlich zu den Menschen, die Bitcoin wirklich mögen und das Konzept überzeugend finden, auch die kurzfristig orientierten Spekulanten ins Spiel – das sogenannte schnelle Geld. Und dieses schnelle Geld ist keiner Anlageklasse gegenüber loyal. Es kauft schlicht das, was gerade steigt. Ein Teil dieses schnellen Geldes kam also zu Bitcoin. Und auch die politische Entwicklung spielte eine Rolle: Donald Trump wurde gewählt und unternahm einige Dinge, die für diesen Bereich positiv waren. Dann hatten wir so etwas wie – ich würde es nicht als klassischen Blow-off-Top bezeichnen – einen Anstieg bis auf 126.000 US-Dollar. Und dort lief die Bewegung einfach allmählich aus.
Jurrien Timmer, Fidelity
Hinzu komme, dass der bekannte 4-Jahres-Zyklus von Bitcoin perfekt zu dem Allzeithoch im Oktober 2025 mit anschließendem Bärenmarkt gepasst habe.
Wenn man sich die Wellenstruktur des vierjährigen Bitcoin-Zyklus ansieht, ergibt sie auf einer linearen Skala keinen Sinn. Auf einer Log-Log-Skala dagegen weist sie eine wunderschöne Harmonie auf. Und dieses Hoch lag klar innerhalb des zu erwartenden Bereichs. Vielleicht war es etwas zu niedrig, vielleicht hätte Bitcoin auf 150.000 US-Dollar steigen sollen. Aber sowohl zeitlich als auch preislich lag es in genau dem Bereich, in dem man das Ende eines Bullenmarktes innerhalb des 4-Jahres-Zyklus erwarten würde.
Jurrien Timmer, Fidelity
Das spekulative Kapital sei dann zunächst zu Gold und Silber, die Ende Januar dieses Jahres noch neue Höchststände erreichten, geflossen. Von da aus sei es mit KI- und Halbleiteraktien weitergegangen.
In der Zwischenzeit ist das schnelle Geld aber weitergezogen. Als Bitcoin letztes Jahr nicht mehr funktionierte, sprang es auf den Gold-Zug auf. Man erinnere sich: Die chinesische Zentralbank und chinesische Investoren kauften Gold. Der Silber-ETF drehte völlig durch und stieg auf 150 US-Dollar. Dorthin wanderte also das schnelle Geld. […] Dann funktionierte Gold irgendwann ebenfalls nicht mehr. Und was passierte? Genau zu diesem Zeitpunkt nahm der KI-Boom richtig Fahrt auf. Jetzt befindet sich das schnelle Geld in KI-Aktien und Halbleitern. Wenn man sich beispielsweise die ETF-Zuflüsse in Korea anschaut – etwa gehebelte ETFs auf einzelne Aktien – sind allein im ETF-Bereich rund 70 Milliarden US-Dollar schnelles Geld dorthin geflossen. Das schnelle Geld ist also momentan woanders. Doch irgendwann wird auch dieser Trade nicht mehr funktionieren.
Jurrien Timmer, Fidelity
Hier schlägt Timmers Argumentation in eine ähnliche Kerbe wie die von BlackRocks Robbie Mitchnick. Auch er befeuerte das Narrativ, dass der KI-Hype Kapital aus anderen Sektoren aufsaugt, worunter Bitcoin leide.
Gutes Chance-Risiko-Verhältnis
Für Jurrien Timmer befinde sich Bitcoin auf einem Kursniveau, das er schon länger für einen möglichen Boden in Betracht gezogen hatte. Hierbei bezog er sich in erster Linie auf die Unterstützungslinie des „Power Law“, auf der BTC momentan aufsetzt.
Preislich könne die Korrektur laut Timmer also schon ihr Ende erreicht haben. Er verwies dennoch darauf, dass laut dem 4-Jahres-Zyklus noch etwas Zeit vergehen dürfte, bis der Kurs wieder nachhaltig steigt.
Denn die letzten Bitcoin-Bärenmärkte dauerten immer ziemlich genau 12 Monate. Seit dem Allzeithoch im Oktober 2025 sind erst etwas mehr als 10 Monate vergangen.
Wir dümpeln hier herum, weil die zeitliche Komponente des 4-Jahres-Zyklus – also der Winter des Zyklus – noch nicht weit genug fortgeschritten ist. Eigentlich wäre es noch zu früh für die endgültige Bodenbildung.
Jurrien Timmer, Fidelity
Dennoch: Obwohl sich die Korrektur noch weiter fortsetzen könne, sei das Chance-Risiko-Verhältnis bei Bitcoin jetzt für Timmer interessant.
Aber in der Gegend um 60.000 US-Dollar – selbst wenn Bitcoin noch auf 50.000 US-Dollar fällt – ist das für mich ein Bereich, bei dem ich sage: Okay, und das ist keine Anlageberatung, aber hier beginnt das Chance-Risiko-Verhältnis für mich wieder ausgewogen beziehungsweise interessant zu werden.
Jurrien Timmer, Fidelity
Jurrien Timmer (@TimmerFidelity) von @Fidelity sieht bei Bitcoin aktuell ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis. 📈👀
— Blocktrainer (@blocktrainer) August 14, 2026
Er führt an, dass sich $BTC laut dem Power Law in der Bodenregion befindet und das spekulative Kapital bald wieder von KI-Aktien zu Wertspeichern fließen könnte. 🔥 pic.twitter.com/Qr58b69avr
Ein möglicher Katalysator, den er nannte, ist, dass der Wertspeicher-Trade wieder an Fahrt aufnehmen könnte. Dadurch dürfte auch Bitcoin als „jüngerer Bruder“ von Gold profitieren, so Timmer.
Der Makrostratege von Fidelity verwies hierbei auf die wieder ansteigende globale Liquidität, in einer Zeit, in der das spekulative Kapital aus dem Gold- und Bitcoin-Markt größtenteils abgewandert sei.
Damit gebe es neben der Zyklustheorie auch fundamentale Gründe, die einen potenziell schon bald wieder neu aufflammenden Bullenmarkt bei Bitcoin erklären könnten.
Oftmals ist es ohnehin so, dass Narrative dem Preis folgen und nicht umgekehrt, während steigende Kurse allein schon neue Käufer anziehen können.
Wochenrückblick #141 - Fidelity & Bitwise sehen Bitcoin-Boden, Harvard & Abu Dhabi Staatsfonds melden BTC-ETF-Positionen, MSCI vs. Strategy (schon wieder)
In der neuen Folge des Wochenrückblicks bespricht Blocktrainer-Chefredakteur Tristan die mögliche Bodenbildung, die Bitcoin laut Analysten von Fidelity und Bitwise gerade durchläuft. Außerdem Thema sind die gemeldeten Bitcoin-ETF-Positionen von Elite-Unis wie Harvard und den Abu-Dhabi-Staatsfonds sowie die durch MSCI Inc. neu angestrebte Indexexklusion von Strategy und Metaplanet.
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