Der chinesische Hersteller von Mining-Hardware Canaan Inc. wird noch in diesem Jahr gemeinsam mit einem halbstaatlichen japanischen Energieversorger ein Projekt starten, bei dem Bitcoin-Miner zur Stabilisierung und Optimierung des Stromnetzes eingesetzt werden. Geplant ist die Installation wassergekühlter Avalon-Mining-Racks mit einer Gesamtkapazität von 4,5 Megawatt sowie eines Steuerungssystems für den Netzlastenausgleich in Echtzeit.

Canaan startet 4,5-MW-Projekt

Ende Oktober gab Canaan bekannt, einen Vertrag mit einem großen regionalen Energieversorger in Japan über die Lieferung wassergekühlter Avalon-A1566HA-488T-Mining-Racks mit einer Gesamtkapazität von 4,5 Megawatt (MW) abgeschlossen zu haben. Die Geräte sind für eine Anlage vorgesehen, die Ende 2025 ihren Betrieb aufnehmen soll.

Öffentliche Datenblätter mit exakten Leistungsdaten zu Hashrate, Stromaufnahme und Effizienz liegen derzeit nur zum nahe verwandten Modell A1566HA-480T vor: etwa 480 TH/s bei 8.064 Watt (≈ 16,8 J/TH). Es ist naheliegend, dass die 488T-Variante eine angepasste Projektkonfiguration darstellt, die offiziell noch nicht als Standardprodukt gelistet ist.

Unter der Annahme, dass die A1566HA-488T-Miner eine ähnliche Leistungsaufnahme wie das verwandte 480T-Modell (8.064 Watt) haben, würde ein 4,5-MW-Projekt rund 550 Geräte umfassen. Diese kämen zusammen auf eine Gesamthashrate von etwa 268 PH/s.

Dynamische Steuerung

Die Anlage läuft jedoch nicht dauerhaft auf voller Leistung, sondern wird durch einen von Canaan entwickelten Steuerchip reguliert, der Frequenz, Spannung und Hashrate dynamisch an Schwankungen im Netz anpasst. Diese Schwankungen entstehen sowohl durch unterschiedliche Nachfrage als auch durch die Integration erneuerbarer Energiequellen, deren Stromproduktion wetterbedingt stark variiert.

Um den Stromverbrauch flexibel an die Netzsituation (Nachfrage und Stromproduktion) anzupassen, können die ASICs in Echtzeit über- und untertaktet werden. So nehmen sie überschüssige Energie auf oder reduzieren ihre Leistung sofort, wenn das Netz es erfordert. Die Geräte fungieren damit als flexibler digitaler Lastpuffer, der Überschussstrom verwertet, das Stromnetz stabilisiert und sowohl Effizienz als auch Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit der Energieversorgung verbessert.

Mit unseren wassergekühlten Avalon-Servern, die mit einem intelligenten Steuerchip und Bitcoin-Mining-Technologie ausgestattet sind, können Energieversorger das Bitcoin-Mining als digitalen Lastenausgleich nutzen und so sowohl die Nachhaltigkeit der Energieversorgung als auch die Effizienz des Stromnetzes verbessern.
Nangeng Zhang, Vorsitzender und CEO von Canaan

Zhang betonte, dass das Projekt auf Erfahrungen aufbaut, die Canaan bereits im Vorjahr in den Niederlanden gesammelt hat, und als Vorbild für weitere internationale Projekte dienen soll, um eine energieeffiziente und nachhaltige Lösung für die steigende Nachfrage nach Energie – insbesondere im Bereich von Rechenzentren – zu bieten. Damit will Canaan seine Position an der Schnittstelle zwischen KI-Infrastruktur, erneuerbaren Energien und Bitcoin-Mining stärken.

Japan setzt auf Bitcoin-Mining

Mit welchem regionalen Energieversorger Canaan kooperiert, wurde nicht explizit genannt. Berichten zufolge handelt es sich um ein staatlich kontrolliertes Unternehmen, sodass vermutlich die Tokyo Electric Power Company Holdings (TEPCO) beziehungsweise das Tochterunternehmen Agile Energy X beteiligt sein könnten.

Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass beide Unternehmen zusammen mit dem Mining-Chip-Entwickler TRIPLE-1 bereits ein Pilotprojekt mit Bitcoin-Minern zur Verwertung überschüssiger grüner Energie und zur Netzstabilisierung im Großraum Tokio gestartet haben. Agile Energy X betreibt zudem in den Präfekturen Gunma und Tochigi Mining-Anlagen und plant, bis zum Jahr 2030 Rechenzentren mit einer Gesamtkapazität von 100 Megawatt zu errichten, um erneuerbare Energieüberschüsse effizient zu nutzen.

Das neue Canaan-Projekt bestätigt den Trend aus diesen Pilotprojekten: Japan betrachtet Bitcoin-Mining nicht als Belastung, sondern zunehmend als energiewirtschaftliches Werkzeug, das in die nationale Energieinfrastruktur integriert werden kann und Energiesysteme nachhaltiger, robuster und wirtschaftlicher macht. Damit reiht sich Japan in die Liste der Länder ein, die Mining bereits aktiv und teils staatlich unterstützt in ihre Energieinfrastruktur einbinden – wie unter anderem das Königreich Bhutan oder die Vereinigten Arabischen Emirate.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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