El Salvadors „Bitcoin-Käufe“ sind private Spenden
Der Internationale Währungsfonds (IWF) schreibt zu El Salvador, dass das Land Dokumente vorgelegt habe, um zu zeigen, dass die Vergrößerung der Bitcoin-Reserve zuletzt auf private Spenden zurückzuführen sei. Präsident Nayib Bukele verweist auf diese Mitteilung im Kontext der staatlichen BTC-Bestände, ohne auf den offensichtlichen Widerspruch zu seiner vorherigen Kommunikation einzugehen.
Von Tristan
Widersprüchliche Informationen zu BTC-Käufen nach IWF-Deal
Ende 2024 ist El Salvador einen Deal mit dem IWF eingegangen. Für einen Kredit in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar wurde sich unter anderem darauf geeinigt, Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel wieder abzuschaffen. Bestandteil war überdies, dass die staatlichen Bitcoin-Käufe eingestellt werden.
Seither kursierten widersprüchliche Meldungen hinsichtlich der salvadorianischen Bitcoin-Reserve.
Denn der Sparplan in Höhe von 1 BTC pro Tag, der im November 2022 gestartet wurde, lief auf den ersten Blick unbeirrt weiter. Der offiziellen Bitcoin-Wallet El Salvadors flossen nämlich weiterhin kontinuierlich BTC hinzu.
Im März 2025, also nach der Abmachung mit dem IWF, erklärte Bukele dann auch noch selbstbewusst, dass die Käufe nicht aufhören würden.
„Das alles hört im April auf.“ „Das alles hört im Juni auf.“ „Das alles hört im Dezember auf.“
Nein, es hört nicht auf.
Wenn es nicht aufgehört hat, als die Welt uns geächtet hat und die meisten „Bitcoiner“ uns im Stich gelassen haben, wird es auch jetzt nicht aufhören, und es wird auch in Zukunft nicht aufhören.
Proof of Work > Proof of Jammern
Nayib Bukele
“This all stops in April.” “This all stops in June.” “This all stops in December.”
— Nayib Bukele (@nayibbukele) March 4, 2025
No, it’s not stopping.
If it didn’t stop when the world ostracized us and most “bitcoiners” abandoned us, it won’t stop now, and it won’t stop in the future.
Proof of work > proof of whining https://t.co/9pC0PoY3YQ
Vonseiten des IWF gab es derweil mehrere Aussagen, die diese Darstellung eindeutig anzweifelten.
Rodrigo Valdés, Direktor der Fiskalabteilung des IWF, behauptete beispielsweise im April 2025, dass El Salvador die „Verpflichtung zur Nichtakkumulation von Bitcoin im gesamten fiskalischen Sektor“ weiterhin einhalten würde.
Ich kann bestätigen, dass sie ihre Verpflichtung zur Nichtakkumulation von Bitcoin im gesamten fiskalischen Sektor weiterhin einhalten, was unser Leistungskriterium ist.
Rodrigo Valdés, IWF
Der Internationale Währungsfonds (@IMFNews) bestätigt, dass El Salvador die Bitcoin-Akkumulation über den „gesamten Fiskalsektor“ gestoppt hat – so wie es der Deal vorsieht. 🇸🇻👀
— Blocktrainer (@blocktrainer) April 27, 2025
Gleichzeitig fließt der offiziellen Wallet des Landes täglich 1 $BTC zu – wo liegt die Wahrheit? 🤔 pic.twitter.com/jqXYJX0BMH
Ein IWF-Bericht aus dem Juli 2025 lieferte schließlich auch eine Erklärung für den Widerspruch. Darin hieß es, dass die weiterhin wachsende Bitcoin-Reserve auf interne Verschiebungen zurückzuführen sei.
Der Anstieg der Bitcoin-Bestände im strategischen Bitcoin-Reserve-Fonds spiegelt die Konsolidierung von Bitcoin in verschiedenen staatlichen Wallets wider.
Aus dem damaligen IWF-Bericht
Neuer IWF-Bericht zu El Salvador
In einer am Donnerstag dieser Woche veröffentlichten Pressemitteilung des IWF zu vorläufigen Ergebnissen eines noch folgenden Berichts gab es nun neue Details.
Laut dieser habe El Salvador nämlich Dokumente vorgelegt, um zu zeigen, dass die weiter anwachsende Bitcoin-Reserve seither auf private Spenden zurückzuführen sei. Es seien keine staatlichen Gelder verwendet worden und der IWF gehe davon aus, dass es dabei bleiben werde.
Es wurden Unterlagen vorgelegt, aus denen hervorgeht, dass der Bitcoin-Zuwachs seit der ersten Überprüfung auf private Spenden zurückzuführen ist und keine öffentlichen Mittel verwendet wurden. […] Für die Zukunft wird kein weiterer Bitcoin-Zuwachs über die dokumentierten Spenden hinaus erwartet.
Aus der neuen IWF-Pressemitteilung
Präsident Nayib Bukele postete diese Pressemitteilung selbst auf der Plattform 𝕏 – offenbar weil er stolz darauf ist, wie sein Land grundsätzlich dabei wegkommt. Der IWF betont nämlich unter anderem, dass sich die Wirtschaft El Salvadors besser entwickelt als erwartet.
Gradually, then suddenly… https://t.co/hmdMLRZioh
— Nayib Bukele (@nayibbukele) September 3, 2026
Bukele nutzt IWF als Quelle
Zu dem Widerspruch hinsichtlich der Bitcoin-Akkumulation äußerte sich Bukele nicht.
Dafür aber zu einem Beitrag, in dem fälschlicherweise behauptet wurde, dass El Salvador die Bitcoin-Reserve an private Akteure übertragen habe.
Um dies zu widerlegen, verlinkte er die Pressemitteilung und erklärte, dass lediglich die Anteile an der Bitcoin-Wallet Chivo übertragen worden seien, wie auch der IWF schreibt.
Lesen Sie diesen Tweet, in dem BEHAUPTET wird, El Salvador habe seine Bitcoin-Reserven an ein privates Unternehmen übertragen, was VÖLLIG FALSCH ist.
Hier ist der Link derselben Institution, die EL PAÍS als Quelle angibt: der Internationale Währungsfonds (IWF).
Lesen Sie es nach. Dort steht ganz klar das genaue Gegenteil: Dass das Einzige, was übertragen wurde, die Anteile an Chivo waren – etwas, das bereits vor anderthalb Jahren angeboten wurde – und NICHT die strategische Bitcoin-Reserve.
Nayib Bukele
Normalmente no contesto directamente a tanta noticia falsa, pero esta me pareció un buen ejemplo de cómo estos “periodistas” y medios de comunicación MIENTEN descaradamente a sus lectores.
— Nayib Bukele (@nayibbukele) September 4, 2026
Lean este tuit, que ASEGURA que El Salvador ha transferido sus reservas de bitcoin a un… https://t.co/Y9OdnNpKal
Das ist dann schon bemerkenswert. Denn die vorherigen Aussagen Bukeles stehen immer noch im Widerspruch zu dem, was der IWF kommuniziert.
Jetzt verweist der Präsident im Kontext der Bitcoin-Reserve selbst auf eine IWF-Mitteilung, in der klipp und klar geschrieben steht, dass El Salvador keine Bitcoin mehr kauft.
Der 𝕏-Account Pledditor fasst es wie folgt treffend zusammen:
Beachtet, dass Bukele einen Link zur Website des IWF als maßgebliche Quelle für Informationen über die strategische Bitcoin-Reserve von El Salvador teilt.
Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr, als viele von Bukeles Anhängern die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Darstellung der Käufe im Rahmen der Reserve auf Twitter und der weniger rosigen Schilderung der Ereignisse durch den IWF so kommentierten: „Wem glauben Sie, dem IWF oder El Salvador?“ „Ihr glaubt doch sicher nicht dem IWF statt dem Bitcoin-Präsidenten, oder?“
Nun ja … es scheint, als würde Bukele nun die Darstellung des IWF bezüglich der strategischen Bitcoin-Reserve als die Wahrheit anerkennen.
Übrigens ist es mir eigentlich ziemlich egal, ob El Salvador nun kauft oder nicht. Ich mag einfach keine Lügner. Die Tatsache, dass wir all diese unbequemen Wahrheiten zuerst vom IWF und nicht von El Salvador erfahren haben, und dass der Twitter-Account des Bitcoin Office von El Salvador die Öffentlichkeit noch lange danach weiterhin gegaslightet hat – das ist es, was mir einen schlechten Nachgeschmack hinterlassen hat. Bukele sollte nicht auf die Website des IWF verlinken. Er sollte auf eine offizielle Website von El Salvador verlinken, auf der diese Informationen zu finden sind. Er hätte derjenige sein sollen, der uns diese Dinge schon letztes Jahr erzählt hätte.
Pledditor
Wer El Salvador diese Bitcoin spenden soll, ist derweil nicht bekannt. Bei täglichen Zuflüssen in Höhe von 1 BTC pro Tag kommt über die Zeit eine große Summe zusammen. Weder das salvadorianische Bitcoin Office noch Bukele haben bis heute konkrete Informationen zur Reserve geliefert.
Das Bitcoin Office setzte vor wenigen Stunden sogar noch einen Post ab, in dem es heißt, El Salvador habe gerade weitere Bitcoin gekauft.
🇸🇻 El Salvador just bought more Bitcoin pic.twitter.com/CSgd1PjFeQ
— The Bitcoin Office (@bitcoinofficesv) September 5, 2026
El Salvador wurde im Jahr 2021 zum ersten Land der Welt, das offiziell Bitcoin gekauft hat. Laut der offiziellen Adresse hält das Land aktuell 7.765 BTC im Gegenwert von über 600 Millionen US-Dollar.
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