Der Bitcoin-Kurs ist am gestrigen Freitag auf 65.500 US-Dollar und damit auf das tiefste Niveau seit Anfang März gefallen. Der Kursrutsch war begleitet von zunehmenden Unsicherheiten hinsichtlich des Irankriegs sowie negativen Meldungen zur US-amerikanischen Krypto-Politik.

Irankrieg belastet die Märkte

Seit genau einem Monat befinden sich die USA und Israel im Krieg mit dem Iran. Durch die vom Iran kontrollierte Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird, fährt quasi kaum ein Tanker mehr. Im Rahmen des Kriegs gab es auch Luftangriffe auf die Energieinfrastruktur des Iran.

Während kaum abzusehen ist, wie lange sich der Konflikt noch hinziehen wird, ist eines klar: Je länger die Situation anhält, desto prekärer die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. An den Kapitalmärkten wird momentan zunehmend eingepreist, dass die Inflation wieder anziehen und es entsprechend in diesem Jahr keine Zinssenkungen der Federal Reserve mehr geben wird. Die nächste Zinssenkung wird momentan allerfrühestens Ende 2027 erwartet.

In den vergangenen Tagen gab es dann ein regelrechtes Hin und Her hinsichtlich des Kriegs, das alles andere als für Beruhigung sorgte.

Zuerst hieß es am Freitag vergangener Woche in einem Post von US-Präsident Donald Trump, dass die Regierung erwägen würde, die militärischen Operationen zurückzufahren. Einen Tag später drohte Trump dann mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur, wenn der Iran innerhalb von 48 Stunden nicht die Straße von Hormus öffnet.

Am Montagmorgen gab es wegen vermeintlich „produktiver Konversationen“ mit dem Iran ein neues Ultimatum von fünf Tagen. Währenddessen hieß es vonseiten des Iran, dass es gar keine direkten Gespräche geben würde.

Vier Tage später erklärte Trump dann, dass der Iran nun doch bis zum 6. April, also noch einmal zehn Tage mehr, Zeit habe. Dazu schrieb er, dass die Regierung des Iran darum gebeten hätte, und die „gut laufenden Gespräche“ derweil weitergehen würden.

Der Konsens ist, dass sich die USA in eine schwierige Lage manövriert und den Iran unterschätzt haben. Denn es gibt wenig Anzeichen für eine schnelle Einigung, die im Interesse beider Parteien ist. Der Iran scheint nicht einzuknicken, während die Drohungen aus Washington wohl kaum noch die gewünschte Wirkung entfalten.

Außerdem kommt momentan zunehmend die Befürchtung auf, dass der Krieg durch den Einsatz von Bodentruppen der USA weiter eskaliert. Da noch kein Ende in Sicht zu sein scheint und jeder weitere Tag die Wirtschaft zusätzlich belastet, kam es in den vergangenen Tagen auch zu stärkeren Verwerfungen an den Kapitalmärkten.

Bitcoin wird mit nach unten gezogen

Im Rahmen der ganzen Unsicherheiten gerieten Gold und breite Aktienindizes erheblich unter Druck. Bitcoin konnte in den ersten drei Wochen nach Kriegsausbruch zwar noch durch Outperformance glänzen, kippte in dieser Woche auch bei der bedeutendsten Kryptowährung die Stimmung.

  Bitcoin (IBIT) Gold (IAU) MSCI World (URTH) MSCI Emerging Markets (EEM)
Woche 1 +3,79 % –2,11 % –3,07 % –8,41 %
Woche 2 +4,59 % –2,68 % –1,75 % –0,91 %
Woche 3 –1,44 % –10,26 % –2,06 % –2,06 %
Woche 4 –5,96 % +0,30 % –1,45 % –0,79 %

Doch obwohl Bitcoin in dieser Woche der große Verlierer war, ist das Asset seit dem Kriegsausbruch am besten gelaufen. BTC konnte in Reaktion nämlich immer noch leicht zulegen, während Gold und Aktien deutlich unter Druck geraten sind.

Bitcoin weiterhin im Bärenmarkt

Nachdem Bitcoin am 6. Oktober 2025 noch einen Höchststand von circa 126.300 US-Dollar erreichen konnte, setzte ein scharfer Abwärtstrend ein. Anfang Februar crashte BTC bereits auf 60.000 US-Dollar, womit der Kursrückgang seit dem Hoch mehr als 50 % betrug.

Von diesem Niveau aus konnte sich Bitcoin zwar ein gutes Stück erholen. Doch in den vergangenen Tagen näherte sich der Kurs wieder mit großen Schritten dem bisherigen Tiefstand des Jahres.

Die Tatsache, dass sich Bitcoin im Rahmen des Irankriegs verhältnismäßig gut halten kann, gilt es unter dem Strich auch ein wenig zu relativieren. Gold und der MSCI World handeln nämlich nur rund 20 % respektive 10 % unter dem Allzeithoch, während es bei Bitcoin aktuell fast 50 % sind.

Sollte es in den letzten Tagen des Monats nicht noch eine Erholung geben, würde Bitcoin sogar die sechste rote Monatskerze in Folge verzeichnen. Das geschah zum ersten und bislang einzigen Mal im Bitcoin-Bärenmarkt 2018. Damals gab es im Anschluss eine starke Erholung.

Damit der März doch noch ein grüner Monat werden kann, müsste BTC laut Daten der Krypto-Börse Coinbase zum Monatswechsel über 66.971 US-Dollar handeln.

Schlechte Signale aus der US-Politik

Was in dieser Woche ebenfalls auf den Kurs gedrückt haben dürfte, sind mehrere Meldungen aus der US-amerikanischen Krypto-Politik.

Weiterer Streit um CLARITY Act

Ende vergangener Woche sah es noch so aus, als würde das Krypto-Marktstrukturgesetz CLARITY Act nun endlich voranschreiten. Die Senatoren Angela Alsobrooks und Thom Tillis sagten nämlich, dass sie mit dem Weißen Haus eine vorläufige Einigung beim Streitthema Stablecoin-Renditen erzielt haben. 

In dieser Woche wurde dann deutlich, dass die angestrebte Lösung wie folgt aussieht: Bei Stablecoins dürfen nur „Rewards“ weitergegeben werden, wenn diese mit Aktivitäten in Verbindung stehen. Einfach nur für das Halten der mit US-Dollar gedeckten Kryptowährungen kompensiert zu werden, soll gänzlich verboten sein. Der aktuelle Entwurf soll erst in der kommenden Woche geteilt werden.

Die Aktien von Coinbase und der mit der Krypto-Börse verbandelten Stablecoin-Firma Circle brachen daraufhin ein und es soll zu heftigen Streitigkeiten mit Vertretern der Krypto-Branche gekommen sein, wie beispielsweise Crypto in America unter Bezugnahme auf Insider berichtete. 

Im Laufe dieser Entwicklungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act noch in diesem Jahr verabschiedet wird, wieder auf circa 52 % zurückgelaufen. Da das umfassende Krypto-Gesetz vor allem auch für lang ersehnte regulatorische Klarheit im Krypto-Markt sorgen soll, wirkt sich das entsprechend eher negativ auf die Kurse von Bitcoin und Co. aus.

Lobbyarbeit gegen Steuerfreiheit bei Bitcoin-Transaktionen?

Hinzu kommt, dass in dieser Woche ein zusätzlicher Gesetzentwurf namens PARITY Act vorgelegt wurde, der eine steuerliche Sonderregelung nur für kleine Transaktionen mit regulierten Stablecoins vorsieht. Daraufhin wurde die Krypto-Börse Coinbase beschuldigt, die eigentlich angestrebte „De-Minimis-Regelung“ für Bitcoin gezielt zu untergraben. Für Coinbase ist das Stablecoin-Geschäft von großer Relevanz – unter anderem auch durch die Beteiligung an Circle.

Als es vor wenigen Wochen bereits diesbezügliche Gerüchte gab, wies Coinbase-CEO Brian Armstrong sie entschieden zurück und sagte, dass er für die „De-Minimis-Regelung“ bei Bitcoin lobbyieren würde. Durch den neuen Gesetzentwurf fühlen sich Kritiker – wie das Medium TFTC – nun jedoch bestätigt.

Vor ein paar Wochen haben wir auf Basis belastbarer Quellen berichtet, dass Coinbase still und leise lobbyiert hat, um eine echte De-Minimis-Steuerbefreiung für Bitcoin zu verhindern, während man gleichzeitig eine Regelung vorangetrieben hat, die nur für Stablecoins wie USDC gelten würde. […] Eine richtige De-Minimis-Regel für Bitcoin würde es den Menschen ermöglichen, Sats für alltägliche Einkäufe auszugeben, ohne dass bei jeder einzelnen Transaktion ein steuerpflichtiges Ereignis ausgelöst wird. Das steht in direkter Konkurrenz zu ihrer zentralisierten Renditemaschine. […] Brian Armstrong hat heftig dagegengehalten. Er bezeichnete unsere Berichterstattung als völlig falsch und als Desinformation, während er zugleich darauf bestand, persönlich für eine Bitcoin-De-Minimis-Regel lobbyiert zu haben. […] Jetzt ist der neueste Entwurf von den Abgeordneten Horsford und Max Miller zum aktualisierten PARITY-Act-Rahmen erschienen. Er bestätigt genau das, wovor wir gewarnt haben. Er gewährt Stablecoins eine De-Minimis-Ausnahme, lässt Bitcoin aber vollständig außen vor.
TFTC

Die Bitcoin-freundliche Senatorin Cynthia Lummis reichte schon im Sommer vergangenen Jahres einen Gesetzentwurf ein, der kleine Bitcoin-Transaktionen steuerfrei machen würde. Obwohl die Pressesprecherin Trumps sagte, dass der Präsident diese Idee unterstützen würde, waren diesbezüglich keine weiteren Anstrengungen beobachtbar.

USA ab jetzt ohne KI- und Krypto-Zar

Als wäre das noch nicht genug, gibt es jetzt auch keinen KI- und Krypto-Zar der USA mehr. David Sacks kann diesen Posten nämlich nicht mehr bekleiden, da die dafür vorgesehene Zeit von 130 Arbeitstagen abgelaufen ist. Er ist jetzt der Co-Vorsitzende des „President’s Council of Advisors on Science and Technology“ – einen neuen KI- und Krypto-Zar wird es allem Anschein nach nicht geben.

Auch wenn David Sacks seine Aufmerksamkeit als KI- und Krypto-Zar ohnehin vielmehr der Künstlichen Intelligenz widmete, fehlt jetzt eine zentrale Rolle, die sich in der Politik für Bitcoin und Kryptowährungen starkmachen kann. Viele Bitcoiner waren von dem ehemaligen Unternehmer und Risikokapitalgeber aber ohnehin enttäuscht, da er unter anderem kaum Informationen zur strategischen Bitcoin-Reserve teilte, bei der mehr als ein Jahr nach Trumps Dekret immer noch nicht klar ist, aus wie vielen BTC sie sich zusammensetzt.

Weder die Meldung, dass Fannie Mae Bitcoin-Hypotheken in den Mainstream bringt, noch Donald Trumps Rede am Freitagabend bei der „Future Investment Initiative“, bei der er sich wieder als „Krypto-Präsident“ inszenierte, konnten an dieser negativen Stimmung etwas ändern. Der US-Präsident sagte zwar wieder, dass die USA die „Krypto-Hauptstadt“ und „Bitcoin-Supermacht“ der Welt werden würden und Bitcoin „kraftvoll“ sei. Doch seinen großen Worten folgten bislang nur wenige Taten, weshalb er die Community damit wohl nicht mehr begeistern kann.

Meine Administration hat auch unermüdlich daran gearbeitet, sicherzustellen, dass Amerika an der absoluten Spitze der Krypto-Revolution bleibt. Wir machen wirklich großartige Fortschritte. […] Wir werden die unbestrittene Krypto-Hauptstadt und Bitcoin-Supermacht der Welt sein. Bitcoin ist sehr mächtig. Alles wird mächtiger. So viele Menschen wollen dich jetzt in Krypto bezahlen, sie wollen dich in Bitcoin bezahlen. Und wir müssen in all dem – nennen wir es eine Industrie – ganz vorne sein.
Donald Trump

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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