Iran verlangt Bitcoin für Passage durch die Straße von Hormus
Verhandlungen um Hormus
Nachdem der Iran Ende Februar von den Vereinigten Staaten und Israel angegriffen wurde, übernahm er die Kontrolle über die Straße von Hormus und lähmte damit die Weltwirtschaft. Vor dem Krieg passierten täglich etwa 135 Schiffe die Meerenge im Persischen Golf, vor allem zum Transport von Öl. Mit Beginn des Krieges brach der Schiffsverkehr stark ein. Gelegentlich ließ der Iran Tanker passieren, die nicht zu den gegnerischen Kriegsparteien gehörten. Nun warten Schätzungen zufolge etwa 400 Schiffe darauf, den Golf sicher verlassen zu können.
Nach der Einigung auf einen befristeten Waffenstillstand ist die Straße von Hormus ein zentraler Punkt der Friedensverhandlungen. US-Präsident Donald Trump fordert eine „vollständige, sofortige und sichere Öffnung“. Laut einem Interview mit Jonathan Karl von ABC News könnte sich Trump sogar ein gemeinsames Mautsystem mit dem Iran vorstellen.
Auch die Verbündeten der USA im Golf lehnen einen Einfluss des Iran auf die wichtige Wasserstraße entschieden ab. Hinzu kommt, dass trotz des Waffenstillstands Berichten zufolge die wichtige Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens zum Roten Meer von einer Drohne getroffen wurde, wodurch alternative Öltransporte aus der Region zusätzlich erschwert werden.
Der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran hat jedoch bereits signalisiert, die Kontrolle über Hormus behalten zu wollen. Für den Iran ist ein neues „Protokoll für die sichere Durchfahrt“ in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften ein grundlegender Punkt der Verhandlungen.
Berichten zufolge erhielten Schiffe im Persischen Golf heute Morgen eine Funkmeldung aus dem Iran, wonach sie zerstört würden, wenn sie ohne Genehmigung passieren. Zudem soll ein iranischer Beamter im Rahmen des Waffenstillstands neue Bedingungen für die Durchfahrt verkündet haben.
Bitcoin als Durchfahrtgebühr
Hamid Hosseini, ein Sprecher des staatsnahen iranischen Verbands der Ölexporteure, erklärte gegenüber der Financial Times, dass alle Schiffe auf Waffen kontrolliert werden sollen und eine Gebühr für den Öl- beziehungsweise Warentransport zahlen müssen.
Nachdem die Reedereien per E-Mail Angaben zu ihrer Ladung gemacht haben, erhalten sie eine Antwort mit der zu entrichtenden Gebühr. So sollen beispielsweise 1 US-Dollar pro Barrel Öl gezahlt werden. Leere Tanker können frei passieren. Die Gebühr muss in Kryptowährungen gezahlt werden, heißt es im Bericht der Financial Times. Hosseini nennt jedoch ausdrücklich nur Bitcoin:
Sobald die E-Mail eingegangen ist und der Iran seine Prüfung abgeschlossen hat, haben die Schiffe nur wenige Sekunden Zeit, um in Bitcoin zu zahlen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Zahlungen aufgrund von Sanktionen nicht zurückverfolgt oder beschlagnahmt werden können.
Hamid Hosseini, Sprecher des iranischen Verbands der Ölexporteure
Der Iran nutzt Kryptowährungen bereits zur Umgehung von Sanktionen, etwa bei internationalen Geschäften, zur Bezahlung von Importen oder beim Verkauf von Waffen. Für Durchfahrtsgebühren durch die Straße von Hormus akzeptierte der Iran während des Konflikts laut einem Insider, der mit Bloomberg gesprochen hat, bislang nur Yuan und Stablecoins – auch, um das Petrodollarsystem der USA zu untergraben.
Da Fiatwährungen und Stablecoins nicht wirklich zensurresistent sind und von Staaten beziehungsweise Emittenten eingefroren werden können, ist es naheliegend, dass der Iran für die Hormus-Maut nun gezielt auf Bitcoin setzt.
Die Kontrollen durch die iranischen Streitkräfte sind jedoch sehr zeitaufwendig und könnten Schätzungen zufolge eine Passage von täglich nur 10 bis 15 Schiffen ermöglichen. Damit dürfte sich der Rückstau an Schiffen innerhalb der zwei Wochen kaum auflösen.
Ob die Verhandlungen unter diesen Umständen und angesichts der gegenseitigen Forderungen erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten. Sollte sich dieses Maut-Modell durchsetzen, könnte Bitcoin erstmals eine zentrale Rolle in einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt einnehmen.