Aus einem heute veröffentlichten Dokument bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC geht hervor, dass sich das Unternehmen Strategy (ehemals MicroStrategy) derzeit einer Sammelklage von Investoren konfrontiert sieht. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe im Kontext der Bitcoin-Strategie falsche oder irreführende Aussagen getätigt und wichtige Informationen nicht offengelegt.

Verstoß gegen US-Wertpapierrecht?

Ein Kläger namens Anas Hamza hat im Namen von weiteren Aktionären am 16. Mai eine Sammelklage beim US-Bezirksgericht für den Eastern District of Virginia eingereicht. Diese richtet sich gegen Strategy, den Gründer und Chairman Michael Saylor, CEO Phong Le und CFO Andrew Kang, erklärt das Unternehmen im SEC-Filing. Strategy-Aktionäre können sich bis zum 15. Juli 2025 der Sammelklage anschließen.

Laut der Anklage wurden in dem Zeitraum vom 30. April 2024 bis zum 4. April 2025 irreführende Aussagen getätigt – und zwar in Bezug auf die erwartete Rentabilität der Bitcoin-Strategie, die Risiken durch die Volatilität des Assets und die Verluste, die mit der Einführung der neuen Bilanzierungsrichtlinie einhergehen können.

In der Klage wird behauptet, dass die Beklagten während des gesamten Sammelklagezeitraums im Wesentlichen falsche und irreführende Aussagen über das Geschäft, die Geschäftstätigkeit und die Aussichten von Strategy gemacht haben.
Aus der Pressemitteilung zur Sammelklage

In der Klage geht es augenscheinlich primär darum, dass Strategy im ersten Quartal einen Verlust in Milliardenhöhe ausgewiesen hat – und die Kommunikation drumherum angeblich irreführend gewesen wäre, beziehungsweise das Unternehmen die Investoren nicht angemessen gewarnt habe. In der Pressemitteilung heißt es dazu wie folgt:

Am 7. April 2025 gab Strategy in einer Einreichung bei der US-Börsenaufsichtsbehörde bekannt, dass es nach der Einführung [der neuen Bilanzierungsmethode für Krypto-Werte] einen nicht realisierten Verlust in Höhe von 5,91 Milliarden US-Dollar aus seinen digitalen Vermögenswerten für das erste Quartal 2025 verbuchte, was voraussichtlich zu einem Nettoverlust für das Quartal führen würde. Infolgedessen warnte Strategy die Anleger, dass „wir möglicherweise nicht in der Lage sein werden, in künftigen Zeiträumen wieder in die Gewinnzone zu kommen, insbesondere wenn wir erhebliche unrealisierte Verluste im Zusammenhang mit unseren digitalen Vermögenswerten erleiden.“

Aufgrund dieser Nachricht fiel der Kurs der Stammaktien der Klasse A von Strategy um 25,47 $ pro Aktie oder 8,67 % und schloss am 7. April 2025 bei 268,14 $ pro Aktie.
Aus der Pressemitteilung zur Sammelklage

Dieser Verlust war zuvor jedoch abzusehen, da er dadurch begründet ist, dass der Bitcoin-Kurs in Q1 deutlich nachgegeben hat. Im zweiten Quartal hat das Unternehmen – stand jetzt – die Buchverluste aus Q1 mehr als nur wettgemacht.

Der vermeintliche Frust der Investoren ist überdies kaum nachvollziehbar, denn die Aktie des Unternehmens hat sich seit dem 30. April vergangenen Jahres fast vervierfacht.

Risiko für die Bitcoin-Strategie?

Strategy wird sich gegen diese Anschuldigungen wehren, heißt es in dem SEC-Filing. Zum jetzigen Zeitpunkt sei noch nicht abzusehen, welche Kosten auf das Unternehmen zukommen könnten.

In der Klage wird ein nicht näher bezifferter Schadenersatz für die Sammelkläger, Zinsen, Anwaltsgebühren, Kosten und andere Entschädigungen gefordert. Wir beabsichtigen, uns gegen diese Anschuldigungen energisch zu verteidigen. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir weder den Ausgang der Angelegenheit vorhersagen noch eine vernünftige Schätzung oder einen Bereich von Schätzungen des möglichen Ausgangs oder Verlusts, wenn überhaupt, in dieser Angelegenheit angeben.
Strategy im SEC-Filing

Wie die Causa ausgehen wird, ist bislang unklar. Ob Strategy zur Kasse gebeten wird, und wenn ja, in welcher Höhe, dürfte insbesondere davon abhängen, wie die Kläger ihre Anschuldigungen schlussendlich untermauern können.

Ein Risiko für die höchst profitable Bitcoin-Strategie des Unternehmens dürfte die Klage jedoch nicht sein. Strategy nimmt momentan wöchentlich neun- bis zehnstellige Summen über die Kapitalmärkte auf, um weitere Bitcoin zu kaufen – und das primär durch die Ausgabe von Stamm- oder Vorzugsaktien.

Damit ist es dem ursprünglichen Softwareunternehmen gelungen, mittlerweile 576.230 Bitcoin im Wert von mehr als 60 Milliarden US-Dollar zu akkumulieren. Für die Bitcoin hat Strategy circa 40 Milliarden US-Dollar ausgegeben, wodurch der Investitionsgewinn derzeit circa 20 Milliarden US-Dollar beträgt.

Die Strategy-Aktie (MSTR) hat auf die Meldung zu der Sammelklage nicht negativ reagiert. Zum Börsenstart am Montag ist MSTR circa 1 % im Plus, während Bitcoin mit einem Minus von 1 % in den US-amerikanischen Handel startet. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Kapitalmärkte die Klage gelassen sehen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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