Harvard-Ökonom verteidigt verfehlte Bitcoin-Prognose
Elite-Ökonom mit falscher Bitcoin-Prognose
Dr. Kenneth (Ken) Rogoff, Inhaber des Lehrstuhls für internationale Ökonomie bei der Elite-Uni Harvard, gab im Jahr 2018 eine gewagte Bitcoin-Prognose ab. Gegenüber CNBC erklärte er bei einem Bitcoin-Kurs von circa 11.300 US-Dollar Folgendes:
Ich denke, Bitcoin wird in zehn Jahren nur einen winzigen Bruchteil seines heutigen Werts haben. Wenn man die Möglichkeit von Geldwäsche und Steuerhinterziehung wegnimmt, sind seine tatsächlichen Verwendungsmöglichkeiten als Transaktionsmittel sehr gering. Einige Befürworter von Bitcoin sagen, es sei schön, und deshalb würden Menschen es halten – das halte ich für Unsinn. Der Auslöser wird natürlich Regulierung sein, aber sie kommt nicht über Nacht, sie muss global erfolgen. Selbst wenn die USA und China hart dagegen vorgehen, Japan aber nicht, könnten Menschen weiterhin über Japan Geld waschen. Ich glaube allerdings nicht, dass Bitcoin auf null fallen wird, denn es wird immer Schurkenstaaten geben, die außerhalb des globalen Finanzsystems stehen und es akzeptieren. Aber ich halte 100 US-Dollar in zehn Jahren für weitaus wahrscheinlicher als 100.000.
Ken Rogoff bei CNBC im März 2018
His original price prediction from march 2018, when Bitcoin traded at around $10k per coin: https://t.co/vkUkWDVU0B pic.twitter.com/I49zLE535h
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) August 20, 2025
Ken Rogoff gehört zu den einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftlern. In den 1980er-Jahren war er leitender Volkswirt beim Board of Governors der US-Notenbank (Federal Reserve). Von 2001 bis 2003 bekleidete er sogar das Amt des Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Als vor mehreren Tagen bekannt wurde, dass die „Ivy League“-Universität Harvard, wo Rogoff inzwischen als Professor arbeitet, zum Ende des zweiten Quartals mehr als 100 Millionen US-Dollar in Bitcoin-Spot-ETFs hielt, kramte man in der Bitcoin-Community seine alte Kursprognose wieder hervor.
Damit sollte untermauert werden, dass man vonseiten Harvards vor mehreren Jahren noch kritisch gegenüber Bitcoin eingestellt war, aber jetzt in das Asset investiert. Rogoff sprach 2018 jedoch nicht im Namen der Elite-Uni. Der promovierte Ökonom ist auch immer noch ein Bitcoin-Kritiker, wie aus seiner jetzt erfolgten Rechtfertigung hervorgeht.
Ken Rogoff rechtfertigt seine Prognose
Es sind zwar seither erst knapp 7,5 Jahre vergangen, doch Rogoffs Prognose scheint sich alles andere als zu bewahrheiten. Bitcoin handelt momentan nämlich bei über 113.000 US-Dollar und damit rund 10 Prozent vom kürzlich erreichten Allzeithoch von 124.533 US-Dollar entfernt.
Rogoff hat wohl mitbekommen, dass sich in der Bitcoin-Community über seine Einschätzung aus dem Jahr 2018 lustig gemacht wurde. Denn am Dienstagabend veröffentlichte der Harvard-Professor eine Erklärung, in der er sich rechtfertigt.
Vor fast einem Jahrzehnt war ich der Harvard-Ökonom, der sagte, dass Bitcoin eher einen Wert von 100 Dollar als von 100.000 Dollar haben würde. Was habe ich übersehen?
Ken Rogoff auf 𝕏
Auch wenn dies zuerst so klingt, als würde Rogoff Selbstkritik üben, scheint er in seiner Stellungnahme von der eigenen Fehleinschätzung ablenken zu wollen, indem er unter anderem regulatorisches Versagen für den Erfolg von Bitcoin verantwortlich macht.
1. Ineffektive Regulierung
Das erste angeführte Argument für seine verfehlte Prognose ist, dass die USA Kryptowährungen nicht vernünftig regulieren würden. Rogoff hatte die Hoffnung, dass Behörden viel stärker gegen Bitcoin und Co. vorgehen werden, um die dadurch vermeintlich begünstigte Kriminalität zu bekämpfen.
Ich war viel zu optimistisch, dass die USA zu einer vernünftigen Regulierung von Kryptowährungen kommen würden. Warum sollten politische Entscheidungsträger Steuerhinterziehung und illegale Aktivitäten fördern wollen?
Ken Rogoff auf 𝕏
Doch wie der Harvard-Ökonom schon 2018 erkannte, können restriktive Krypto-Regulierungen dazu führen, dass sich die Aktivitäten in ein anderes Land verlagern. Aus diesem Grund argumentieren Bitcoin-Befürworter schon seit Jahren, dass Verbote oder Anti-Krypto-Gesetze keine echte Gefahr darstellen.
Darüber hinaus weisen ironischerweise die Länder, in denen es die schärfsten Einschränkungen gibt, sogar sehr hohe Krypto-Adoptionsraten auf. Indien, Nigeria und Indonesien bekleiden die Top 3 des 2024 Global Adoption Index von Chainalysis. In allen drei Ländern sind Krypto-Zahlungen nahezu verboten.
2. Unterschätzte Nutzung in der Schattenwirtschaft
Auch der nächste angeführte Grund bezieht sich auf kriminelle Aktivitäten. Rogoff habe unterschätzt, wie stark Bitcoin durch die „Schattenwirtschaft“ nachgefragt werde. Aufgrund dieser Nachfrage rechtfertige sich ein höherer Preis, so der Harvard-Professor.
Zweitens habe ich nicht bedacht, wie Bitcoin mit Fiatwährungen konkurrieren würde, um als bevorzugtes Transaktionsmittel in der 20 Billionen US-Dollar schweren globalen Schattenwirtschaft zu dienen. Diese Nachfrage sorgt für eine Preisuntergrenze […].
Ken Rogoff auf 𝕏
Schon im Jahr 2018 erklärte Rogoff, dass der Bitcoin-Preis durch den Nutzen für kriminelle Aktivitäten nicht auf null fallen werde. Damals war er aber augenscheinlich davon überzeugt, dass dies keinen Kurs von weit über 100 US-Dollar erklären könne.
Tatsächlich ist es jedoch so, dass nur ein verschwindend geringer Anteil des gesamten Krypto-Transaktionsvolumens mit kriminellen Handlungen in Verbindung steht. Laut Chainalysis waren es im Jahr 2024 gerade einmal 0,14 Prozent. Dabei ist kein steigender Trend erkennbar, wie Rogoff impliziert. Im Jahr 2018 waren es sogar 0,34 Prozent, also mehr als aktuell.
Überdies weichen Kriminelle zunehmend auf Stablecoins, also mit Fiatwährungen gedeckte Krypto-Werte, aus und kehren Bitcoin den Rücken zu. Im 2025 Crypto Crime Report von Chainalysis heißt es dazu wie folgt:
Bis 2021 war BTC aufgrund seiner hohen Liquidität eindeutig die bevorzugte Kryptowährung unter Cyberkriminellen. Seitdem beobachten wir jedoch eine stetige Diversifizierung weg von BTC, wobei Stablecoins mittlerweile den Großteil des gesamten illegalen Transaktionsvolumens ausmachen (63 % aller illegalen Transaktionen).
Chainalysis im 2025 Crypto Crime Report
Dies zeigt erneut: Fiatwährungen – wenn auch in Form von Stablecoins – sind für illegale Aktivitäten das Mittel der Wahl. Das Office on Drugs and Crime der Vereinten Nationen (UNODC) schätzt derweil, dass jährlich 2 bis 5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf Geldwäsche zurückzuführen sind. Bitcoin und Co. spielen dabei eine mehr als nur vernachlässigbare Rolle.
3. Trumps Krypto-Engagement
Rogoffs drittes Argument übertrifft die vorherigen jedoch noch in ihrer Absurdität. Er hätte nämlich nicht erwartet, dass oberste Staatsmänner einfach so große Summen in Kryptowährungen halten können – womit er eindeutig auf den Krypto-freundlichen US-Präsidenten Donald Trump anspielt.
Drittens habe ich nicht damit gerechnet, dass Regulatoren, insbesondere der oberste Chef der Regulierer, angesichts des offensichtlichen Interessenkonflikts scheinbar ohne Konsequenzen dreist Hunderte Millionen (wenn nicht sogar Milliarden) US-Dollar in Kryptowährungen halten können.
Ken Rogoff auf 𝕏
Trump profitiert von einem boomenden Krypto-Markt. Laut seinem Sohn Eric soll der US-Präsident „eine Menge“ Bitcoin halten. Trumps Aktiengesellschaft TMTG ist außerdem in Bitcoin investiert, während er einen eigenen Memecoin lancierte und seine Familie sogar ein eigenes Krypto-Projekt startete.
Doch was Rogoff zu vergessen scheint, ist, dass Bitcoin schon über 70.000 US-Dollar handelte, bevor Trump überhaupt in seinem Wahlkampf auf Bitcoin setzte. Und sogar im Jahr 2021, als die US-Regierung noch Krypto-feindlich eingestellt war, kostete ein Bitcoin mehr als 60.000 US-Dollar.
Die Tatsache, dass Bitcoin heute näher bei 100.000 US-Dollar steht als bei den prognostizierten 100 US-Dollar, in großen Teilen auf Trumps Interessenkonflikt zurückzuführen, verdeutlicht Folgendes: Rogoff sucht verzweifelt nach Erklärungen, um seine Fehlprognose zu relativieren.
Bitcoin-Befürworter betonten schon lange, dass Bitcoin so eine überlegene Form des Kapitals darstellt, dass sogar Staaten beziehungsweise Regierungschefs nicht drumherum kommen werden. Trumps Dekret für eine strategische Bitcoin-Reserve ist ein weiteres Indiz dafür, dass an dieser Annahme etwas dran sein könnte.
Akademiker mit endloser Bitcoin-Kritik
Interessanterweise sind es oft Akademiker wie Professoren, die Bitcoin seit Jahren kritisieren und immer wieder falsch liegen. Ein weiteres Beispiel ist Dr. Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Laut Fratzscher ist Bitcoin nur ein Negativsummenspiel und als Zahlungsmittel ineffizient.
Eine mögliche Begründung für überwiegende Kritik aus der akademischen Welt ist, dass es Intellektuelle schwerer haben könnten, sich Fehler einzugestehen. Ken Rogoff hätte seine Bitcoin-Kritik nach all den Jahren auf fundamentaler Ebene hinterfragen können. Stattdessen schreibt er den von ihm nicht erwarteten Erfolg einer zu wenig restriktiven Regulierung, einer vermeintlich stärkeren kriminellen Nutzung und Trumps Krypto-Sympathie zu.
Bei einem Blick auf die vergangenen Jahre zeigt sich jedoch, dass es insbesondere die Akzeptanz der traditionellen Finanzwelt ist, die den Preis in die Höhe treibt. Institutionen wie BlackRock, Staatsfonds wie Mubadala Investment von Abu Dhabi oder Aktiengesellschaften wie Tesla, Strategy und Co. haben erkannt, dass Bitcoin ein geeignetes Wertaufbewahrungsmittel darstellen kann – und bislang erweist sich diese Einordnung als zutreffend.
Einflussreiche Persönlichkeiten aus der traditionellen Finanzwelt wechseln zunehmend von dem Lager der Kritiker in das der Befürworter. So etwa BlackRock-CEO Larry Fink. Er bewies Größe damit, sich einzugestehen, jahrelang falsch gelegen zu haben. Auch er brachte Bitcoin im Jahr 2017 noch einzig und allein mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung, als er es einen „Index für Geldwäsche“ nannte. Jetzt bezeichnete er das Asset als „legitim“.
Wie Sie wissen, war ich ein Skeptiker. Ich war ein stolzer Skeptiker, und ich studierte es, lernte darüber und kam zu dem Schluss: Okay, meine Meinung war fünf Jahre lang falsch. [...] Es ist ein legitimes Finanzinstrument, mit dem man vielleicht [...] unkorrelierte Renditen erzielen kann.
Larry Fink gegenüber CNBC
Wow🤯
— Blocktrainer (@blocktrainer) July 15, 2024
Larry Fink, der CEO von @BlackRock hat gesagt, er war ein #Bitcoin-Skeptiker, bis er sich damit mehr auseinandergesetzt hat👀
Auch sagt er:
"Bitcoin ist ein legitimes finanzielles Instrument, das man nutzt, wenn Länder ihre Währung mit übermäßigen Defiziten entwerten." pic.twitter.com/xUONABRgdg
Doch auch in der akademischen Welt findet Bitcoin langsam aber sicher Anklang. Dr. Matthew Ferranti, der seinen Doktor bei Harvard machte und inzwischen Ökonom der United States Intelligence Community (IC) ist, veröffentlichte beispielsweise Arbeiten dazu, wieso es für Zentralbanken sinnvoll ist, die Währungsreserven mit Bitcoin zu diversifizieren.
Ob einflussreiche Wirtschaftswissenschaftler wie Ken Rogoff oder Marcel Fratzscher ihre Meinung zu Bitcoin noch ändern werden, wird die Zukunft zeigen.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie weiterhin lieber den gesamten Planeten für ihre Fehlannahmen verantwortlich machen, wie Dr. Saifedean Ammous, Autor des Buches „Der Bitcoin-Standard“ Rogoffs Rechtfertigung auf den Punkt brachte.
Vor 8 Jahren habe ich angefangen, ein Buch zu schreiben, in dem ich meinte, dass Bitcoin wohl weiter steigen wird. Ich hatte recht. Jetzt bin ich ein glücklicher, entspannter Typ, der keine endlosen Texte mehr raushauen muss, um den ganzen Planeten für meine eigenen Fehlannahmen verantwortlich zu machen.
Saifedean Ammous auf 𝕏
Eight years ago I started writing a book that said bitcoin is likely to keep going up. I was right. Now I am a happy well-adjusted person that doesn't have to write walls of text coping by blaming the entire planet for not living up to my misunderstandings. https://t.co/CkRGX47UOu
— Saifedean Ammous (@saifedean) August 19, 2025