Handelskrieg mit China bedroht US-Mining-Industrie
Ein Bericht von Bloomberg warnt, dass der vom US-Präsident Donald Trump eingeleitete Handelskrieg mit China die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der in den USA ansässigen Bitcoin-Mining-Unternehmen gefährden könnte. Grund dafür sind Verzögerungen und steigende Kosten bei der Lieferung von Mining-Hardware durch den weltweiten Marktführer – mit der Gefahr, dass diese Lieferungen in Zukunft sogar ganz ausbleiben.
Chinas Hardware-Dominanz im Bitcoin-Mining
Seit den Einschränkungen der Mining-Aktivitäten in China im Jahr 2021 haben sich die USA – insbesondere der Bundesstaat Texas – zum Zentrum des Bitcoin-Minings entwickelt. Die USA haben China in Bezug auf die Hashrate überholt und die größten börsennotierten Mining-Unternehmen stammen aus den Vereinigten Staaten. Donald Trump hat bereits während seines Wahlkampfs Unterstützung für diese Industrie zugesagt, um das Land zum „Bitcoin-Mining Powerhouse“ zu machen und Chinas Einfluss in diesem Bereich zurückzudrängen. Dabei äußerte Trump seinen Wunsch, dass alle verbleibenden Bitcoin in den USA geminet werden sollen – Blocktrainer.de berichtete.
Allerdings bleibt die Dominanz in der Produktion von Mining-Hardware, den sogenannten ASICs (Application-Specific Integrated Circuit), fest in chinesischer Hand. Die mit Abstand effizientesten und rentabelsten ASIC-Modelle, die auch von US-Unternehmen wie MARA Holdings, CleanSpark oder Riot Platforms genutzt werden, stammen vom Weltmarktführer Bitmain Technologies, der einen Marktanteil von rund 90 Prozent vorweisen kann. Auch der größte Konkurrent, MicroBT, ist ein chinesisches Unternehmen.
Zölle verändern die Dynamik
Bereits 2018 verhängte Trump während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident Zölle auf Elektronikimporte aus China. Dies verschlechterte das Umfeld für chinesische ASIC-Hersteller. Um die Zölle zu umgehen, errichtete Bitmain einige Produktionsstätten in den südostasiatischen Ländern Indonesien, Malaysia und Thailand. MicroBT verlegte Teile der Produktion sogar in die USA. Im Dezember 2024 startete schließlich auch Bitmain die Produktion in den USA, um schneller auf Bestellungen amerikanischer Kunden reagieren zu können.
In den letzten Monaten hat sich die Lage für chinesische Hersteller jedoch erneut verschärft. Nuo Xu, Gründer der China Digital Mining Association, berichtete, dass sich seit September die Abfertigung der importierten ASIC-Miner durch den US-Zoll deutlich verzögert – besonders bei Bitmain-Produkten. Ein wesentlicher Grund dürfte die Verbindung zu Xiamen Sophgo Technologies sein, eine Tochterfirma von Bitmain, die KI-Chips für China produziert. Im Januar 2025 wurde Sophgo aufgrund eines sicherheitsrelevanten Vorfalls vom US-Handelsministerium auf die Sanktionsliste gesetzt. Zusätzlich hat Donald Trump am 1. Februar 2025 weitere 10 Prozent Importzölle auf chinesische Waren verhängt. Diese Maßnahmen haben die Situation an der US-Grenze zusätzlich verschärft: Die Zoll- und Grenzschutzbehörden kontrollieren strenger, wodurch sich Importe verzögern und zusätzliche Kosten entstehen.
Eine Analyse des Forschungsunternehmens TheMinerMag zeigt, dass die Zahl der importierten Bitcoin-Miner und Zubehörteile im Januar 2025 im Vergleich zum Vorjahr um fast 65 Prozent gesunken ist. Branchenvertreter berichten in den letzten Monaten von Tausenden an der Grenze aufgehaltenen Bitmain-ASICs. Zudem forderten die US-Zollbehörden oft Extragebühren von bis zu 500.000 US-Dollar, wie Vishnu Mackenchery von Compass Mining erklärte.
Ich würde davon ausgehen, dass jedes Unternehmen, das Bitmain-Maschinen kauft, im Moment ein Risiko eingeht – auch die börsennotierten.
Ethan Vera, COO vom Bitcoin-Mining-Unternehmen Luxor Technology; Quelle: Bloomberg
Trump in der Zwickmühle?
Die zusätzlichen Zölle dürften Trumps Ziele unterstützen, die Oberhand über China im Handel zu gewinnen sowie die Dominanz der chinesischen Mining-Hardware-Hersteller zu verringern. Einige Branchenvertreter befürchten jedoch, dass der 47. US-Präsident mit seinem Handelskrieg auch die eigene Mining-Industrie schwächen könnte – und somit sein erklärtes Ziel, Bitcoin als „Made in USA“ zu vereinnahmen, selbst gefährdet. Langfristig könnte der verschärfte Handelskrieg dazu führen, dass immer weniger Mining-Geräte der neuesten Generation in die USA gelangen. Ohne die regelmäßigen Hardware-Upgrades droht den US-Unternehmen ein Wettbewerbsnachteil, da sie ihre Anlagen nicht mehr effizient modernisieren können.
Höhere Zölle würden die Einfuhr von Hardware der neuen Generation in die USA praktisch zum Erliegen bringen und sie völlig unrentabel machen. Es wird eine Menge Projekte geben, die das Mining einstellen werden, weil sie nicht in der Lage sein werden, die Hardware zu bekommen.
Taras Kulyk, CEO von Synteq Digital, einem der größten Vermittler von ASIC-Minern, Quelle: Bloomberg
Eigene ASIC-Produktion?
Wenn Trump die US-amerikanischen Mining-Unternehmen wie versprochen unterstützen will, müsste er ihnen jedoch echte Alternativen anbieten – besonders dann, wenn der Zugang zu den effizientesten ASICs aus dem Ausland weiter eingeschränkt wird. Dazu könnte eine gezielte Förderung der heimischen Produktion von Mining-Chips und leistungsfähigeren ASIC-Modellen gehören, um eine wettbewerbsfähige eigene ASIC-Industrie aufzubauen, bevor Chinas Vorsprung uneinholbar wird.
Die US-eigene ASIC-Produktion würde besonders dann an Bedeutung gewinnen, wenn höhere Zölle die Einfuhr wirklich unrentabel machen oder China seinen technologischen Vorsprung gegen Trumps Pläne verteidigt. Wenn Bitcoin an geopolitischer Bedeutung gewinnt, wäre ein denkbares Szenario, dass China den Export effizienter ASIC-Modelle in die USA bewusst stoppt, um seine Dominanz in der Bitcoin-Industrie zu sichern – selbst auf Kosten entgangener Einnahmen aus dem Verkauf der Hardware. Dass sich China für diese theoretische Option entscheidet, ist jedoch sehr unwahrscheinlich und vermutlich nur in Extremsituationen der Fall.
Tatsächlich gibt es von der Firma Auradine bereits die ersten ASICs aus US-amerikanischer Produktion. Zudem arbeiten Core Scientific und Jack Dorseys Unternehmen Block an einer neuen Generation von Mining-Hardware, die neue Maßstäbe setzen könnte. Doch bis dahin nutzen die meisten Mining-Unternehmen die leistungsstärksten ASICs von Bitmain für ihren Betrieb.
Trotz wachsender Konkurrenz, geopolitischer Spannungen und steigender Zölle dominiert Bitmain weiterhin den Markt, da die Maschinen die größten wirtschaftlichen Vorteile bieten. Die anhaltend hohe Nachfrage zeigt, dass die US-Miner – trotz politischer Unsicherheiten – weiterhin auf Bitmain setzen. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Dynamik in Zukunft verändert. Gleichzeitig expandiert Bitmain ins Ausland, um seine Marktstellung abzusichern und den Zugang zu seinen wichtigsten Kunden nicht zu verlieren.
Günstigere Strompreise?
Eine weitere Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der US-amerikanischen Mining-Unternehmen zu verbessern, sind günstigere Strompreise. Donald Trump hat bereits angekündigt, die Energiepolitik der USA neu auszurichten, unter anderem durch eine verstärkte Förderung fossiler Energieträger. Unabhängig vom Handelskrieg könnte eine gezielte Energiepreisregulierung ein zentraler Faktor für die Attraktivität des US-Mining-Sektors sein. Niedrigere Stromkosten würden nicht nur die Rentabilität der Unternehmen erhöhen, sondern auch dazu beitragen, den Standort USA für Bitcoin-Mining langfristig wettbewerbsfähig zu machen.
Alternative Einnahmequellen für Mining-Unternehmen
Die stetig steigende Hashrate und die zunehmende Schwierigkeit des Bitcoin-Netzwerks verdeutlichen, dass es für Mining-Unternehmen immer kostenintensiver wird, im internationalen Wettbewerb profitabel zu bleiben. Laut mempool.space liegt die durchschnittliche Hashrate derzeit bei 820 Exahash pro Sekunde (EH/s), mit Spitzenwerten von bis zu 981 EH/s. Gleichzeitig sind die Aktivitäten und demnach die Transaktionsgebühren auf einem Tiefstand. Sie machen aktuell laut CryptoQuant nur 1,2 Prozent der Gesamteinnahmen der Miner aus – ein drastischer Rückgang im Vergleich zu 75 Prozent im Vorjahr.
Um sich unabhängiger vom Bitcoin-Mining zu machen, erschließen viele Unternehmen alternative Einnahmequellen. Dazu gehört vor allem die Nutzung der Rechenzentren für KI-Anwendungen. Donald Trump hat mit der Stargate-Initiative bereits ein 500-Milliarden-US-Dollar-Programm angekündigt, das den Ausbau der KI-Infrastruktur in den USA fördern soll. Gleichzeitig hat DeepSeek gezeigt, dass Künstliche Intelligenz deutlich effizienter und kostengünstiger gestaltet werden kann. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklung auf das Spannungsfeld zwischen Bitcoin-Mining und KI-Nutzung auswirkt. Möglicherweise könnte Bitcoin-Mining sogar profitieren und im Vergleich zur KI wirtschaftlich attraktiver werden.
Einige börsennotierte Mining-Unternehmen wie Riot oder Mara setzen auf strategische Finanzierungsmodelle. Sie geben – ähnlich wie Michael Saylors Strategy – Wandelanleihen heraus, um mit dem Erlös Bitcoin zu kaufen und von den monetären Eigenschaften als Wertspeicher zu profitieren. Eine andere Option für zusätzliche Einnahmen ist die Herausgabe von Bitcoin-Krediten.
Zudem engagiert sich Mara in zahlreichen nachhaltigen Energieprojekten, die CO₂-Gutschriften generieren, wie zum Beispiel bei der Reduzierung von Methanemissionen auf Mülldeponien. Mara ist außerdem bemüht, die Laufzeit von veralteter Mining-Hardware zu verlängern. Das Unternehmen hat extra dafür sogar einen eigenen Windpark erworben – Blocktrainer.de berichtete.
In Texas spielen zudem Demand-Response-Programme eine wichtige Rolle. Mining-Unternehmen stellen ihren Betrieb während Stromknappheit gezielt ein und erhalten dafür Ausgleichszahlungen, um das Stromnetz zu stabilisieren. Diese Praxis nutzt die Flexibilität der Mining-Hardware und sorgt für zusätzliche Einnahmequellen außerhalb der reinen Block-Subventionen.
Fazit
Der anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China stellt die US-amerikanische Bitcoin-Mining-Industrie vor große Herausforderungen. Während Donald Trump durch höhere Zölle und Sanktionen versucht, Chinas Dominanz im ASIC-Sektor zu brechen, könnte er gleichzeitig die eigene Mining-Branche schwächen. Die Abhängigkeit von chinesischer Mining-Hardware bleibt hoch, und die erschwerte Einfuhr könnte langfristig zu einem Wettbewerbsnachteil für US-Miner führen.
Eine eigene ASIC-Produktion in den USA wäre eine strategische Lösung, doch bis diese großflächig etabliert ist, bleibt Bitmain der dominierende Anbieter. Günstigere Strompreise und regulatorische Maßnahmen könnten US-Miner entlasten, während die Unternehmen selbst zunehmend auf alternative Einnahmequellen setzen – von KI-Rechenzentren bis hin zu nachhaltigen Energieprojekten.
Ob Trump mit seiner Politik tatsächlich Chinas Einfluss im Mining-Sektor verringern kann oder ob die US-Industrie durch die Handelsbeschränkungen weiter unter Druck gerät, bleibt abzuwarten. Die Zukunft des Bitcoin-Minings in den USA wird stark davon abhängen, wie schnell die Branche auf neue Rahmenbedingungen reagiert und welche strategischen Entscheidungen getroffen werden.