Hat es die Wall Street auf den Bitcoin-Halter abgesehen?
Strategy unter Druck
Die Strategy-Aktie (MSTR) ist in den vergangenen Monaten deutlich unter die Räder gekommen. Seit dem Allzeithoch aus dem November 2024 ist MSTR inzwischen sogar um circa 80 % gefallen.
In dieser Zeit performte die Aktie deutlich schlechter als Bitcoin selbst, obwohl der zentrale Pitch von Strategy-Gründer Michael Saylor ist, dass seine Aktie Outperformance bringen würde.
Seit dem ersten Bitcoin-Kauf ist MSTR aber immer noch mehr als 900 % im Plus, während sich BTC im gleichen Zeitraum „nur“ in etwa verfünffachen konnte.
Für Strategy ist die schwache MSTR-Performance der vergangenen Monate dennoch ein Problem, da die Ausgabe von Stammaktien die primäre Kapitalbeschaffungsmethode ist. In den Jahren 2024 und 2025 sammelte die Aktiengesellschaft so jeweils 16,3 Milliarden US-Dollar ein.
Eine Befürchtung ist, dass das Unternehmen mit 717.722 BTC auf der Bilanz so stark unter Druck gebracht werden könnte, dass es die Coins wieder verkaufen muss.
Ist die vermeintlich hohe Short-Quote jetzt ein Indiz dafür, dass große Marktteilnehmer versuchen, Strategy mit Leerverkäufen zum Scheitern zu bringen? Und könnte dies zu einer Spirale führen, die den Bitcoin-Kurs noch viel weiter abschmieren lässt?
Am stärksten geshortete Aktie?
Eine Grafik aus einem neuen, nicht öffentlich einsehbaren Report der Großbank Goldman Sachs zeigt, welche Unternehmen aus den USA mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 25 Milliarden US-Dollar Ende 2025 die größte Short-Quote aufgewiesen haben.
Die Short-Quote berechnet sich durch die Relation der leerverkauften Aktien zur Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Beim Shorten leihen sich Trader Aktien und verkaufen diese in der Absicht, sie zu niedrigeren Kursen wieder zurückkaufen zu können und so einen Gewinn zu erwirtschaften.
In einem Beitrag des großen Krypto-Mediums Cointelegraph hieß es beispielsweise, dass Strategy nun zum am stärksten geshorteten Unternehmen der Welt geworden sei.
Dies ist eine offensichtliche Fehlinformation, da in der Grafik explizit nur mehr als 25 Milliarden US-Dollar schwere US-amerikanische Unternehmen aufgeführt sind.
Noch irreführender ist aber die Darstellung der Financial Times. Das renommierte Medium ordnet in dem gestern dazu erschienenen Artikel zwar richtig ein, dass es sich dabei nur um große Unternehmen handelt, behauptet aber, dass Strategy ein Jahr zuvor gar nicht auf der Liste vertreten war.
Ein Blick auf den Report von Goldman Sachs aus dem Februar 2025 zeigt jedoch, dass Strategy (damals noch MicroStrategy) ebenfalls auf Platz 1 belegt hat – und zwar mit einer Short-Quote von 10 %.
Interpretation der Zahlen
Letztlich ist bei solchen Zahlen immer entscheidend, diese ins Verhältnis zu rücken. Strategy ist bei weitem nicht die am stärksten geshortete Aktiengesellschaft. Beispielsweise beträgt die Short-Quote des bekannten, milliardenschweren Tele-Health-Unternehmens Hims & Hers aktuell über 30 %.
Auch bei Strategy gab es in der Vergangenheit schon deutlich höhere Werte als aktuell. Daten von ChartExchange zeigen, dass die Short-Quote im November 2024, als die MSTR-Aktie das bisherige Allzeithoch erreicht hat, zeitweise über 17 % lag. Und seit Ende 2025 ist der Wert sogar wieder zurückgelaufen.
Blocktrainer.de berichtete bereits im Frühjahr 2024 über große Short-Wetten gegen Strategy, als die Short-Quote circa 20 % betrug. Damals war das Narrativ, dass die Aktie nach der Zulassung der ETFs als Bitcoin-Proxy an Attraktivität verloren hat. Doch daraufhin folgte erst noch eine große Rally.
Setzen viele Marktteilnehmer bei einem Unternehmen auf fallende Kurse, dann kann es zu einem „Short-Squeeze“ kommen. Ein prominentes Beispiel ist der Hype um die GameStop-Aktie Anfang 2021. Damals formierte sich eine Bewegung, um die GME-Aktie, die zu der Zeit eine Short-Quote von zeitweise mehr als 140 % hatte, in die Höhe zu treiben.
Davon ist Strategy zum aktuellen Zeitpunkt noch ein gutes Stück entfernt. Grundsätzlich ist der Wert von 14 % zum Ende des Jahres 2025 auch nichts sonderlich Außergewöhnliches, geschweige denn ein Indiz für einen gezielten Angriff, der gerade vonstattengeht und Bitcoin nach unten reißen könnte.
Short-Positionen bei Strategy bedeuten auch nicht zwangsläufig eine Wette gegen Bitcoin. Denn ein beliebter Trade der vergangenen Monate, den unter anderem der bekannte Investor Jim Chanos prominent umgesetzt hat, war, Strategy zu shorten und gleichzeitig bei Bitcoin long zu sein.
Dadurch ließ sich von dem zurücklaufenden Premium von Strategy profitieren – unabhängig davon, wie sich der Bitcoin-Kurs entwickelt. Mittlerweile ist Strategy in etwa so viel wert wie die Bitcoin-Bilanz, abzüglich der Schulden. Dies veranlasste Chanos bereits dazu, seine Wette wieder aufzulösen.
Auch wenn ein fallender MSTR-Kurs das Geschäftsmodell von Strategy unter Druck bringen kann, ist das Unternehmen so aufgestellt, dass es mehrere Jahre durch schlechte Marktphasen navigieren kann. Mit der inzwischen aufgebauten Cash-Reserve wird sichergestellt, dass den Zahlungsverpflichtungen (Dividenden der Vorzugsaktien und Zinsen der Wandelanleihen) für circa 2,5 Jahre nachgegangen werden kann, ohne weiteres Geld durch die Ausgabe von Stammaktien einsammeln zu müssen.
Laut dem Management von Strategy müsste der Bitcoin-Kurs überdies in die Vierstelligkeit zurückfallen und dort bis 2032 verweilen, damit sich der größte BTC-Firmenhalter ernsthaften Problemen konfrontiert sieht. Zum aktuellen Zeitpunkt scheint es entsprechend höchst unwahrscheinlich zu sein, dass es überhaupt gelingen könnte, Michael Saylors Unternehmen zum Verkauf von Bitcoin zu zwingen beziehungsweise die Pforten schließen zu lassen.
Bei seiner gestrigen Rede auf der Veranstaltung „Bitcoin for Corporations“ unterstrich Saylor erneut, dass Strategy darauf spezialisiert sei, an den Bitcoin für immer festzuhalten.
Ich verspreche, die Bitcoin nicht zu verkaufen. Wir sind darauf spezialisiert, Bitcoin nicht zu verkaufen. Wir sind darin sehr gut geworden. Wir haben einen Doktortitel im Hodling.
Michael Saylor
Michael @Saylor: "I promise not to sell the Bitcoin. We're in the business of not selling Bitcoin—we got very good at it. We have a PhD in hodling." 🔥$MSTR $STRC pic.twitter.com/WSw1kVX0kW
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) February 25, 2026