Google sichert sich Anteile am Bitcoin-Mining-Unternehmen Cipher
Cipher Mining und Fluidstack
Cipher Mining betreibt Rechenzentren für Bitcoin-Mining sowie das Hosting von HPC- und KI-Anwendungen. Das Unternehmen verfügt über eine Gesamtkapazität von rund 2,4 Gigawatt (GW), die zunehmend für HPC genutzt werden soll.
Am 25. September gab Cipher in einer Pressemitteilung eine langfristige Vereinbarung mit dem AI-Cloud-Anbieter Fluidstack bekannt:
- Cipher stellt 168 Megawatt (MW) Rechenleistung am Standort Barber Lake in Colorado City, Texas bereit.
- Der Vertrag läuft über 10 Jahre und hat ein Volumen von rund 3 Milliarden US-Dollar.
- Die Anlage verfügt über 244 MW Bruttokapazität und kann auf 500 MW erweitert werden.
- Zwei Verlängerungsoptionen um jeweils fünf Jahre könnten den Auftragswert auf bis zu 7 Milliarden US-Dollar erhöhen.
Für Fluidstack bedeutet die Partnerschaft Zugang zu einer skalierbaren Infrastruktur, die für das Training großer KI-Modelle benötigt wird.
Cipher bleibt vollständiger Eigentümer des Projekts und kann zusätzliche Mittel über Kapitalmärkte aufnehmen. Das Unternehmen unterstreicht mit diesem Deal das Potenzial des HPC-Hostings sowie seinen zunehmenden strategischen Fokus auf diesen Markt, und zeigt, dass es in der Lage ist, langfristige KI-Hosting-Verträge abzuschließen.
Wir glauben, dass diese Transaktion die erste von mehreren im HPC-Bereich ist, da wir unsere Kapazitäten weiter ausbauen und unsere Position in diesem schnell wachsenden Sektor stärken.
Tyler Page, CEO von Cipher
Finanzierung durch Google
Finanziell abgesichert wird der Vertrag durch Google. Der Konzern übernimmt Garantien für Zahlungsverpflichtungen von Fluidstack in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar und deckt damit fast die Hälfte der Mietverpflichtungen gegenüber Cipher ab.
Als Gegenleistung erhält Google Optionsrechte auf rund 24 Millionen Cipher-Aktien, was etwa 5,4 % der geamten Unternehmensanteile entspricht. Unter bestimmten Bedingungen sind auch Anpassungen der Konditionen oder eine Barausgleichszahlung möglich.
Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Fluidstack bei der Entwicklung von HPC-Rechenzentren und darauf, Google als Investor bei Cipher begrüßen zu dürfen.
Tyler Page, CEO von Cipher
Google geht es dabei jedoch nicht um eine Investition ins Bitcoin-Mining und den indirekten Zugang zu Mining-Hardware oder -Erträgen, sondern um die Nutzung von Rechenzentrums-Infrastruktur für KI-Anwendungen.
Konvergenz von KI und Bitcoin-Mining?
Schon im August hatten Google und Fluidstack einen ähnlichen Deal mit dem US-Bitcoin-Miner TeraWulf abgeschlossen. Falsch interpretierte Schlagzeilen führten in sozialen Medien zu Spekulationen über Googles angeblichen Einstieg ins Bitcoin-Mining.
Auch im Fall von Cipher sorgte die Beteiligung Googles für Diskussionen. So vermittelte etwa der Unternehmer Daniel Batten den Eindruck, als würde Google ins Mining investieren, und stellte auf 𝕏 die These auf, dass KI-Unternehmen künftig selbst zu Bitcoin-Minern würden, um Probleme wie Wärmeableitung und Energiemanagement in den Griff zu bekommen.
Das ist ziemlich groß!
Ich sagte Anfang des Jahres im Podcast von Preston Pysh, dass KI-Unternehmen zu BTC-Mining-Unternehmen werden würden, um ihre Probleme mit der Wärmeableitung und dem Energiemanagement zu lösen.
Das sind weitere Beweise für die Konvergenz in Echtzeit.
Daniel Batten
Obwohl Batten sonst fundierte Aufklärungsarbeit zum Bitcoin-Mining leistet, trägt seine Deutung hier zu einer verzerrten Wahrnehmung bei – Google nutzt die Cipher-Infrastruktur nicht fürs Mining, sondern für KI.
This is kinda big!
— Daniel Batten (@DSBatten) September 25, 2025
I said on @PrestonPysh's podcast earlier this year that AI companies would become BTC mining companies to solve their heat dissipation and power management issues
Here's more evidence of convergence happening in real time pic.twitter.com/wc0GK7uYB2
Es gibt es zwar technologische Schnittmengen:
- Sowohl KI als auch Mining benötigen große Energiemengen und Kühlkapazitäten.
- Beide lassen sich in mobilen und modularen Rechenzentren betreiben.
- Sie konkurrieren um Stromquellen und verfügbare Infrastruktur.
Und Bitcoin bietet Vorteile in Bezug auf:
- das Energieverbrauchsmuster (Flexibilität und Skalierbarkeit),
- die Unabhängigkeit von Standort und Zeit (Latenz- und Spitzenzeiten) und
- die Umweltauswirkungen (weniger Emissionen und Ressourcenverbrauch; Förderung von erneuerbaren Energien).
Allerdings unterscheiden sich die wirtschaftlichen Perspektiven: KI kann auch bei einem hohen Strompreis rentabel und somit im Vergleich zu Bitcoin-Mining wirtschaftlich attraktiver sein – insbesondere aufgrund der wachsenden Hashrate des Bitcoin-Netzwerks sowie der Halving-Events, die Mining-Unternehmen zu weiteren Investitionen zwingen, um langfristig konkurrenzfähig und profitabel zu bleiben.
Berichte verdeutlichen, dass immer mehr Bitcoin-Mining-Unternehmen wie Hive Digital oder CleanSpark ihre Geschäftsmodelle in Richtung des lukrativen HPC- und KI-Sektors diversifizieren, um ihre bestehende Infrastruktur rentabler einzusetzen. Batten greift mit seiner Interpretation insofern zu kurz, als Google und Fluidstack die Infrastruktur von Cipher nicht fürs Mining, sondern ausschließlich für KI-Anwendungen nutzen. Der Trend zeigt aktuell eher, dass Bitcoin-Miner zu KI-Unternehmen werden – und nicht umgekehrt.
Die Vereinbarung von Cipher, Fluidstack und Google bestätigt diesen Wandel und verdeutlicht die Dynamik der Branche: Getrieben vom rasant wachsenden Bedarf an Rechenleistung beginnen die Grenzen zwischen Mining-Infrastruktur und KI-Ökosystemen zu verschwimmen. Diese Schnittstelle rückt zunehmend in den Fokus globaler Investoren und Tech-Giganten wie Google, die sich damit Zugang zu skalierbarer Rechenleistung sichern, ohne selbst neue Standorte erschließen zu müssen.
Langfristig ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass auch KI-Unternehmen einzelne Vorteile des Minings nutzen – etwa zur Abfederung von Lastspitzen, zur Verwertung überschüssiger Energie oder zur Vermeidung von Energieverschwendung. In diesem Punkt könnte Batten recht behalten, wie auch ein aktueller Forbes-Beitrag unterstreicht, der die wachsende Bedeutung energieeffizienter Infrastrukturen für die Zukunft der amerikanischen Wirtschaft hervorhebt.