Die Bitcoin-Reserve der USA könnte deutlich kleiner sein, als viele bislang angenommen haben. Die unabhängige Journalistin L0La L33Tz hat im März 2024 eine Anfrage an den US Marshals Service (USMS) gestellt. Auf die Frage, wie viele Bitcoin die Behörde des US-Justizministeriums hält, erhielt sie jetzt eine Antwort – und die dürfte einige überraschen.

US Marshals Service äußert sich zum Bitcoin-Bestand

Aus dem Schreiben der Behörde geht hervor, dass diese lediglich 28.988,35643016 BTC im Gegenwert von circa 3,5 Milliarden US-Dollar hält. Die Annahme war jedoch, dass die Bitcoin-Reserve der USA, die sich zu Beginn aus konfiszierten Coins zusammensetzen soll, rund 200.000 BTC umfassen wird. 

Die Senatorin Cynthia Lummis, die einen Gesetzentwurf eingereicht hat, durch den die strategische Bitcoin-Reserve innerhalb von 5 Jahren auf 1 Million BTC vergrößert werden soll, kommentierte die Meldung mit den folgenden Worten:

Ich bin alarmiert über Berichte, dass die USA über 80 % ihrer Bitcoin-Reserven verkauft haben – sodass nur noch etwa 29.000 Coins übrig sind.

Wenn das stimmt, ist das ein strategischer Fehler und er wirft die USA im Bitcoin-Wettlauf um Jahre zurück.
Cynthia Lummis

Haben die USA wirklich den Großteil ihrer Bitcoin verkauft – etwa vor Donald Trumps Amtsantritt? Oder gibt es einen anderen Grund, durch den diese große Diskrepanz zu erklären ist?

Wo sind die anderen 170.000 Bitcoin?

Schon als Donald Trump bei seiner Rede auf der Bitcoin-Konferenz im Sommer 2024 die Errichtung einer strategischen Bitcoin-Reserve ankündigte, sprach er von fast 210.000 BTC, die die US-Regierung halten würde. Als Trump im März dieses Jahres dann das entsprechende Dekret erließ, verwies KI- und Krypto-Zar David Sacks auf schätzungsweise 200.000 BTC.

Es wird geschätzt, dass die US-Regierung etwa 200.000 Bitcoin besitzt; allerdings hat es noch nie eine vollständige Prüfung gegeben. Die Executive Order ordnet eine vollständige Erfassung der digitalen Vermögenswerte der Regierung an.
David Sacks, KI- und Krypto-Zar der USA

Die von Trump und Sacks erwähnten Zahlen entsprechen in etwa der Bitcoin-Summe, die Arkham Intelligence den USA zuordnet. Laut der Analysefirma halten die USA nämlich 198.012 BTC im Gegenwert von mehr als 23 Milliarden US-Dollar.

Doch es war zuvor bereits klar, dass nicht alle dieser Coins tatsächlich den USA zur freien Verfügung stehen. Beispielsweise gehören circa 100.000 dieser Coins eigentlich Bitfinex – das Justizministerium hat diese nach dem Hack der Krypto-Börse sichergestellt.

Die Journalistin L0La L33Tz erklärt in dem Zusammenhang, dass es einen Unterschied zwischen „beschlagnahmten“ und „eingezogenen“ Coins gibt – nur Letztere gehören der US-Regierung wirklich. 

„Der USMS ist hauptsächlich für eingezogene Vermögenswerte zuständig, also Vermögenswerte, die in das Eigentum der Regierung übergegangen sind“, so L0La L33Tz. „Die Liste, die ich vom USMS erhalten habe, ist eine Liste aller BTC, die vom USMS gehalten werden.“

Demzufolge könnte es sich bei den 29.000 BTC tatsächlich um die einzigen Bitcoin handeln, die Teil der Bitcoin-Reserve werden können. Die anderen Coins dürften noch von den USA gehalten werden, aber separiert, da diese augenscheinlich kein Eigentum der US-Regierung sind.

Das Warten auf Klarheit

Im Rahmen von Trumps Dekret wurden die jeweiligen Behörden dazu angewiesen, zu prüfen, ob sie die Autorität haben, die von ihnen gehaltenen Bitcoin in die strategische Bitcoin-Reserve zu übertragen. 

Innerhalb von 30 Tagen nach Erlass dieser Verordnung überprüft jede Behörde ihre Befugnisse zur Übertragung von in ihrem Besitz befindlichen staatlichen BTC an die strategische Bitcoin-Reserve und legt dem Finanzminister einen Bericht vor, der das Ergebnis dieser Überprüfung widerspiegelt.
Aus dem Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve

Die Öffentlichkeit wartet nun seit Monaten gespannt auf die Veröffentlichung eines Berichts, aus dem hervorgeht, wie groß die Bitcoin-Reserve zu Beginn sein wird.

Am 22. Juli wird die geschaffene Arbeitsgruppe für digitale Vermögenswerte voraussichtlich einen umfassenden Krypto-Bericht veröffentlichen. Die generelle Annahme ist, dass dort auch Einzelheiten zur Bitcoin-Reserve offengelegt werden.

Manche spekulieren sogar, dass im Rahmen dessen bekannt gegeben wird, wie die USA selbst Bitcoin akkumulieren werden. Trumps Dekret erlaubt nämlich den Erwerb weiterer BTC, insofern dies keine Kosten für die Steuerzahler verursacht.

Sollte die Bitcoin-Reserve tatsächlich nur rund 15 Prozent von dem entsprechen, was Trump und sein Team initial angenommen haben, so könnte es wahrscheinlicher geworden sein, dass sie an einer aktiven Vergrößerung interessiert sind. Und sollte der Gesetzentwurf von Cynthia Lummis verabschiedet werden, dann müssten die USA umso mehr Bitcoin vom Markt kaufen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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