Abgeordnete des französischen Parlaments haben am 11. Juli in der Nationalversammlung einen weiteren Gesetzentwurf eingereicht, der ein experimentelles Umfeld zur Verwertung von überschüssigem Strom durch Bitcoin-Mining vorschlägt. Dadurch sollen vor allem erneuerbare Energiequellen und Kernenergie effizienter genutzt, Stromnetze stabilisiert sowie neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Fünfjährige Testphase

Mit dem Gesetzentwurf Nr. 1750 fordern Abgeordnete der Oppositionspartei Rassemblement National (ehemals Front National) eine fünfjährige Testphase, die zu einem effizienteren Umgang sowohl mit Kernenergie als auch mit erneuerbaren Energien wie Solar und Wind führen soll. Der intermittierende Charakter dieser Energiequellen führt regelmäßig zu Überschussstrom, der ungenutzt bleibt, verschwendet wird und die Netze destabilisiert.

Der hohe Anteil erneuerbarer Energien in unserem Strommix führt heute zu wiederkehrenden Ungleichgewichten im Netz. Dazu gehören auch Phasen der Überproduktion, die die Stromerzeuger aufgrund fehlender Speicherkapazitäten zu Verlusten zwingen. Diese ungenutzten Überschüsse stellen einen inakzeptablen wirtschaftlichen und energetischen Verlust dar.
Auszug aus dem Gesetzentwurf

Darüber hinaus müssen die französischen Kernkraftwerke, die Frankreich zum größten Stromerzeuger und -exporteur Europas gemacht haben, ihre Leistung drosseln, wenn ausreichend Energie aus erneuerbaren Quellen vorhanden ist – was wiederum den Verschleiß der Kraftwerke erhöht.

Bitcoin-Mining-Anlagen könnten die überschüssige Energie flexibel und effizient verwerten und so nicht nur die Rentabilität steigern und die Wirtschaft beleben, sondern auch die Netze stabilisieren und den Verschleiß der Atomkraftwerke reduzieren, erklären die Befürworter des Gesetzentwurfs.

Für jedes fürs Mining bereitgestellte Gigawatt könnten jährlich bis zu 150 Millionen US-Dollar zusätzlich erwirtschaftet werden, die weitere Investitionen oder potenzielle Steuersenkungen ermöglichen.

Laut dem Gesetzentwurf soll es den Stromerzeugern in der Testphase ermöglicht werden, ihren Überschussstrom an Mining-Anlagen zu verkaufen oder ihn selbst zum Mining zu nutzen. Französische Behörden sollen dabei die Einhaltung bestimmter Umwelt- und Sicherheitsstandards überwachen. Dazu gehören beispielsweise der Einsatz energieeffizienter Hardware und Maßnahmen zur Reduzierung der CO₂-Emissionen.

Mit Verweis auf Länder wie Finnland, Island und die USA, die Bitcoin-Mining bereits erfolgreich in ihre Energieinfrastruktur integriert haben, schlagen die Befürworter zudem vor, auch die folgenden Aspekte zu evaluieren:

  • Nutzung der Abwärme von Mining-Anlagen
  • Umwandlung stillgelegter Industrieanlagen in Mining-Zentren
  • Effizienzsteigerung bestehender Kernkraftwerke

Wird Frankreich die Chance nutzen?

Im letzten Monat wurde ein ähnlicher Antrag auf die Evaluierung der Potenziale des Bitcoin-Minings aus rein verwaltungsrechtlichen Gründen – nicht wegen inhaltlicher Einwände – abgelehnt.

Medienberichten zufolge ist die französische Regierung jedoch grundsätzlich offen für innovative Ansätze zur Nutzung überschüssiger Energie. Auch dieser Gesetzentwurf soll daher gründlich geprüft werden.

Vertreter aller politischen Spektren – von Marine Le Pen bis zur Digitalministerin Clara Chappaz – zeigten sich bereits interessiert an der gezielten Verwertung von überschüssiger Kernenergie durch das Bitcoin-Mining.

Kritiker des Gesetzentwurfs betonen Umweltbedenken angesichts des hohen Energieverbrauchs. Im Fall der Nutzung von ohnehin vorhandener Überschussenergie erscheinen diese jedoch unbegründet. Zudem stößt die politische Urheberschaft des Antrags bei einigen Beobachtern auf Ablehnung.

Letztlich wird entscheidend sein, ob Frankreich bereit ist, politische Differenzen zugunsten einer technologieoffenen und ressourceneffizienten Zukunft zu überwinden sowie Innovation und energiepolitischen Pragmatismus gemeinsam zu denken, indem Bitcoin-Mining als wirtschaftliche Chance genutzt wird.
 

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Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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