Federal Reserve senkt den Leitzins – Wie reagiert Bitcoin?
Zinssenkungen gehen weiter
Nachdem es vor der Amtseinführung von Donald Trump mehrere Zinssenkungen gab, auf die dann einige Monate mit gleichbleibendem Leitzins folgten, befindet sich die Federal Reserve seit September wieder im Zinssenkungsprozess. Mit der eben verkündeten Entscheidung liegt die „Federal Funds Rate“ jetzt in der Spanne von 3,50–3,75 % und damit 75 Basispunkte niedriger als zum Amtsantritt Trumps.
Während die Inflation noch ein gutes Stück über dem 2-%-Ziel liegt, schwächelt der Arbeitsmarkt. Die Federal Reserve soll sowohl für ein stabiles Preisniveau als auch für Vollbeschäftigung sorgen. Demnach ist die relevante Frage, ob die Risiken auf der Inflationsseite oder die am Arbeitsmarkt überwiegen.
Da in den vergangenen Wochen aufgrund des mittlerweile beendeten Shutdowns kaum relevante Daten veröffentlicht wurden, befinden sich die Geldhüter derzeit etwas im Blindflug. Die mangelhafte Datenlage dürfte die Entscheidungsfindung deutlich erschwert haben.
Zinssenkung war umstritten
Bei der dritten Zinssenkung in diesem Jahr gab es, wie bei den vorherigen zwei, Uneinigkeit bei den stimmberechtigten Mitgliedern des Federal Reserve Boards. Stephen Miran, der Notenbankgouverneur, den Trump kürzlich nominierte, stimmte für einen Zinsschritt um 50 Basispunkte. Zwei stimmberechtigte Mitglieder des Federal Open Market Committee waren derweil dafür, dass der Leitzins unverändert bleibt. Die restlichen neun votierten für die 25-Basispunkte-Zinssenkung.
Nach der vorherigen Notenbanktagung Ende Oktober war zeitweise unklar, wie es weitergehen würde. Jerome Powell kommunizierte nämlich, dass eine Zinssenkung im Dezember „keine ausgemachte Sache“ sei. Daraufhin sank die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Zinsschritt bei der heutigen Notenbanktagung auf bis zu 22 %, wie die Daten von Polymarket zeigen.
Die Märkte gerieten aufgrund dieser Unsicherheit unter Druck. Bitcoin verlor in etwas mehr als drei Wochen nach der Notenbanktagung Ende Oktober rund ein Viertel an Wert. Doch als die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Dezember wieder stieg, konnten die Aktienmärkte und auch der Bitcoin-Kurs wieder Boden gutmachen.
Da der Zinsschritt um 25 Basispunkte größtenteils eingepreist war, sorgte die heutige Entscheidung nicht für allzu große Überraschungen an den Kapitalmärkten. Der Fokus lag dafür vielmehr auf dem alle drei Monate veröffentlichten „Dot Plot“ sowie auf der Bilanz der Federal Reserve.
Dot Plot signalisiert weiteren Zinsschritt
Bei der heutigen Notenbanktagung stellten die Geldhüter ihre Prognose für den von ihnen gesetzten Leitzins in der näheren Zukunft vor. Der sogenannte „Dot Plot“ wird vierteljährlich veröffentlicht und gibt Aufschluss über die wahrscheinliche, weitere Zinsentwicklung. Marktteilnehmer legen großes Augenmerk darauf, ob beziehungsweise wie sich der Ausblick der Geldhüter verändert.
Im September stellten die Geldhüter im Mittel eine Zinssenkung für das Jahr 2026 in Aussicht – ausgehend von einem Leitzins von 3,50–3,75 % zum Ende dieses Jahres. Daran hat sich im Großen und Ganzen nichts geändert: Der „Dot Plot“ signalisierte wieder einen weiteren Zinsschritt um 25 Basispunkte im kommenden Jahr.
Vor der heutigen Zinsentscheidung lag die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der kommenden Notenbanktagung im Januar eine weitere Zinssenkung geben wird, bei circa 20 %. Nach den Entwicklungen des heutigen Tages ist dieser Wert auf über 25 % angestiegen. Vom Markt werden derzeit zwei oder mehr Zinssenkungen im Jahr 2026 eingepreist.
Die Projektionen der Geldhüter für Wirtschaftswachstum und Inflation fielen derweil etwas positiver aus. Das Wirtschaftswachstum für 2026 wurde gegenüber September um 50 Basispunkte auf 2,3 % angehoben, während die erwartete Inflationsrate für 2026 bei 2,4 % liegt – zuvor wurden 2,6 % angenommen.
Quantitative Easing voraus?
Bei der Notenbanktagung im Oktober verkündeten die Geldhüter, dass die seit dem Sommer 2022 vonstattengehende Reduktion der Bilanz – auch Quantitative Tightening (QT) genannt – ab dem 1. Dezember vorbei ist. Marktteilnehmer beobachteten heute gespannt, ob es Signale zu einem womöglich wieder bevorstehenden Bilanzaufbau (Quantitative Easing; QE) geben wird.
Das letzte Mal, als die Federal Reserve ihre Bilanz vergrößerte – und zwar in Reaktion auf die Coronapandemie und die damit verbundenen Lockdowns – konnte sich der Bitcoin-Kurs binnen weniger Monate mehr als verzehnfachen. Unter anderem deshalb gilt BTC als das Asset, das am meisten von einer geldpolitischen Lockerung beziehungsweise der Öffnung der Geldschleusen profitiert.
Heute gab die Federal Reserve schließlich bekannt, ab dem 12. Dezember „Reserve Management Purchases“ in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar pro Monat vorzunehmen. In dem Fall werden kurzlaufende US-Staatsanleihen (T-Bills) zugekauft. Auch wenn sich dies positiv auf die Liquiditätssituation auswirkt, ist es nicht mit klassischem QE gleichzusetzen, da es sich um „technisch orientierte Anleihekäufe“ handeln soll und keine langlaufenden Anleihen gekauft werden.
Diese Käufe sollen vorerst auf diesem erhöhten Niveau stattfinden, um Liquidität im System bereitzustellen, nach mehreren Monaten aber wieder deutlich reduziert werden. Diese Meldung dürfte von den Märkten eher positiv aufgefasst worden sein.
Reaktion der Märkte
An den Kapitalmärkten gab es in initialer Reaktion auf die Zinsentscheidung ein leichtes, aber deutliches Aufatmen. Auch Bitcoin konnte ins Plus drehen und über 94.000 US-Dollar steigen.
Der angekündigte Ausbau der Bilanz sowie die Tatsache, dass es zu keiner negativen Überraschung kam, dürften geholfen haben. Unter dem Strich war es aber eine Notenbanktagung, die im Großen und Ganzen die Erwartungen der Marktteilnehmer erfüllte. Demnach hielt sich die Volatilität heute in Grenzen.
Neuer Fed-Chef in Sicht
Die Amtszeit von Jerome Powell endet im Mai 2026, was Donald Trump die Möglichkeit einräumt, einen Verbündeten als Nachfolger zu nominieren, der anschließend aber noch vom Senat bestätigt werden müsste. Trump verkündete kürzlich, dass er seine Auswahl Anfang kommenden Jahres bekannt geben wird.
Am Dienstag vergangener Woche deutete Trump schließlich schon unmissverständlich an, wer es wohl sein dürfte.
„Ich denke, dass auch ein potenzieller Fed-Vorsitzender hier ist“, so Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.
„Er ist eine angesehene Person, das kann ich Ihnen sagen. Danke, Kevin.“
JUST IN: 🇺🇸 Trump implies former Coinbase advisor Kevin Hassett will be the next Fed Chair
— Bitcoin Archive (@BitcoinArchive) December 2, 2025
"I guess a potential Fed Chair is here too...Are we allowed to say that?" pic.twitter.com/r4dQur8evr
Damit meinte Trump Kevin Hassett, Chefkoordinator der Wirtschaftspolitik im Weißen Haus. Laut den Wettmärkten liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Kevin Hassett von Trump nominiert wird, bei über 70 %. Hassett ist – ebenso wie Trump – der Meinung, dass die Zinsen deutlich gesenkt werden müssen.
Es ist naheliegend, dass Trump einen Verbündeten nominieren wird, der ihm dabei hilft, seine Vision von niedrigeren Zinsen Realität werden zu lassen. Die USA zahlen momentan jährlich mehr als eine Billion US-Dollar an Zinsen auf ihren über 37 Billionen US-Dollar schweren Schuldenberg, was er immer wieder bemängelt. Der US-Präsident äußerte sich heute auch zu der Zinssenkung und kritisierte diese als zu gering. Er hätte „mindestens das Doppelte“ bevorzugt.
Trump räumte in einem Interview kürzlich offen ein, dass er nur jemanden als Nachfolger von Jerome Powell auswählen würde, der sich zu sofortigen Zinssenkungen verpflichtet. Auch wenn Hassett bereits betonte, dass er als Fed-Chef nicht politisch handeln werde, ist davon auszugehen, dass sich das geldpolitische Umfeld ab Sommer kommenden Jahres deutlich lockern wird. Dies dürfte sich positiv auf Sachwerte wie Bitcoin, die sensibel auf eine sich verbessernde Liquiditätssituation reagieren, auswirken.
Kevin Hassett gilt sogar als „Krypto-Bulle“. Der 63-Jährige war nämlich Berater der Krypto-Börse Coinbase und hält laut seiner letzten finanziellen Auskunft zwischen einer und fünf Millionen US-Dollar in Coinbase-Aktien. Entsprechend könnte seine potenzielle Nominierung den Krypto-Markt weiter beflügeln.
Überdies kann Bitcoin sogar von den womöglich zunehmenden Sorgen vor einem Unabhängigkeitsverlust der Federal Reserve profitieren. Bitcoin ist nämlich ein alternatives Geldsystem, bei dem keine zentrale, korrumpierbare Institution die Regeln vorgibt und somit Einfluss auf die umlaufende Menge und Werthaltigkeit des Geldes nimmt.