Federal Reserve mit erster Zinsanhebung seit 3 Jahren – Bitcoin steigt
Die Federal Reserve hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 % angehoben. Der Markt rechnete zwar mit einer Zinsanhebung, doch der Ausblick der Geldhüter sowie die Kommunikation von Fed-Chef Kevin Warsh wurden letztlich als hawkisher als erwartet aufgefasst. Der Bitcoin-Kurs legte dennoch nach Warshs Pressekonferenz leicht zu.
Von Tristan
Aktualisiert am
Erste Zinsanhebung seit Juli 2023
Das dritte FOMC-Meeting mit Kevin Warsh als Fed-Chef wurde mit großer Spannung erwartet. Dass die US-Zentralbank den Leitzins um 25 Basispunkte anheben wird, war laut dem CME FedWatch Tool schon zu über 90 % eingepreist.
Anfang des Monats lag die Wahrscheinlichkeit noch bei 50 %. Doch seither wurden heiße US‑Arbeitsmarktdaten sowie etwas höher als erwartete Inflationsdaten gemeldet, die eine Zinsanhebung quasi besiegelt haben.
Die Erhöhung des Leitzinses auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 % ist die erste Zinsanhebung seit Juli 2023. Danach gab es mehrere Zinssenkungen, doch die konstant über dem 2-%-Ziel liegende Inflation macht es laut den Geldhütern nun offenbar wieder nötig, die Geldpolitik restriktiver zu gestalten.
Auch wenn in den USA seit März 2021 Inflationsdaten von über 2 % gemeldet wurden, ist umstritten, inwieweit eine Zinsanhebung der richtige Schritt ist. Der aktuelle Preisdruck, der zu einer Inflationsrate von 3,4 % im August führte, liegt nämlich in erster Linie an den gestiegenen Energiepreisen im Zuge des Irankriegs.
Angesprochen darauf erklärte Kevin Warsh bei der Pressekonferenz, dass die Aufgabe der Zentralbank sei, zu verhindern, dass die Inflation eine Eigendynamik entwickelt. Die Europäische Zentralbank hob den Leitzins vergangene Woche bereits ebenfalls an – von 2,25 auf 2,5 %.
In den USA erhöhten derweil die stark steigenden Marktzinsen von US-Staatsanleihen den Druck auf die Federal Reserve, ihre Inflationsbekämpfung glaubwürdig zu untermauern. Demnach war die Annahme, dass es die Kapitalmärkte besonders unter Druck gebracht hätte, wäre heute der Leitzins gleich belassen worden.
Bei der vorherigen Notenbanktagung im Juli, als der Leitzins unverändert blieb, lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung kurz vorher noch bei circa 30 %. In Reaktion auf die Entscheidung ging es bei den Renditen von US-Staatsanleihen deutlich bergauf.
Einstimmige Entscheidung
Die stimmberechtigten FOMC-Mitglieder votierten mit 12 zu 0 für die Zinsanhebung um 25 Basispunkte, wie der offiziellen Pressemitteilung zu entnehmen ist.
Bei der Zinsentscheidung im Juli hingegen herrschte Uneinigkeit. Damals gab es nämlich 9 Stimmen für die Beibehaltung des Zinsniveaus, während 3 FOMC-Mitglieder den Leitzins anheben wollten.
Dot Plot signalisiert weitere Zinsanhebungen
Laut dem vierteljährlich veröffentlichten Dot Plot, der die Zinsprojektionen der FOMC-Teilnehmer abbildet, ist jetzt sogar mit weiteren Zinsanhebungen zu rechnen.
Bis zum Ende dieses Jahres erwarten 16 von 18 FOMC-Teilnehmern mindestens eine weitere Erhöhung des Leitzinses.
Im Median stieg das von den Geldhütern projizierte Zinsniveau für 2026 gegenüber dem Dot Plot aus dem Juni von 3,8 auf 4,1 %.
Die Inflationsprojektionen wurden derweil nach oben angepasst, während jetzt erst im Jahr 2029 eine PCE-Inflation von 2 % erreicht werden soll.
Hawkisher als erwartet
Am Markt ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins weiter angehoben wird, in Reaktion auf das FOMC-Meeting merklich gestiegen.
Für die Oktobertagung liegt die Wahrscheinlichkeit laut dem CME FedWatch Tool jetzt bei 50 % für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte sowie 50 % für die Beibehaltung des Zinsniveaus.
Bei der darauffolgenden Dezembertagung wird hingegen zu knapp 90 % eingepreist, dass der Leitzins höher liegen wird – vor der Zinsentscheidung waren es noch circa 80 %.
Das zeigt, dass das dritte FOMC-Meeting mit Kevin Warsh als Fed-Chef unter dem Strich als hawkish aufgefasst wurde.
Er selbst machte deutlich, so wie auch bei seiner Rede auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole Ende August, dass die Inflationsbekämpfung der klare Fokus sei. Der robuste Arbeitsmarkt sowie die starke US-Wirtschaft würden dies zudem zulassen.
Außerdem betonte Warsh wieder, dass die Finanzierungsbedingungen nicht restriktiv seien – und seine Kollegen ihm dabei zustimmen würden.
Trump unzufrieden mit der Zinsanhebung
US-Präsident Donald Trump, der Kevin Warsh Ende Januar als Fed-Chef nominierte, zeigte sich mit der Entscheidung, den Leitzins anzuheben, unzufrieden.
In einem Post auf Truth Social forderte er sogar Zinssenkungen, mit der Begründung, dass die Zinsen wegen der guten Kreditwürdigkeit der USA 1 % oder weniger betragen sollten.
Anders als bei Warshs Vorgänger Jerome Powell ließ er jedoch davon ab, seinen selbst ausgewählten Fed-Chef namentlich zu erwähnen.
Ende 2025 erklärte Trump noch, dass jemand, der ihm widerspricht, niemals Fed-Vorsitzender werden würde.
Ich möchte, dass mein neuer Fed-Vorsitzender die Zinsen senkt, wenn der Markt gut läuft, und nicht ohne Grund den Markt zerstört. Die Vereinigten Staaten sollten für ihren Erfolg belohnt werden und nicht daran zugrunde gehen. [...] Wer mir widerspricht, wird niemals Fed-Vorsitzender werden.
Donald Trump Ende 2025
Uneinheitliche Marktreaktionen
Dass das FOMC-Meeting eher als hawkish aufgefasst wurde, lässt sich auch – zumindest teilweise – an den Marktreaktionen ablesen. So konnte der US-Dollar gegenüber den anderen großen Währungen deutlich zulegen, was ein übliches Muster bei Einpreisung einer restriktiveren US-Geldpolitik ist.
An den Aktienmärkten sowie bei Gold und Silber gab es im Zuge der Zinsentscheidung und der anschließenden Pressekonferenz fallende Kurse – wenn auch in geringem Ausmaß.
Bitcoin konnte sich, nachdem der Kurs bereits am Vortag wegen des Scheiterns des Krypto-Gesetzes CLARITY Act korrigiert hatte, verhältnismäßig gut halten und sogar leicht zulegen.
Zinsanhebungen gelten grundsätzlich als negativ für Sachwerte wie Bitcoin, Edelmetalle oder Aktien. Doch ein steigender Leitzins zieht nicht zwangsläufig einen Abverkauf mit sich. So konnte Bitcoin beispielsweise im ersten Halbjahr 2023 oder auch in den Jahren 2016 und 2017 deutlich zulegen, obwohl die Federal Reserve zeitgleich den Leitzins angehoben hatte.
An den Märkten geht es in erster Linie um die Erwartungen an die Zukunft. Diese haben sich im Zuge des FOMC-Meetings etwas eingetrübt, aber offenbar nicht genug, um eine größere Korrektur auszulösen.
Alle Augen auf die Renditen von US-Staatsanleihen
Im Fokus stehen aktuell die Renditen von US-Staatsanleihen. Diese sind nach der Zinsentscheidung weiter gestiegen, womit der Druck auf den US-Haushalt nicht nachlässt. Denn je höher die Marktzinsen, desto teurer die Refinanzierung der USA.
Die steigenden Renditen von US-Staatsanleihen, insbesondere der langlaufenden, sind ein Dorn im Auge der Trump-Administration. Das Finanzministerium reagierte am 19. August bereits darauf, indem angekündigt wurde, das Rückkaufvolumen bei den Wertpapieren mit langer Laufzeit zu erhöhen.
Bitcoin konnte daraufhin eine Rally hinlegen. Eine mögliche Erklärung ist, dass, wenn die Situation weiter aus dem Ruder laufen sollte, die Federal Reserve mit frisch geschöpftem Geld wieder als Käufer langlaufender Staatsanleihen einspringen könnte, um für Finanzstabilität zu sorgen.
Die USA befinden sich nämlich in einer Art Schuldenspirale. Mit über 40 Billionen US-Dollar an Staatsschulden bei kontinuierlich weiter erwirtschafteten Defiziten scheinen Investoren zunehmend höhere Zinsen für das Halten der Schuldpapiere zu verlangen. Und je höher die Zinszahlungen der USA, desto prekärer wird die Situation.
Hinzu kommt, dass offenbar immer mehr Marktteilnehmer realisieren, dass das alles in einer weiter voranschreitenden Geldentwertung resultieren dürfte, was ebenfalls die Renditen, bei denen auch die Inflationserwartung eine große Rolle spielt, anzufachen scheint.
Demnach wirken bei Bitcoin momentan wohl zwei Kräfte gegeneinander: Denn während höhere Zinsen tendenziell negativ für BTC sind, dürften die Schuldensituation der USA beziehungsweise die potenziellen Folgen dieser Assets mit begrenzter Gesamtmenge umso attraktiver machen.
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