Bei der ersten Notenbanktagung nach den Ermittlungen der US-Justiz gegen Fed-Chef Jerome Powell hat die US-Zentralbank eine Zinspause eingelegt. Bitcoin handelt entgegen dem Trend anderer Anlageklassen schwächer in Reaktion.

Erneute Zinspause

Die US-Zentralbank hat bei der ersten Notenbanktagung im Jahr 2026 den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,5 bis 3,75 % belassen. Dies war vom Markt mit einer Wahrscheinlichkeit nahe 100 % eingepreist.

Dieser Zinsentscheidung gingen drei Senkungen um jeweils 25 Basispunkte voraus. Davor ließ die Federal Reserve den Leitzins mehrere Monate unverändert, nachdem sie Ende 2024 die Zinswende mit drei Zinsschritten um insgesamt 100 Basispunkte eingeleitet hatte.

Jerome Powell, der Vorsitzende der Federal Reserve, signalisierte, dass es keinen dringenden Grund gebe, die Zinsen weiter zu senken, da sich die US-amerikanische Wirtschaft gut halte. Laut ihm gebe es zudem keine Indizien für die Behauptung, die Geldpolitik sei zu restriktiv.

Ich denke – und viele meiner Kollegen denken das auch –, dass es schwierig ist, sich die eingehenden Daten anzusehen und zu sagen, dass die Politik derzeit deutlich restriktiv ist.
Jerome Powell während der Pressekonferenz

Im offiziellen Statement hieß es derweil, das Wirtschaftswachstum sei „solide“. Dies ist eine Steigerung gegenüber der Darstellungsweise bei den vorherigen Notenbanktagungen, als in diesem Kontext noch von „moderat“ die Rede war.

Die Federal Reserve hat neben der „Preisstabilität“ auch den Arbeitsmarkt im Blick. Schwächere Beschäftigungsdaten veranlassten die Notenbank zu den drei Zinssenkungen Ende 2025, obwohl die Inflationsrate mit 2,7 % im November und Dezember noch nördlich des selbstauferlegten Ziels lag.

Sollte die Änderungsrate der Konsumgüterpreise nicht deutlich zurücklaufen oder es zu einem deutlich schwächeren Arbeitsmarkt kommen, dürfte der Leitzins vorerst unverändert bleiben. Marktteilnehmer rechnen aktuell erst im Juni mit der nächsten Zinssenkung, also voraussichtlich dann mit einer neuen Person an der Spitze der Notenbank.

Powell bleibt standhaft

In der Nacht vom 11. auf den 12. Januar 2026 gab Fed-Chef Powell ein Statement ab, in dem er der Welt mitteilte, dass gegen ihn Ermittlungen laufen. Er ordnete dies als Versuch der Regierung ein, Druck auf die Zentralbank auszuüben, um Zinssenkungen herbeizuführen. Der offizielle Grund für die Subpoenas – Powells Aussage zur Renovierung der Fed-Hauptgebäude vor dem Senat – sei nur ein Vorwand, so der Ende 2017 von Trump selbst nominierte Notenbankchef in seiner Videobotschaft.

Trump ist bekanntlich ein Befürworter einer lockereren Geldpolitik und er kritisierte Powell mehrfach dafür, die Zinsen nicht genügend zu senken. Die gestrige Notenbanktagung war jetzt die erste nach der Eskalation in dem Konflikt durch die Ermittlungen der US-Justiz. Damit, dass der Leitzins unverändert belassen wurde, signalisierten die Geldhüter, dass sie nicht einknicken werden. Powell betonte schon in seinem Video-Statement, dass er trotz alledem seinen Job „weiterhin mit Integrität und Engagement für das amerikanische Volk erfüllen“ werde.

Doch für die Zinsentscheidung ist nicht nur der Vorsitzende der Federal Reserve verantwortlich, sondern die insgesamt zwölf stimmberechtigten Mitglieder des „Federal Open Market Committee (FOMC)“. Wie bei den vorherigen Notenbanktagungen gab es auch dieses Mal wieder Uneinigkeiten: Zwei Notenbanker – Stephen Miran und Christopher Waller – votierten nämlich für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte, während die anderen für die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus stimmten.

Miran ist erst seit wenigen Monaten Notenbankgouverneur. Trump schlug ihn vor, nachdem die Gouverneurin Adriana Kugler im August 2025 überraschenderweise zurückgetreten war. Eigentlich soll Miran nur bis zum 31. Januar 2026 Notenbankgouverneur sein, doch solange es noch keinen vom Senat bestätigten Nachfolger gibt, wird der Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater, der sich in seinem Zweitjob bei der Fed immer für eine lockerere Geldpolitik einsetzte, stimmberechtigtes FOMC-Mitglied bleiben.

Waller hingegen wurde Anfang 2020 von Trump – während seiner ersten Amtszeit – nominiert. Er ist einer der heißesten Anwärter für den Posten des Fed-Chefs – nicht zuletzt aufgrund seiner Sympathie für niedrigere Zinsen. Auf der Wettplattform Polymarket wird ihm gerade eine Wahrscheinlichkeit von 15,7 % zugemessen. Favorit ist derzeit Rick Rieder von BlackRock mit über 35 % – dicht gefolgt vom ehemaligen Notenbankgouverneur Kevin Warsh (33 %).

Powells Amtszeit endet offiziell im Mai dieses Jahres. Es wird erwartet, dass Trump zeitnah seine Nominierung verkünden wird. Doch der Kandidat von Trump muss noch durch den Senat bestätigt werden – und das könnte wegen den Ermittlungen gegen Powell, die auch aus den eigenen Reihen scharf kritisiert wurden, eine größere Hürde werden.

Auch der Versuch von Trump, die Notenbankgouverneurin Lisa Cook wegen Hypothekenbetrug zu feuern, sorgte für Empörung. Cook klagte gegen die Entlassung. Solange der Supreme Court die Angelegenheit prüft, bleibt sie im Amt, so der bisherige Beschluss. 

Powell besuchte in der vergangenen Woche die Anhörung seiner Kollegin vor Gericht, was von Finanzminister Scott Bessent als „Politisierung der Fed“ kritisiert wurde. Angesprochen darauf verteidigte sich der Fed-Chef bei der Pressekonferenz, indem er es als den „wichtigsten Rechtsstreit in der 113-jährigen Geschichte der Fed“ bezeichnete und betonte, dass er es für angemessen hielt, bei der Supreme-Court-Anhörung anwesend zu sein.

Marktreaktion auf Zinsentscheidung

Da die Entscheidung, den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,5 bis 3,75 % zu belassen, bereits eingepreist war, gab es darauf keine aufsehenerregenden Marktreaktionen. Unter dem Strich wurde die Kommunikation des Fed-Chefs aber als etwas „hawkisher“ aufgefasst, als erwartet. Dies wird in erster Linie dadurch deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der kommenden Notenbanktagung im März keine Zinssenkung gibt, in Reaktion merkbar zulegte – von 84 auf über 90 %.

Der Bitcoin-Kurs hingegen handelte nach der Zinsentscheidung, die sich um 20 Uhr deutscher Zeit ereignete, schwächer und fiel in der Nacht im Tief auf 87.550 US-Dollar, was durch den etwas eingetrübteren Ausblick für die weitere Zinsentwicklung erklärt werden könnte.

Zeitgleich konnten Gold und Silber die Kursrally der vergangenen Wochen ausbauen und am heutigen Tag jeweils neue Allzeithochs erreichen. Die Aktienmärkte zeigten sich von der Notenbanktagung weitgehend unbeeindruckt. Der US-amerikanische Aktienindex S&P 500 stieg am gestrigen Handelstag vor der Zinsentscheidung aber bereits erstmals über 7.000 Punkte.

BTC setzt also die relative Schwäche gegenüber anderen Anlageklassen – insbesondere Edelmetallen – weiter fort. Bei einem aktuellen Bitcoin-Kurs von circa 88.000 US-Dollar fehlt ein Anstieg von mehr als 40 %, um den bisherigen Höchststand von 126.300 US-Dollar zu übersteigen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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