Bei der ersten Notenbanktagung mit Kevin Warsh als Fed-Chef wurde der Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 % belassen. Dies war vom Markt zwar zu über 99 % eingepreist, doch die von den Geldhütern gegebenen Aussichten sorgten für Gegenwind beim Bitcoin-Kurs. Die Zinsprojektion für 2026 wurde nämlich deutlich nach oben angepasst – von 3,4 auf 3,8 %.

Schwierig zu navigierende Situation

Nachdem der Leitzins in Reaktion auf die Hochinflation nach der Coronapandemie von 0,25 auf 5,5 % angehoben wurde, befindet sich die Federal Reserve seit September 2024 wieder im Zinssenkungszyklus.

Dabei gab es jedoch eine längere Pause von Dezember 2024 bis September 2025 sowie auch jetzt seit mehreren Monaten. Die bislang letzte Zinssenkung ereignete sich im Dezember 2025. 

Seitdem wird der Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 % gleichbelassen. So auch bei der heute verkündeten Entscheidung.

Grund für die Zurückhaltung ist neben den schwierig vorhersehbaren Auswirkungen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump insbesondere der Irankrieg. Die USA griffen Ende Februar gemeinsam mit Israel den Iran an. Daraufhin blockierte das Land die für den Ölhandel so wichtige Straße von Hormus.

Dies sorgte für stark steigende Energiepreise, die sich in hohen Inflationsraten widerspiegeln. Im Mai stiegen die US-Konsumgüterpreise gegenüber dem Vorjahr um 4,2 % – der höchste Wert seit April 2023.

Eine deutlich über dem 2-%-Ziel liegende Inflation lässt kaum Spielraum für weitere Zinssenkungen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Federal Reserve neben der Preisstabilität auch für Vollbeschäftigung sorgen soll. Der US-Arbeitsmarkt ist derzeit aber überraschend robust, was ebenfalls gegen Zinssenkungen spricht.

Im Rahmen dieser Entwicklungen wurde vom Markt teilweise eingepreist, dass es in diesem Jahr sogar Zinsanhebungen geben könnte. Die Europäische Zentralbank legte in der vergangenen Woche schon vor mit einer Anpassung des Einlagenzinses von 2 auf 2,25 %.

Letztlich ist aber fraglich, wie sinnvoll es ist, auf einen Preisschock mit höheren Zinsen zu reagieren. Grund für den Inflationsdruck ist nämlich eher weniger eine überhitzte Wirtschaft, die sich mit Zinsanhebungen einfangen ließe.

Tatsächlich kann eine geldpolitische Straffung das Problem der hohen Energiepreise sogar verschärfen, da so die Investitionen in den Kapazitätsausbau gebremst werden. Zudem wird am Freitag voraussichtlich eine Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran unterzeichnet, die die Straße von Hormus wieder öffnen soll.

Die Märkte warteten entsprechend gespannt darauf, wie der Mitte Mai vereidigte neue Notenbankchef Kevin Warsh die aktuelle Situation einordnen und welche Signale es zu dem Fahrplan der kommenden Monate geben wird.

Keine umstrittene Entscheidung

Dass der Leitzins gleichbelassen wurde, sorgte nicht für Überraschungen. Interessant war dafür vielmehr, wie viel Konsens bei der Entscheidung herrschte.

Dieses Mal votierten offenbar alle zwölf stimmberechtigten FOMC‑Mitglieder für die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus. 

Denn während in vorherigen Pressemitteilungen aufgeführt wurde, wer sich wie positionierte, hieß es jetzt lediglich, das „Federal Open Market Committee“ habe die Veröffentlichung des Statements mit 12 zu 0 beschlossen.

Bei den vorherigen Tagungen gab es häufiger Dissens. So setzte sich beispielsweise der von Donald Trump nominierte Notenbankgouverneur Stephen Miran öfter für stärkere Senkungen ein.

Das bedeutet also, dass sowohl Jerome Powell, der der Fed vorerst noch als Gouverneur erhalten bleibt, als auch Kevin Warsh damit einverstanden waren, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 % zu halten.

Trump erklärte vor der Auswahl von Warsh, er möchte, dass sein Fed-Vorsitzender die Zinsen senkt. Grund dafür ist in erster Linie die Tatsache, dass die Refinanzierung der US-Staatsschulden bei einem hohen Zinsniveau immer mehr Haushaltsmittel verschlingt.

Doch Kevin Warsh beteuerte mehrfach, dass die Zentralbank unter ihm unabhängig bleiben würde.

Grundsätzlich gilt Warsh als Befürworter niedriger Zinsen. Dies begründet er aktuell mit dem Produktivitätsfortschritt durch Künstliche Intelligenz, der deflationär wirken soll. Doch bei einer Inflation von 4,2 % die Zinsen zu senken, wäre wohl schwierig zu rechtfertigen, ohne als Marionette Trumps gesehen zu werden.

Ausblick der Federal Reserve

Im offiziellen Statement, das deutlich kürzer als üblich war, wurde die Formulierung entfernt, die auf künftige Zinssenkungen hindeutete.

Einmal pro Quartal stellen die FOMC-Teilnehmer im Rahmen des vielbeachteten „Dot Plots“ zudem die von ihnen antizipierte Zinsentwicklung vor. 

Nachdem die letzten beiden „Dot Plots“ von März 2026 und Dezember 2025 eine Zinssenkung für das Jahr 2026 signalisierten, ist es jetzt gar keine mehr.

Die Medianprojektion des Leitzinses für 2026 stieg von 3,4 auf 3,8 %.

Neun der insgesamt 18 FOMC-Teilnehmer rechnen mit einem höheren Leitzins in diesem Jahr. Fünf davon erwarten zwei Zinsschritte um insgesamt 50 Basispunkte, während einer sogar drei Zinsanhebungen prognostiziert. Warsh selbst gab keine Einschätzung im Rahmen des „Dot Plots“ ab.

Die Erwartung für den Langfristzins wurde derweil aber bei 3,1 % gleichbelassen.

Grund für die mittelfristig restriktivere Zinsaussicht ist die höhere Inflationserwartung. Die antizipierte Preissteigerung anhand des „Personal Consumption Expenditures Price Index (PCE)“ wurde für 2026 nämlich von 2,7 % auf 3,6 % angehoben. Bei der Kernrate gab es eine Anpassung von 2,7 auf 3,3 %.

Negative Marktreaktion

An den Märkten gab es in initialer Reaktion auf das FOMC-Statement einen kleinen Rücksetzer. Bitcoin fiel im Zuge dessen von über 66.000 auf circa 65.000 US-Dollar zurück.

Im Laufe der Pressekonferenz wurde der kleine Kursverlust jedoch direkt wieder wettgemacht, bevor Bitcoin weiter schwächelte. Zinsentscheidungen gehen im Regelfall mit einer höheren Volatilität einher.

Dass das FOMC-Meeting letztlich eher negativ aufgefasst wurde, lässt sich daran ablesen, dass die Wahrscheinlichkeit für Zinsanhebungen in diesem Jahr merkbar gestiegen ist – von ungefähr 30 auf 50 %, wie Daten von Polymarket zeigen.

Ist Kevin Warsh bullisch oder bärisch für Bitcoin?

Als Kevin Warsh von Donald Trump nominiert wurde, kam es zunächst zu einem größeren Abverkauf an den Märkten. Bitcoin crashte im Zuge dessen Anfang Februar auf 60.000 US-Dollar.

Grund dafür war, dass er im Gegensatz zu den anderen Kandidaten eher als „Falke“ eingestuft wird. Obwohl er sich offen für niedrigere Zinsen zeigt, machte er mehrfach klar, dass die Bilanz der Federal Reserve seiner Meinung nach zu groß sei.

Ich bin der Meinung, dass wir eine kleinere Bilanz der Zentralbank brauchen. […] Gemeinsam mit dem Finanzminister werden wir einen Weg finden müssen, wie wir die Bilanz reduzieren können.
Kevin Warsh

Bitcoin konnte in den Jahren 2020 und 2021 besonders stark profitieren, als die Federal Reserve mit ihrem Bilanzausbau („Quantitative Easing“) die Märkte mit Liquidität flutete. 

Als die Bilanz im Jahr 2022 schließlich wieder reduziert wurde („Quantitative Tightening“), geriet BTC deutlich unter Druck.

Der Bilanzabbau ist seit Dezember 2025 abgeschlossen und seither tritt die Federal Reserve wieder als Nettokäufer von Wertpapieren auf – das aber nur mit verhältnismäßig kleinen Summen.

Sollte es der US-Zentralbank unter Warsh gelingen, tatsächlich langfristig das Wertpapierportfolio zu reduzieren, so könnte dies für Gegenwind bei Bitcoin und anderen Anlageklassen sorgen. Einen konkreten Plan gibt es bislang aber noch nicht. Laut Warsh werde sich eine neue Taskforce nun die Bilanz ansehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Märkte in den ersten Monaten eines neuen Fed-Chefs üblicherweise eher schwächer handeln. Das ist auch bei der noch kleinen Historie von BTC zu beobachten. Nachdem Janet Yellen und Jerome Powell Vorsitzende wurden, ging es deutlich weiter bergab.

Ausblick für Bitcoin

Wie es an der geldpolitischen Front weitergehen wird, dürfte in erster Linie davon abhängen, ob es zwischen den USA und dem Iran zu einem nachhaltigen Deal kommen kann, im Rahmen dessen die Energiepreise und damit die Inflation deutlich sinken können.

Die Maßnahmen der Federal Reserve sind von großer Bedeutung für den Bitcoin-Kurs – und werden es voraussichtlich auch noch lange bleiben. Unter dem Strich ist es aber selbstverständlich nicht der einzige Einflussfaktor.

Bitcoin konnte zwischen Ende 2022 und Ende 2025 beispielsweise deutlich zulegen, obwohl der Leitzins ununterbrochen bei 4 % oder darüber lag und die Bilanz reduziert wurde.

Unter dem Strich wird aber wohl kein Weg daran vorbeiführen, dass die US-Dollar-Geldmenge weiter steigen wird – alleine schon aufgrund der ausufernden Staatsschulden. 

Bitcoin als Asset mit begrenzter Gesamtmenge dürfte davon langfristig profitieren. Auf dem Weg zu höheren Notierungen wird es voraussichtlich aber die üblichen Höhen und Tiefen geben.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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