Ein hochrangiger FBI-Mitarbeiter hat sich selbst angezeigt, nachdem er Kryptowährungen im Gesamtwert von rund 1 Million US-Dollar entwendet haben soll. Dafür soll er interne Ermittlungsdaten genutzt haben, um Zugriff auf Wallets zu erhalten, die Personen eines gegnerischen Nationalstaats zugeordnet wurden.

Selbstanzeige eines FBI-Ermittlers

Laut einer am 1. August 2026 von FBI-Spezialagentin Hope Vance eingereichten eidesstattlichen Erklärung werden dem ehemaligen FBI Supervisory Special Agent Patrick Steven Yaroch der Besitz gestohlener (digitaler) Vermögenswerte sowie deren grenzüberschreitender Transport vorgeworfen.

Konkret soll Yaroch zwischen Ende 2024 und Anfang 2025 im Rahmen von Spionageermittlungen interne FBI-Systeme genutzt haben, um Seed- beziehungsweise Passphrases aus Ermittlungsakten zu entnehmen. Damit soll er mehrfach Kryptowährungen von Wallets, die Personen eines nicht näher bezeichneten gegnerischen Nationalstaats („Adversarial Nation State 1“) zugeordnet waren, auf eine von ihm kontrollierte Wallet transferiert haben.

Bekannt wurde der Fall durch die Selbstanzeige des Beschuldigten. Am 29. Juli 2026 kontaktierte Yaroch zunächst einen Mitarbeiter des US-Justizministeriums und erklärte, er habe „sehr schlechte Entscheidungen“ im Zusammenhang mit Krypto-Wallets getroffen. Er wolle alles offenlegen und meldete den Vorfall anschließend auch dem FBI selbst.

Nach der Befragung und einer Durchsuchung seiner Wohnung, bei der unter anderem mehrere Seedphrases sichergestellt wurden, wurde Yaroch am 31. Juli 2026 vom FBI entlassen und festgenommen. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia.

Rund 1 Million US-Dollar gestohlen

Bei seiner Befragung behauptete Yaroch, er sei darüber frustriert gewesen, dass das FBI gegen die Wallets des gegnerischen Staates nichts unternehmen könne. Deshalb habe er sich mit der Funktionsweise von Krypto-Wallets beschäftigt, die entsprechenden Zugangsdaten aus den FBI-Unterlagen auswendig gelernt und die Vermögenswerte schließlich auf eigene Wallets umgeleitet.

Nach eigenen Angaben führte Yaroch 10 bis 12 Transaktionen mit einem Gesamtwert von etwa 1 Million US-Dollar durch.

Welche Kryptowährungen genau entwendet wurden, geht aus den bisher veröffentlichten Gerichtsunterlagen nicht eindeutig hervor. Weder Wallet-Adressen noch Transaktions-IDs oder entsprechende Blockchain-Analysen wurden offengelegt. Yaroch gibt an, dass er die Assets nicht ausgegeben habe. Er habe sie unter anderem mit seinem privaten Krypto-Vermögen auf der Börse Kraken vermischt.

Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass sich dort zum Zeitpunkt der Überprüfung insgesamt rund 188.570 US-Dollar befanden. Davon lagen etwa 165.000 US-Dollar als Fiatguthaben vor. Hinzu kamen Kryptowährungen im Gesamtwert von etwa 23.000 US-Dollar, darunter rund 18.000 USDC, QUID-Token im Wert von knapp 5.000 US-Dollar sowie sehr geringe Beträge in Bitcoin und weiteren Kryptowährungen.

Den weitaus größeren Teil – rund 934.000 US-Dollar – hat Yaroch über die Slush-Wallet in dem öffentlichen DeFi-Protokoll Suilend auf der Sui-Blockchain hinterlegt, um Zinsen zu erzielen.

Nachdem Yaroch freiwillig der Beschlagnahmung der Krypto-Werte zugestimmt hatte, nutzten FBI-Ermittler die zuvor bei der Hausdurchsuchung sichergestellten Seedphrases, um die Assets auf Wallets der US-Regierung zu transferieren, während das Fiatguthaben auf dem Kraken-Konto blieb.

Viele Fragen bleiben noch offen

Bislang liegen lediglich erste Ermittlungsunterlagen vor. Viele Fragen – etwa zur Herkunft der Wallets, zu den konkret entwendeten Kryptowährungen und zum betroffenen gegnerischen Nationalstaat – bleiben offen oder werden aufgrund der laufenden Ermittlungen weiterhin unter Verschluss gehalten.

Unklar ist außerdem, welche Absichten Yaroch vor seiner Selbstanzeige verfolgte. Im Mai sowie Ende Juni 2026 reiste er nach Europa, ohne seiner Verpflichtung nachzukommen, die Reise dem FBI zu melden.

Die Auswertung seiner bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmten Kommunikationsgeräte ergab zudem, dass Yaroch seit Ende Mai 2026 ChatGPT unter anderem gefragt hatte, wie sich 1 Million US-Dollar möglichst gewinnbringend investieren lasse und welches europäische Land für eine Auswanderung infrage komme.

Zu seinen Fragen gehörten laut den Gerichtsunterlagen unter anderem:

  • „Wenn ich eine Million Dollar hätte, wie würdest du vorschlagen, diese zu investieren bzw. auszugeben, um den Gewinn und die Rendite zu maximieren?“
  • „Wenn du einen Haufen Geld hättest (etwa 1 Million Dollar) und die USA verlassen und Einwohner oder Staatsbürger eines EU-Landes werden wolltest, was würdest du tun?“

Für September 2026 plante Yaroch mit seiner Familie eine Reise nach Portugal. Laut den Ermittlungen war Portugal zuvor auch eines der Länder, die ChatGPT im Rahmen seiner Anfrage zu einer möglichen Auswanderung in die Europäische Union genannt hatte.

Ob die Europareisen und ChatGPT-Anfragen tatsächlich Teil eines konkreten Fluchtplans waren, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen. Mit der nun veröffentlichten eidesstattlichen Erklärung liegt bislang lediglich ein erster Einblick in diesen ungewöhnlichen Fall vor, bei dem sich ausgerechnet ein hochrangiger FBI-Ermittler Zugang zu Krypto-Assets verschaffte.

In der Vergangenheit kam es bereits zu ähnlichen schwerwiegenden Sicherheitsvorfällen bei staatlichen Stellen, etwa bei einem mutmaßlichen Insider-Diebstahl aus US-Wallets sowie bei einer südkoreanischen Steuerbehörde, die versehentlich private Schlüssel veröffentlichte.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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