Das US-Finanzministerium und die US-Steuerbehörde (IRS) haben vorläufig klargestellt, dass die befürchtete Besteuerung von unrealisierten Bitcoin-Gewinnen nicht greifen wird. Unternehmen wie Strategy hätten laut der „Corporate Alternative Minimum Tax (CAMT)“ ab dem kommenden Jahr ordentlich zur Kasse gebeten werden können. Jetzt gibt es aber die erhoffte Entwarnung.

Hintergrund: 15-%-Mindeststeuer für Unternehmen

Ende Januar dieses Jahres sorgte ein Artikel der Washington Post für Verunsicherung. In diesem wurde ein Steuerproblem thematisiert, das auf die „Bitcoin Treasury Company“ Strategy zukommen könnte. Konkret ging es dabei um die sogenannte „Corporate Alternative Minimum Tax (CAMT)“, die im Rahmen von Joe Bidens „Inflation Reduction Act“ eingeführt wurde.

Die CAMT ist eine Steuer, die große Unternehmen, die zwar Gewinne ausweisen, aber keine Steuern zahlen, zur Kasse bitten soll. Insofern der Unternehmensgewinn über drei Jahre im Durchschnitt mehr als 1 Milliarde US-Dollar beträgt, fällt mit der CAMT eine Mindeststeuer von 15 % an.

Da Strategy seit diesem Jahr die Bitcoin auf der Bilanz zum fairen Wert bilanzieren muss, entstehen bei einem steigenden Bitcoin-Kurs große buchhalterische Gewinne. Und aufgrund des momentan 75 Milliarden US-Dollar schweren Bitcoin-Vermögens handelt es sich dabei gut und gerne auch mal um Milliardenbeträge.

So wies Strategy für das zweite Quartal 2025 einen Gewinn von circa 14 Milliarden US-Dollar aus – für das jetzt abgeschlossene dritte Quartal wird sich der Unternehmensgewinn auf 3,9 Milliarden US-Dollar belaufen.

Die Gefahr stand also im Raum, dass Strategy im kommenden Jahr Steuern auf diese Bitcoin-Investitionsgewinne bezahlen muss – und dadurch gegebenenfalls zur Veräußerung von BTC gezwungen sein könnte.

Strategy wandte sich vor dem Washington Post-Artikel sogar gemeinsam mit der Krypto-Börse Coinbase, die ebenfalls Bitcoin im Milliardenwert hält, an die Steuerbehörde IRS, um auf das Problem der CAMT bei unternehmerischen Bitcoin- und Krypto-Gewinnen aufmerksam zu machen.

Da es bereits eine Ausnahme für Wertpapierportfolios von Holding-Gesellschaften wie Berkshire Hathaway gab, zeigte sich Strategy-Gründer Michael Saylor schon bei der Investorenpräsentation im Februar 2025 zuversichtlich, dass die USA unter dem Krypto-freundlichen Präsidenten Donald Trump nicht die Unternehmen mit Bitcoin auf der Bilanz benachteiligen werden.

Unter einer Anwendung der CAMT auf Bitcoin-Gewinne könnte nicht zuletzt auch Trump selbst finanziell leiden. Seine eigene Aktiengesellschaft TMTG hält Bitcoin auf der Bilanz. Und sogar seine Söhne sind in ein börsennotiertes Mining-Unternehmen namens „American Bitcoin“ involviert, das ebenfalls eine Bitcoin-Reserve aufbaut.

Entwarnung: keine Steuern auf unrealisierte Bitcoin-Gewinne

Mit dem jüngst eingereichten 8-K-Filing teilt Strategy nun mit, dass die neuen, vorläufigen IRS-Leitlinien („Interim Guidance“) unrealisierte Gewinne und Verluste von gehaltenen Kryptowährungen bei der Berechnung des „Adjusted Financial Statement Income (AFSI)“ außen vor lassen. Die Kennzahl AFSI ist entscheidend dafür, ob ein Unternehmen die 15-%-Mindeststeuer bezahlen muss oder nicht.

Gemäß der vorläufigen Leitlinie plant das Unternehmen, seine unrealisierten Gewinne und Verluste bei der Berechnung des AFSI unberücksichtigt zu lassen, um festzustellen, ob es der CAMT unterliegt. Infolgedessen rechnet das Unternehmen nicht mehr damit, aufgrund unrealisierter Gewinne aus seinen Bitcoin-Beständen der CAMT zu unterliegen.
Strategy im SEC-Filing

Wenige Stunden vorher teilte Senatorin Cynthia Lummis diese positive Nachricht bereits auf der Plattform 𝕏.

Das Finanzministerium der Trump-Regierung hat gerade einen Beitrag zur amerikanischen Innovation geleistet – indem es das CAMT-Problem behoben hat, das nicht realisierte Gewinne bei Bitcoin bedrohte.

Diese Führungsrolle ebnet den Weg für die USA, zur weltweiten Bitcoin-Supermacht zu werden. 🇺🇸

Vielen Dank an das Finanzministerium und Donald Trump.
Cynthia Lummis

Finanzminister Scott Bessent repostete die Danksagung von Senatorin Lummis. Die besagte Leitlinie der IRS ist inzwischen öffentlich einsehbar.

Damit ist die Befürchtung, Strategy müsse im kommenden Jahr Steuern auf unrealisierte Bitcoin-Gewinne bezahlen, fürs Erste vom Tisch – auch wenn es sich um vorläufige Leitlinien handelt und die Behörden noch überarbeitete Entwürfe nachreichen wollen.

An dem nach den allgemein akzeptierten Bilanzierungsrichtlinien ausgewiesenen Quartalsergebnis ändert die neue Leitlinie überdies nichts. Das bedeutet, dass Strategy weiterhin Gewinne vermelden wird, wenn der Bitcoin-Kurs im Betrachtungszeitraum zulegt.

Damit bleibt Strategy ein Kandidat für die Aufnahme in den US-amerikanischen Aktienindex S&P 500, für die eine Kernvoraussetzung die Profitabilität ist. Nach dem Gewinn für Q2 qualifizierte sich Strategy erstmals für Inklusion, die Aufnahme erfolgte zum erstmöglichen Zeitpunkt jedoch nicht. Ob sich das nach dem ebenfalls positiven Quartalsgewinn für Q3 ändern wird, entscheidet sich im Dezember.

Durch die Entwarnung hinsichtlich der Steuern auf unrealisierte Gewinne ist jetzt vorerst eine große Unsicherheit vom Tisch. Die Liquiditätsplanung von Strategy dürfte dadurch entlastet werden und das Risiko von erzwungenen Bitcoin-Verkäufen deutlich sinken. Die Strategy-Aktie (MSTR) stieg am heutigen Tag um fast 5 % und damit mehr als der Bitcoin-Spot-ETF IBIT, der „nur“ etwas mehr als 2,5 % zulegte.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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