Elite-Uni Harvard hat Bitcoin verkauft
Harvard und Bitcoin
Als die Harvard Management Company, eine 100-%-ige Tochter der Elite-Uni, die deren Geld verwaltet, für das zweite Quartal 2025 erstmals eine Bitcoin-Position auswies, sorgte dies für Schlagzeilen. Die Elite-Uni hielt zum 30. Juni 2025 1.906.000 Anteile des Bitcoin-Spot-ETFs von BlackRock (IBIT) im Gegenwert von knapp 117 Millionen US-Dollar, was rund 8 % des öffentlich einsehbaren Wertpapierportfolios Harvards entsprach.
Im dritten Quartal folgte schließlich eine Erweiterung der IBIT-Position um mehr als 250 %. Harvard kaufte 4.907.612 Anteile hinzu und hielt damit 6.813.612 zum 30. September 2025. Auf US-Dollar-Basis vergrößerte sich die Position dadurch fast um den Faktor 4 auf rund 443 Millionen US-Dollar, da der Bitcoin-Kurs in dem Quartal deutlich zulegen konnte. Damit machte IBIT dann sogar knapp 21 % des Portfolios aus – die mit Abstand größte Position.
Das Portfolio Harvards, das durch die 13F-Filings öffentlich wird, macht nur rund 2 Milliarden US-Dollar des mehr als 50 Milliarden US-Dollar großen Stiftungsvermögens aus. Neben Wertpapieren investiert die Elite-Uni nämlich noch unter anderem in Immobilien und „Private Equity“.
Jetzt nähert sich die Deadline für die 13F-Filings, die große Asset-Manager quartalsweise bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC einreichen müssen. Für Q4 2025 ist es der 17. Februar 2026. Harvard Management Company teilte der Öffentlichkeit aber schon verfrüht am Freitag mit, wie sich das Portfolio zum 31. Dezember 2025 zusammengesetzt hat. Und tatsächlich verkaufte die Elite-Uni wieder einen nennenswerten Anteil der Bitcoin-Holdings.
Reduktion der Bitcoin-Position um 21 %
Zum Ende des vierten Quartals hielt Harvard schließlich nur noch 5.353.612 IBIT-Anteile im Gegenwert von knapp 266 Millionen US-Dollar. Das bedeutet, dass 1.460.000 IBIT-Anteile verkauft wurden – eine Reduktion um mehr als 21 %. Im US-Dollar gemessen sank die Positionsgröße aufgrund des in Q4 2025 gefallenen Bitcoin-Kurses sogar um circa 40 %.
Zu welchem Kurs die Harvard Management Company verkauft hat, geht aus dem 13F-Filing nicht hervor. Der Bitcoin-Kurs erreichte am 6. Oktober 2025 noch ein Allzeithoch von über 126.000 US-Dollar, fiel im November aber schon wieder auf circa 80.000 US-Dollar zurück. Es lässt sich nicht eindeutig feststellen, ob die Elite-Uni einen Gewinn oder Verlust erwirtschaftet hat.
Bedeutung des Verkaufs
Unter dem Strich war Bitcoin mit fast 266 Millionen US-Dollar immer noch die größte Einzelposition von Harvard – dicht gefolgt von den knapp 253 Millionen US-Dollar, die Harvards Alphabet-Aktien Ende Q4 wert waren. In die Reduktion von circa 21 auf 12,8 % des Portfolios einen Zweifel an Bitcoin hineinzuinterpretieren, ist also ungerechtfertigt – nicht zuletzt auch deshalb, weil die IBIT-Position immer noch 2,8-mal so groß ist wie zum Ende des zweiten Quartals 2025.
Interessanterweise reduzierte die Elite-Uni im vergangenen Quartal auch die Gold-Position leicht, von 661.391 auf 626.450 Anteile des Gold-ETFs mit dem Ticker GLD. Auf US-Dollar-Basis vergrößerte sich die Position jedoch sogar auf über 248 Millionen US-Dollar, da der Kurs des Edelmetalls stark zulegen konnte. Möglicherweise steckt hinter dem IBIT-Verkauf also lediglich „Rebalancing“, so wie es bei Gold ebenfalls der Fall gewesen zu sein scheint.
Auffällig ist, dass Harvard für das vierte Quartal erstmals eine Position in Ethereum-Spot-ETFs auswies, die zum 31. Dezember rund 87 Millionen US-Dollar schwer war. Möglicherweise war Sinn und Zweck des IBIT-Verkaufs, das Krypto-Exposure ein wenig zu diversifizieren – obwohl ETH seit Ende 2021 rund zwei Drittel des Wertes gegenüber BTC einbüßen musste.
Die Brown University, eine andere bekannte „Ivy League“-Universität, die auf Bitcoin setzt, hielt ihre IBIT-Position im vierten Quartal hingegen konstant. Brown kaufte im ersten Quartal 2025 105.000 IBIT-Anteile, vergrößerte die Position im darauffolgenden Quartal auf 212.500, die bis dato gehalten wurden und Ende Q4 2025 mehr als 10 Millionen US-Dollar wert waren. Anders als Harvard besitzt Brown keine Ethereum-ETFs, dafür aber ebenfalls Gold-ETFs.
Ob Brown oder Harvard im angebrochenen Quartal, in dem sich die Bitcoin-Korrektur weiter verschärfte, günstiger nachgekauft haben beziehungsweise noch werden, oder von der starken Volatilität abgeschreckt wurden, wird sich erst Mitte Mai zeigen, wenn die 13F-Filings für Q1 2026 anstehen. Sollte Harvard nicht wieder gekauft oder der Bitcoin-Kurs sich nicht noch in diesem Quartal wieder deutlich erholen, so wird IBIT voraussichtlich Ende Q1 nicht mehr Harvards größte Position sein.
Blocktrainer Bitcoin Podcast:
Wochenrückblick #115 - Harvard verkauft, Bitcoin von Polizei gestohlen, NL mit Steuern auf unrealisierte Gewinne?