Der Bitcoin-Entwickler Paul Sztorc hat für August 2026 einen neuen Bitcoin-Hardfork angekündigt, bei dem jeder Bitcoin-Halter die gleiche Anzahl an sogenannten eCash-Coins bekommen soll. Zumindest alle außer Satoshi Nakamoto.

Beim Bitcoin-Block 964.000, der ungefähr am 21. August um circa 17 Uhr deutscher Zeit erwartet wird, soll sich eCash von Bitcoin abspalten und die Bitcoin-Historie bis zu diesem Punkt kopieren.

Bitcoin selbst bleibt unverändert. Die echten BTC bewegen sich nicht. Trotzdem ist der Vorschlag ziemlich kontrovers, vor allem wegen des Umgangs mit Satoshi Nakamotos Coins.

Was ist ein Hardfork?

Ein Hardfork ist, etwas vereinfacht gesagt, eine Regeländerung, die nicht abwärtskompatibel ist. Wenn ein Teil des Netzwerks neuen Regeln folgt und ein anderer Teil bei den alten Regeln bleibt, entstehen zwei getrennte Blockchains mit gemeinsamer Vergangenheit.

Das bekannteste Beispiel ist Bitcoin Cash. BCH spaltete sich im August 2017 von Bitcoin ab, weil ein Teil der Community größere Blöcke wollte und argumentierte, dies entspreche eher Satoshis Vision von „peer-to-peer electronic cash“. 

BTC behielt den stärkeren Netzwerkeffekt, die größere Liquidität und die meiste Hashrate. BCH existiert bis heute, hat aber gegenüber BTC stark an Bedeutung verloren. Andere Bitcoin-Forks wie Bitcoin SV, Bitcoin Gold oder viele kleinere Abspaltungen sind allesamt wirtschaftlich ebenfalls weitgehend gescheitert.

Ein Fork kann kurzfristig Aufmerksamkeit und einen handelbaren neuen Coin erzeugen. Trotzdem entscheidet letztlich der Markt, ob Nutzer, Miner, Entwickler und Börsen der neuen Chain einen Wert beimessen.

eCash meint nicht immer dasselbe

eCash, der Name des geplanten Hardforks, ist verwirrend. Er wird nämlich bereits mehrfach verwendet.

Sztorcs geplantes eCash ist nicht dasselbe eCash, wie beispielsweise bei Systemen wie Cashu oder Fedimint. Dort meint eCash meistens das sogenannte Chaumian eCash, also blind signierte Token, die mehr Privatsphäre ermöglichen. 

Diese Idee geht auf den Kryptografen David Chaum zurück, der schon in den 1980er-Jahren an digitalem Bargeld arbeitete. Cashu funktioniert typischerweise über eine Mint und ist damit custodial. Blocktrainer.de hat bereits mehrfach sowohl über Cashu als auch über Fedimint berichtet.

Fedimint verteilt dieses Vertrauen auf eine Föderation. Beides sind keine Bitcoin-Forks und keine neuen Proof-of-Work-Chains.

Sztorcs eCash ist eine neue Chain, die die Bitcoin-Historie kopiert und sogenannte Drivechains aktivieren will. 

Der bekannte (ehemalige) Bitcoin-Podcaster Peter McCormack kritisierte genau diese Namenswahl auf 𝕏.

Unabhängig davon, welches Drama sich noch entwickeln wird:

  1. Satoshis Coins zu nehmen, ist Diebstahl und respektlos.
  2. eCash wird bereits für Lightning-Zahlungen mit Cashu und Fedi verwendet.

Das sind schlechte Entscheidungen.
Peter McCormack

Paul Sztorc kündigte das Projekt auf 𝕏 wie folgt an:

Ich helfe dabei, einen neuen Bitcoin-Hardfork zu erstellen, der diesen August startet und eCash heißt. Die Coins werden sich aufteilen. Wer zum Beispiel 4,19 BTC hält, erhält 4,19 eCash.

Der UTXO-Stand von Bitcoin soll gespiegelt werden. Wer die privaten Schlüssel zu BTC-UTXOs kontrolliert, kann grundsätzlich auch die entsprechenden eCash-UTXOs auf der neuen Chain kontrollieren, hält dann also beide Coins.

Drivechains, die größte Änderung

Drivechains sind Sidechains, die ursprünglich für Bitcoin von Paul Sztorc als BIP-300 und BIP-301 vorgeschlagen wurden. Da Bitcoin die beiden BIPs bisher nicht aktiviert hat, möchte eCash sie auf der eigenen Hauptchain einsetzen.

Die Grundidee ist, dass Nutzer ihre Coins auf der Hauptchain sperren und entsprechende Coins auf einer Sidechain erhalten. Diese Sidechain kann eigene Regeln haben, etwa für mehr Privatsphäre, größere Blöcke, Prediction Markets oder dezentrale Börsen.

Der schwierige Teil ist der Rückweg. Bitcoin oder eCash kann nicht jede Sidechain vollständig prüfen, ohne selbst zum Validator dieser Sidechain zu werden. BIP-300, Hashrate Escrows, soll dieses Problem über Miner-Signaling lösen. Abhebungen werden in Bundles gesammelt und die Miner bestätigen diese Bundles über längere Zeiträume.

BIP-301, Blind Merged Mining, ergänzt das Modell. Miner sollen Gebühren aus Sidechains verdienen können, ohne die jeweilige Sidechain-Software zu betreiben. Das ist attraktiv, verändert aber das Sicherheitsmodell, denn Miner bekommen eine zusätzliche Rolle bei Sidechain-Abhebungen. Drivechains sind deshalb nicht einfach „mehr Skalierung“, sondern ein anderes Vertrauensmodell.

Der Streit um Satoshis Coins

Der eigentliche Tabubruch betrifft die sogenannten Patoshi-Coins. Damit sind frühe Bitcoin gemeint, die Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden. Bewiesen ist diese Zuordnung aber nicht für all diese Adressen, sie beruht lediglich auf Analysen früher Mining-Muster.

Wichtig: Ich habe außerdem einen Weg entwickelt, wie einige bereits jetzt, vor dem Fork-Termin im August, in diesen Hardfork investieren können:

-Satoshi besitzt 1,1 Millionen Coins im sogenannten Patoshi-Pattern.

-Wir werden einige dieser Coins, weniger als die Hälfte, manuell heutigen Investoren zuweisen.

Das wird ohne Zweifel eine kontroverse Entscheidung sein.
Paul Sztorc

Damit wäre Satoshi faktisch der einzige Bitcoin-Halter, der bei dem Fork nicht die volle 1:1-e-Cash-Zuteilung erhalten würde. Alle anderen UTXOs sollen grundsätzlich gespiegelt werden, während ein Teil der mutmaßlichen Patoshi-Coins auf der neuen Chain an Investoren oder Unterstützer gehen soll.

Die echten Bitcoin auf der Bitcoin-Blockchain sind davon natürlich nicht betroffen. Bei Bitcoin selbst bleiben diese UTXOs unverändert, so die Verteidigung dieser Entscheidung von Sztorc.

Sztorc begründet die Umverteilung überdies damit, dass reine Fork-Projekte vor dem Start schwer zu finanzieren seien.

Kritiker sehen darin einen gefährlichen Präzedenzfall. Denn wieso soll es in Ordnung sein, ausgerechnet Satoshis Coins auf der neuen Chain zu kürzen? Und wer garantiert, dass so etwas später nicht auch mit anderen Bitcoin-Haltern passieren könnte? 

Coins sollten nicht als frei verfügbar gelten, nur weil sie lange nicht bewegt wurden. Entscheidend sollte die Kontrolle über die Schlüssel sein. Genau eine solche Debatte wird aktuell im Übrigen auch vor einem New Yorker Gericht geführt.

Sie gehen an Satoshis Coins, und ich kann nicht glauben, dass Menschen das unterstützen. 

500.000 BTC. Seit über einem Jahrzehnt nicht bewegt. Ungefähr 40 Milliarden US-Dollar wert.

Paul Sztorc plant für August 2026 einen Bitcoin-Fork namens eCash.

Diese Coins würden an frühe Investoren und einen Treasury-Fonds umverteilt.

Das ist völlig daneben, denn wenn man darüber abstimmen kann, Satoshis Coins zu nehmen, dann sind niemandes Coins sicher.

„Not your keys, not your coins“, aber nur solange kein Komitee etwas anderes entscheidet.
DBCrypto

Um das klarzustellen: Wir nehmen keine BTC von Satoshi. Wir schenken Satoshi 600.000 eCash, statt ihm 1,1 Millionen zu schenken.

Das sind 600.000 mehr, als Satoshi von Litecoin, Ethereum, Solana, Tether usw. bekommen hat, nämlich null. […]

Zum Replay-Schutz: Wenn man seine BTC bewegt, werden sich auch die eCash bewegen.

Wenn man seine eCash bewegt, zum Beispiel um sie zu verkaufen, wird diese Transaktion nicht im BTC-Netzwerk wiederholt.
Zumindest ist das die Standardeinstellung in unserer Software. Wenn andere Software verwendet wird, kann ich nicht garantieren, was sie macht.
Paul Sztorc

Was bedeutet das für Bitcoin und den Preis?

Ein Fork macht BTC nicht automatisch billiger oder teurer. Die Bitcoin werden nicht verwässert. Es entsteht lediglich ein separater Coin auf einer separaten Chain.

Für BTC-Halter kann ein Fork kurzfristig wie eine Art Zusatzanspruch wirken. Wer seine Schlüssel selbst kontrolliert, kann die neuen eCash-Coins später theoretisch zu Geld machen. 

Ob dieser Anspruch etwas wert ist, hängt aber vollständig vom Markt ab. Ohne Börsen, Liquidität, Hashrate, Wallets und Nachfrage kann ein Fork-Coin nahezu wertlos bleiben. Wer seine Bitcoin auf einer Börse, über einen ETF oder bei einem anderen Verwahrer hält, ist von dessen Entscheidung abhängig. Der Verwahrer entscheidet dann, ob der Hardfork ignoriert wird, ob eCash gutgeschrieben wird oder ob die Coins direkt verkauft werden.

Bitcoin Cash zeigte, dass ein Fork durchaus – zumindest zeitweise – relevante Bewertungen erreichen kann. Bei vielen anderen Bitcoin-Forks ereignete sich aber auch das genaue Gegenteil. Aufmerksamkeit am Start, danach kaum Nutzung und ein starker Wertverlust gegenüber BTC. 

Für eCash wird entscheidend sein, ob der Markt Drivechains, die Finanzierung über die Patoshi-Coins und die neue Chain als glaubwürdiges Experiment akzeptiert oder nicht.

Wie man die eCash-Coins erhält

Laut der Projektseite wird der Bitcoin-UTXO-Stand beim Fork gelesen, und wer die jeweiligen Schlüssel zu diesem Zeitpunkt kontrolliert, kontrolliert grundsätzlich auch die entsprechenden eCash-Coins auf der neuen Chain.

Praktisch ist aber noch nicht alles geklärt. Auf der Projektseite ist nämlich von einer offiziellen Wallet und Coin-Splitting kurz nach dem Fork die Rede.

Testsoftware gibt es bereits über Sztorcs Unternehmen „LayerTwo Labs“. Für normale Nutzer bleiben aber wichtige Fragen offen. Vor allem zu unterstützenden Wallets, Börsenentscheidungen oder auch dem Ticker des neuen eCash-Coins. Diese Informationen werden sicher noch in den nächsten Wochen vor dem offiziellen Fork folgen.

Bis dahin sollte man aber vorsichtig sein und nicht auf Betrüger hereinfallen, die in diesem Zusammenhang versuchen, an eure Bitcoin zu kommen. Man sollte definitiv niemals seine Seed-Phrase in irgendwelche Tools eingeben, keine hektischen Claim-Versuche starten und erst einmal abwarten, bis alles geklärt ist. Wer eCash ignoriert und das auch weiterhin tun möchte, muss gar nicht aktiv werden.

Als direkte technische oder ökonomische Gefahr für Bitcoin ist eCash sehr wahrscheinlich nicht relevant. Trotzdem ist die Kontroverse um diese Hardfork-Ankündigung groß und entsprechend könnte es auch spannend zu sehen sein, wie erfolgreich Sztorc mit seinem Projekt sein wird.

Timo

Über den Autor: Timo

Timo Volkov bietet Workshops und Beratungen rund um Bitcoin und Privatsphäre an. Er ist Autor des Buches „Das Privacy Handbuch“ und beschäftigt sich insbesondere mit den technischen Bitcoin-Themen.

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