Am vergangenen Samstag verzeichnete das Bitcoin-Netzwerk eine der größten negativen Schwierigkeitsanpassungen seiner Geschichte. Die Difficulty wurde um mehr als 11 % nach unten korrigiert, nachdem in den vergangenen Wochen erhebliche Mengen an Rechenleistung vom Netzwerk genommen worden waren. Was steckt hinter diesem Einbruch?

Große negative Schwierigkeitsanpassung

Das globale Bitcoin-Netzwerk wird durch die Rechenleistung spezialisierter ASIC-Miner abgesichert. Aktuell liegt die Hashrate bei etwa 950 Exahashes pro Sekunde (EH/s). Geht man von einer durchschnittlichen Energieeffizienz von etwa 25 Joule pro Terahash aus – basierend auf einem Mix aus modernen und älteren Mining-Geräten –, entspricht dies einer elektrischen Leistung von rund 24 Gigawatt, die derzeit hinter dem Bitcoin-Netzwerk steckt.

Das Bitcoin-Protokoll sieht eine durchschnittliche Blockzeit von zehn Minuten vor. Steigt die verfügbare Rechenleistung, werden neue Blöcke schneller gefunden, wodurch sich die Blockzeit verkürzt. Sinkt die Hashrate beziehungsweise die Rechenleistung hingegen, verlängert sich die Zeit zwischen zwei Blöcken entsprechend.

Um den angestrebten Zielwert der Blockzeit einzuhalten, passt das Protokoll die Mining-Schwierigkeit alle 2.016 Blöcke automatisch an – was in etwa einem Zeitraum von 14 Tagen entspricht.

Die letzte Schwierigkeitsanpassung erfolgte am 7. Februar mit Block 935424. Dabei sank die Difficulty von 141,67 T (trillion, z. Dt. Billionen) auf 125,86 T und wurde somit um rund 11,2 % nach unten korrigiert. Prozentual betrachtet handelt es sich um die größte negative Anpassung seit Juli 2021 und um die zehntgrößte Abwärtskorrektur in der gesamten Geschichte des Bitcoin-Netzwerks.

Im Juli 2021 fiel die Difficulty von 19,93 T auf 14,36 T, was einem Rückgang von 28 % entspricht. Auch wenn der absolute Rückgang aus heutiger Sicht vergleichsweise gering erscheint, handelt es sich bis heute um die größte prozentuale Abwärtskorrektur der Mining-Schwierigkeit. Auslöser waren umfangreiche Anti-Krypto-Maßnahmen der chinesischen Regierung, die auch ein landesweites Vorgehen gegen Bitcoin-Mining einschlossen.

In der Folge verlor China seine damalige Dominanz bei der globalen Hashrate an die USA und ist inzwischen – hinter Russland – auf den dritten Platz zurückgefallen. Erst kürzlich bekräftigten chinesische Behörden erneut ihre restriktive Haltung gegenüber Bitcoin und Mining.

Die letzte größere negative Anpassung vor dem aktuellen Ereignis fand Ende Juni 2025 statt. Damals sank die Difficulty von 126,41 T auf 116,96 T, was einem Rückgang von rund 7,5 % entsprach. Ursache waren Einschränkungen der Mining-Aktivitäten infolge einer ausgeprägten Sommerhitzewelle.

Auch bei der aktuellen Korrektur dürften wetterbedingte Belastungen der Stromnetze eine zentrale Rolle gespielt haben.

Wintersturm vs. Hashrate

Kurz nach der Schwierigkeitsanpassung vom 22. Januar führte ein starker Wintersturm in weiten Teilen der USA unter anderem zu überlasteten Stromnetzen. Folglich stellten ansässige Bitcoin-Miner ihren Betrieb zeitweise ein oder drosselten ihn im Rahmen von Demand-Response-Programmen der Netzbetreiber.

Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Hashrate, Difficulty und Blockzeit von Bitcoin:

  • Die Hashrate brach abrupt ein. Je nach Datenquelle wird der Rückgang auf 20 bis 40 % geschätzt.
  • Infolge dieses Einbruchs verlangsamte sich die Blockproduktion deutlich. Die durchschnittliche Blockzeit stieg zeitweise auf über zwölf Minuten.
  • Bei der darauffolgenden Anpassung am 7. Februar wurde die Difficulty schließlich um 11,16 % nach unten korrigiert, um die Blockzeit wieder näher an den Zielwert von zehn Minuten heranzuführen.

Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen für eine Erholung: Die Rechenleistung kehrt schrittweise ins Netzwerk zurück, und die Blockzeit verkürzte sich zuletzt auf rund neun Minuten. Bei der kommenden Anpassung könnte daher erneut mit einer zweistelligen Korrektur – diesmal nach oben – gerechnet werden.

Hashrate-Abwärtstendenz seit Oktober

Trotz dieser kurzfristigen Erholung lässt sich seit Oktober 2025 eine allgemeine Abwärtstendenz sowohl bei der Hashrate als auch bei der Difficulty beobachten. Diese Entwicklung korrespondiert weitgehend mit dem rückläufigen Preis von Bitcoin, der durch mehrere Faktoren unter Druck geraten ist und für Diskussionen sorgt.

Sinkende Kurse und steigende Finanzierungskosten belasten zunehmend die Profitabilität vieler Mining-Unternehmen:

  • Die durchschnittlichen Produktionskosten eines Bitcoins werden auf etwa 90.000 US-Dollar geschätzt. Gleichzeitig ist der Bitcoin-Preis von seinem Allzeithoch von über 126.000 US-Dollar im Oktober um mehr als 50 % gefallen und notiert derzeit bei rund 70.000 US-Dollar – deutlich unterhalb der Produktionskosten.
  • Der sogenannte Hashpreis – die erwarteten Einnahmen für die Rechenleistung – fiel laut Hashrate-Index am 6. Februar auf ein historisches Tief von 27,89 US-Dollar pro Petahash und Tag. Bereits im November 2025 unterschritt dieser Wert die kritische Schwelle von 40 US-Dollar/PH/s/Tag, ab der viele Miner gezwungen sind, ihre Maschinen abzuschalten.
  • Aktuell sind vor allem die neuesten ASIC-Generationen – wie die Antminer S23-Serie – noch rentabel, während ältere Modelle bereits Verluste schreiben.

Viele Mining-Unternehmen müssen in dieser Marktphase ihren Betrieb einschränken oder widmen sich alternativen Geschäftsmodellen, etwa im Bereich Künstliche Intelligenz oder High Performance Computing (HPC).

Die verbleibenden Miner profitieren kurzfristig vom Rückgang der Difficulty, da sich die statistischen Chancen auf eine Blockbelohnung verbessern. Ob diese Entlastung von Dauer ist, hängt jedoch weniger von der Mining-Schwierigkeit als vielmehr von der weiteren Preisentwicklung von Bitcoin ab.

Robustes Netzwerk

Die aktuelle Schwierigkeitsanpassung verdeutlicht erneut, wie flexibel und widerstandsfähig das Bitcoin-Netzwerk auf externe Schocks reagieren kann. Sowohl wetterbedingte als auch politisch verursachte Einbrüche der Hashrate hat das System in der Vergangenheit stets ohne nachhaltige Beeinträchtigungen überstanden.

Die Hashrate mag kurzfristig einbrechen – das Netzwerk selbst bleibt funktionsfähig, indem es selbst massive Belastungen automatisch ausgleicht.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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