Die USA haben rund 1 Milliarde US-Dollar an Kryptowährungen des Iran beschlagnahmt
Während die USA und der Iran derzeit offenbar einen Deal aushandeln, trocknet das US-Finanzministerium die finanzielle Grundlage der Revolutionsgarden weiter aus. Finanzminister Scott Bessent sagte gestern, er glaube, die USA hätten inzwischen rund 1 Milliarde US-Dollar an Kryptowährungen beschlagnahmt, die sich im Besitz des Iran befanden. Wie gelang der Zugriff und könnten diese Coins der strategischen Reserve zugutekommen?
Kryptowährungen im Zentrum der Sanktionsumgehung
Schon bevor die USA und Israel Ende Februar den Iran angegriffen hatten, war bekannt, dass das von Sanktionen betroffene Land auf Kryptowährungen setzt. So bot Mindex, das Exportzentrum des iranischen Verteidigungsministeriums, etwa an, Militärequipment auch gegen Kryptowährungen zu verkaufen.
Nachdem Insidern zufolge dann während des Kriegs Zahlungen im chinesischen Yuan sowie Stablecoins für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus verlangt worden sein sollen, kristallisierte sich später heraus, dass der Iran inzwischen offenbar exklusiv Bitcoin verlangt. Vor wenigen Tagen wurde eine Art Bitcoin-gestütztes Schiffsversicherungssystem namens „Hormuz Safe“ ins Leben gerufen, das dem Land Einnahmen in Höhe von mehr als 10 Milliarden US-Dollar einbringen soll.
Dieser Shift von Stablecoins hin zu Bitcoin dürfte auch einen Grund haben: Ende April gab US-Finanzminister Scott Bessent nämlich schon bekannt, dass die USA 344 Millionen US-Dollar an Kryptowährungen des Iran einfrieren lassen haben. Dabei handelte es sich um USDT, den Stablecoin von Tether, wie einer Pressemitteilung des Emittenten zu entnehmen war.
1 Milliarde US-Dollar an Kryptowährungen beschlagnahmt
Gestern nahm Bessent schließlich am „2026 Reagan National Economic Forum“ teil. Dabei erklärte der Finanzminister, dass inzwischen wohl noch einiges mehr an Krypto-Assets hinzugekommen sei.
Ich glaube, wir haben etwa eine Milliarde Dollar ihrer Kryptowährung beschlagnahmt. Und wissen Sie, wir haben sie einfach so beschlagnahmt. Wir haben die Wallets einfach so an uns genommen. Einige von ihnen sind vielleicht gerade dabei, sich einzuloggen, und merken gar nicht, dass ihr Wallet beschlagnahmt wurde. Und wir arbeiten mit unseren Verbündeten in ganz Europa zusammen, um Villen, Häuser und Immobilien zu beschlagnahmen – und das ist Geld, das dem iranischen Volk gestohlen wurde.
Scott Bessent
Um welche Kryptowährungen es sich handelt und wie sich diese Zahl zusammensetzt, legte Bessent nicht offen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich in erster Linie um Stablecoins handeln dürfte, die in Koordination mit den Emittenten leicht eingefroren werden können.
Überdies könnten Krypto-Bestände betroffen sein, die die Revolutionsgarden beziehungsweise deren Unternehmen über Dienstleister wie Börsen verwaltet haben. Laut Bessent zeigten sich andere Staaten aus der Golfregion offen für Kooperation, nachdem ihre Infrastruktur vom Iran angegriffen wurde. Demnach könnten auch Offshore-Krypto-Konten der Revolutionsgarden betroffen gewesen sein.
Bitcoin in Selbstverwahrung können nicht beschlagnahmt werden. Auf eine Wallet lässt sich auch nicht einfach so zugreifen, ansonsten wäre das Netzwerk nämlich nicht funktionsfähig.
Kommen die Coins in die strategische Reserve?
Im März 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein Dekret zur Errichtung einer staatlichen Bitcoin-Reserve sowie einer separaten „Digital Assets Stockpile“. Ziel ist es, beschlagnahmte Bitcoin und Kryptowährungen strategisch zu halten und – im Falle von BTC – nicht mehr zu verkaufen.
Entsprechend könnten die vermeintlichen rund 1 Milliarde US-Dollar an konfiszierten Krypto-Assets des Iran früher oder später hinzukommen. Unklar ist jedoch, ob es hierbei überhaupt auch um BTC geht. Eine im Rahmen des Dekrets eingeräumte Möglichkeit wäre jedoch, andere Kryptowährungen für Bitcoin zu verkaufen.
Wie Bessent betonte, gehören diese Gelder aber eigentlich der iranischen Bevölkerung. Demnach wäre es auch vorstellbar, dass diese lediglich einbehalten werden, bis es einen Weg gibt, diese sicher dem Volk zukommen zu lassen – etwa nach einem potenziellen Regimewechsel. Grundsätzlich sollen die Coins ohnehin erst in den Reserven landen, wenn alle Fragen um den rechtmäßigen Besitzer geklärt sind.
Die USA und der Iran verhandeln derzeit auch einen Deal, der laut iranischen Autoritäten beinhalten würde, dass eingefrorene Vermögenswerte des Landes wieder freigegeben werden. Diese Bedingung sprach Trump jedoch in seinem gestrigen Post zu den Kernpunkten der potenziell bevorstehenden Einigung nicht an.
Der Iran muss sich verpflichten, niemals Atomwaffen oder Atombomben zu besitzen. Die Straße von Hormus muss unverzüglich und ohne Mautgebühren für den uneingeschränkten Schiffsverkehr in beide Richtungen geöffnet werden. […] Schiffe, die aufgrund unserer erstaunlichen und beispiellosen Seeblockade, die nun aufgehoben wird, in der Meerenge festsaßen, können nun die Heimreise antreten! Grüßt eure Frauen, Ehemänner, Eltern und Familien von mir, eurem Lieblingspräsidenten! […] Bis auf Weiteres wird kein Geld ausgetauscht. Über andere Punkte von weitaus geringerer Bedeutung wurde ebenfalls Einigung erzielt. Ich werde mich jetzt in den Situation Room begeben, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit!
Donald Trump
Ob ein Deal jetzt zustande kommen kann und, falls ja, ob Gelder wieder an den Iran zurückfließen werden, ist weiterhin unklar. Ein zentrales Anliegen Trumps ist, dass die Straße von Hormus, über die vor dem Krieg rund 20 % des weltweiten Ölhandels abgewickelt wurde, wieder geöffnet wird und der Iran keine Mautgebühren verlangt. Sollte der Iran hier einlenken, wofür es noch keine wirklichen Anhaltspunkte zu geben scheint, dann müsste wohl auch das Bitcoin-System „Hormuz Safe“ wieder eingestampft werden.
Wochenrückblick #130 - Drohende Gewinn- und Transaktionssteuer in der EU, 1 Mrd. $ an Krypto vom Iran beschlagnahmt, Metaplanet strauchelt
In dieser Folge bespricht Tristan das neue Dokument der EU-Kommission über die drohenden Steuern auf Krypto-Gewinne und -Transaktionen. Außerdem Thema sind die 1 Milliarde US-Dollar an Kryptowährungen, die die USA vom Iran beschlagnahmt haben sollen, die Fortschritte hinsichtlich der texanischen Bitcoin-Reserve, Strategys Schuldentilgung und vermeintlicher Verkauf sowie die Probleme bei Metaplanet. Hier auf unserer Website oder allen Podcast-Plattformen hören.