Ein Bitcoin kostet so viel wie noch nie zuvor. Der Kurs der Kryptowährung ist heute über die Marke von 123.231 US-Dollar – das vorherige Allzeithoch vom 14. Juli dieses Jahres – gestiegen.

Bitcoin bleibt weiter im Höhenflug: In den vergangenen 12 Monaten konnte BTC um mehr als 100 Prozent zulegen – heute vor genau einem Jahr handelte das Asset bei circa 60.000 US-Dollar.

Und wer im Tief des Bärenmarktes 2022 bei einem Bitcoin-Kurs von 15.500 US-Dollar zugegriffen hat, der kann sich sogar über eine Rendite von knapp 700 Prozent freuen.

Gründe für die Kursstärke

Das Umfeld für Bitcoin könnte derzeit kaum besser sein. Nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang Juli die „Big Beautiful Bill“ unterzeichnet hat, ist mit einer weiteren Geldflut zu rechnen.

Durch das Gesetz wurde die US-Schuldenobergrenze um 5 Billionen US-Dollar angehoben. Seither sind die US-Staatsschulden bereits um 780 Milliarden US-Dollar angestiegen, womit sie jetzt 37 Billionen US-Dollar betragen – ein Zuwachs um circa 60 Prozent seit der Coronapandemie.

Außerdem rechnet der Markt in diesem Jahr noch mit einer deutlichen Lockerung der US-amerikanischen Geldpolitik. Nach den in etwas besser als erwarteten Inflationszahlen für den Juli liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung bei der nächsten Notenbanktagung im September bei etwa 98 Prozent – zwei bis drei Zinsschritte soll es, so die Konsensannahme, in diesem Jahr noch geben.

BTC reagiert in aller Regel äußerst sensibel auf eine steigende Liquidität. Dies zeigt sich beispielsweise durch die starke Korrelation mit der globalen Geldmenge. Der Bitcoin-Kurs folgt seit Ende 2023 dem US-Dollar-Wert der großen Währungen zusammen addiert – mit einem Versatz von 12 Wochen. Laut diesem viel beachteten Chart stehen weiter steigende Notierungen bevor.

Ein weiterer Grund für steigende Kurse dürfte sein, dass sich die Sorge verbreitet, die Federal Reserve würde ihre Unabhängigkeit verlieren. Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Zentralbank, steht unter heftigem Beschuss – Donald Trump kritisiert ihn immer wieder dafür, dass er die Zinsen seit Dezember 2024 nicht mehr gesenkt hat und unterstellt ihm politisch motiviertes Handeln.

Trump droht Powell inzwischen mit einer Klage, weil der Fed-Chef das Budget für die Renovierung des Hauptgebäudes der Federal Reserve gesprengt hat. Die allgemeine Annahme ist, dass der US-Präsident einen neuen Notenbankchef nominieren wird, der für ein deutlich lockereres geldpolitisches Umfeld sorgt. Dies könnte das Vertrauen in den US-Dollar weiter untergraben und Bitcoin als alternatives Geldsystem ohne zentrale Kontrolle umso attraktiver machen.

Immer mehr Bitcoin-Käufer

Für den Kurs eines Vermögenswerts ist letztlich aber das Verhältnis von Kauf- zu Verkaufsnachfrage entscheidend. Immer mehr börsennotierte Unternehmen legen sich BTC auf die Bilanz – mit der grundsätzlichen Absicht, nie wieder zu verkaufen.

Daten des Vermögensverwalters Bitwise Invest zeigen, dass die sogenannten „Bitcoin Treasury Companies“ im ersten Halbjahr sage und schreibe 159.107 BTC gekauft haben, womit sich der von Unternehmen gehaltene Bestand auf circa 847.000 BTC erhöht hat. Seither gehen die BTC-Käufe von Strategy, Metaplanet und Co. munter weiter.

In der vergangenen Woche hat US-Präsident Donald Trump zudem ein Dekret unterzeichnet, mit dem Ziel, die steuerbegünstigten Altersvorsorgepläne – die sogenannten 401(k)s – für alternative Anlageklassen wie Bitcoin zu öffnen. In 401(k)s befinden sich rund 9 Billionen US-Dollar an Kapital, das künftig einen leichteren Zugang zu Bitcoin haben soll.

Währenddessen verzeichnen die US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs starke Zuflüsse. Seit der Zulassung im Januar 2024 konnten die Anlageprodukte von BlackRock und Co. mehr als 54 Milliarden US-Dollar aufsaugen – knapp 20 Milliarden US-Dollar davon alleine seit Jahresauftakt.

Die Bitcoin-Spot-ETFs, die inzwischen circa 1,3 Millionen BTC im Gegenwert von mehr als 150 Milliarden US-Dollar verwalten, haben alle Erwartungen übertroffen – und das, obwohl große Finanzdienstleister ihren Kunden noch den Zugang verwehren.

Auf diesen Missstand machte der KI- und Krypto-Zar der USA, David Sacks, kürzlich noch einmal in einem Post aufmerksam.

Warum verbieten oder beschränken führende Banken nach wie vor den Zugang zu Bitcoin-ETFs auf ihren Vermögensverwaltungsplattformen? Ist dies der letzte Überrest des „De-bankings“?
David Sacks, KI- und Krypto-Zar der USA

Zu den Käufern der Bitcoin-Spot-ETFs gehören unter anderem Elite-Universitäten wie Harvard, der staatliche Pensionsfonds des US-Bundesstaats Michigan und sogar Mubadala Investment, ein Staatsfonds von Abu Dhabi.

Die Kaufnachfrage durch Aktiengesellschaften und über die Spot-ETFs, die zu einem guten Anteil von institutionellen Investoren kommt, übersteigt das täglich hinzukommende Angebot deutlich. Nach dem 4. Bitcoin-Halving, das im April 2024 stattfand, kommen nämlich nur noch 450 BTC pro Tag neu in den Umlauf. Mittlerweile sind zudem fast 20 Millionen der maximal knapp 21 Millionen BTC geschürft worden.

Ausblick bleibt positiv

Wenn Bitcoin ein neues Allzeithoch erreicht, dann geht es meist schnell weiter nach oben – unter anderem, weil Trader, die auf fallende Kurse gesetzt haben, ihre Position schließen beziehungsweise BTC zurückkaufen müssen. Steigende Preise ziehen zudem Spekulanten und Kleinanleger an, die den Kurs dann in aller Regel noch weiter in die Höhe treiben.

Außerdem führt das immer weiter steigende Angebot an mit Bitcoin besicherten Krediten dazu, dass BTC-Halter nicht mehr ihre Coins verkaufen müssen, um an Liquidität zu kommen. Hunter Horsley, CEO von Bitwise Invest, rechnet insbesondere deshalb mit weiter steigenden Notierungen.

Ich denke, sobald Bitcoin z. B. 130.000 – 150.000 US-Dollar durchbricht, wird niemand mehr seine Bitcoin verkaufen. Im Moment, bei 100.000 US-Dollar, scheint es so, dass Individuen, die eine Menge Bitcoin halten, die sie vor langer Zeit zu sehr niedrigen Preisen erworben haben, einige verkaufen. Das heißt, sobald Bitcoin ein neues Niveau erreicht hat, wird dies abflauen. Und von da an werden die Leute, wenn sie Liquidität brauchen, sich bei einer wachsenden Zahl von Kreditgebern etwas leihen. All das wird den Preis weiter in die Höhe treiben. Es wird einfach nicht genug Bitcoin geben.
Hunter Horsley, CEO von Bitwise Invest

Obwohl sich der Bitcoin-Kurs seit dem Bärenmarkttief im November 2022 mehr als versiebenfacht hat, ist und bleibt der Ausblick positiv. Ein potenzieller Katalysator, der noch bevorstehen könnte, wäre, dass die USA tatsächlich aktiv Bitcoin akkumulieren.

Das von Donald Trump verabschiedete Dekret für eine strategische Bitcoin-Reserve erlaubt nämlich BTC-Käufe, insofern diese keine Kosten für die Steuerzahler verursachen. An dieser Front dürften die Entwicklungen in den kommenden Wochen besonders spannend zu beobachten sein – ebenso, ob weitere Länder in die Fußstapfen der USA treten und ebenfalls eine Bitcoin-Reserve errichten.

Bei einem Blick auf die bisherigen Bitcoin-Zyklen zeigt sich darüber hinaus, dass noch Luft nach oben sein könnte. Der Bitcoin-Kurs hat sich bislang nämlich nach jedem Halving vervielfacht. Seit dem 4. Halving ist BTC ebenfalls stark gestiegen, jedoch hängt die Performance den vorherigen Zyklen noch deutlich hinterher.

Ob der Kurs kurz- und mittelfristig weiter steigen wird, kann jedoch niemand mit Sicherheit sagen. Dennoch: Aufgrund der zunehmenden Legitimierung des Assets – unter anderem durch Vermögensverwalter wie BlackRock oder die US-Regierung – ist nur von einer weiter steigenden Nachfrage auszugehen, die sich früher oder später auch in höheren Notierungen widerspiegeln dürfte.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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