Der Abverkauf, der 50.000 Bitcoin, die sächsische Behörden im Januar sichergestellt hat, setzt am heutigen Tag im Rekordtempo weiter fort. Stand jetzt befinden sich nur noch weniger als 30.000 BTC im Besitz des Bundeslands Sachsen. Was mit den restlichen Beständen passieren wird, ist derzeit unklar.

Alleine zum Wochenstart sind der “BKA-Wallet” bereits (Stand 16:15) 10.839 BTC im Gegenwert von etwa 570 Millionen Euro abgeflossen. Die BTC wurden an bekannte Krypto-Börsen, Trading-Firmen und nicht identifizierte Adressen übertragen.

Der Stand der Dinge

Durch die über die Bitcoin-Blockchain offen einsehbaren Transaktionen sind seit geraumer Zeit unterschiedlichste Zahlungsflüsse erkennbar. Aus diesen geht hervor, dass die für die Generalstaatsanwaltschaft Dresden vom BKA verwaltete Wallet schon insgesamt fast 6.800 BTC an bekannte Krypto-Börsen gesendet hat. Von diesen flossen zwar fast 1.480 BTC wieder zurück, jedoch schmälert dies den Verkaufsdruck nur minimal – auch wenn dadurch ungerechtfertigterweise Gerüchte aufkamen, dass Deutschland Bitcoin zurückgekauft hätte.

Zu den Flüssen an die Börsen Coinbase, Kraken und Bitstamp kommen noch etwas mehr als 10.000 BTC hinzu, die das BKA an eine nicht identifizierte Adresse gesendet hat. Die bekannte Analysefirma Arkham Intelligence geht bei den Transaktionen an die 139Po-Adresse davon aus, dass es sich hierbei um sogenannte “over the counter(OTC)”-Verkäufe handelt, also um Transaktionen am Markt vorbei, um nicht an offenen Börsen einen zu großen Kursdruck zu entfachen, unter dem der eigene Verkaufskurs leiden könnte.

Am heutigen Morgen flossen auch noch 855 BTC an eine weitere nicht identifiziert Adresse – womöglich handelt es sich hierbei ebenfalls um Verkäufe. Darüber hinaus hat das BKA auch mehr als 6.500 BTC an die Trading-Firmen Cumberland und Flow Traders transferiert, wobei jedoch nicht ganz klar ist, ob dies ebenfalls Veräußerungen sind oder diese Bitcoin den beiden Market-Makern lediglich als Liquidität zur Verfügung gestellt werden.

Das Zwischenfazit der bisherigen Transaktionen sieht entsprechend wie folgt aus:

  • 6.783 BTC an die bekannten Börsen Coinbase, Bitstamp und Kraken
  • 1.480 BTC von den Börsen wieder an das BKA zurück
  • 10.078 BTC an die nicht identifizierte 139Po-Adresse (wahrscheinlich OTC-Verkäufe)
  • 855 BTC an die nicht identifizierte bc1q-Adresse (wahrscheinlich OTC-Verkäufe)
  • 6.587 BTC an Trading-Firmen Flow Traders und Cumberland (wahrscheinlich Verkäufe oder Liquiditätsbereitstellung)

Was noch mit den restlichen Bitcoin passieren wird

Für den Verkauf der im Rahmen des Strafprozesses gegen die Betreiber der illegalen Filme-Streaming-Plattform movie2k.to sichergestellten Bitcoin ist die jeweilige Staatsanwaltschaft beziehungsweise das zuständige Gericht verantwortlich. Dies teile das LKA Sachsen Blocktrainer.de auf Anfrage mit. Weiter hieß es, dass die Erlöse aus den Verkäufen dem jeweiligen Länderfiskus, in dem das zuständige Gericht seinen Sitz hat, zufließen. In diesem Fall werden die Entscheidungen in Sachsen getroffen, weswegen die Einnahmen durch die Veräußerungen der Staatskasse des Bundeslands Sachsen zugutekommen. 

Die Staatsanwaltschaft gab derweil die Auskunft, dass das Verfahren zu dem Umgang mit den BTC-Beständen noch nicht abgeschlossen sei und weitere Auskünfte nicht gegeben werden können. Im Raum stand in den vergangenen Wochen auch, dass Filmstudios gegebenenfalls noch Ansprüche geltend machen könnten. Es bleibt also abzuwarten, wie viele der restlichen Bitcoin letzten Endes noch auf dem Markt landen.

Bitcoin-Kurs zeigt sich bisher unbeeindruckt

Nachdem der Bitcoin-Kurs in der vergangenen Woche bereits ordentlich Federn ließ – mutmaßlich in Antizipation weiteren Verkaufsdrucks –, zeigt sich das Asset am ersten Handelstag der neuen Woche bisher unbeeindruckt von der potenziellen Veräußerung der mehr als 10.000 BTC durch die deutschen Behörden.

Es bleibt abzuwarten, ob die potenziellen Verkäufe bereits eingepreist sind oder diese das Asset weiter unter Druck bringen können. Hinzu kommen auch noch die rund 140.000 BTC, welche derzeit von der im Jahr 2014 kollabierten Bitcoin-Börse Mt.Gox an die Geschädigten Schritt für Schritt ausgezahlt werden. Die kommenden Wochen dürften äußerst spannend sowie aufschlussreich werden.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist studierter Volkswirt mit journalistischer Erfahrung außerhalb von Blocktrainer.de. Seit 2020 ist Tristan im Bitcoin-Space aktiv, schon in den Jahren zuvor beschäftigte er sich mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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