Bitcoin befindet sich im dritten aufeinanderfolgenden Jahr mit Kurszuwächsen. Laut dem Bitcoin-Zyklus steht der nächste Bärenmarkt jetzt vor der Tür. Was könnten die Auslöser sein und ist es wirklich wahrscheinlich, dass Bitcoin noch einmal um 75 Prozent oder mehr crasht?

Bitcoin ist ein Vermögenswert, der insbesondere durch phänomenale Kursanstiege und die darauffolgenden starken Korrekturen auf sich aufmerksam gemacht hat. Die hohe Volatilität der bedeutendsten Kryptowährung ist eines der Hauptargumente der Kritiker – sie ist aber auch eine Notwendigkeit für die weit überdurchschnittlichen Renditen, die Bitcoin-Halter bislang einfahren konnten.

Könnten die starken Schwankungen mit der immer weiter voranschreitenden institutionellen Adoption und dem daraus resultierenden weniger fragilen Fundament deutlich abnehmen? Und kann dies bedeuten, dass Bärenmärkte mit mehr als 75 Prozent Kursverlust ein für alle Male der Vergangenheit angehören? Oder ist damit zu rechnen, dass die bekannte Zyklustheorie ihre Gültigkeit behält?

Der Bitcoin-Zyklus

Der Bitcoin-Kurs ist bislang einem gewissen Zyklus gefolgt, der sich um das alle 4 Jahre stattfindende Halving aufgebaut hat: Zwei Jahre nach dem Halving-Jahr gab es immer ein Bärenmarktjahr. Dafür waren das Halving-Jahr, das davor sowie das danach immer positiv für den Kurs.

Vom Höchststand des jeweiligen Zyklus bis zum Bärenmarkttief ist der Bitcoin-Kurs jedes Mal um mehr als 75 Prozent eingebrochen:

  • Bärenmarkt nach Halving 1: - 87 %
  • Bärenmarkt nach Halving 2: - 84 %
  • Bärenmarkt nach Halving 3: - 77 %

Für langfristige Bitcoin-Halter war dies jedoch verkraftbar, da dem eine Vervielfachung des Kurses vorausgegangen war. Bis auf den Bärenmarkt 2022 war der Tiefpunkt auch immer über dem Hoch des vorangegangenen Zyklus.

Eine Begründung für dieses Muster ist die Angebotsverknappung: Durch das Halving kommen pro Bitcoin-Block nämlich nur noch die Hälfte an neuen Coins hinzu, mit denen die organische Nachfrage bedient werden kann. Dies spiegelt sich früher oder später in einer Art Angebotsschock beziehungsweise in steigenden Notierungen wider, so die generelle Annahme.

Außerdem können die Bitcoin-Zyklen auch zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden: Wenn genügend Marktteilnehmer davon ausgehen, dass sich das Bitcoin-Halving – so wie es das in der Vergangenheit getan hat – positiv auf den Kurs auswirkt, dann decken sie sich um das Ereignis herum mit der Kryptowährung ein, was dann tatsächlich diesen Effekt verstärken kann.

Dies funktioniert jedoch auch in die andere Richtung: Wenn alle erwarten, dass nach der weitverbreiteten Zyklustheorie einige Monate mit Kursverlusten bevorstehen, dann haben sie Anreize, frühzeitig zu verkaufen. Dadurch kann eine Trendwende eingeleitet werden, die weitere Verkäufer anzieht und den antizipierten Bärenmarkt Realität werden lässt.

Kommt der Bitcoin-Bärenmarkt?

An den Aktienmärkten gilt die allgemeine Definition, dass ein Bärenmarkt ab einer Korrektur in den Indizes von 20 Prozent oder mehr beginnt. Der Bitcoin-Kurs fällt jedoch selbst in Bullenmärkten gut und gerne mal um mehr als 30 Prozent, weswegen hierbei andere Maßstäbe anzuwenden sind.

Einem richtigen Bitcoin-Bärenmarkt geht in aller Regel eine Überhitzung voraus. Steigende Kurse ziehen nämlich Spekulanten an, die mit ihren gehebelten oder kurzfristig ausgerichteten Positionen für ein fragileres System sorgen. Dieses kann leicht in sich zusammenfallen, wenn viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt werden und beispielsweise ihre Long-Positionen zwangsgeschlossen werden müssen.

Bitcoin scheint sich bei Kursen rund um 100.000 US-Dollar eingependelt zu haben – von einem Hype ist momentan noch nicht zu reden, wie unter anderem das Google-Suchinteresse nach „Bitcoin“ zeigt, das trotz steigender Notierungen kaum an Fahrt gewinnt. Dies lässt darauf schließen, dass die Kaufnachfrage in erster Linie von institutionellen Investoren stammt, die wohl tendenziell eher einen langfristigen Anlagehorizont mitbringen.

Eine für Bitcoin übliche Korrektur wäre von diesem Niveau aus kaum vorstellbar. Diese würde nämlich zu einem Bitcoin-Kurs von um die 30.000 US-Dollar führen. Das letzte Mal, als Bitcoin dort handelte, gab es noch keine Bitcoin-Spot-ETFs, keine Krypto-freundliche US-Regierung geschweige denn Bemühungen um strategische Bitcoin-Reserven.

Das, was die Bitcoin-Bärenmärkte mit den starken Kursrückgängen begünstigt hat, war zudem, dass es noch Unsicherheiten gab: Wird Bitcoin wieder verschwinden? Wird Bitcoin von etwas Besserem abgelöst? Wird Bitcoin vielleicht sogar verboten? 

Seit diesem Zyklus müsste spätestens jedem klar sein, dass Bitcoin gekommen ist, um zu bleiben. Entsprechend ist davon auszugehen, dass viele Marktteilnehmer die nächste größere Korrektur nutzen werden, um einzusteigen oder um ihre Position zu vergrößern.

Dennoch sollten Bitcoin-Halter immer darauf vorbereitet sein, dass der Portfoliowert zwischenzeitlich deutlich zusammenschrumpfen kann. Selbst an den weniger stark schwankenden Aktienmärkten kommen Korrekturen von mehr als 50 Prozent hin und wieder vor. In der Weltfinanzkrise 2008/09 ist selbst der US-amerikanische Aktienindex S&P 500 um fast 60 Prozent eingebrochen.

Zu solchen Verwerfungen könnte beispielsweise eine größere Wirtschaftskrise oder ein Weltkrieg führen. Bitcoin gab es während der letzten großen Finanzkrise noch nicht. Aufgrund der Eigenschaften des Assets – kein Kontrahentenrisiko, begrenzte Gesamtmenge, Zensurresistenz – wäre aber sogar vorstellbar, dass die bedeutendste Kryptowährung in einem solchen Szenario als „sicherer Hafen“ glänzen kann.

Risiken für den BTC-Kurs

Der vergangene Bitcoin-Bärenmarkt wurde in erster Linie durch Zinsanhebungen der US-Notenbank ausgelöst, die die Märkte in ihrer Gesamtheit unter Druck gebracht haben. Momentan preist der Markt jedoch ein, dass mehrere Zinssenkungen noch bevorstehen und der US-Leitzins bis Ende kommenden Jahres von der derzeitigen Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent ausgehend um mindestens einen Prozentpunkt reduziert wird.

Im Bitcoin-Markt setzten in Reaktion auf die geldpolitische Straffung im Jahr 2022 Kaskadeneffekte ein, die den Kursrutsch verstärkten. Der Kollaps von FTX beziehungsweise des FTT-Tokens, Celsius, Terra Luna und Co. sorgte für einen immensen Verkaufsdruck und schreckte viele Marktteilnehmer ab. Laut Michael Saylor, Gründer der „ersten und größten Bitcoin Treasury Company“ Strategy, macht das Fundament des aktuellen Bullenmarktes hingegen kaum Grund zur Sorge.

Ich glaube nicht, dass wir einen Bärenmarkt wie im Jahr 2022 erleben werden. Ich denke, die einzigen, die das behaupten, sind die Krypto-Bros. Und die Krypto-Bros sind diejenigen, die den Bärenmarkt 2022 verursacht haben. Und sie haben das getan, weil sie nichts von Finanzen verstehen. […] Luna ist zusammengebrochen, FTT ist zusammengebrochen, wissen Sie, es gab all diese Akteure, die unterbesicherte Kreditgeber waren und einen Hebel von 100 zu 1 hatten, und sie alle wurden ausgelöscht und gingen bankrott. Was ich hier beschreibe, ist im traditionellen Finanzsystem buchstäblich nicht möglich.
Michael Saylor in einem Interview

Viele Marktbeobachter glauben, dass Unternehmen wie Strategy, Metaplanet und Co. den nächsten Bärenmarkt auslösen beziehungsweise verstärken werden. Ihre Annahme ist, dass sie zum Verkaufen gezwungen werden, wenn sie unter ihrer Schuldenlast dann irgendwann zwangsläufig zusammenbrechen.

Doch wie Michael Saylor erklärt, ist der tatsächliche Fremdkapitalanteil der „Bitcoin Treasury Companies“ fast schon vernachlässigbar – und es wäre noch nicht einmal möglich, ein ähnlich fragiles System wie im vergangenen Zyklus aufzubauen, da die großen Player jetzt aus der traditionellen Finanzwelt kommen.

Alle Bitcoin Treasury Companies sind nicht wirklich fremdfinanziert, richtig? Sie setzen sich zu etwa 80 % aus Eigenkapital und zu 20 % aus Wandelanleihen zusammen. […] Wir haben also nicht mehr den Hebel im System, den wir damals hatten – man kann noch nicht einmal Hebel in dem System aufbauen.
Michael Saylor in einem Interview

Das Unternehmen Strategy, das mehr als 600.000 Bitcoin im Gegenwert von circa 70 Milliarden US-Dollar auf der Bilanz hält, ist beispielsweise mit einer Fremdkapitalquote von circa 17 % zum Wert der gehaltenen Bitcoin solide aufgestellt. Der Bitcoin-Kurs müsste ungefähr um mehr als 80 Prozent von hier aus fallen und anschließend jahrelang auf diesem Niveau verharren, damit Strategy in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Bei Metaplanet liegt die Schuldenquote gerade einmal bei 6 %.

Nichtsdestotrotz hätte eine schlechte Stimmung rund um diese Unternehmen negative Auswirkungen auf den Kurs. Laut Daten des Vermögensverwalters Bitwise Invest haben „Bitcoin Treasury Companies“ alleine im zweiten Quartal 159.107 BTC gekauft – das ist deutlich mehr als das, was die Bitcoin-Spot-ETFs aufgesaugt haben.

Wenn die Marktkonditionen es nicht mehr zulassen, dass diese Unternehmen Aktien zu einer hohen Bewertung ausgeben können, um damit Bitcoin zu erwerben, könnte diese Kaufnachfrage zu großen Teilen wegbrechen – auch wenn Strategy mit Vorzugsaktien bereits auf ein Instrument setzt, das Käufe in Bärenmärkten ermöglichen soll.

Noch steigende Notierungen voraus?

Bitcoin hat das Bullenmarkthoch bislang immer im November oder Dezember des „Post-Post-Halving-Jahres“ erreicht. Demzufolge könnte noch eine ausgeprägte Endjahresrally bevorstehen, bevor der Bärenmarkt einsetzt – insofern der Kurs diesem Muster weiterhin folgen sollte.

Neben den bevorstehenden Zinssenkungen gibt es einen bestimmten potenziellen Katalysator, der den Kurs nachhaltig in die Höhe treiben könnte. Und zwar, dass die USA aktiv Bitcoin akkumulieren, wie es Trumps Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve explizit erlaubt, wenn dabei keine Kosten für die Steuerzahler entstehen. 

Am 30. Juli veröffentlicht die Arbeitsgruppe für digitale Assets einen heiß erwarteten Krypto-Report. Einige spekulieren, dass im Rahmen dessen bekannt gegeben wird, wie die USA budgetneutral Bitcoin kaufen werden.

Sollte der Bitcoin-Kurs aufgrund der immer weiter steigenden Nachfrage – unter anderem dann auch durch große Nationalstaaten – bis in das Jahr 2026 hinein einfach weitersteigen, dann könnten auch diejenigen, die für den Einstieg auf einen Bärenmarkt warten, den höheren Kursen hinterherlaufen und diese weiter befeuern.

Grundsätzlich ist eine bewährte Strategie, nicht zu versuchen, den Markt zu timen. Denn selbst wenn in absehbarer Zeit ein Bärenmarkt einsetzen sollte, kann es immer sein, dass der Kurs vorher noch so stark steigt, dass selbst nach einer größeren Korrektur nie wieder das Niveau von davor erreicht wird. Aus diesem Grund setzen diejenigen, die langfristig von Bitcoin überzeugt sind, auf einen Sparplan. Größere Kursrücksetzer einfach auszusitzen und kontinuierlich weiter nachzulegen, hat sich bislang als exzellente Strategie bewährt.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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