China: Regierung diskutiert über Kryptowährungen
Behörde wirbt für Yuan-Stablecoin
Am 10. Juli hat die Shanghai State-owned Assets Supervision and Administration Commission (SASAC) erstmals eine Sitzung zu Yuan-basierten Stablecoins abgehalten.
Die SASAC untersteht direkt dem Staatsrat der Kommunistischen Partei und ist für die Überwachung und Verwaltung der staatseigenen Unternehmen aller Branchen verantwortlich. Sie ernennt das leitende Personal, entscheidet über Verkäufe oder Fusionen und gibt Maßnahmen zur Modernisierung und Effizienzsteigerung vor.
Auf dem Treffen mit rund 70 Regierungsbeamten erläuterten Experten die Chancen und Herausforderungen von Stablecoins und schlugen strategische Ansätze und regulatorische Rahmenbedingungen vor.
Nach der Sitzung forderte SASAC-Direktor He Qing auf dem offiziellen WeChat-Konto der Behörde eine „größere Sensibilität für neue Technologien und eine verstärkte Forschung im Bereich der digitalen Währungen“.
Neue Impulse der Zentralbank
Nachdem große chinesische Unternehmen wie JD.com und der Fintech-Gigant Ant Group vermehrt die Einführung eines an den Yuan gekoppelten Stablecoins gefordert hatten, um Zahlungen schneller und günstiger durchzuführen und den Einfluss des US-Dollars zu verringern, hat sich nun auch Chinas Zentralbank mit dem Thema befasst.
Obwohl der Gouverneur der Zentralbank, Pan Gongsheng, im vergangenen Monat auf die Risiken für die Finanzstabilität hingewiesen hat, erkannte er auch die Chancen von Stablecoins für globale Zahlungssysteme an und untermauerte damit indirekt die Position der Unternehmen.
Nachdem auch in staatlichen Medien eine schnellere Entwicklung von Stablecoins thematisiert wurde, schlug der Zentralbankberater Huang Yiping vor, Hongkong als Testgebiet für Yuan-basierte Stablecoins zu nutzen:
Hongkong hat einen Offshore-Markt für den Renminbi, und wenn sich der Offshore-Markt entwickelt, ist es möglich, in der Zukunft einen Stablecoin zu schaffen, der an den Offshore-RMB in Hongkong gekoppelt ist.
Huang Yiping
Am 1. August soll in Hongkong eine neue Stablecoin-Gesetzgebung in Kraft treten. Einige Unternehmen planen bereits, in der chinesischen Sonderverwaltungszone eine Stablecoin-Lizenz zu beantragen.
Weitere Öffnung für Krypto in Sicht?
Die Initiativen der Zentralbank und der SASAC sind direkte Reaktionen auf die Forderungen der Unternehmen und Experten und deuten auf Chinas zunehmendes Interesse an finanzieller Innovation – beziehungsweise Kryptowährungen – unter staatlicher Aufsicht hin.
Nach der Einführung des digitalen Zentralbankgeldes e-CNY, das ausschließlich von der Zentralbank herausgegeben wird und als offizielles Zahlungsmittel gilt, könnten die aktuellen Entwicklungen zu konkreten politischen Entscheidungen führen, die es Unternehmen erlauben würden, Yuan-basierte Stablecoins herauszugeben, um sie als marktnahes und flexibleres Instrument für den internationalen Handel zu nutzen.
Auch andere Experten sprachen sich kürzlich für eine Neuausrichtung im Umgang mit Kryptowährungen aus: Finanzforscher haben für eine staatliche Bitcoin-Reserve geworben und Rechtsexperten forderten die Anerkennung von Kryptowährungen als Vermögenswerte sowie neue Regeln für beschlagnahmte digitale Assets.
Es bleibt jedoch weiterhin offen, ob und wann die chinesische Regierung auch darauf eingehen wird und sich für den Umgang mit anderen digitalen Vermögenswerten weiter öffnet – oder sogar das auf dem Festland im Jahr 2021 eingeführte institutionelle Handelsverbot und die restriktiven Regelungen für Mining-Aktivitäten aufhebt.