Laut einem Brancheninsider ist die Hashrate des Bitcoin-Netzwerks innerhalb der letzten 24 Stunden um etwa 8 % beziehungsweise rund 100 EH/s eingebrochen. Der Grund für den Rückgang sei die Stilllegung von Mining-Anlagen in Xinjiang, China. Einige Beobachter sehen darin ein Sicherheitsproblem für Bitcoin. Doch ist diese Sorge berechtigt?

Abschaltung von Anlagen in China

Der chinesische Unternehmer Jack Kong (chinesischer Originalname Kong Jianping), ehemaliger CEO von Canaan Inc. und heutiger CEO sowie Gründer des Mining-Chip-Herstellers Nano Labs, berichtete am 13. Dezember auf der Social-Media-Plattform 𝕏, dass Behörden in der autonomen Region Xinjiang im Nordwesten Chinas schrittweise Mining-Anlagen abschalten würden. Öffentliche Mitteilungen von Regierungsstellen oder Energieversorgern nannte er dabei jedoch nicht.

Heute machte Kong auf einen Rückgang der Hashrate des Bitcoin-Netzwerks um etwa 8 % beziehungsweise rund 100 Exahashes pro Sekunde (EH/s) innerhalb eines einzigen Tages aufmerksam. Laut seinen Schätzungen entspreche dies der Abschaltung von rund 400.000 ASIC-Mining-Geräten. Kong stellt dabei einen direkten Zusammenhang zu den Maßnahmen in Xinjiang her.

Die Hashrate ist im Vergleich zu gestern um 100 Exahashes gesunken, was einem Rückgang von 8 % entspricht. Basierend auf einem Durchschnitt von 250 Terahashes wurden mindestens 400.000 Maschinen abgeschaltet.
Jack Kong

Viele Krypto-News-Portale berufen sich auf Kongs Aussagen und berichten über einen schnellen Hashrate-Einbruch infolge der angeblichen Maßnahmen in Xinjiang. Teilweise wird dabei auch eine Verbindung zur Ende November erneut bekräftigten Durchsetzung des Krypto-Verbots auf dem chinesischen Festland hergestellt.

Schätzungen vs. Trends

Auf der Plattform CoinWarz lässt sich die von Kong beschriebene Momentaufnahme nachvollziehen. So fiel die geschätzte Hashrate von einem Hoch bei 1.010 EH/s am 14. Dezember auf ein Tief von 833 EH/s am 15. Dezember. Das entspricht sogar einem Rückgang von rund 17,4 % beziehungsweise etwa 177 EH/s innerhalb eines Tages.

Gleichzeitig zeigen die Daten jedoch, dass hohe tägliche Schwankungen – teils von mehr als 100 EH/s – keine Seltenheit sind.

Während CoinWarz vor allem für kurzfristige Momentaufnahmen genutzt wird, arbeiten Plattformen wie mempool.space oder Hashrate Index mit anderen Berechnungsmodellen und gleitenden Durchschnitten. Entsprechend zeichnen sie ein geglättetes Bild mit deutlich abgeschwächten Ausschlägen. Dort lag der Tagesrückgang zuletzt lediglich bei rund 60 EH/s.

Tatsächlich ist die Hashrate bereits seit Mitte Oktober rückläufig. Laut mempool.space fiel sie von einem Hoch von über 1,3 ZH/s am 25. Oktober innerhalb von weniger als zwei Monaten auf etwa 945 EH/s – ein Rückgang um fast 28 %.

Oft ist eine Korrelation zwischen der Hashrate und dem Bitcoin-Preis erkennbar. Der Bitcoin-Kurs befindet sich seit Erreichen eines neuen Allzeithochs am 6. Oktober ebenfalls im Abwärtstrend. Am heutigen Tag fiel BTC unter 86.000 US-Dollar und damit auf das tiefste Niveau seit dem 1. Dezember. Die vermeintliche Abschaltung der Mining-Anlagen in Xinjiang dürfte aber wohl kaum der Auslöser für den heute fallenden Bitcoin-Kurs sein.

Der allgemeine Rückgang der Hashrate lässt sich letztlich nicht eindeutig auf die bislang offiziell noch nicht bestätigten Maßnahmen in Xinjiang zurückführen. Ebenso bleibt unklar, ob diese tatsächlich der alleinige Auslöser für den starken Tagesverlust waren. Zwar spielte Xinjiang früher eine bedeutende Rolle im chinesischen Mining-Sektor, doch die Hashrate muss heute global betrachtet werden. China hat die Hashrate-Dominanz nämlich längst verloren.

400.000 ASICs in Xinjiang?

Xinjiang war vor allem aufgrund günstigen Kohlestroms bis zum Jahr 2021 eines der wichtigsten Bitcoin-Mining-Zentren Chinas. Mit dem landesweiten Mining-Verbot änderte sich die Situation jedoch grundlegend: Neue Projekte wurden untersagt, bestehende Anlagen sollten stillgelegt oder ins Ausland verlagert werden – unter anderem zur Erreichung staatlicher Klimaziele.

Seitdem ist Mining im industriellen Maßstab offiziell nicht mehr erlaubt, und China verlor seine frühere Hashrate-Dominanz. Zwar gibt es Berichte über kleinere, illegale Mining-Aktivitäten, diese werden jedoch regelmäßig entdeckt und abgeschaltet. Der jüngste Hashrate-Einbruch könnte daher auf eine breitere Abschaltung der Stromversorgung solcher Anlagen in China hindeuten.

Dass diese verbliebenen Aktivitäten jedoch einen Umfang von 400.000 Mining-Geräten mit jeweils 250 TH/s erreicht haben sollen, die zudem gleichzeitig vom Netz gingen – wie es Kong suggeriert –, erscheint zum aktuellen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich.

Preis, Rentabilität und Diversifizierung

Der fallende Bitcoin-Preis zwingt Mining-Unternehmen weltweit dazu, unrentable Hardware vom Netz zu nehmen. Gleichzeitig diversifizieren viele Unternehmen ihr Geschäftsmodell zunehmend in Richtung KI-Rechenzentren. In Phasen niedriger BTC-Preise wird verfügbare Energieinfrastruktur verstärkt diesen Bereichen zugewiesen und ASIC-Miner werden abgeschaltet.

Der gestrige Rückgang der Hashrate könnte daher auch mit Abschaltungen von Mining-Hardware außerhalb von China zusammenhängen.

Gefahr für das Netzwerk?

Einige Beobachter sehen im starken Rückgang der Hashrate durch die Abschaltung hunderttausender Mining-Maschinen ein Risiko für Bitcoin. Je höher die Hashrate, desto teurer, energieintensiver und logistisch aufwendiger ist nämlich ein Angriff auf das Bitcoin-Netzwerk. Hashrate-Verluste hingegen schwächen die Sicherheit, da Angriffe günstiger werden und die Mining-Landschaft kurzfristig stärker zentralisiert sein kann. Bitcoin wird dadurch jedoch nicht grundsätzlich unsicher.

Das Netzwerk ist bewusst so konzipiert, dass es derartige Schocks verkraften kann – wie bereits das Mining-Verbot in China im Jahr 2021 unter Beweis stellte. Damals brach die Hashrate kurzfristig um fast 50 % ein, um sich anschließend schnell wieder zu erholen. Die Anpassung der Schwierigkeit des Mining-Prozesses (Mining-Difficulty) sorgt dafür, dass trotzdem alle 10 Minuten im Schnitt ein neuer Block gefunden werden kann.

Alle 2.016 Blöcke wird geprüft, wie viel Zeit zwischen den Blöcken im Durchschnitt vergangen ist. Sinkt die verfügbare Rechenleistung, verlängern sich die Blockzeiten zunächst. Durch eine Absenkung der Schwierigkeit normalisieren sie sich anschließend wieder auf etwa zehn Minuten pro Block.

Der aktuelle Hashrate-Rückgang ist damit weniger als akute Gefahr für Bitcoin zu werten, sondern vielmehr als Ausdruck der ökonomischen und regulatorischen Dynamik eines globalen Mining-Marktes. Die Sicherheit des Netzwerks hängt schon längst nicht mehr von den Bestimmungen in einzelnen Regionen ab.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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