Die im Sommer 2022 kollabierte Krypto-Lending-Plattform Celsius Network verklagt die Nutzer, die ihre Gelder innerhalb von 90 Tagen vor dem Kollaps abgezogen haben. Diese sollen auf Kosten der am Ende geschädigten Kunden profitiert haben und ihre Krypto-Assets zum vollen aktuellen Wert zurückzahlen. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung hervor. 

Kontoinhaber, die in den Tagen vor dem Konkurs von Celsius Gelder abgehoben haben, haben in ungerechter Weise auf Kosten anderer Kontoinhaber profitiert, da die Erfüllung ihrer Abhebungsanträge dazu führte, dass Celsius nicht in der Lage war, anderen Abhebungen gerecht zu werden.
Mohsin Meghji, Administrator der Rechtsstreitigkeiten von Celcius

Die Administration der Rechtsangelegenheiten von Celsius beabsichtigt entsprechend nun „die Rückforderung des vollen Wertes der Kryptowährung, die während des Vorzugszeitraums von diesen Kontoinhabern übertragen wurde, gemäß dem Insolvenzgesetz zu verfolgen“.

Das Debakel um Celsius

Celsius Network war eine bekannte Plattform, auf der Nutzer ihre Bitcoin und Kryptowährungen für Rendite verleihen konnten. Zur besten Zeit verwaltete Celsius über 20 Milliarden US-Dollar und hatte rund 1,7 Millionen Kunden. Im Juni 2022, als der Krypto-Markt zunehmend unter Druck geriert, stellte der Dienstleister die Auszahlungen ein und meldete im darauffolgenden Monat schließlich Insolvenz an. 

Von vornherein klar war, dass die Nutzer im Falle eines Konkurses ihre Kryptowährungen für immer verlieren können. Entsprechend warnte Blocktrainer.de wiederholt davor, solche Dienstleister zu verwenden.

Das Unternehmen, das auch einen eigenen Token lancierte, machte in den Monaten darauf mit weiteren negativen Meldungen auf sich aufmerksam. Im Oktober veröffentlichte Celsius etwa ein 14.523-seitiges Dokument mit der gesamten Transaktionshistorie der Nutzer – inklusive deren Klarnamen. Celsius befindet sich derzeit im Restrukturierungsprozess und plant, einen großen Teil der damals verlorenen Summen wieder an die Geschädigten auszubezahlen.

Jetzt soll es aber diejenigen treffen, die ihre Gelder rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten – auch wenn sie dies nur aus Zufall beziehungsweise aus Glück unmittelbar vor dem Kollaps getan haben.

Schlechte Nachrichten für die Kunden, die sich retten konnten

Die aktuelle Klage richtet sich an tausende ehemalige Kunden, die in einem Zeitraum vom 14. April bis zum 13. Juli 2022 ihre Gelder abgezogen haben. Konkret betroffen sind dabei Nutzer, die unmittelbar vor dem Konkurs zusammengenommen mehr als 100.000 US-Dollar von Celsius wegtransferiert haben. Dieses Geld fordert Celsius zurück – aber aller Anschein nach nicht zum damaligen US-Dollar-Wert der betroffenen Krypto-Werte, sondern zu aktuellen Kursen. Dies ist insofern ein riesengroßes Problem, als sich beispielsweise der Bitcoin-Kurs seither in etwa verdoppelt hat.

Entsprechend ist die Empörung der Betroffenen groß. Ein 𝕏-Nutzer, der eigenen Angaben zufolge die Klage zugestellt bekommen hat, verlieh nachvollziehbarer Weise seinem Unmut darüber öffentlichkeitswirksam Ausdruck.

Celsius Network hat mich und tausende von unschuldigen Nutzern diese Woche offiziell vor einem New Yorker Gericht verklagt. […] Wir sind ganz normale Menschen, die die Plattform normal genutzt haben, keine Insider, keine bösen Akteure, und weil wir zufällig unser Geld von der Plattform genommen haben, 90 Tage bevor sie Konkurs angemeldet haben, versuchen sie, all diese Gelder zurückzufordern und noch mehr, weil sie für die Marktkurse vom 14. Juni 2024 klagen, nicht für die Kurse von 2022. WAS ZUR HÖLLE!! Sie verlangen unverschämte Summen, im Grunde wird mein gesamtes Nettovermögen eingeklagt, obwohl ich absolut nichts falsch gemacht habe. Zuerst dachte ich, es handele sich um einen Betrug und eine Abzocke, aber jetzt, da die Klage tatsächlich eingereicht wurde, muss ich Tausende [Dollar] ausgeben, um einen Anwalt zu beauftragen. 
@medx0

Kritik anderer Nutzer bezieht sich zudem darauf, dass Celsius durch diese Klage nur unnötigerweise weitere Rechtskosten verursacht, worunter letztens Ende alle Geschädigten leiden werden, da die Rückforderung ihnen zufolge nicht erfolgreich sein wird.

Vor der Klage konnte sich Celsius bereits mit mehr als 1.500 betroffenen Nutzern im Rahmen eines Vergleichs einigen und somit 100 Millionen US-Dollar zurückerlangen. Das Geld, das Celsius wieder auftreibt, soll allen Geschädigten zugutekommen.

Eine regelrechte Katastrophe für die Betroffenen

Wenn eine Bank oder in dem Fall eine Krypto-Lending-Plattform sich verspekuliert und ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann, dann sind daran nicht die Kunden schuld, die ihr Geld rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben, sondern das Finanzinstitut selbst. Normalerweise sollte ein Dienstleister nämlich immer allen Auszahlungsanfragen in jeglicher Höhe nachkommen können. Dies ist jedoch nicht einmal im traditionellen Bankensystem der Fall, wie die Pleite unter anderem der Silicon Valley Bank im Jahr 2023 nach einem „Bank Run“ gezeigt hat.

Es ist häufiger der Fall, dass Insolvenzverwalter Gelder zurückfordern, die Entitäten unmittelbar vor der Pleite des Unternehmens erhalten haben. Dabei geht es darum, diejenigen, die 89 Tage vor dem Konkurs ihr Geld abgezogen haben und diejenigen, die gar nicht mehr dazu gekommen sind, rechtlich gleichzubehandeln.

Es bleibt abzuwarten, ob Celsius mit dem Vorhaben Erfolg haben wird, die damaligen Bestände der betroffenen Kunden zurückzuerlangen. Sollten diese wirklich die Assets zu aktuellen Kursen zurückzahlen müssen, dann wird dies mit Sicherheit den einen oder anderen Betroffenen ruinieren. Denn es ist nicht gesagt, dass alle ihre Bestände bis heute gehalten und den Kurszuwachs mitgenommen haben, geschweige denn, dass sie überhaupt noch liquide Mittel haben.

Darüber hinaus gilt es zu beobachten, ob sich dies – insofern es erfolgreich für Celsius endet – als Präzedenzfall für den Kollaps anderer Krypto-Dienstleister herauskristallisieren wird, bei dem dann auch die Unschuldigen im Nachhinein zur Kasse gebeten werden können, um damit die Insolvenzmasse zu füllen.

Die Coins in Selbstverwahrung zu halten und auf Dienstleister zu verzichten, die mit hohen Renditen locken, hat sich in dem Fall von Celsius wieder einmal als die überlegene Strategie im Bitcoin-Markt herausgestellt.

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist studierter Volkswirt mit journalistischer Erfahrung außerhalb von Blocktrainer.de. Seit 2020 ist Tristan im Bitcoin-Space aktiv, schon in den Jahren zuvor beschäftigte er sich mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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