Marcos Duran, der Handels- und Importminister Boliviens, hat am Dienstag überraschend die Pläne des staatlichen Energieunternehmens YPFB gestoppt, Kryptowährungen für die Bezahlung von Treibstoffimporten zu nutzen. Dies könnte eine Kehrtwende in der Krypto-Politik des Landes darstellen.

Boliviens Haltung zu Kryptowährungen

In den vergangenen Monaten zeigte sich Bolivien zunehmend offen gegenüber Bitcoin und Co. Die bolivianische Zentralbank hat im Juni 2024 das Verbot der Nutzung von Kryptowährungen für Finanzinstitute aufgehoben, um die finanzielle Modernisierung voranzutreiben. Dies beflügelte die Krypto-Adoption im südamerikanischen Land und führte zu einem deutlichen Anstieg des Handels mit digitalen Vermögenswerten.

Zwischen Juli und September 2024 wurden Berichten zufolge monatlich rund 15,6 Millionen US-Dollar gehandelt – hauptsächlich in Stablecoins wie Tether (USDT). Im Oktober 2024 startete die Banco Bisa einen Verwahrdienst für Stablecoins, der den Handel zusätzlich belebte.

Devisen- und Energiemangel

Der angeschlagene Energiesektor stellte Bolivien jedoch vor enorme wirtschaftliche Herausforderungen. Die sinkende Gasproduktion führte zu einer wachsenden Abhängigkeit von Treibstoffimporten. Gleichzeitig sanken die Devisenreserven stark. Kryptowährungen wurden daher als mögliche Alternative im internationalen Zahlungsverkehr in Betracht gezogen.

Um die Treibstofflager des Landes aufzufüllen und den Energiesektor zu stabilisieren, genehmigte die Regierung im März 2025 die Nutzung von Kryptowährungen für Energieimporte durch YPFB. Medienberichten zufolge sollten dabei vermutlich Stablecoins zum Einsatz kommen.

Zusätzlich verschärfte sich die Energiekrise durch den Rückzug des russischen Konzerns Gazprom aus dem Azero-Gasprojekt, an dem das Unternehmen 16 Jahre lang beteiligt war. Der größte Gasproduzent der Welt möchte zwar die Kooperation mit YPFB fortführen und weiterhin in anderen Regionen Boliviens aktiv bleiben. Jedoch scheint der Rückzug ein Umdenken in der Krypto-Strategie ausgelöst zu haben.

Kehrtwende in der Krypto-Politik?

Nach dem Rückzug Gazproms wurde die Nutzung von Kryptowährungen für Treibstoffimporte überraschenderweise wieder verboten. YPFB müsse stattdessen auf heimische Ressourcen und US-Dollar-Transaktionen zurückgreifen, stellte Handelsminister Marcos Duran am Dienstag klar.

Diese widersprüchliche Entscheidung wirft Fragen zur Koordination innerhalb der Regierung sowie zur technischen Umsetzbarkeit der Krypto-Zahlungen auf. Unklar bleibt auch, ob das Verbot lediglich die Energieimporte betrifft oder eine grundsätzliche Abkehr von der neuen Krypto-Ausrichtung bedeutet.

Denkbar ist nämlich, dass die Entscheidung, digitale Vermögenswerte als Ausweg aus der Devisenknappheit zu nutzen, auch aufgrund weiterer geopolitischer Faktoren rückgängig gemacht wurde: Bolivien ist stark vom Zugang zum US-Dollar abhängig, vor allem für internationale Handelsgeschäfte. Eine Abkehr vom Dollar, etwa durch die Nutzung von Kryptowährungen, könnte als politische Provokation gewertet werden – insbesondere wenn die US-Regierung unter Donald Trump eine harte Linie zur Verteidigung der Dollardominanz verfolgt. 

Die neuen Zollbestimmungen von Donald Trump sind zwar eine Herausforderung für den globalen Handel, eine offizielle Intervention der US-Regierung aufgrund der angekündigten Krypto-Nutzung von YPFB ist jedoch nicht bekannt.

Internationaler Handel mit Bitcoin

Andere Länder nutzen Bitcoin und andere Kryptowährungen bereits für internationale Zahlungen – anfänglich oft als Reaktion auf Sanktionen oder den Ausschluss aus dem SWIFT-Zahlungssystem. Der Iran nutzt die im Land geschürften Bitcoin für die Zahlung von Importen und die Umgehung von Sanktionen. Russland hat die Nutzung von Kryptowährungen für den internationalen Handel in einem Gesetz verankert und nutzt Assets wie Bitcoin, Ether und Stablecoins beispielsweise im Ölhandel mit China und Indien.

Laut Matthew Sigel vom Vermögensverwalter VanEck liegt der Anteil solcher staatlich abgewickelten Krypto-Transaktionen, bei denen vor allem Bitcoin oder Stablecoins genutzt werden, aktuell noch bei nahezu null Prozent. Altcoins wie Ether oder Solana seien für den internationalen Handel weniger gefragt, so Sigel. Er prognostiziert, dass die Verwendung von Bitcoin bei fünf Prozent der internationalen Zahlungen den Bitcoin-Preis auf drei Millionen US-Dollar ansteigen lassen könnte.

Da die Staaten mit der Nutzung von Bitcoin nicht nur Sanktionen umgehen, sondern die Zahlungen und damit die Handelsprozesse auch beschleunigen können, ist davon auszugehen, dass sich das Asset im internationalen Handel noch stärker etabliert – zumindest bei den BRICS-Staaten, die BTC teilweise jetzt schon erfolgreich nutzen.

Wie es mit der Krypto-Strategie Boliviens weitergeht, wird die Zukunft zeigen. Das Land ringt nicht nur mit Energieengpässen, sondern auch mit der Frage, wie viel wirtschaftliche Eigenständigkeit es sich im Spannungsfeld zwischen US-Dollar und Kryptowährungen leisten kann und ob sich diese überhaupt realisieren lässt.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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