Börsennotierten Bitcoin-Haltern droht Nasdaq-Delisting
Aktiengesellschaften mit Bitcoin auf der Bilanz erlebten im Frühsommer 2025 einen regelrechten Boom. Es gab viele Neugründungen sogenannter „Bitcoin Treasury Companies“. Doch der Hype flaute schnell ab und die Aktien einiger dieser Unternehmen fielen vom Hoch aus gemessen um weit mehr als 90 %.
Nach diesem Kursrutsch handeln die Aktien von Nakamoto, Strive und weiteren börsennotierten Bitcoin-Haltern unter der Marke von 1 US-Dollar. Das Problem: Die große US-amerikanische Technologiebörse Nasdaq, an der die meisten dieser Aktiengesellschaften gelistet sind, hat bestimmte Regeln, um sogenannten „Penny Stocks“ die Notierung wieder zu entziehen.
Die Nasdaq-Delisting-Gefahr
Die Nasdaq ist neben der New York Stock Exchange (NYSE) die relevanteste US-Börse. An diesem Handelsplatz sind große Technologieunternehmen wie Apple, Nvidia und Amazon primär gelistet. Insgesamt gibt es rund 4.000 Aktiengesellschaften an der Technologiebörse.
Ein Listing an der Nasdaq gilt als prestigeträchtig und es verschafft Unternehmen Zugang zu Kapital sowie Sichtbarkeit. Doch die Nasdaq hat Regeln zur Mindestnotiz („Minimum Bid Price“), um sicherzustellen, dass dort keine „Penny Stocks“ notiert sind. Konkret sollen Unternehmen, deren Aktienkurs nachhaltig unter 1 US-Dollar fällt, gedelistet werden.
Die Regel: Wenn der Kurs einer Aktie 30 aufeinanderfolgende Handelstage unter dieser 1-US-Dollar-Marke liegt, erhalten die Unternehmen eine offizielle Warnung. Daraufhin haben sie 180 Tage Zeit, dies zu korrigieren, was als geschafft gilt, wenn die Aktie für 10 Handelstage in Folge wieder bei oder über 1 US-Dollar handelt.
Aktiengesellschaften können jedoch einen „Reverse Split“ vornehmen, um die Mindestnotiz wiederherzustellen. Dabei werden mehrere Aktien zu einer „gebündelt“. Der Kurs einer Aktie erhöht sich, ohne dass sich am gesamten Unternehmenswert etwas ändert.
Dabei handelt es sich allerdings um eine Notfallmaßnahme. Führt ein Unternehmen einen „Reverse Split“ durch und rutscht innerhalb von 12 Monaten wieder für 30 Handelstage in Folge unter Kursmarke, gibt es keine 180-Tages-Frist mehr und das Delisting-Verfahren wird eingeleitet. Dasselbe passiert, wenn es zuvor innerhalb von 2 Jahren kumuliert „Reverse Splits“ im Verhältnis von insgesamt 1 zu 250 gab.
Auch unabhängig davon gelten „Reverse Splits“ am Markt als Warnsignal: Sie werden häufig als Zeichen von Druck und fehlenden Alternativen interpretiert, weshalb der Kurs nach solchen Schritten oftmals in Reaktion abstürzt.
Nakamoto
Nakamoto ist die „Bitcoin Treasury Company“ des ehemaligen Trump-Beraters David Bailey, die im August 2025 via „Reverse Merger“ mit der an der Nasdaq notierten Aktiengesellschaft KindlyMD an die Börse kam. Im Mai 2025, bevor der Deal vollzogen war, aber die Pläne schon bekannt waren, kostete eine Aktie bis zu 35 US-Dollar.
Danach folgte ein deutlicher Kursrutsch, der sich verstärkte, also die PIPE-Investoren erstmals ihre Anteile verkaufen konnten. Ende Oktober 2025 handelte die Nakamoto-Aktie schließlich das bislang letzte Mal über 1 US-Dollar.
Am 10. Dezember erhielt das Unternehmen dann die Warnung der Nasdaq, womit seither die 180-Tages-Frist läuft, die am 8. Juni 2026 endet. In dem dazugehörigen SEC-Filing teilte die Aktiengesellschaft zwar schon mit, dass ein „Reverse Split“ in Erwägung gezogen werde, doch bislang gibt es diesbezüglich noch keine konkrete Ankündigung.
In einer Pressemitteilung vom 18. Dezember hieß es dann, dass Nakamoto ein Aktienrückkaufprogramm autorisiert hat. Doch die eingerichtete Option dieser Maßnahme, die letztlich dafür da ist, den Aktienkurs zu stützen, konnte bislang nicht helfen.
Aktuell handelt die Nakamoto-Aktie bei 0,45 US-Dollar und damit 98,7 % unter dem Allzeithoch. Das Unternehmen hält 5.398 BTC auf der Bilanz, die aktuell einen Gegenwert von mehr als 500 Millionen US-Dollar haben. Gleichzeitig liegt die Marktkapitalisierung aber nur bei circa 230 Millionen US-Dollar, während sich die Schulden auf 210 Millionen US-Dollar belaufen.
Strive
Strive, die „Bitcoin Treasury Company“ des Vermögensverwalters Strive Asset Management, sieht sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Das Unternehmen kam ebenfalls per „Reverse Merger“ an die Börse – mit der Aktiengesellschaft Asset Entities.
Seit Mitte Oktober kämpft die Strive-Aktie mit der 1-US-Dollar-Marke. Und als das Unternehmen am Dienstag dieser Woche bekannt gab, dass die im September angekündigte Übernahme des Bitcoin-Halters Semler Scientific, für die vollständig in Aktien bezahlt wird, von den Aktionären genehmigt wurde, gab der Kurs weiter nach.
Im Zuge dessen verkündete Strive aber direkt, dass das Board einen „Reverse Split“ im Verhältnis von 1 zu 20 autorisiert hat. Damit dürfte das Delisting-Risiko vorerst aufgeschoben sein. Eine Warnung gab es bislang ohnehin noch nicht.
Die Strive-Aktie ist seit dem Hoch im Sommer um 93 % gefallen und handelt aktuell bei knapp 0,95 US-Dollar. Nach dem Split, dessen Datum noch nicht bekannt gegeben wurde, müssten es entsprechend 19 US-Dollar pro Aktie sein – sofern der Kurs bis dahin stabil bleibt.
Strive würde nach der finalisierten Übernahme von Semler Scientific 12.797,9 BTC auf der Bilanz halten und damit Platz 11 der größten börsennotierten Bitcoin-Halter einnehmen. Strive ist nach dem „First Mover“ Strategy (ehemals MicroStrategy) die zweite Aktiengesellschaft, die auf Vorzugsaktien setzt, um Kapital für Bitcoin-Käufe einzusammeln.
K Wave Media
Auch die Aktiengesellschaft K Wave Media, die im Jahr 2025 begann, eine Bitcoin-Treasury-Strategie zu verfolgen, hat – so wie Nakamoto – eine Warnung der Nasdaq erhalten. Das geschah am 7. Januar 2026.
Das koreanische K-Pop-Unternehmen gab im Sommer 2025 den Plan bekannt, sich bis zu 1 Milliarde US-Dollar über die Ausgabe von Aktien und Wandelanleihen für Bitcoin-Käufe zu beschaffen und eine Reserve in Höhe von 10.000 BTC aufbauen zu wollen.
Stand jetzt hält K Wave Media lediglich 88 Bitcoin, während die Aktie mehr als 93 % unter dem Niveau aus Mai 2025 handelt und nur noch 0,67 US-Dollar kostet. Bislang ist noch nicht bekannt, wie die Aktiengesellschaft dem potenziellen Delisting entgehen möchte.
Canaan
Canaan hingegen ist keine klassische „Bitcoin Treasury Company“, sondern ein börsennotierter Mining-Hardware-Hersteller mit eigener Mining-Sparte. Dennoch hält das in Singapur ansässige Unternehmen eine Krypto-Reserve in Höhe von 1.750 BTC und 3.951 ETH.
Die Aktiengesellschaft erhielt am 14. Januar 2026 die Nasdaq-Warnung. Auch hier ist bislang unklar, wie Canaan reagieren wird. Aktuell handelt die Aktie bei 0,79 US-Dollar, also deutlich unter der Schwelle, und hat seit dem 20. Oktober 2025 knapp 66 % an Wert verloren.
Weiterer Gegenwind
Ein Delisting von der großen Technologiebörse Nasdaq würde sich merkbar auf das Geschäftsmodell von „Bitcoin Treasury Companies“ auswirken, da diese Aktiengesellschaften auf den Zugang zu möglichst großen Kapitalmärkten angewiesen sind. Aber auch die Aktien von Unternehmen mit einem stark ins Gewicht fallenden operativen Geschäft wie Canaan dürfte das weiter unter Druck bringen.
Im September vergangenen Jahres gab es die Meldung, dass die Nasdaq das Wachstum von „Treasury Companies“ mit strengeren Regeln eindampfen möchte. Von den Unternehmen wird seither abverlangt, sich vor der Kapitalaufnahme für den Kauf von Kryptowährungen die Bestätigung der Aktionäre einzuholen. Vorher konnte das leicht umgangen werden.
Grundsätzlich verfolgt die Technologiebörse aber einen eher agnostischen Ansatz gegenüber börsennotierten Krypto-Haltern, was unter anderem dadurch deutlich wird, dass Strategy seit Dezember 2024 Teil des relevanten Aktienindex Nasdaq 100 ist. Daran hat sich bis dato auch nichts geändert, obwohl der Indexherausgeber MSCI Inc. seit Oktober 2025 überlegt, „Treasury Companies“ auszuschließen, da sie Investmentfonds ähneln können. Kürzlich gab es aber die Entscheidung von MSCI Inc., dass Strategy, Metaplanet und Co. vorerst nicht aus Aktienindizes wie MSCI World oder MSCI ACWI exkludiert werden.
Anders als bei der MSCI-Causa handelt es sich bei dem potenziellen Nasdaq-Delisting um klar definierte Regeln einer Börse, bei denen nicht von Unfairness die Rede sein kann. Mit „Reverse Splits“, also der Aufteilung des gesamten Unternehmens auf weniger Aktien, lässt sich das Problem zudem vorerst aus dem Weg schaffen.
Das Nasdaq-Thema unterstreicht letztlich vielmehr, dass Aktiengesellschaften wie Strive oder Nakamoto wohl nicht damit gerechnet haben, dass die Aktien nach dem „Reverse Merger“ unter diesen kritischen Kurswert fallen, obwohl absehbar war, wie viele Bitcoin die Unternehmen halten und wie viele Aktien ausstehend sein werden.
Ob sich manche der Strategy-Nachahmer noch zu Erfolgsgeschichten entwickeln können, muss die Zukunft zeigen. Unternehmen wie Nakamoto oder auch Sequans und Satsuma Technology, die jeweils zur Schuldentilgung wieder BTC verkaufen mussten, haben aber wohl schon so viel verbrannte Erde hinterlassen, dass es schwierig sein dürfte, Investoren wieder von ihnen zu überzeugen.