Robbie Mitchnick, der Leiter der Abteilung für digitale Assets bei BlackRock, glaubt, dass Bitcoin gegen Ende des Jahres Momentum zurückgewinnen könnte. Diese Einschätzung begründet er mit den anstehenden Midterm-Wahlen, die Staatsschulden sowie Gelddrucken wieder in den Mittelpunkt rücken dürften – die seiner Meinung nach zentralen Treiber für den Bitcoin-Kurs.

Bitcoin befindet sich seit Oktober 2025 in einem scharfen Abwärtstrend, während die Aktienmärkte stets neue Höchststände erreichen. Eine Erklärung für diese Diskrepanz ist die KI-Euphorie, die wegen der hohen Gewichtung der KI-Gewinner auch breitere Aktienindizes in die Höhe treibt.

Andere Segmente scheinen unter diesem Trend zu leiden. Zu den Verlierern gehört neben Softwareunternehmen und Konsumgüterherstellern auch Bitcoin. Offenbar wird inzwischen nämlich Geld aus so ziemlich allen anderen Anlagen abgezogen, um es in Aktien mit KI-Bezug zu investieren.

Dieses Muster war besonders stark kurz vor dem Rekordbörsengang von SpaceX zu beobachten. Doch dabei wird es nicht bleiben: Während die Schwergewichte Alphabet und Meta einige Milliarden über die Kapitalmärkte aufnehmen, planen auch die führenden KI-Player Anthropic und OpenAI das IPO.

Die inzwischen weitverbreitete These, dass der KI-Hype auf den Bitcoin-Kurs drückt, unterstützt nun auch Robbie Mitchnick, Leiter der Abteilung für digitale Assets beim Vermögensverwalter BlackRock. In einem Interview mit Yahoo Finance erklärte er am Montag dieser Woche:

Seit letztem Oktober war es für Bitcoin und den gesamten Krypto-Markt eine schwierige Phase. Das passt in vielerlei Hinsicht zu fast allem, was nicht KI-zentriert ist. Die Dynamik rund um KI entzieht dem Markt ganz klar sehr viel Aufmerksamkeit. Man sieht ähnliche Auswirkungen auch bei Gold, Edelmetallen und anderen Anlageklassen, die zuletzt nicht zum Kern des KI-Trades gehören.
Robbie Mitchnick

Laut Mitchnick könnte sich die Stimmung rund um Bitcoin aber schon bald ändern, wenn die Probleme, für die das Asset einen potenziellen Schutz darstellt, wieder in den Mittelpunkt rücken.

Katalysator für die nächste bullische Phase

Im November dieses Jahres stehen in den USA die Midterm-Wahlen an, bei denen Teile des Senats sowie das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt werden. Und wie für Politik üblich, dürften hier die Fragen rund um den Staatshaushalt beziehungsweise die Schulden zentrales Thema der Debatten sein.

Robbie Mitchnick sieht in den anstehenden Wahlen entsprechend einen potenziellen Kurstreiber für Bitcoin:

Ich denke, wenn die US-Schuldenstände und die Defizitsituation wieder stärker in den Fokus rücken – was rund um die Midterms ziemlich wahrscheinlich ist –, dann werden auch einige existenzielle Diskussionen wieder aufkommen. Ich glaube, dann werden wir wahrscheinlich eine erneute Belebung des Momentums sehen.
Robbie Mitchnick

Er verwies zwar auch darauf, dass Bitcoin unter einem höheren Leitzins leiden könnte. Doch die seiner Meinung nach wichtigsten fundamentalen Treiber für BTC seien die Sorgen vor ausufernder Staatsverschuldung und Gelddrucken.

Und je größer die Sorge über das Ausmaß der Verschuldung und das Risiko von Geldschöpfung wird, desto mehr wird das meiner Meinung nach letztlich der wichtigste fundamentale Treiber für die Zukunft sein.
Robbie Mitchnick

Auch die Starinvestorin Cathie Wood bezog sich vor mehreren Monaten auf die Midterm-Wahlen, als sie eine bullische Prognose für Bitcoin abgab. Ihr zufolge wäre es vorstellbar, dass die Trump-Administration vorher noch Maßnahmen hinsichtlich der strategischen Bitcoin-Reserve ergreift.

Tatsächlich kündigte Patrick Witt, der Exekutivdirektor des US-Crypto-Council, Ende April eine große Mitteilung zur Bitcoin-Reserve an. Dabei dürfte es sich aber lediglich um Informationen zur Verwahrung handeln, da laut Witt erst nach Genehmigung des Kongresses Käufe möglich seien.

Auch Zyklustheorie spricht für eine Erholung Ende 2026

Sollte der Bitcoin-Kurs tatsächlich gegen Ende des Jahres wieder in einen nachhaltigen Aufwärtstrend übergehen, so würde dies perfekt zu den bisherigen Zyklen passen. Bislang gab es nämlich immer circa drei Jahre Bullenmarkt rund um das Halving, auf die dann ein Jahr mit fallenden Kursen folgte.

Nach diesem Muster müsste im Oktober dieses Jahres der Boden ausgebaut worden sein, also kurz vor den Midterm-Wahlen.

In vorherigen Bärenmärkten fiel Bitcoin immer um mehr als 75 %, wobei die Kursrückgänge je Zyklus immer geringer wurden.

Demnach lassen sich durchaus Argumente dafür finden, dass das Schlimmste schon überstanden sein könnte – vor allem auch, weil Bitcoin inzwischen einen viel solideren Stellenwert hat als noch vor wenigen Jahren.

Dazu trägt insbesondere auch die Unterstützung von BlackRock bei. Der größte Vermögensverwalter der Welt legte Investoren in mehreren Berichten eine Bitcoin-Allokation nahe. Larry Fink erklärte im März 2025 sogar in seinem Aktionärsbrief, dass der US-Dollar seine Rolle an Bitcoin verlieren könnte, wenn die USA ihre Staatsschulden nicht in den Griff bekommen.

BlackRock befeuert schon seit geraumer Zeit das Narrativ, dass Bitcoin einen Schutz vor Schuldenexzessen und der damit einhergehenden Geldentwertung darstellen kann. Überdies hieß es in mehreren Reports, dass es Sinn ergeben kann, eine kleine Bitcoin-Position im Rahmen eines konservativen Portfolios aufzubauen.

Der Vermögensverwalter hat dabei natürlich auch ein Eigeninteresse. Der Bitcoin-Spot-ETF IBIT war zeitweise eines der Anlageprodukte, die BlackRock die höchsten Einnahmen bescherten. Mit BITA wurde jetzt kürzlich ein neuer „Bitcoin Premium Income ETF“ vorgestellt, der Investoren laufende Erträge bezahlen soll, ohne auf einen Großteil des Kurspotenzials zu verzichten.

Demnach könnte es aus dem Hause BlackRock in den kommenden Wochen und Monaten wieder verstärkt Werbung für Bitcoin geben, was sicherlich eher positiv für die breitere Adoption des Assets zu werten wäre.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

Artikel des Autors

Kommentare aus unserem Forum