Matt Hougan, CIO des Vermögensverwalters Bitwise Invest, widmet sich in einem neuen Memo dem Szenario, dass der Bitcoin-Kurs auf 1 Million US-Dollar steigt. Seiner Meinung nach reichen vernünftige und konservative Annahmen aus, um zu dem Entschluss zu kommen, dass ein solches Kursniveau in gar nicht allzu ferner Zukunft durchaus erreicht werden könnte.

Bei einem aktuellen Bitcoin-Preis von circa 70.000 US-Dollar erscheint es fast schon illusorisch, sich über einen siebenstelligen Kurs Gedanken zu machen. Matt Hougan räumt in seinem gestern erschienenen Memo eingangs sogar ein, dass er früher noch darüber gelacht hat, wenn dieses Kursziel ausgerufen wurde.

Als ich 2018 hauptberuflich in den Krypto-Markt eingestiegen bin, hörte ich solche Aussagen oft und lachte darüber. Damals lag der Bitcoin-Kurs bei etwa 4.000 US-Dollar, und 1 Million US-Dollar klang absurd – selbst für mich. Heute sehe ich das anders. Je mehr ich mich mit dieser Anlageform beschäftigt habe, desto mehr wurde mir klar, dass ich einen ziemlich grundlegenden Fehler bei der Analyse der Chancen von Bitcoin gemacht hatte.
Matt Hougan in seinem Memo

Info

Matt Hougan ist der Chief Investment Officer (CIO) von Bitwise Invest, einem großen US-amerikanischen Vermögensverwalter mit Krypto-Fokus. Bitwise wurde im Jahr 2017 gegründet und verwaltet aktuell rund 15 Milliarden US-Dollar an Kundengeldern. Der Bitcoin-Spot-ETF von Bitwise, BITB, ist hinter denen von BlackRock (IBIT), Fidelity (FBTC) und Grayscale (GBTC, BTC) der fünftgrößte.

Modelle für den Bitcoin-Preis

In den vergangenen Jahren wurde anhand vieler Modelle versucht, den Bitcoin-Kurs zu prognostizieren – vom „Power Law“ bis hin zum „Stock-To-Flow-Modell“. Anders als bei Aktien, Immobilien oder Anleihen lässt sich für BTC nämlich kein fairer Wert anhand von Cashflows errechnen.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wo der Kurs in der Zukunft stehen könnte, griffen viele schließlich auch auf den Vergleich mit anderen Anlageklassen zurück, die Menschen als Wertaufbewahrungsmittel nutzen. Bitcoin könnte, so die breite Annahme, aufgrund der überlegenen Eigenschaften eines Tages einen beträchtlichen Anteil des weltweiten Vermögens ausmachen.

Genau hier setzt auch Matt Hougan an. In seiner Rechnung konzentriert er sich jedoch nur auf die Relation von Bitcoin zu Gold. Beide Vermögenswerte bilden, so Hougan, den Wertspeichermarkt, der aktuell circa 38 Billionen US-Dollar schwer ist.

Alle Bitcoin zusammengerechnet sind nämlich rund 1,4 Billionen US-Dollar wert, während Gold eine Marktkapitalisierung von um die 36 Billionen US-Dollar aufweist.

Wie Hougan bemerkt, müsste Bitcoin momentan in etwa die Hälfte dieses Marktes ausmachen, um die Kursmarke von 1 Million US-Dollar zu erreichen. Genau genommen würde die Marktkapitalisierung von Bitcoin – bei einer derzeitigen Gesamtmenge von 20 Millionen Coins – dann 20 Billionen US-Dollar betragen.

Heute beläuft sich der Wertspeichermarkt auf knapp 38 Billionen US-Dollar: 36 Billionen US-Dollar für Gold und 1,4 Billionen US-Dollar für Bitcoin. Auf dieser Grundlage macht Bitcoin derzeit knapp 4 % des Marktes aus. Aus diesem Grund erscheint vielen ein Preis von 1 Million US-Dollar pro Bitcoin unangemessen, und auch ich habe diese Vorstellung jahrelang abgelehnt. Angesichts der aktuellen Marktgröße müsste Bitcoin mehr als 50 % des Wertspeichermarktes erobern, um einen Preis von 1 Million US-Dollar zu erreichen. Das ist eine sehr hohe Hürde.
Matt Hougan in seinem Memo

Doch Hougan erklärt, wieso das Kursziel von 1 Million US-Dollar trotz alledem alles andere als illusorisch ist. Laut seiner Annahme wird der Wertspeichermarkt nämlich deutlich weiterwachsen – getrieben durch die Entwertung von Fiatwährungen.

Aber hier ist der Punkt, den die meisten Menschen übersehen: Der Wertspeichermarkt ist nicht statisch. Tatsächlich ist er in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch gewachsen. Und da die Besorgnis über die Entwertung von Fiatwährungen zunimmt, vermute ich, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.
Matt Hougan in seinem Memo

Matt Hougans Rechnung

Der Bitwise-CIO hat sich angesehen, mit welcher Wachstumsrate die Marktkapitalisierung von Gold seit dem Jahr 2004 gestiegen ist. Diese annualisierte Rate von 13 % projiziert Hougan schließlich in die Zukunft und kommt damit auf rund 121 Billionen US-Dollar, die der Wertspeichermarkt in 10 Jahren groß sein könnte.

In diesem Szenario müsste Bitcoin lediglich 17 % dieses Marktes ausmachen, um in der Siebenstelligkeit zu handeln. Hougan hält das unter dem Strich für „durchaus erreichbar“.

Der Fehler, den Menschen bei der Bewertung des Potenzials von Bitcoin machen, besteht darin, dieses Wachstum zu ignorieren. Wenn sich diese Wachstumsrate fortsetzt, wird der globale Markt für Wertspeicher in 10 Jahren ein Volumen von ~121 Billionen US-Dollar erreichen. Bei diesem Niveau müsste Bitcoin nur 17 % des Marktes einnehmen, um einen Wert von 1 Million US-Dollar pro Coin zu erreichen. Das ist immer noch ein großes Wachstum – von ~4 % auf ~17 % –, aber wenn man die Fortschritte betrachtet, die Bitcoin in letzter Zeit gemacht hat, scheint dies durchaus erreichbar zu sein.
Matt Hougan in seinem Memo

Außerdem verweist er darauf, dass die Marktkapitalisierung von Gold im Jahr 2004, als der erste Gold-Spot-ETF handelbar wurde, gerade einmal 2,4 Billionen US-Dollar betragen hat – also in etwa so viel wie die von Bitcoin aktuell. 

Entsprechend sei, so Hougan, eine Vervielfachung von einem solchen Niveau aus, die Bitcoin für das Erreichen der Marke von 1 Million US-Dollar nötig wäre, durchaus im Rahmen des Möglichen.

Der Bitwise-CIO konkludiert, dass Bitcoin lediglich den aktuellen Trend weiter fortsetzen müsste – und dass das fundamentale Umfeld dies durchaus hergeben würde.

Vor einigen Jahren gab es noch keine US-Bitcoin-ETFs und nur wenige institutionelle Anleger, und Bitcoin galt als zu volatil, um eine Allokation von mehr als 1 % zu rechtfertigen. Heute haben sich Bitcoin-ETFs als die am schnellsten wachsenden ETFs aller Zeiten erwiesen, Bitcoin wird von allen gehalten, vom Harvard-Stiftungsfonds bis zum Staatsfonds von Abu Dhabi, und die langfristige Volatilität von Bitcoin ist so weit zurückgegangen, dass viele professionelle Anleger eine Allokation von 5 % in Betracht ziehen. Es ist noch ein langer Weg, aber angesichts dieser Strömungen erscheint es nicht unrealistisch, dass Bitcoin in 10 Jahren ein Sechstel des Wertspeichermarktes erobert haben wird. Es scheint eher eine Fortsetzung der jüngsten Trends zu sein.
Matt Hougan in seinem Memo

Laut ihm sei zwar möglich, dass es anders kommen wird – etwa durch einen weniger stark steigenden Wertspeichermarkt oder eine Enttäuschung bei dem zukünftigen Anteil, der davon auf Bitcoin entfällt. Ebenso könnte sich die Prognose aber auch als zu konservativ erweisen, so Hougan weiter.

Ich denke jedoch, dass das Risiko ebenso groß ist, dass diese Prognosen zu konservativ sind – dass der Wertspeichermarkt in Zukunft schneller wachsen wird, da die Sorgen um die Staatsverschuldung ein kritisches Niveau erreichen, und dass Bitcoin in 10 Jahren weit mehr als 17 % des Wertspeichermarktes einnehmen wird.
Matt Hougan in seinem Memo

Bitwise-CIO zur aktuellen Marktlage

Zeitgleich mit dem Memo erschien auch ein Interview mit Matt Hougan, in dem er sich zu den Treibern hinter der schwachen Bitcoin-Performance der vergangenen Monate äußerte. Laut ihm ist der primäre Grund, dass große Halter in Antizipation des 4-Jahres-Zyklus einige BTC abgestoßen haben.

Ich glaube, der Grund, wieso Bitcoin eingebrochen ist, ist, dass Menschen, die viele Bitcoin gehalten haben, ihre Bitcoin in Antizipation des 4-Jahres-Zyklus verkauft haben.
Matt Hougan im Interview

Hougan erklärt, dass der Bärenmarkt schon deutlich vor dem Allzeithoch im Oktober 2025 eingesetzt habe. Ihm zufolge begann der „Krypto-Winter“ in etwa zur Amtseinführung von Donald Trump; die große institutionelle Nachfrage habe dies jedoch zeitweise überschatten können.

Der 4-Jahres-Zyklus ist dem Rest des Krypto-Marktes bekannt. Und wenn man sich die Daten ansieht, stellt man fest, dass im Dezember 2024, also praktisch zu Beginn des Jahres 2025, ETFs, also institutionelle Anleger, große Mengen an Bitcoin kauften, während Privatanleger große Mengen an Bitcoin verkauften.
Matt Hougan im Interview

Um diese These zu untermauern, führt er außerdem an, dass sich Krypto-Assets ohne ETFs seit Januar 2025 im Sinkflug befinden und Bitcoin zu der Zeit auch das bisherige Allzeithoch gegenüber Gold erreicht hat.

Die jüngste Underperformance von Bitcoin gegenüber Gold erklärt sich Hougan dadurch, dass Zentralbanken seit Ausbruch des Ukrainekriegs große Mengen des Edelmetalls gekauft haben, während Bitcoin noch keine große Rolle für sie spielt.

Der Grund für den Anstieg des Goldpreises ist, dass die Zentralbanken 2022 begonnen haben, Gold zu kaufen, nachdem die USA die Vermögenswerte Russlands eingefroren hatten. Das lässt sich auch in den Daten nachvollziehen. [...] Die Zentralbanken kaufen keine Bitcoin. Ich denke, dass sie es tun werden, aber derzeit kaufen sie keine Bitcoin.
Matt Hougan im Interview

Letztlich kommt er zu dem Fazit, dass Bitcoin gerade attraktiver als Gold sei und der „Krypto-Winter“ früher vorbei sein könnte, als viele annehmen. Denn, so sein zentraler Punkt, der Bärenmarkt läuft bereits seit mehr als einem Jahr.

Und deshalb glaube ich wirklich nicht, dass es Oktober war. Ich denke, die Daten deuten darauf hin, dass es etwa am 1. Januar begann oder vielleicht als Trump sein Amt antrat oder so, jedenfalls ungefähr zu dieser Zeit. Es ging einfach unerbittlich bergab für alles außer die ETF-Nachfrage. Und ja, ich denke, wir sind näher am Ende des Winters, als viele Leute denken.
Matt Hougan im Interview

Bitcoin vor großer Rallye?

Obwohl Hougan überzeugt ist, dass das Schlimmste schon überstanden sein dürfte, rechnet er mit einer zäheren Erholung, die sich durchaus noch hinziehen könnte. 

Durch den Eintritt der institutionellen Investoren in den Markt finde ein Strukturwechsel statt, der in weniger explosiven, dafür aber viel nachhaltigeren Anstiegen in der Zukunft führen dürfte, so der Bitwise-CIO.

Das neue Geld, das hereinkommt, fließt nur langsam und wird auch weiterhin langsam und stetig fließen. Das könnte langweilig sein. Ich glaube, dass es ein großartiger Bullenmarkt werden wird, aber im Vergleich zu früheren Bullenmärkten könnte er etwas langweilig sein.
Matt Hougan im Interview

Langfristig betrachtet dürfte es aber keine große Rolle spielen, ob der Boden jetzt schon erreicht ist oder noch ein paar Monate der Schwäche bevorstehen.

Wenn man sein Szenario, in dem Bitcoin in 10 Jahren bei 1 Million US-Dollar stehen würde, für wahrscheinlich erachtet, dann ist das aktuelle Niveau schon ein äußerst attraktives für den Einstieg. 

Letztlich gilt es bei solchen langfristigen Ausblicken aber immer auch zu berücksichtigen, dass die Kaufkraft von 1 Million US-Dollar in 10 Jahren voraussichtlich deutlich niedriger sein wird.

Die zentrale Frage bleibt aber, welches Asset vor der Entwertung des Fiatgeldes am besten schützen kann. Bitcoin hat es über langfristige Zeiträume betrachtet bislang am besten getan. Und Matt Hougans Szenario impliziert, dass BTC auch in den kommenden 10 Jahren Gold deutlich outperformen wird.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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