Eric Demuth, Mitgründer der Krypto-Börse Bitpanda, ist überzeugt, dass sich Deutschland bei den Krypto-Steuern nicht Österreich zum Vorbild nehmen sollte. Die in unserem Nachbarland bereits erfolgte Abschaffung der Haltefrist sei „eine extrem dumme Entscheidung“ gewesen. Es habe zu mehr Bürokratie, mehr Komplexität für Nutzer und kaum zusätzlichem Nutzen für den Staat geführt. Dennoch gibt es auch hierzulande ernste Bemühungen, die Haltefrist zu kippen.

Dauerthema Haltefrist

Seit den Koalitionsverhandlungen Anfang 2025 ist klar, dass es ein großes Anliegen der SPD ist, die steuerfreie Haltefrist für Krypto-Gewinne abzuschaffen. Auch Politiker von Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen haben sich bereits mehrfach dafür ausgesprochen, die sogenannte „Krypto-Lücke“ zu schließen.

In der vergangenen Woche kam das Thema wieder auf, nachdem der bekannte Influencer „Techaktien“ behauptete, die CDU würde sich kompromissbereit zeigen – was sich als ausgedachte Fake News herausstellte. Zeitgleich fand Bitpanda-Mitgründer sowie ehemaliger CEO Eric Demuth klare Worte zu der kontroversen Idee.

Info

In Österreich wurde mit der Steuerreform 2022 die Haltefrist abgeschafft. Seither werden Krypto-Gewinne immer mit einer Kapitalertragssteuer von 27,5 % belegt. Kryptowährungen, die vor dem 28. Februar 2021 gekauft wurden, bleiben von der Regeländerung unberührt.

Klare Worte des Bitpanda-Mitgründers

In einer Antwort auf der Plattform 𝕏 positioniert sich Demuth eindeutig gegen die Abschaffung der Haltefrist – und das, obwohl er es in einem Ende 2021 erschienenen Artikel noch als eine „an sich richtig gute Sache“ einordnete. Nur an der praktischen Umsetzung gebe es Punkte, die nicht machbar seien, so der Bitpanda-Gründer damals.

An sich ist das eine richtig gute Sache, weil man damit Krypto in die steuerlich in die Finanzwelt holt und Aktien gleich stellt – das ist genau das Richtige. Das macht total Sinn.
Eric Demuth

Rückblickend scheint er das Ganze inzwischen etwas anders einzuordnen. Jetzt spricht Demuth von einer „extrem dummen Entscheidung“, die zu mehr Bürokratie, mehr Komplexität für Nutzer und kaum zusätzlichem Nutzen für den Staat geführt habe.

Besonders spannend ist auch seine Aussage dazu, wie das Ganze vorangebracht wurde. Laut ihm waren Krypto-Steuer-Startups und deren Beraterumfeld die treibende Kraft, mit der Absicht, das eigene Geschäft zu beflügeln. Dabei sollen, so Demuth, sogar die Politiker mit „Fantasiezahlen“ geblendet worden sein. 

Die Idee wurde damals massiv von Krypto-Tax-Startups und deren Consulting-Umfeld gepusht, die Politiker mit Fantasiezahlen und hohen Steuereinnahmen geblendet haben, um ihr eigenes Geschäftsmodell zu stärken.
Eric Demuth

Seine Empfehlung für Deutschland lautet entsprechend:

Deshalb sage ich auch der deutschen Politik: Schaut nach Österreich. Genau so sollte man es nicht machen.
Eric Demuth

In einer weiteren Antwort räumte Demuth zudem ein, dass er sich rückblickend viel früher dagegen hätte aussprechen sollen. Unter dem Strich positioniere sich Bitpanda aber jetzt klar gegen die Steueränderung:

Parallelen zu Deutschland

In Deutschland fußt die Begründung dafür, die sogenannte „Krypto-Lücke“ zu schließen, ebenfalls auf höchst fragwürdigen Zahlen. Prof. Dr. Co-Pierre Georg, Direktor des Frankfurt School Blockchain Center und Nachfolger des verstorbenen Philipp Sandner, betreibt aktive Lobbyarbeit mit vermeintlichen Milliardensummen, die dem Staat wegen der Haltefrist entgehen würden.

Erst in der vergangenen Woche veröffentlichte er einen Beitrag mit dem Titel „Die Kryptohaltefrist – Deutschlands überflüssigstes Steuergeschenk“ für das Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI). Sein Hauptargument: Allein im Jahr 2024 seien 11,4 Milliarden Euro an potenziellen Steuereinnahmen durch die „Krypto-Lücke“ verloren gegangen.

Seine Zahlen fußen auf Hochrechnungen des Krypto-Steuer-Tools Blockpit, dem es ebenfalls ein Dorn im Auge sein könnte, wenn die Bürger ihre Kryptowährungen steuerfrei verkaufen dürfen. Florian Wimmer, CEO und Gründer von Blockpit, erklärte in einem Podcast Ende 2021 im Kontext von Österreich, wieso ein Wechsel auf die Kapitalertragssteuer nicht unbedingt schlecht sei.

Prof. Dr. Co-Pierre Georg wurde derweil schon von der Partei Die Linke in den Bundestag eingeladen, um für die Schließung der Krypto-Lücke zu argumentieren. Max Lucks, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, bezog sich in der Diskussion zum Krypto-Gesetz DAC 8 zudem auf seine Zahlen.

Was die Umsetzung von DAC 8 aber nicht behebt, ist Deutschlands Rolle als Steuerparadies für Krypto-Spekulationen in Europa. Und genau das ist auch in der öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses deutlich geworden. Das war gar nicht ich, Herr König, der von den Milliarden gesprochen hat, sondern Prof. Dr. Co-Pierre Georg von der Frankfurt School of Finance. Und der hat deutlich gemacht: In Deutschland wurden 2024 47 Milliarden Euro Krypto-Gewinne erzielt – Davon waren aber nur 17 Milliarden Euro steuerpflichtig, weil für Krypto eine Spekulationsfristausnahme angewandt wird, die eigentlich für Kunstwerke oder Armbanduhren gedacht ist. Und ja, das ist deshalb ein Skandal, weil es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist. […] Die Krypto-Lücke kostet uns Milliarden und sie ist ungerecht – sie muss beendet werden.
Max Lucks, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen

Wie wichtig dem Direktor des Frankfurt School Blockchain Center die Abschaffung der Haltefrist ist, zeigt sich unter anderem auch dadurch, dass er dafür eine eigenständige Website errichtet hat. Auf kryptoluecke.de sowie auch in dem ZEVEDI-Beitrag stellt er sogar in Anlehnung an die Bemühungen in den Niederlanden die Option in den Raum, unrealisierte Gewinne zu versteuern.

Eine Änderung mit verheerenden Folgen

Ob sich die Besteuerung von Krypto-Gewinnen in Deutschland ändern wird, hängt aber noch von der Kanzlerpartei ab. Diese hat mit der Bitcoin-freundlichen AfD aktuell nämlich genügend Sitze im Bundestag, um eine von den anderen Parteien angestrebte Abschaffung der Haltefrist zu blockieren.

Politiker der CDU argumentieren derweil, dass man sich für Rechtssicherheit einsetzen wolle und es keinen überzeugenden steuerpolitischen Grund für die Abschaffung der Haltefrist geben würde. Außerdem hat es die Position bekanntlich nicht in den Koalitionsvertrag mit der SPD geschafft. Für deutsche Bitcoin- und Krypto-Halter gilt demnach zu hoffen, dass die CDU nicht einknickt.

Dass der Mitgründer und „Executive Chairman“ von Bitpanda, dem ersten österreichischen Unicorn, davor warnt und zeitgleich betont, dass es das Unternehmen Ressourcen gekostet und bei anderen Produkten zurückgeworfen hat, ohne dem Staat einen nennenswerten Vorteil gebracht zu haben, sollte Politikern hierzulande zu denken geben.

Hinzu kommt natürlich auch noch, dass eine Änderung womöglich zu der Abwanderung von vielen wohlhabenden Bitcoin-Haltern führen könnte. Diese wären dann beispielsweise im Nachbarland Tschechien, in dem erst kürzlich eine dreijährige Haltefrist eingeführt wurde, finanziell betrachtet wohl besser aufgehoben.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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