Das größte Mining-Unternehmen der Welt hat alle 1.132,9 Bitcoin verkauft. Auch dabei spielt die Expansion in Richtung Künstliche Intelligenz eine Rolle, die bereits mehrere Miner dazu veranlasst hat, ihre BTC-Bilanz zu reduzieren. Wie wirkt sich das auf den Bitcoin-Kurs aus?

Bitdeer verkauft alle BTC

Bitdeer, das nach Hashrate größte Bitcoin-Mining-Unternehmen der Welt, hat den gesamten Bitcoin-Bestand verkauft. Das geht aus dem neuen wöchentlichen Update hervor, das Bitdeer auf der Plattform 𝕏 geteilt hat.

Info

Die gesamte verwaltete Hashrate von Bitdeer beträgt 71 Exahashes pro Sekunde (EH/s). Davon sind 55,2 EH/s selbst betrieben. Damit hat Bitdeer das Unternehmen MARA Holdings, das zuletzt 61,7 EH/s an verwalteter Hashrate gemeldet hatte, inzwischen überholt.

Zu Beginn der vergangenen Woche hielt das Unternehmen noch 943,1 BTC. Hinzu kamen 189,9 BTC, die die in Singapur ansässige Aktiengesellschaft neu geschürft hat. 

Insgesamt wurde der Bestand nun jedoch auf 0 reduziert, also hielt Bitdeer zum 20. Februar gar keine Bitcoin mehr.

Im November 2025 saß das Unternehmen noch auf mehr als 2.470 Bitcoin. Dem zuvor ging eine kontinuierliche Vergrößerung der BTC-Bilanz. 

In den vergangenen drei Monaten wurden die Holdings jedoch schrittweise reduziert. Grundsätzlich treten Mining-Unternehmen häufig auf der Verkäuferseite auf, doch dass Bitdeer inzwischen gar keine Bitcoin mehr hält, sorgte für Aufsehen am Markt.

Bitdeer sah sich am heutigen Tag schließlich dazu genötigt, eine Stellungnahme zu dem Verkauf abzugeben. Dabei betonte das Unternehmen, dass die Entscheidung die Märkte nicht verunsichern sollte und der Grund gewesen sei, Cash aufzutreiben, um sich für den Kauf von Grundstücken vorzubereiten.

Unsere Entscheidung, Bitcoin zu verkaufen, sollte für den breiteren Markt kein Grund zur Sorge sein. Wir prüfen derzeit mehrere unverbindliche Möglichkeiten zum Erwerb von Grundstücken mit Strompotenzial und halten es für sinnvoll, jetzt Liquidität aufzubauen. Unsere Hash-Rate wird weiter steigen, und wir werden im Interesse unserer Aktionäre weiterhin mehr Bitcoin schürfen.
Bitdeer auf 𝕏

Mit dem Statement machte Bitdeer also deutlich, dass das Vertrauen in Bitcoin nicht verloren wurde und der Mining-Betrieb weiterhin ausgebaut werden soll.

Auf den Bitcoin-Kurs dürfte die Veräußerung der 1.132,9 Bitcoin letztlich keinen nennenswerten Einfluss gehabt haben, da die Summe im Gesamtkontext nicht wirklich ins Gewicht fällt. Das Unternehmen Strategy kaufte in den vorangegangenen beiden Wochen beispielsweise jeweils mehr als das hinzu.

Meist sind es jedoch in erster Linie erst die Schlagzeilen zu Verkäufen, die für fallende Kurse sorgen – und nicht der Verkaufsdruck selbst. Doch die Meldung von Bitdeer gab es bereits am Freitag und BTC konnte im Tagesverlauf zulegen. Die Bitdeer-Meldung steht also wohl nicht im direkten Zusammenhang mit dem heute fallenden Bitcoin-Kurs.

Trend: Mining-Unternehmen verkaufen

Letztlich reiht sich die Entwicklung bei Bitdeer aber in einen größeren Trend ein: In den vergangenen Wochen haben einige Mining-Unternehmen nämlich Bitcoin abgestoßen, um das Geschäftsmodell weiter auszubauen. Dabei spielt oft die Expansion in Richtung Künstlicher Intelligenz (KI) beziehungsweise "High Performance Computing (HPC)" eine übergeordnete Rolle.

Riot Platforms gab Mitte Januar beispielsweise bekannt, 1.080 Bitcoin verkauft zu haben, um zusätzliches Land an einem Standort zu erwerben. Dies verkündete das Mining-Unternehmen im Zuge eines 10-Jahres-Deals mit dem führenden Chiphersteller AMD. Und auch der börsennotierte Miner Cango reduzierte kürzlich die Bitcoin-Bilanz von 8.096 auf 3.645 BTC, um die KI-Neuausrichtung zu finanzieren und Schulden zurückzubezahlen.

Bitdeer befindet sich ebenfalls in dem Prozess, das Geschäftsmodell mit KI zu erweitern. Am 20. Februar verkündete das Unternehmen zusätzlich, mehr als 300 Millionen US-Dollar über die Ausgabe von Wandelanleihen einzunehmen, um unter anderem Schulden zu restrukturieren und das KI-Cloud- und HPC-Geschäft auszubauen.

Sollte der Trend anhalten, dass Mining-Unternehmen vermehrt Bitcoin für die KI-Expansion verkaufen, könnte es zu weiterem Abgabedruck bei Bitcoin führen. In ihrer Gesamtheit halten Mining-Unternehmen nämlich über 100.000 Bitcoin. Mehr als 50.000 davon entfallen auf MARA Holdings, ein Mining-Unternehmen, das die Rechenzentren ebenfalls bereits für KI-Anwendungen zur Verfügung stellt. MARA Holdings plant jedoch, die BTC im Rahmen der Treasury-Strategie weiterzuhalten.

Starinvestor Michael Burry warnte kürzlich zusätzlich davor, dass es bei einem weiter fallenden Bitcoin-Kurs zu einer Art Todesspirale kommen könnte, bei der viele Mining-Unternehmen ab einem Kurs von 50.000 US-Dollar sogar ihre Pforten schließen und alle BTC veräußern müssen.

Bitcoin hat jedoch einige dieser sogenannten „Miner-Kapitulationen“ bereits überlebt. Hinzu kommt, dass Strategy alleine im vergangenen Jahr mehr Bitcoin kaufte, als alle Mining-Unternehmen zusammen halten. Unter dem Strich sind die Sorgen also unbegründet – auch bezogen auf die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks, die infolge des von Burry skizzierten Szenarios deutlich zurücklaufen müsste. Die Hashrate befindet sich aktuell nämlich nahe des Allzeithochs. Das Bitcoin-Netzwerk hat durch den KI-Trend also nicht an Robustheit einbüßen müssen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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