Jack Mallers stellt Pläne für XXI vor – und es hagelt Kritik
Bei Twenty-One Capital (XXI), der zweitgrößten „Bitcoin Treasury Company“, war lange unklar, wie sie überhaupt Mehrwert für Aktionäre erwirtschaften soll. Jetzt stellte CEO Jack Mallers auf der Bitcoin-Konferenz in Las Vegas erstmals konkrete Pläne vor. Der erste Schritt nach dem IPO im Dezember 2025 soll jetzt ein Merger mit seinem anderen Unternehmen Strike sowie Elektron Energy, einer Mining-Plattform von Tether, sein. Aus der Bitcoin-Community hagelt es Kritik.
XXI mit Börsengang ohne Informationen zum Geschäftsmodell
Im April 2025 gab es eine große Meldung: Bekanntgegeben wurde, dass Strike-Gründer und -CEO Jack Mallers in Kooperation mit Tether, Bitfinex, Softbank und Cantor Fitzgerald eine neue „Bitcoin Treasury Company“ an den Start bringen wird.
Sowohl der Stablecoin-Emittent Tether als auch die Krypto-Börse Bitfinex und die große japanische Holdinggesellschaft Softbank brachten Mittel im Gegenzug für Anteile ein. Cantor Fitzgerald, der vom Sohn des US-Handelsministers geführte Finanzdienstleister, stellte die Infrastruktur für den Börsengang via SPAC bereit.
Im Dezember 2025 feierte Twenty-One Capital mit dem Ticker XXI dann das Debüt an der NYSE. Doch einige Monate später ließen Informationen dazu, wie das Geschäftsmodell überhaupt konkret aussehen soll, immer noch auf sich warten.
Dies sorgte bereits für scharfe Kritik. Denn CEO Jack Mallers erklärte selbst noch im Januar dieses Jahres, dass er enttäuscht wäre, wenn er die Pläne nicht im ersten Quartal dieses Jahres vorstellen sollte.
Ein Problem ist, dass in der Investorenpräsentation aus April 2025 noch davon die Rede war, dass die Aktiengesellschaft Bitcoin akkumulieren und so die Ratio „Bitcoin je Aktie“ steigern wolle, aber bis heute immer noch keine BTC gekauft wurden. Währenddessen wurde der „Key Performance Indicator“, also „BTC je Aktie“, wieder von der Website entfernt.
Der in der vergangenen Nacht auf der Bitcoin-Konferenz vorgestellte Plan, der in der Community auf gemischtes Feedback stößt, könnte jetzt erklären, wieso XXI den Investoren nicht mehr zeigen möchte, wie viele BTC pro Aktie sie besitzen.
Geplanter Merger mit Strike und Elektron
Mehrere Stunden bevor Jack Mallers auf der Bitcoin-Konferenz in Las Vegas auftrat, gab es bereits eine Pressemitteilung des Anteilseigners Tether. In dieser sprach sich der größte Stablecoin-Emittent für einen Zusammenschluss von Twenty-One Capital mit dem Bitcoin-Dienstleister Strike und der eigenen Mining-Plattform Elektron Energy aus.
Im Rahmen dieser Initiative beabsichtigt Tether Investments, mit seinen Aktien für eine geplante Fusion zwischen XXI und Strike, einem führenden Anbieter von Bitcoin-Finanzdienstleistungen, sowie für eine geplante Fusion der zusammengeschlossenen Unternehmen mit Elektron Energy, einer großen Bitcoin-Mining-Plattform, zu stimmen.
Tether in der Pressemitteilung
In seiner Keynote erklärte Mallers dann schließlich, was das Ziel dahinter sein soll. Er möchte Twenty-One Capital zu einem Bitcoin-Unternehmen machen, das nicht nur das Asset auf der Bilanz hält, sondern auch operativ in dem Sektor tätig ist. Schon in den Monaten zuvor verlagerte sich die Kommunikation eher in diese Richtung und entsprechend weg von einem reinen „Bitcoin-Treasury-Ansatz“.
Mallers unterstrich dieses Vorhaben durch einen Vergleich mit anderen Aktiengesellschaften. Dabei sagte er, dass es zum einen Unternehmen wie Coinbase gibt, die ein starkes operatives Geschäft, aber wenig Bitcoin-Überzeugung haben. Dies untermauerte er mit der Tatsache, dass Coinbase mehr als 10 Milliarden US-Dollar in Cash hält, während die Bitcoin-Reserve nur rund 1 Milliarde US-Dollar schwer ist.
Auf der anderen Seite gebe es Unternehmen wie den größten BTC-Firmenhalter Strategy, der alles auf Bitcoin setzt, aber ein nicht mehr ins Gewicht fallendes Softwaregeschäft ohne BTC-Bezug hat. Das Problem dieser Unternehmen sei, dass sie weder Dienstleistungen im Sinne der Community anbieten noch relevante operative Einnahmen erzielen.
Twenty-One Capital möchte, so Mallers, das Beste aus beiden Welten kombinieren, also im Rahmen der Bilanz „all in“ sein bei gleichzeitigem Bitcoin-fokussierten Kerngeschäft. Dies unterstrich er im Rahmen seines Vortrags mit einer Grafik und den folgenden Worten:
Das ist also die Vision für Twenty-One. Twenty-One wird im oberen rechten Quadranten angesiedelt sein. Das ist meine Vision. Deshalb unterstütze ich unseren größten Aktionär und meinen Mitgründer bei dieser neuen strategischen Ausrichtung – und deshalb bin ich als CEO außerordentlich begeistert davon. Denn ehrlich gesagt, und das sage ich euch ganz offen: Genau dafür bin ich hier.
Jack Mallers in der Präsentation
Mit Erträgen aus den operativen Tätigkeiten der Unternehmen, die übernommen werden sollen, könnten weitere Bitcoin für die Aktionäre erwirtschaftet werden. Mallers stellte auch die Option in den Raum, Dividenden von potenziell folgenden Vorzugsaktien dann nicht durch die Ausgabe von Stammaktien finanzieren zu müssen – wie es Strategy tut. Doch der geplante Deal dürfte erst einmal dafür sorgen, dass die XXI-Aktionäre weniger Bitcoin indirekt besitzen als vorher.
Kritik an den Plänen von XXI
Insbesondere Strike ist ein in der Community beliebtes Unternehmen. Der Dienstleister verfolgt nämlich einen Bitcoin-Only-Ansatz mit Lightning-Integration und bietet inzwischen auch BTC-besicherte Kredite an.
Viele Bitcoiner würden wohl gerne an dem laut Mallers profitablen Unternehmen beteiligt sein, doch die Umsetzung wirft Fragen auf – speziell, wie dafür gezahlt werden soll. Bislang gibt es lediglich eine Absichtserklärung und keine weiteren Informationen.
Da für die Übernahme wohl kaum Teile der 43.514 Bitcoin verkauft werden dürften, wird es wohl auf einen Aktiendeal hinauslaufen, also dass die Eigentümer der Unternehmen Strike und Elektron Energy mit neuen XXI-Aktien ausbezahlt werden.
Das ist vor allem bei „Bitcoin Treasury Companies“ eine gängige Praxis. So übernahm Strive beispielsweise Semler Scientific. Für die Ratio „BTC je Aktie“ dürfte das in dem Fall aber negativ sein, da sich der Wert von Elektron und Strike nicht in erster Linie aus der Bitcoin-Bilanz zusammensetzt.
Dies dürfte erklären, wieso dieser „Key Performance Indicator“ schon lange nicht mehr auf der Website angezeigt wird. Zudem würde das im Konflikt mit der zuvor kommunizierten Strategie, immer mehr Bitcoin pro Aktie zu erwirtschaften, stehen – auch wenn die Erträge aus dem Kerngeschäft der Unternehmen nachgelagert in Bitcoin gesteckt werden könnten, was dann der „BTC Yield“ zugutekommen würde.
Die andere zentrale Frage bei solchen Übernahmen ist die Höhe der Kosten, also zu welcher Bewertung übernommen werden soll. Hier könnte ein Interessenkonflikt bestehen, da sowohl Tether als auch Jack Mallers wohl viel an einem hohen Buy-Out-Preis liegen dürften.
Selbst wenn Jack Mallers und Tether als Aktionäre selbst von einem steigenden Preis der XXI-Aktie profitieren, haben solche Deals keine gute Außenwirkung. Es erweckt nämlich den Anschein, als sei diese Aktiengesellschaft primär dafür ins Leben gerufen worden, um „Exit-Liquidity“ für die eigenen Unternehmen zu finden.
Diese Kritik kam auch auf, als die gescheiterte „Bitcoin Treasury Company“ Nakamoto, die inzwischen sogar 284 Bitcoin verkaufen musste, zwei Unternehmen von CEO David Bailey in einem Aktiendeal übernommen hat.
Cory Klippsten, der Gründer des Bitcoin-Dienstleisters Swan, wirft Twenty-One Capital sogar vor, gegen SEC-Richtlinien zu verstoßen. Er argumentiert, dass der CEO von Elektron Energy im Board von Twenty-Capital sitzt und als „unabhängig“ verkauft wird, während er eine zentrale Entscheidungsmacht über den angestrebten Übernahmedeal hat. Die Kritik rührt wohl auch daher, dass Klippsten überzeugt ist, Tether habe Elektron Swan von „innen heraus“ gestohlen.
Überdies bekleckerte sich der Swan-Gründer auch selbst nicht gerade mit Ruhm. Als strategischer Berater der unter Druck geratenen „Bitcoin Treasury Company“ Sequans sprach er von einer „starken Bilanz“. Später musste das Unternehmen rund die Hälfte der Bitcoin-Bestände verkaufen, um Schulden zu tilgen. Demnach ist er wohl nicht die beste Person, die einem anderen Unternehmen „irreführende Kommunikation“ vorwerfen sollte.
Jack Mallers blamiert sich mit Aussage über Michael Saylor
Einen Tag vor seiner großen Ankündigung nahm Jack Mallers auch an einem Panel im Rahmen der Bitcoin-Konferenz teil. Dabei tätigte er eine Aussage, die Wellen schlug und fehlendes Verständnis rund um Strategy, die größte „Bitcoin Treasury Company“, offenbarte.
Er behauptete nämlich, dass Michael Saylor die Investoren ausgehen würden, die ihm Geld für 0 % Zinsen geben wollen würden, und er jetzt mehr als 10 % bezahlen müsse. Bekanntlich schüttet STRC, die relevanteste Vorzugsaktie von Strategy, eine Dividende von derzeit 11,5 % aus.
Nehmen wir mal Michael Saylor und Strategy als Beispiel. Saylor hat sich früher Geld zu 0 % geliehen. Glaubst du, er wurde das leid und bevorzugt jetzt 11, 12, 13%? [...] Wahrscheinlich nicht, oder? Er tut es, weil ihm die Leute ausgegangen sind, die ihm noch Geld zu 0 % geben wollten.
Jack Mallers
WTF.@JackMallers is (again) taking shots at Michael @Saylor.
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) April 29, 2026
He's saying that he's run out of people who would lend him money for 0% interest and now needs to pay 11.5% for $STRC.
He's not getting it at all.
You can't compare preferreds with convertible notes.
🧵 pic.twitter.com/vaQ1rg5Q1s
Was er nicht zu verstehen scheint, ist, dass Zinsen auf Wandelanleihen überhaupt nicht mit Dividenden von Vorzugsaktien zu vergleichen sind. Der bekannte Bitcoin-Kritiker Peter Schiff bediente sich dieses Argumentationsfehlers bereits zwei Tage zuvor.
Strategy konnte Wandelanleihen zu teilweise 0 % Zinsen ausgeben, weil die damit einhergehende Umwandlungsoption in die MSTR-Aktie das gerechtfertigt hat. So konnten die Geldgeber mit begrenztem Risiko an dem potenziellen Erfolg von Strategy beziehungsweise Bitcoin profitieren. Darüber hinaus kauften Hedgefonds die Wandelanleihen, um gleichzeitig die MSTR-Aktie zu shorten, und so quasi risikofrei zu profitieren, egal wohin sich der MSTR-Kurs bewegt.
Vorzugsaktien wie STRC hingegen zahlen lediglich eine Dividende. Hier sind Renditen von 0 % entsprechend unvorstellbar. Hinzu kommt, dass Vorzugsaktien in der Kapitalstruktur zwischen Anleihen und der Stammaktie stehen. Das heißt, im Falle einer Insolvenz werden die Halter der Vorzugsaktien erst nach den Kreditgebern bedient. Strategy kann die Dividenden zudem einfach aussetzen, ohne dass diese wie Zinsen auf Anleihen oder Kreditsummen eingeklagt werden können.
Dieses höhere Risiko in Kombination mit der fehlenden Umwandlungsoption erklärt die von Mallers angesprochene „Zinsdifferenz“. Strategy könnte zudem ohne Probleme weitere Wandelanleihen für 0 % Zinsen ausgeben, doch das Unternehmen möchte sich von dieser Kapitalbeschaffungsmethode gänzlich verabschieden. Der Markt ist nämlich verhältnismäßig klein und lässt sich nicht so gut skalieren. Privatanleger dürfen tatsächlich auch gar keine Wandelanleihen direkt kaufen.
Die Vorzugsaktien, die zu über 80 % von Retail-Investoren gehalten werden, haben eine unendliche Laufzeit, was heißt, dass das initial eingesammelte Geld nie zurückgezahlt werden muss. Bei Wandelanleihen hingegen müsste Strategy im „Worst Case“ auf einen Schlag viel Geld auftreiben, wenn der Tilgungszeitpunkt gekommen ist und die Marktbedingungen schlecht sind.
Ob Jack Mallers diese Unterschiede nicht blickt oder Strategy einfach nur schlechtreden möchte, ist unklar. Auf seiner Keynote sprach er zwar großes Lob für Michael Saylor aus, doch auch schon die damalige Investorenpräsentation warf kein gutes Licht auf den XXI-CEO in diesem Kontext.
Damals verglich er Twenty-One Capital nämlich anhand mehrerer Merkmale mit Strategy, um den Punkt zu machen, dass sein Unternehmen überlegen sei. Ein Punkt dabei war, dass XXI ein „Pure Play“ sei.
Mit einer Übernahme von zwei Unternehmen, die keine „Bitcoin Treasury Companies“ sind und deren Erfolg zu einem noch größeren Anteil von Faktoren abseits des Bitcoin-Kurses abhängt, kann dies wohl nicht mehr so leicht behauptet werden.
Die nächste gescheiterte „Treasury Company“?
Jack Mallers hat im Vorhinein große Reden geschwungen, aber bislang nicht geliefert. Anstatt mehr Bitcoin zu kaufen und Aktionären wie versprochen mehr BTC pro Aktie zu liefern, gibt es jetzt wohl erst einmal die Übernahme zweier Unternehmen, nach denen eine Aktie deutlich weniger Bitcoin repräsentieren dürfte.
Obwohl Mallers Twenty-One Capital nicht mehr als „Bitcoin Treasury Company“ bezeichnen möchte, bleibt er dabei, dass die Aktiengesellschaft weitere Bitcoin akquirieren soll.
XXI verleihe der Überzeugung nämlich Ausdruck, „indem wir so viele Bitcoin wie möglich erwerben“, so Mallers bei seiner Keynote. Einen Kauf gab es bekanntlich aber noch nicht.
Unter dem Strich scheinen die deutlich schlechter gewordenen Marktbedingungen XXI davon abgebracht zu haben, noch Strategy und Co. kopieren zu wollen.
Dafür sollen jetzt Unternehmen übernommen werden, die sich im Besitz des Managements befinden.
Diese Maßnahme, die an die Übernahme von BTC Inc. und UTXO Management durch Nakamoto erinnert, wird sogar vom renommierten Analysten Matthew Sigel vom Vermögensverwalter VanEck als kritisch eingeordnet.
Genau das meine ich, wenn ich mich hier über Transaktionen mit nahestehenden Parteien beschwere.
Matthew Sigel zur geplanten Übernahme
Now this is what I'm talking about
— matthew sigel, recovering CFA (@matthew_sigel) April 30, 2026
When I complain about related party transactions in this space https://t.co/9Vt50TmYEZ
Interessanterweise sagte Mallers vergangenes Jahr noch, dass XXI sogar mehr Bitcoin als Michael Saylors Strategy halten wolle.
Wir wollen der größte Bitcoin-Halter sein. […] Sobald wir die Genehmigung erhalten haben, werden wir diese [Bitcoin-]Position erheblich ausbauen können. Und wir wollen der größte Bitcoin-Inhaber werden. Wir glauben, dass wir das Beste von Strategy nutzen können – nämlich die Rolle als großer Bitcoin-Inhaber und die Fähigkeit zum Aufbau von Beständen, sei es durch die Monetarisierung von Volatilität, günstige Kapitalkosten oder den Zugang zu den Kapitalmärkten – und das Beste von einem Unternehmen wie Coinbase, das als Vorreiter und Marktführer in den Branchen gilt, auf die es sich konzentriert – eine Position, die Tether und ich in unserer Karriere bereits eingenommen haben.
Jack Mallers in einem Interview
Die Realität ist aber, dass Strategy allein seit Jahresauftakt mehr als dreimal so viele BTC gekauft hat, wie Twenty-One Capital auf der Bilanz hält. Allein schon solche Aussagen in Kombination mit den im Mindesten unterschwelligen Angriffen auf Michael Saylor rücken Mallers in kein gutes Licht.
Aktionäre, die XXI zum Höchstkurs Anfang Mai 2025 gekauft haben, sitzen momentan auf einem Verlust von etwas mehr als 85 %. Auf die Ankündigung zur geplanten Übernahme hat die XXI-Aktie aber nicht nennenswert mehr reagiert.