Der Bitcoin-Kurs ist heute zum ersten Mal seit dem 2. Juni wieder über 69.000 US-Dollar gestiegen. Grund dafür scheint ein „Short Squeeze“ zu sein – ausgelöst durch die Meldung, dass das US-Finanzministerium das Rückkaufprogramm langlaufender Staatsanleihen vergrößert.

US-Finanzministerium drückt die Langfristzinsen

Das US-Finanzministerium hat heute bekannt gegeben, die Volumina der Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen ab dem 9. September mindestens zu verdoppeln – von maximal 2 auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation.

Ziel der Maßnahme, die bis zum 4. November gehen soll, sei, das „lange Ende“ mit Liquidität zu versorgen. Dem zuvor ging, dass die Kurse langlaufender US-Staatsanleihen in den vergangenen Wochen deutlich unter Druck geraten sind.

Bei festverzinslichen Wertpapieren führt dies im Umkehrschluss zu höheren Marktzinsen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg gestern noch über 5,33 % und damit auf das höchste Niveau seit dem Jahr 2007.

Nach der Meldung, die heute gegen 14:30 Uhr deutscher Zeit kam, sind die Langfristzinsen, die gestern für Verkaufsdruck an den Aktienmärkten sorgten, wieder zurückgelaufen.

Bitcoin steigt mehr als 7 %

Obwohl Bitcoin zunächst nur verhalten positiv reagierte, ging es am Nachmittag schließlich deutlich bergauf. Bitcoin erreichte gegen 17:30 Uhr in der Spitze einen Kurs von 69.698 US-Dollar, wie Daten der Krypto-Börse Coinbase zeigen.

Damit war Bitcoin zeitweise auf Tagesicht über 7 % im Plus.

Gold und Silber konnten ebenfalls zulegen, um jeweils circa 4 %, während die Aktienmärkte kaum eine Reaktion zeigten.

Grundsätzlich sind niedrigere Langfristzinsen positiv für die Kapitalmärkte – sofern diese nicht durch Rezessionssorgen ausgelöst werden.

Bei der Meldung handelt es sich letztlich aber nicht um Quantitative Easing (QE), also Anleihekäufe der Zentralbank mit neu geschöpftem Geld.

Dies fachte während der Coronapandemie die Kurse von Vermögenswerten – insbesondere Bitcoin – deutlich an.

Jetzt geht es vielmehr um Schuldenmanagement des US-Finanzministeriums, im Zuge dessen eher auf kurzlaufende Anleihen gesetzt werden soll.

Nichtsdestotrotz zeigt die Meldung, dass die USA, die bei den Staatsschulden fast die Marke von 40 Billionen US-Dollar erreicht haben, steigenden Marktzinsen etwas entgegensetzen wollen.

„Short Squeeze“ als Haupttreiber

Dass die heutige Meldung – anders als bei QE – nicht mit einer Liquiditätsflut gleichzusetzen ist, zeigt sich durch das ausbleibende Kursfeuerwerk an den Aktienmärkten.

Der steigende Bitcoin-Kurs dürfte entsprechend auch vor allem durch den „Short Squeeze“ erklärbar sein.

Denn offenbar wurden viele, die auf weiter fallende Kurse gesetzt haben, auf dem falschen Fuß erwischt.

Daten von Coinglass zeigen, dass heute bereits mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar an Bitcoin-Short-Positionen liquidiert wurden.

Damit war es jetzt schon der Tag mit den größten Liquidierungen seit dem Crash Anfang Februar, als vor allem Long-Positionen erwischt wurden.

Ob diese Kursrally nachhaltig sein wird, muss letztlich die Zukunft zeigen.

Interessant ist aber, dass der Bitcoin-Bärenmarkt 2022 mit einem ausgedehnten Short-Squeeze endete, nachdem sich der Kurs in den Wochen zuvor ebenfalls kaum bewegt hatte und das Interesse weitestgehend verschwunden war.

Bitcoin stieg heute auf das höchste Niveau seit dem 2. Juni. Die Chart-Struktur zeigt derweil gewisse Ähnlichkeiten zum Ende des Bärenmarktes 2022, auch wenn die Zyklustheorie eigentlich für fallende Kurse bis in den Oktober hinein spricht.

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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