Bitcoin setzt seine Erholung mit Nachdruck fort. Heute stieg der Kurs wieder auf zeitweise mehr als 85.000 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Ende Januar. Besonders interessant ist dabei weniger die Marke selbst, sondern ein langfristiger technischer Indikator. Bitcoin hat erstmals seit Monaten wieder seinen 50-Wochen-Durchschnitt zurückerobert.

Auch fundamental scheint sich die Stimmung zu drehen. Selbst das Scheitern des CLARITY Act im US-Senat und die überraschend restriktive US-Notenbank konnten Bitcoin zuletzt nur kurzzeitig unter Druck setzen.

Bitcoin durchbricht wichtigen Langzeitindikator

Der sogenannte „50-Week Moving Average“ bildet vereinfacht gesagt den durchschnittlichen Bitcoin-Kurs der vergangenen 50 Wochen ab und wird häufig genutzt, um den übergeordneten Markttrend einzuschätzen.

Technische Indikatoren sollte man natürlich nicht überbewerten, sie können die Zukunft schließlich nicht vorhersagen. Relevant sind sie trotzdem, weil viele Marktteilnehmer auf dieselben Marken schauen und sich dadurch rund um solche Niveaus tatsächlich Kauf- oder Verkaufsdruck entwickeln kann.

Bitcoin hatte eben jene 50-Wochen-Linie im jüngsten Bärenmarkt unterschritten und nun ist der Kurs erstmals wieder nachhaltig darüber gestiegen.

Beim letzten vergleichbaren Ausbruch Anfang 2023 war der große Bärenmarkt praktisch beendet. Anschließend ging Bitcoin in einen mehrjährigen Aufwärtstrend über.

Passend dazu ist Jurrien Timmer, Makrostratege beim Vermögensverwalter Fidelity, optimistisch gestimmt. Kur vor der Rekordrally im August betonte der renommierte Analyst noch, dass er gerade gute Einstiegschancen bei BTC sehe.

In seinem neuen Post erklärt Timmer, dass sich Bitcoin aus der Unterstützungszone um 60.000 US-Dollar gelöst habe. Zusammen mit weiteren Indikatoren spreche das aus seiner Sicht dafür, dass ein neuer für den 4-Jahres-Zyklus typische Bullenmarkt begonnen haben könnte.

Natürlich bedeutet der Sprung über einen gleitenden Durchschnitt nicht automatisch, dass Bitcoin von hier an nur noch steigt. Gerade langfristig betrachtet ist die Rückeroberung der 50-Wochen-Linie aber zumindest ein deutlich positiveres Signal als die kurzfristigen Kursschwankungen der vergangenen Monate.

Schlechte Nachrichten verlieren ihre Wirkung

Interessant ist gleichzeitig, wie Bitcoin zuletzt auf eigentlich negative Nachrichten reagiert hat.

Nach dem Scheitern des CLARITY Act und der anschließenden Zinsanhebung durch die Federal Reserve fiel Bitcoin zunächst kurzzeitig noch einmal auf rund 75.000 US-Dollar. Eine größere Verkaufswelle blieb allerdings aus. Stattdessen drehte der Kurs schnell wieder nach oben und kletterte wenige Tage später zurück über 80.000 US-Dollar.

Wenn schlechte Nachrichten plötzlich kaum noch für nachhaltigen Verkaufsdruck sorgen, kann das ein Zeichen dafür sein, dass viele Verkäufer bereits aus dem Markt gedrängt wurden und die Nachfrage wieder stärker wird.

JPMorgan sieht zusätzliches Potenzial gegenüber Gold

Unterstützung könnte zudem von institutioneller Seite kommen.

Analysten von JPMorgan weisen darauf hin, dass sich Anleger bei Bitcoin derzeit deutlich stärker gegen fallende Kurse absichern als bei Gold. So liegt das Short-Interesse beim BlackRock Bitcoin ETF IBIT vergleichsweise hoch, während es beim großen Gold-ETF GLD relativ betrachtet deutlich niedriger ausfällt.

Sollten Anleger diese Absicherungen wieder abbauen, könnte daraus zusätzlicher Kaufdruck entstehen, so die JPMorgan-Analysten am Donnerstag vergangener Woche.

Demnach bestehe die Möglichkeit, dass Bitcoin in der kommenden Phase Gold outperformen könnte. Dazu passt auch, dass sich Bitcoin-ETFs bislang nur teilweise von ihren zwischenzeitlichen Abflüssen erholt haben, während Gold-ETFs bereits deutlich weiter sind.

Auch Bloomberg-ETF-Analyst Eric Balchunas sieht langfristig weiteres Potenzial. Seine These ist, dass Bitcoin stärker jüngere Anleger anspricht. Wenn deren Vermögen in den kommenden Jahren wächst, könnten auch die Bitcoin-ETFs immer mehr Kapital anziehen. Langfristig hält er es sogar für möglich, dass Bitcoin-ETFs beim verwalteten Vermögen die Gold-ETFs überholen.

Jetzt kommt es auf die 50-Wochen-Linie an

Mit dem Anstieg auf über 85.000 US-Dollar sieht die technische Ausgangslage damit nun jedenfalls deutlich besser aus als noch vor einigen Wochen.

Entscheidend dürfte jetzt sein, ob sich Bitcoin dauerhaft oberhalb des 50-Wochen-Durchschnitts halten kann, denn diese Linie hatte den Markt während des vergangenen Abschwungs lange von oben gedeckelt.

Ob sich die Geschichte von 2023 wiederholt, weiß natürlich niemand. Aber zumindest technisch hat Bitcoin gerade eine Marke zurückerobert, die für den langfristigen Trend durchaus Bedeutung hat.

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René

Über den Autor: René

René ist Blocktrainer-Mitarbeiter der ersten Stunde. Als „Chief Operation Officer“ ist er mittlerweile hauptsächlich mit strategischen und organisatorischen Aufgaben betraut, findet jedoch Freude daran, zeitweise redaktionell tätig zu sein. In den vielen Jahren, in denen er im Bitcoin-Kosmos unterwegs ist, hat er sich ein breit gefächertes Know-how in sämtlichen Bereichen rund um die bedeutendste Kryptowährung angeeignet.

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